Was bist Du denn für eine? Von Rabenmüttern und anderen Schubladen

Ich treffe regelmäßig meine Freundinnen Katja und Julia im Lieblingscafe zum Frühstück. Man könnte sagen, ich bin eine Latte Macchiato Mutter.

Ich freue mich schon darauf, den Mini auch endlich in die Kita schicken zu können. Vermutlich bin ich eine Rabenmutter.

Wenn es so weit ist, gehe ich wieder arbeiten. Viele werden mich dann als Teilzeitmutter bezeichnen.

Vielleicht betreibe ich auch Maternal Gatekeeping, das weiß ich aber noch nicht, damit muss ich mich erst noch mehr beschäftigen.

Muss ich das? Eigentlich mag ich nämlich nicht mehr.

Jedes Mal, wenn ein neues Mütterphänomen diskutiert wird, fühle ich mich natürlich erstmal angesprochen. Ich grüble ein paar Tage und frage mich, was an der Sache dran ist. Trifft die Diskussion den Kern? Trifft sie MEINEN Kern?  Meistens schüttele ich nur verständnislos den Kopf und stelle für mich fest: „Nee, hat mit meiner Realität wenig zu tun!“ Ärgerlich finde ich es trotzdem häufig, denn eines haben alle diskutierten Mütterrollen und -Phänomene gemeinsam: So richtig gut kommen die Mütter nie dabei weg.

Wo stehen Mütter heute und wo stehen die Väter? Auf die allermeisten trifft wohl der Untertitel dieses Blogs zu: „Irgendwo zwischen Windeln und Büro.“

Alle experimentieren herum: die Mütter, die Väter, die Unternehmen, die Familienpolitik.  Überall, wo Rollen gesucht und verändert werden, entstehen auch neue Ausdrücke und Bezeichnungen für ebendiese und grundsätzlich befürworte ich das auch, denn Plakatives regt zur Diskussion an, aber müssen für uns Mütter wirklich ständig neue Schubladen erfunden werden, in die man uns reinstecken kann?

Mütter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn ich auf meine eigenen Mütter-Jahre blicke, so muss ich feststellen, dass man mir im Grunde jeden Stempel aufdrücken könnte, ich habe in alle Schubladen schon reingeschaut: Die Rabenmutter, die Hausfrau- ich habe das ganze Repertoire drauf. Die äußeren Umstände meines Lebens haben sich geändert, der Job, der Job meines Mannes, die Anzahl meiner Kinder und entsprechend hat sich meine Work-Life- Balance geändert. Auch meine Einstellungen zu einigen Themen, wie z.B. Stillen hat sich aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungen, die ich gemacht habe, geändert.

Gerade deshalb wehre ich mich gegen dieses Schubladendenken. Ob ich mehr oder weniger oder gar nicht gearbeitet habe, ob ich lange oder kurz gestillt habe, ob ich mir die Hausarbeit mit meinem Mann 80/20 oder 50/50 geteilt habe:

Ich war immer eine Mutter.

Einfach eine Mutter.

Egal, mit welchem Stempel ich gerade herumlief, ob Rabenmutter oder Latte Macchiato Mutter, ich war meinen Kindern immer dieselbe Mutter.

Ein Nebeneffekt dieser plakativen Bezeichnungen ist, dass ständig Lagerkämpfe geführt werden. Wer ist die bessere Mutter: Die berufstätige (Rabenmutter) oder die nicht berufstätige Latte Macchiato Mutter)? Die Vollzeitarbeitnehmerin oder die Teilzeitlerin (Teilzeitmami)? Wer macht es richtig- die Tragemutter oder die Kinderwagenschieberin? Die Langzeitstillende oder die zufütternde?

Das wäre ja alles egal, wenn sämtliche Bezeichnungen Varianten einer Supermutter Beschreibung wären. Sind sie aber nicht. Regelmäßig stellen diese Bezeichnungen Defizite in den Mittelpunkt.

Mir kommen solche Beschreibungen ab sofort nicht mehr ins Haus. Mein persönliches Maternal Gatekeeping, sozusagen.

Ich bin bloß Mama Mia. Und Ihr so?

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P.S. Wer mehr über den Begriff des „Material Gatekeeping“ lesen möchte und welches Ärgernis dahinter steckt, schaut mal bei Das Nuf vorbei.