Ich kann das schon alleine (Werbung)

„Messer, Gabel, Scher´und Licht- sind für kleine Kinder nicht!“ Sagt man so.

Messer? Nicht für Kinder?! Das soll mal einer meinen Söhnen erklären.

Meine Söhne sind verrückt nach Messern. Nach ihren Schnitzmessern, um genau zu sein.

Zur Geburt haben sie beide von ihrer Tante ein Taschenmesser bekommen, in das ihr Name eingraviert ist.  Ein tolles Geschenk, fand ich schon damals. Denn zwischen all den Strampelanzügen und Kuscheltieren hatten wir so auch ein Geschenk für später. Für viel später, dachte ich und packte die Messer erstmal gut weg.

Meine kostbaren Kinder sollten sich nicht ihre Finger abtrennen, oder was kleine Kinder vermutlich sonst noch so mit Messern anstellen können. Aber als Teenie werden sie sich sicher über so ein tolles Taschenmesser freuen. Dachte ich. Damals.

Als Mutter habe ich aber sehr schnell zwei Dinge gelernt: 1. Dass Kinder sich ständig neue Herausforderungen suchen.

2. Dass wir Eltern das nicht nur verkraften, sondern sie sogar gerne ermutigen.

Mein Kind und auf hohe Bäume klettern? Niemals! Mein Kind und alleine zur Schule gehen? In der 8. Klasse vielleicht! Mein Kind und schnitzen? Ja, gerne wenn er 14 ist! Das habe ich wirklich alles mal gedacht, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie schnell sie in diese Selbständigkeit hineindrängen und wie sie jeden Tag höher, schneller, weiter wollen.

„Ich habe doch ein Schnitzmesser, Mama, oder?“ fragte mich der Maxi eines Tages und ich antwortete „Ja, das hast Du von der Tante zur Geburt bekommen.“

„Kann ich damit spielen?“

„Nein, das ist zu gefährlich.“

Etwa 10 Minuten später saß ich mit dem Maxi im Garten und erklärte ihm die Spielregeln. Die begannen damit, dass es eben gar kein Spiel ist.

Der Maxi war damals vier Jahre alt. Er hörte aufmerksam zu, als ich ihm alles erklärte. Er wollte unbedingt etwas mit diesem Messer machen und weil er das so unbedingt wollte, hat er sich vollkommen auf die Sache konzentriert.

Natürlich ist das Schnitzen mit einem scharfen Messer nicht ganz ungefährlich. Aber Gefahren lauern eben überall im Alltag und wenn wir unseren Kindern erklären, wo die Gefahren lauern, wie sie mit diesen Gefahren umgehen und wie sie Unfälle vermeiden können, dann können wir ihnen ruhig eine ganze Menge zutrauen.

Fürs Schnitzen gilt:

  • Immer in fester Position schnitzen (Wer schnitzt, der sitzt!). Am besten breitbeinig und mit beiden Füßen auf dem Boden (nicht im Schneidersitz oder nur mit einer Popohälfte irgendwo balancierend)
  • Immer vom Körper weg schnitzen.
  • Abstand zu anderen halten.
  • Augen auf. Nicht ablenken lassen und die Augen immer auf das Messer gerichtet lassen.
  • Es muss immer ein Erwachsener dabei sein, wenn geschnitzt wird. Keiner schnappt sich ein Messer, ohne zu fragen, keiner legt los, ohne dass ein Erwachsener dabei ist.

Wenn man einen noch frischen und jungen Ast nimmt (Grünholz), können nach meiner Erfahrung schon Vierjährige selbständig die Rinde abschnitzen und mit ein bisschen Unterstützung eine Spitze entstehen lassen. Anschließend kann man am Lagerfeuer Stockbrot, Würstchen oder Marshmellows am selbstgeschnitzten Stock grillen. Das ist ein tolles erstes Projekt.

Ganz ohne Verletzungen ist es bei uns nicht ausgegangen. Sowohl der Mini als auch der Maxi haben sich bereits kleinere Schnitte zugezogen, aber dank der Sicherheitsregeln nie einen tieferen Schnitt. Und ich glaube, dass man die Gefahr auch ruhig mal so ein kleines bisschen spüren kann, damit man sie wirklich einordnen und in Zukunft noch besser vermeiden kann.

Den ersten eigenen Stock geschnitzt zu haben war vor allem für den Maxi damals etwas, auf das er sehr stolz war. Und auch für mich war das eine Art Schlüsselerlebnis:

Als ich sah, dass der Maxi ganz ruhig und konzentriert mit dem Messer umgehen konnte, obwohl ich dachte, er wäre dazu noch zu klein, habe ich verstanden, wie wichtig es ist, dass wir sie bestärken in allem, was sie tun. Dann schaffen sie schon ganz schön viel alleine.

Wir müssen unsere Kinder ja doch loslassen, hilft ja alles nichts.

Beim Grillen am Lagerfeuer lauern übrigens schon die nächsten Gefahren 😉 Viele Tipps rund um Sicherheit für Kinder, darunter auch Checklisten zum Ausdrucken, findet Ihr auf den Seiten der AXA Kindersicherheitsinitiative und auf der Facebook Seite der Initiative.

Eure Halima

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der AXA Kindersicherheitsinitiative.

1 Kommentare

  1. Hallo Halima,

    ich sehe das ähnlich wie du. Mein Achtjähriger hat sowohl ein Taschenmesser als auch ein Schnitzmesser und es gelten die gleichen Regeln wie bei euch. Trotzdem ist es letzten Sonntag passiert, dass er sich unglücklich ordentlich tief in den Daumen geschnitten hat. Aber auch das gehört dazu. So merkt er, dass es nicht nur hohle Worte sind. Außerdem ist so ein Verband in dem Alter ja auch cool. 😉

    Liebe Grüße
    Anja

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