Nur für Euch

Liebe Mütter, mir ist da etwas klargew- äh, hallo? Seid Ihr noch da? Also, mir ist da etwas klargeworden. Und zwar habe ich im Urlaub- ah, da seid Ihr ja wieder. Jedenfalls ist mir im gemeinsamen Urlaub mit meiner Schwester klargeworden, was junge Mütter leisten! Es beginnt damit, dass- was? Ja klar, okay, geh schnell! Kein Thema, ich kann warten.

Vielleicht sollte ich mich erstmal bedanken, dass Ihr hier überhaupt regelmäßig lest. Wie macht Ihr das eigentlich? Beim Stillen? Nachts heimlich unter der Bettdecke? Oder immer nur hier und da einen Satz, wenn Eure Kinder gerade mal für eine Minute alleine beschäftigt sind?

Das ist es nämlich, was mir im Urlaub klargeworden ist: Mütter von kleinen Kinder leisten Unglaubliches! Im Grunde hätte mich das nicht überraschen dürfen, ich habe das ja selbst vor gar nicht langer Zeit getan. Irgendwie habe ich es aber wohl vergessen, und als ich sah, wie meine Schwester mit ihren beiden 1 und 3 Jahre alten Kindern rund um die Uhr beschäftigt war, war ich echt baff. Wie schaffen Mütter das?

Kurz zur Einordnung: Ich war mit meinen Söhnen, meiner Schwester und deren beiden Kindern in Holland im Urlaub. Eine ganz wundervolle Woche hatten wir dort (unsere tolle Wohnung könnt Ihr auf Instagram ansehen und ich habe sie Euch in meinen Hollandtipps nochmal verlinkt).

Meine Jungs rannten am ersten Tag los, hatten in fünf Minuten andere Kinder kennengelernt und waren fortan glücklich und beschäftigt. Sie schliefen morgens lange und gingen abends spät ins Bett- alleine, ohne dass ich noch drei Stunden Händchen halten musste, und wenn ich mich abends noch zu ihnen legte, dann nur, weil ICH noch ein Kuschelbedürfnis hatte.

Meine Schwester hingegen wachte morgens um 5:30 auf, weil ihr Kleiner dann ausgeschlafen und unternehmungslustig war. Aber erstmal natürlich eine schöne Guten-Morgen-Milch. Sofort! Von 5:30 bis ca 22 Uhr war meine Schwester dann im Dienst. In jeder Minute hielt sie mindestens ein Kind im oder auf dem Arm. Keine Chance, mal alleine zu duschen oder auf Toilette zu gehen. Beim Essen konnte sie entweder einarmig mit einem Kind auf dem Schoß essen, oder alle 20 Sekunden aufspringen, weil der Kleine etwas umwarf oder aus seinem Hochstuhl aussteigen wollte. Am Strand liefen die Kinder ständig weg, vorzugsweise jedes in eine andere Richtung, wenn das eine gefüttert wurde, musste das andere dringend Pipi, der Kleine fand keine Ruhe zum Mittagsschlaf und musste stundenlang herumgetragen oder gefahren werden, zwischendurch hatte immer irgendeiner Hunger, Durst oder hatte sich verletzt… ihr kennt das. Die Liste ist endlos erweiterbar (klar habe ich mitgeholfen, aber ich bin hat nicht die Mama).

Meine Schwester war wirklich 24/7 im Dienst. Und obwohl ich das ja kenne, obwohl ich das alles selber durchlebt habe, war ich richtig baff. Das Leben junger Mütter grenzt an völlige Selbstaufgabe. Das ist von außen betrachtet eine fast unmenschliche Leistung, die sie da in den ersten Jahren vollbringen.

Nun weiß ich natürlich, dass die Betrachtung von außen nicht der richtige Blickwinkel ist. Denn er lässt ja das Entscheidende außer Acht: Die unendliche Liebe, die man für seine Kinder empfindet, und die diese anstrengenden Jahre mit einer Art Zuckerguss übertünchen. Die körperliche Nähe, die Innigkeit, das ist ein Geschenk und zum Glück sieht man das als Mutter ja auch die meiste Zeit so. Und so funktioniert man, lebt ohne freie Minute, stellt alle eigenen Bedürfnisse hintenan- und ist dabei so verdammt glücklich. Stolz, verliebt. Und das ist gut so! Genießt die Zeit.

Aber dennoch glaube ich, dass es gut ist, auch mal von außen auf diesen härtesten Job der Welt zu schauen. Denn dann bekommt man zu hören: „Wie schaffst Du das bloß?“ „Woher nimmst Du bloß die Energie?“ Und mancher, der keine Kinder hat, wird vielleicht sagen: „Ich könnte das nie!“

Natürlich weiß ich aus eigener Erfahrung auch, dass es Momente gibt, in denen man einfach nur weglaufen möchte! Ich zum Beispiel, bin ein sehr aufbrausender Mensch und es hat mich unendlich viel Kraft gekostet, immer die Ruhe zu bewahren, immer der Fels in der Brandung zu sein. Jedem Erwachsenen, der einem zu viel abverlangt, kann man mal sagen: „Alter, ich pack das nicht mehr, lass mich mal in Ruhe!“ Aber zu seinen Kindern kann man das schlecht sagen. Zugegebenermaßen habe ich gelegentlich auch meine Kinder mal angeraunzt, wenn ich einfach keine Kraft mehr für noch einen Trotzanfall von ihnen hatte. Aber dann war ich eben auch schon ganz schön am Limit.

Ich weiß, wie sehr man im „Funktionieren- Modus“ steckt. Viele Jahre lang. Müdigkeit? Egal! Keine Lust? Nicht erlaubt! Kranksein? Unmöglich! Das geht alles. Und es geht vorbei. Aber wäre es nicht gut, gelegentlich mal einen Schritt zur Seite zu gehen? Ein minikleiner Ausbrecher, um die Akkus aufzuladen?

Ich erinnere mich, wie ich geradezu eifersüchtig auf den Mann war, weil der arbeiten gehen durfte. Da konnte er in Ruhe auf die Toilette gehen, ganz alleine. Er konnte telefonieren, ohne jedes Mal unterbrechen zu müssen: „Sorry, ich ruf nochmal an, der Kleine schreit gerade.“ Und das Beste: Er konnte sich beim Mittagessen oder zwischendurch in der Kaffeeküche mit andere Eltern austauschen!  Wie wohltuend!

Umgekehrt sah es für den Mann ziemlich verlockend aus, wie ich den ganzen Tag zu Hause zu bleiben und sich ganz dem süßen Nachwuchs widmen zu dürfen. Schon klar, alle Beteiligten sind gut eingespannt. Aber es bringt ja nichts, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen und darüber zu streiten, wer den größeren Stress hat. Viel besser ist es doch, sich zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass jeder auch mal eigenen Bedürfnissen nachgehen kann.

Habe ich mir damals Freiräume geschaffen? Eigentlich kaum. Heute habe ich wieder Luft und kann meinen vielen Hobbys nachgehen. Aber viele Jahre lag alles auf Eis und Zeit für mich war Mangelware. Ich habe mich aber auch nicht darum bemüht.

Heute als sozusagen Außenstehende würde ich sagen: Gönnt Euch mal was! Ihr habt das so verdient! Was Ihr leistet ist der Hammer! Jeder Arbeitnehmer hat ein Wochenende, jeder atmet nach Abschluss eines langen Projektes mal durch, jeder macht mal Urlaub. Nur Mütter sind immer im Dienst, mehrere Jahre ohne Pause. Das ist beeindruckend und verdient Bewunderung und Respekt. Leider bekommen Mütter die aber selten und das finde ich nicht richtig.

Also, hab Ihr am Wochenende schon was vor? Es gibt sicher jemanden, der Euch ein paar freie Stunden verschaffen kann. Geht einen Kaffee mit einer Freundin trinken. Bummelt mal ein bißchen durch die Geschäfte. Macht Sport. Bucht einen Termin beim Friseur oder Kosmetiker oder eine Massage! Und lasst Euer Handy zu Hause liegen!

Macht mal etwas nur für Euch! Ihr habt es Euch verdient!

Ein schönes Wochenende!

Eure Halima

5 Kommentare

  1. Liebe Halima, ich bin schon lange ein stiller Mamamia-Fan und mag deine Artikel immer, aber heute hast du der kühlen Norddeutschen das Wasser in die Augen gespült. Einfach Danke, für das Verständnis und das „Sehen“. Ich habe nur zwei Kinder im Alter von 1 und 3, arbeite nur 25 Stunden, bin nicht alleinerziehend, wenn auch oft alleine, da der Mann unter der Woche weg ist und das Resumee dieser laaaaangen Woche mit Feiertag allein mit Kindern ist einfach nur „ich kann nicht mehr“. Ich weiß es geht vorbei…umso wohltuender ist es, wenn eine Mama das sieht, tröstet und Mut macht. Danke!

    • …und es geht tatsächlich vorbei. Bis dahin hoffe ich, du kannst dir mal ein paar Freiräume schaffen. Lg Halima

  2. Liebe Halima,

    ich lese deinen Blog jetzt „schon“ über zwei Jahre und als ich ihn zum ersten Mal entdeckt hab, hab ich auch fast alle alten Einträge gelesen. Ich finde deinen Blog einfach ganz wunderbar und finde es toll, dass du uns an deinem Leben teilhaben lässt. Ich habe eine kleine Maus im Alter vom 19 Monaten. Es ist nicht immer einfach, doch du machst mir mit deinen Einträgen immer so viel Mut. Vor allem mit dem, was du zum Mini geschrieben hast, als er noch ein Baby war und wie es mit eurer Schlafsituation war. Bei uns ist es ähnlich und es gibt mir Kraft zu lesen, dass sich das Alles irgendwann erledigt hat.

    Danke, dass du nochmal ins Bewusstsein rückst, was wir jungen Mütter leisten :-*

    Liebe Grüße

    Esther

  3. Guten Abend! Dieser Beitrag kommt heute gerade richtig in mein Leben: meine zwei Kinder sind 1,6 und 4 und ich bin heute zum zweiten Mal (mit zwei Kindern) alleine (!) ein Wochenende weg um Freundinnen zu treffen, zur Massage zu gehen und allein in einem Bett auszuschlafen. Zum Glück schaffe ich es, meinem Bedürfnis nach Pause und Akku aufladen nachzugehen. Denn sonst gehe ich auch nur auf dem Zahnfleisch vor Schlafmangel. Danke für die Wertschätzung und den Zuspruch, Pause machen zu dürfen. LG

  4. Hallo Halima, so super, dass du aufgelistet hast, was Mütter alles leisten und dass sie dafür unglaublichen Respekt verdienen!
    Mir geht es seit dreieinhalb Jahren so, mit drei Kindern und einem Mann in einem gefährlichen Job. Manchmal will die Verzweiflung wirklich hart zuschlagen, aber Liebe überwindet tatsächlich das alles.

    Und eigentlich müssten Mütter seeeehr viel Geld verdienen….. 😀 für das, was sie leisten.
    So schöner Text!
    Gruß
    Nelli

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