Schon bald werden sie größer sein als ich.

Manchmal fange ich an zu träumen, wenn ich eine andere Mutter mit ihrem Sohn sehe.

:::Mit 8:::

Wenn deren Sohn etwa 8 Jahre alt ist und einem meiner Söhne ein bißchen ähnlich sieht, dann stelle ich mir vor wie es sein wird, wenn ich eines Tages einen so großen Sohn haben werde.

Die Zeit wird wohl kommen, in der der Mini tatsächlich seinen Schnuller und seinen „Kuschel“ ablegen und ein großer Junge werden wird! Dann werde ich vielleicht wie diese andere Mutter mit ihm durch die Stadt laufen, um ihm neue Schuhe in einer riesigen Größe zu kaufen. Er wird neben mit her laufen und wir werden uns richtig unterhalten. Was für ein Typ er wohl sein wird? Im Moment stelle ich mir vor, dass er immer so bleiben wird, wie er heute ist: Wild und witzig. Vielleicht erzählt er mir eine lustige Geschichte, während wir durch die Stadt laufen und ich werde lachen und nach alter Gewohnheit seine Hand ergreifen, die er mir sofort empört entzieht.

Zukunft2

 :::Mit 17:::

Wenn der Sohn der anderen Mutter etwa 17 Jahre alt ist, dann stelle ich mir vor, wie meine Söhne in diesem Alter sein werden.

Mir gefällt die Vorstellung, dass sie zu netten und höflichen jungen Männern geworden sind.  Werden sie immer noch so süß aussehen? Ich persönlich finde meine Söhne ja so schön, dass ich überzeugt davon bin, die Stadt Bonn wird vor unserer Haustür eine Bushaltestelle einrichten, damit die Scharen von Mädchen unser Haus besser erreichen können. Werden Sie mit 17 schon eine Freundin haben? Werde ich sie mögen?

Ich stelle mir vor, wie sie abends auf Partys gehen und hoffe, dass wir ihre Freunde kennen und mögen werden. Nachts werde ich vermutlich wach im Bett liegen und  mit gespitzten Ohren darauf warten, dass ich höre, wie sie nach Hause kommen. Dann werde ich daran denken, wie schön es war, als ich nachts deswegen wach lag, weil einer von ihnen in mein Bett gekrabbelt kam. Wie sie sich an mich gekuschelt haben und ich manchmal müde gedacht habe: „Ach wären sie doch schon ein bißchen größer!“

In meiner Vorstellung ist es eine aufregende Zeit. Sie werden anfangen Auto zu fahren, auszugehen und selbständig zu werden. Längst sind sie größer als ich und ich schaue stolz zu ihnen auf. Vielleicht ist unser Familienleben durch ihre Pubertät verändert, aber auch wenn sie mich manchmal nerven, werde ich unendlich stolz auf sie sein. Es wird die Zeit sein, in der der Tag näher rückt, an dem sie ihren Koffer nehmen und ausziehen um ihrer eigenen Wege zu gehen. Wenn es erstmal so weit ist, wird mich der Gedanke hoffentlich nicht mehr so wehmütig machen wie jetzt.

zukunft3

 :::Mit 60:::

Im Wartezimmer beim Arzt habe ich diese Woche eine etwa 80 Jahre alte Frau gesehen, die von ihrem mindestens 60 Jahre alten Sohn begleitet wurde. Was für eine glückliche Frau!

Werde auch ich eines Tages alt und grau durch die Welt gehen und mich dabei hin und wieder auf den Arm einer meiner Söhne stützen dürfen? Werden sie in der Nähe wohnen und ihre alten Eltern manchmal besuchen? Werden wir auf ihren Hochzeiten getanzt haben und ihre Kinder im Arm halten dürfen?

 :::Babies:::

Wenn ich eine Mutter mit einem Baby auf der Straße sehe, muss ich fast immer lächeln.  Dann denke ich, dass diese Mutter vielleicht eine unruhige Nacht mit ihrem Baby hatte und jetzt gerade auf die Uhr guckt, weil sie denkt, das Baby müsste bald wieder gestillt werden und mir wird klar, wie weit ich mich von diesen Babythemen schon entfernt habe. Dabei ist es doch eigentlich erst gestern gewesen, dass ich den Maxi zum ersten Mal in den Arm gelegt bekam. Vielleicht schaut mir die frischgebackene Mutter hinterher, wie ich mit meinen Söhnen auf den Spielplatz laufe: Der Mini auf seinem Laufrad, der Maxi auf seinem Fahrrad und ich mit den Sandsachen hinterher.

Und vielleicht wird sie sich dann vorstellen, wie es ist, wenn ihr Baby auch einmal so groß sein wird.

Mamablog Mama Mia

 

Wie lange noch? Vom Festhalten und Loslassen.

Am Sonntag ist etwas Großartiges passiert: Ich bin aufgewacht. Ja, wirklich! Ich bin aufgewacht.
In den letzten viereinhalb Jahren bin ich eigentlich nie aufgewacht. Ich WURDE geweckt, und das ist ein Unterschied, dessen Dimension man vielleicht erst erkennt, wenn man einen gewissen Grad der Erschöpfung erreicht hat.

Ich schlug die Augen auf und tastete nach meinem Wecker. Ohne Brille blind wie ein Maulwurf führte ich die Anzeige bis zwei Zentimeter vor meine Nase heran. 7:35 Uhr- krass!

Das war eine wunderbare neue Erfahrung und während ich mich reckte und streckte fand ich, dass es sich sehr erwachsen anfühlte. Halt! Stop! Erwachsen? Nein! Hilfe!

Natürlich sind meine Söhne noch lange nicht erwachsen. Sie sind noch so klein und ihre Welt ist es auch. Aber wie lange noch?

Wie lange noch werden sie nachts aufwachen und dann ganz automatisch nach mir rufen, weil ihre Angst sofort verfliegt, wenn ich neben ihrem Bett auftauche und sie meine Hand nehmen können? Sie rufen nach mir, sobald sie morgens aufwachen, weil ihr Tag nur mit mir beginnen kann. Ich mache ihnen ihre geliebte Milch und trinke neben ihnen meinen Kaffee. Wir sind zusammen und ihre Welt ist in Ordnung. Wie lange wird das noch so einfach sein?

Wie lange noch werden sie sich nach jedem Sturz umsehen, wo ihre Mutter ist? Sobald sie mich entdeckt haben, verzieht sich ihr Gesicht zu einem herzzerreißenden Weinen. Ich nehme sie auf den Schoß und während sie dort ganz fürchterlich schluchzen, ist eigentlich schon alles wieder gut, weil Mama ja irgendwie den Schreck und den Schmerz für sie übernimmt.

Wie lange werden sie mir noch in die Arme fliegen, wenn ich sie aus der Kita abhole? „Meine Mama“ ruft der Mini und rennt mir strahlend entgegen. Sie sind gerne in der Kita, aber wenn sie mich sehen, dann sind sie schon zu Hause. Ich bin ihr zu Hause, denn wenn ich bei ihnen bin, dann fühlen sie sich wie in einem geschützten Raum- egal wo wir sind. Mit mir in ihrer Nähe sind sie mutige kleine Weltentdecker.

Wie lange noch werden sie zu mir kommen und mir ihre kleinen Ärmchen entgegenstrecken, damit ich sie auf den Arm nehme? Wenn sie müde sind, oder wenn sie gerade nicht wissen, wohin mit sich. Wenn sie eine Pause brauchen oder wenn ein Bruder den anderen geärgert hat, dann gibt es für sie keinen sichereren Ort, als meinen Arm. Ein bisschen erhöht und damit weg von dem, was sie gerade überfordert thronen sie auf meinem Arm und legen ihr kleines Köpfchen auf meine Schulter.

Wie lange werden wir uns auch körperlich noch so nah sein? Noch gehört es zu unserem Alltag, dass ich sie abknutsche, dass wir uns gegenseitig umarmen und durchkitzeln. Sie drücken mir ihre saftigen Küsse ins Gesicht und kuscheln sich an mich- einfach so. Ich beiße in ihre kleinen Zehen, ich küsse ihre Arme und Beine und umarme sie, wann immer ich einen von ihnen erwischen kann.
Wenn ich sie aus der Kita hole, drücke ich ihre süßen kleinen Gesichter an meines und ich vergrabe meine Nase in ihrem Hals- ich liebe diesen Duft!
grau5_blog_bearbeitet-1

Was ist das für ein Glück, so wichtig für zwei kleine Menschen zu sein! Was für eine Aufgabe, was für eine Ehre ihre Mutter sein zu dürfen. Wie lange werde ich wohl noch der wichtigste Mensch in ihrem Leben sein dürfen?

Vor vier Jahren war der Maxi ein winziges Baby. Ich hatte dieses winzige Wesen ungefähr 20 Stunden am Tag an meinem Körper- die übrigen 4 Stunden verbrachte er auf dem Arm seines Vaters. Heute braucht dieses kleine Wesen viel, viel weniger Körperkontakt. Mein Baby verbringt Nachmittage alleine bei Freunden und trägt Schuhgröße 30. Und manchmal wehrt es sich doch tatsächlich gegen meine Küsse!

Mutterliebe

Ich weiß, dass ich sie nicht festhalten darf. Ich weiß, dass es meine Aufgabe ist, sie zu selbständigen Menschen zu erziehen. Als das Babyfon an geht, höre ich, wie die beiden Jungs miteinander spielen. Stolz lächelnd liege ich zufrieden in meinem Bett und lausche den Stimmen meiner Söhne. Als endlich das erste „Mamaaa!“ ertönt, bin ich sehr glücklich.

Mamablog Mama Mia

 

 

Die Aufgaben wachsen mit ihren Eltern

Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Eltern wissen das, die haben schließlich ihre wandelnden Aufgaben um sich herum, und gar nicht so selten das Gefühl, ihnen nicht gewachsen zu sein. Und egal wie sehr man über sich hinauswächst: Diese spezielle Sorte Aufgaben wächst mit!

Ich zum Beispiel. Ich hatte ein Baby. Klitzeklein. Dann drehte ich mich einmal um und plötzlich bin ich Mutter eines Dreieinhalbjährigen. Kaum habe ich mich daran gewöhnt, dass mein Baby kein Baby mehr ist, warten neue Aufgaben. Genau genommen ist es immer dieselbe Aufgabe, die allerdings aus vielen, vielen Leveln besteht: Loslassen.

Neulich habe ich ein neues Level erreicht. Zum Abschluss des Kindergartenjahres fuhr Maxis Gruppe in den Kölner Zoo. Kurz zu den Details: Sie fuhren mit einem Reisebus und der Kölner Zoo ist 30 Kilometer von meinem Küchentisch entfernt. Mein erster Gedanke: Ich brauch ´n Schnaps!

„Sie können mich gerne auf die Liste der Eltern setzen“, sagte ich nur 30 Minuten nachdem die Ankündigungsmail in meinem Postfach gelandet war zur Leiterin der Kita. Schließlich ist der Maxi das jüngste Kind in der Gruppe und dann ist es ja nur fair, wenn ich mich freiwillig bereit erkläre, die für diesen Ausflug erforderliche zusätzliche Anzahl an Aufsichtspersonen zu unterstützen.

Die Kitaleiterin fand das sehr nett von mir. Sie hat mich trotzdem ausgelacht und mitgenommen haben sie mich auch nicht. Die Kinder sind tatsächlich ganz alleine und nur mit ihren Erzieherinnen gefahren.

Am Morgen der Abfahrt unterdrückte ich jeden Impuls, der mich schreien lassen wollte: „Der Maxi ist aber erst 3, ne?! Der muss an die Hand, das wisst Ihr, ne?!“

Seeeehr tapfer ließ ich den Maxi ziehen, als wäre es ein ganz normaler Kita Tag. Bilder von Busunglücken und Kindern, die über irgendwelche Zäune von Tigerkäfigen klettern kann man ja mit Schokolade betäuben.

Ausflug1

Dieser Ausflug war für mich mindestens so aufregend, wie für den Maxi. Die Kita ist Maxis eigene kleine Welt, über die ich viel zu wenig weiß. Nur hier und da lässt er mal ein paar Informationen raus, und gelegentlich rede ich mit den Erzieherinnen, aber der Großteil seiner Zeit in der Kita bleibt für mich ein großes Fragezeichen. In der Kita ist er ohne Mama, ohne Papa, ohne Familie unterwegs, das ist sein erster kleiner Schritt in die Selbständigkeit. Wenn er nun mit dieser Welt, die ich nicht betreten kann, einen Ausflug macht, dann ist die gefühlte Entfernung deutlich größer als 30 Kilometer.

Ausflug

Am Nachmittag wartete ich mit den anderen Eltern vor der Kita auf die Ankunft des Reisebusses (und war nicht alleine aufgeregt!) Der Bus bog hupend in die Straße vor der Kita ein und als alle Eltern ihre Kameras zückten, war ich mir kurz nicht ganz sicher, ob da nun wirklich unsere Kinder aus dem Bus aussteigen würden, oder doch die Fußball- Nationalmannschaft. Mit größerer Begeisterung sind Müller, Schweinsteiger und Co jedenfalls auch noch nicht empfangen worden.

„Und, welches Kind ist auf dem Rückweg im Bus eingeschlafen?“, fragte ich den Maxi, der mir weniger abgekämpft als erwartet erschien. „Alle, die wir haben!“, war die Antwort.

Viel hat der Maxi natürlich nicht erzählt, aber als ich ihn abends ins Bett brachte, sagte er: „Mama, können wir da nochmal hinfahren? Mit Dir und dem Papa und dem Mini? Ich zeige Euch dann alles, ihr kennt Euch da ja nicht aus!“

„Klar, mein Schatz“, antwortete ich und staunte über mein großes Kind, das mir jetzt schon die Welt zeigt.

„Aber Mama, man muss Geld bezahlen, wenn man da rein möchte. DAS müsst IHR dann machen!“ So ganz aus dem Haus ist er wohl doch noch nicht…

Unterschrift_blog

 

 

Warum ich das Kinderhaben manchmal satt bin

Was ich heute schreibe, ist unfair, das gebe ich zu.  Aber es ist, wie es ist:

Manchmal bin ich das Kinderhaben leid!

Ich bin ein Mensch, der keine Party auslassen kann, ich habe gerne viele Menschen um mich. Auf der anderen Seite brauche ich aber ganz viel Rückzug und genau diesen Rückzug habe ich als Mutter von zwei kleinen Kindern so gut wie gar nicht mehr.

Ich bin 24 Stunden am Tag mit mindestens einem Kind zusammen.

Der Mini schläft nach wie vor nur in meinem Bett und weckt mich nachts mehrere Male.

Tagsüber will der Mini inzwischen permanent unterhalten werden. Er langweilt sich zu Hause. Ich muss mir Spiele einfallen lassen oder mit ihm irgendwo hin gehen. Selten ist er momentan so gut drauf, dass er sich mit sich alleine beschäftigt. Ich kann noch nichteinmal in Ruhe einen Kaffee trinken.

Nachmittags kommt der Maxi nach Hause und ich weiß manchmal gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll- das jeweils andere Kind macht im Zweifel irgendeinen Blödsinn, wenn ich mal kurz abgelenkt bin.

Die letzten zwei Stunden des Tages sind besonders turbulent. Dann sind beide Kinder müde und hungrig. Der Mini hängt in dieser Zeit fast durchgängig auf meinem Arm- während ich das Abendessen zubereite weint er lautstark, weil er es kaum abwarten kann.

Wenn die beiden endlich im Bett sind, kann ich eigentlich auch nicht mehr, aber wenn ich schlafen ginge, wäre ich ja tatsächlich nur noch Mutter. Die ein bis zwei Stunden am Abend brauche ich, um mich wie ich zu fühlen. Ich blogge oder schaue einfach nur fern oder rede mit meinem Mann, wenn der da ist.

Die Jungs sind phantastisch. Maxi ist ein Selbstläufer, der macht einfach alles toll und ist so ganz nebenbei ein unfassbar liebevoller, verantwortungsbewusster Bruder. Manchmal ist er mir schon fast zu lieb und ich freue mich, wenn ich höre, dass er in der Kita ganz viel Quatsch gemach hat.

Der Mini kann ja auch nichts dafür. Er braucht einfach ganz viel Nähe. Momentan scheint er mir zusätzlich so eine Art Schub zu haben. Er entdeckt so langsam das Laufen und es verunsichert ihn vielleicht.

Kinder sind anstrengend, das ist so.

Ich himmele meine Kinder förmlich an, aber so sehr ich sie liebe, mein Problem ist Folgendes:

Manchmal ist es mir einfach zu viel Muttersein. Ich habe kaum Zeit für andere Dinge. Ich wünsche mir manchmal, viel mehr zu schreiben, ich vermisse den Sport, und ich habe kaum Gelegenheit, in Ruhe mit einer Freundin zu sprechen. Wenn der Mini schläft, sind da Rechnungen zu bezahlen, Wäsche zu machen, Einkäufe zu erledigen… Ich bräuchte nur ein bis zwei Stunden am Tag, in denen ich die Kinder mal nicht hätte, dann wäre alles wieder im Gleichgewicht. Statt dessen bin ich im Dauereinsatz und fühle mich ein bißchen wie gefangen.  Wenn der Mini so wie in den letzten Tagen und vor allem Nächten noch einen drauf setzt und mich tagsüber noch mehr fordert und nachts kaum zur Ruhe kommen lässt, dann ist es mir manchmal einfach zu viel. Und was macht man dann?

Nichts. Denn den Impuls, einfach alles hinzuschmeißen und wegzulaufen, müssen Mütter schon im Keim ersticken. Wir können ja nicht weg (und eigentlich wollen wir ja auch nicht).

Was mir in solchen Momenten hilft, ist in erster Linie mein Mann. Der hat ein sehr sensibles Gespür dafür, wann mir alles zu viel wird. Dann nimmt er mir die Kinder so viel ab, wie nur irgendwie geht. Letzte Nacht zum Beispiel, hat er kaum geschlafen, weil er bis 1:30 den Mini herumgetragen und danach mit ihm auf dem Sofa geschlafen hat. Und während ich diese Zeilen schreibe, liegt er mit dem Mini im Schlafzimmer, weil der mal wieder nach 10 Minuten Schlaf in seinem Bett weinte und nur mit Körperkontakt wieder einschlafen konnte. (Und bevor jetzt wieder einer schimpft: Nein, dass kann der Mann nicht jeden Tag machen, das lässt sein Managerjob nicht zu).

Außerdem hilft mir die Erkenntnis, dass immer dann, wenn ich gar nicht mehr kann, irgendetwas passiert. Irgendetwas ändert sich und dann kann ich mit neuer Energie weiter machen. Sie begeistern mich und schaffen es damit, meine Prioritäten wieder in ihre Richtung zu verschieben.

Darauf warte ich jetzt!

Unterschrift_blog

 

Stolz wie Oskar

Ich bin stolz auf meine Söhne.

Mein Mann ist nie stolz. Wenn ich das Wort „Stolz“ benutze, ersetzt er es immer durch „dankbar“.

Ja, unsere Söhne sind Geschenke, für die wir nicht dankbar genug sein können. Aber ich bin auch stolz!

Ich bin keine Mutter, die ihr Kind dauernd promoten muss. Ich renne nicht herum und erzähle allen, die es hören wollen oder auch nicht, wie außergewöhnlich toll meine Söhne sind.

Selbstverständlich sitzt auch auf meiner Nase diese rosarote Mama-Brille, die mit der Geburt mitgeliefert wird. Meine Kinder sind für mich die tollsten der Welt- vollkommen egal was sie tun, aber ich definiere mich nicht über die „Leistungen“ meiner Söhne, wie das bei manchen Mamas der Fall ist. Ich brauche keine Komplimente Anderer über meine Söhne, um glücklich zu sein. Ich kann die Entwicklung meiner Kinder sehr relaxed betrachten. Die machen das schon!

Wenn aber Komplimente kommen, dann ist es natürlich etwas anderes. DANN FLIPPE ICH AUS! „Jaaaa, juhuuu, Du findest mein Kind toll? Ichauchichauchichauch!“ Und dann bin ich stolz!

So wie gestern. Elterngespräch in der Kita. Über den Maxi gab es nur Gutes zu berichten. Der Entwicklungsbericht über ihn ist ellenlang und ich habe jedes Wort in mich aufgesaugt und mich gefreut wie ein Schneekönig!

Als der Mann und ich den Maxi abends ins Bett gebracht hatten, verließen wir das Zimmer und ich sagte:“ Schlaf gut Süßer. Wir sind stolz auf Dich!“ Damit kann der Maxi zwar nichts anfangen, aber das kam mir einfach so über die Lippen, weil ich eben einfach so erfüllt von dem Gefühl war, ein ganz besonderes Kind zu haben.

Ja, unsere Kinder sind Geschenke und ich bin dankbar. Aber mein Mann und ich dürfen auch stolz sein, denn wir haben immerhin das Umfeld geschaffen, in dem sich der Maxi so entwickeln kann.

Es ist uns wichtig, dass unsere Kinder geborgen aufwachsen dass sie sich geliebt und geachtet fühlen. Sie sollen den Rückhalt ihrer Eltern in jeder Minute ihres Lebens spüren, sie sollen sich unserer Liebe immer gewiss sein können. Ich glaube, dass diese Rahmenbedingungen dazu beitragen, dass der Maxi keine Angst vor gar nichts haben muss, sondern offen und neugierig die Welt entdecken kann.

Im Laufe der Jahre wird die Heile-Welt-Atmosphäre bestimmt einige Kratzer bekommen und es wird uns nicht immer gelingen mit den Kindern ein Friede-Freude-Eierkuchen Leben zu leben (das soll ja auch gar nicht so sein). Aber jetzt im Moment haben es die Söhne verdammt gut bei uns und bei aller Bescheidenheit echt Glück mit ihren Eltern.

Das erkläre ich dem Mann heute Abend nochmal in Ruhe. Vielleicht ist er dann auch mal nicht nur dankbar. Wenn mir das gelingt, platze ich vor Stolz.

Unterschrift_blog

 

Bock zu verkaufen

„Kind, männlich, 3 Jahre alt, bildschön aber sehr laut, günstig abzugeben. Nur Selbstabholer.“

Es hat nicht viel gefehlt und Ihr hättet diesen Text in den ebay-Kleinanzeigen gefunden.

Vielleicht war es im Nachhinein nicht so klug, dem Maxi einen CD-Spieler zu Weihnachten zu schenken. Bestimmt hätten wir besser an dem ein oder anderen Tag auf einen Mittagsschlaf für ihn bestanden. Und rückblickend hätten wir wohl wissen müssen, dass freier Zugang zu Süßigkeiten unserem Kind nur bedingt gut bekommen würde-  jedenfalls war unser Nervenkostüm nach ein paar Tagen Weihnachtsferien deutlich angegriffen.

Und dann kam auch noch der Bock.

Mein sonst sehr wortgewandtes Kind schien plötzlich nur noch ein Wort zu kennen: „NEIN!“ Das war nicht das zeternde „Nein!“, das wir von seinen filmreifen Trotzanfällen kennen, sondern ein bockiges „Nein“, mit ganz weit vorgezogener Unterlippe. Dieses „Nein“ duldet keinen Widerspruch, es ist vollkommen immun gegen die Überredungskünste, die mein Mann und ich in den letzten Monaten perfektioniert haben. Es ist, als würden nach diesem bockigen „Nein“ sämtliche Empfänger beim Maxi ausgehen. Da kommt einfach nichts mehr. Kein Geschrei, kein Gemotze, keine weiteren Worte, nur „Nein!“. Einerseits herzallerliebst, andererseits…ich nenne es mal anstrengend.

Ich glaube, es ist ein kleiner Bock, der vom Maxi Besitz ergreift, anders kann ich mir Szenen wie diese nicht erklären:

Mann und Maxi wollen einkaufen gehen.

„Zieh Dir schonmal die Jacke an, Maxi!“

„Nein!“

„Aber Du wolltest doch mitkommen, dann brauchst Du eine Jacke!“

„Nein!“

Geht und zieht sich wortlos die Jacke an. Über dem Mann erscheint ein riesengroßes Fragezeichen.

Mann will dem Maxi den Reißverschluss der Jacke zu machen. Maxi macht einen Satz zurück: „Nein!“

Mann zieht die Hände zurück. „Okay, okay!“ Maxi:“ So, und jetzt zumachen!“

Mann: „Hä??“

Ich stand dabei und beobachtete das Spektakel und konnte nicht anders, als mich kaputt zu lachen. Der Mann war so verwirrt, der Maxi so bestimmt, aber irgendwie auch verwirrt- es war herrlich. Natürlich ist diese Phase nicht immer nur witzig. Oft geht der Bock ganz schön an die Substanz.

Wenn man ganz genau hinsieht, kann man kleine Hörner auf Maxis Kopf entdecken, wenn der Bock kommt. Ich vermute, dass es sich dabei um irgendeine magische Substanz handelt, die sich gelegentlich materialisiert. Das Faszinierende daran ist: Es geht auch in die entgegengesetzte Richtung.

Als ich neulich kurz davor war, den kleinen Bock zu verkaufen, da hatte sich mein Kind morgens wieder verwandelt.

Der Maxi (sonst ein Morgenmuffel) erschien mit seinem Superman Schlafanzug in unserem Schlafzimmer. Im Arm ein sehr großes Kuscheltier. Er hatte einen ganz entspannten Gesichtsausdruck und er bewegte sich sanft schreitend durchs Zimmer.

„Ich bin die Maria“, verkündete er. „Ich bin die Mama von dem Jesuskind.“ Er hielt das Kuscheltier hoch: „Das ist das Jesuskind!“ Ganz vorsichtig und liebevoll hielt die kleine Maria ihr Baby im Arm.

Maria

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das war wieder so ein Mami-Moment, in dem mein ganzer Körper in Bruchteilen von Sekunden spürbar von Liebe geflutet wird. Ich habe noch nie zuvor etwas so Süßes gesehen. Oder vielleicht doch, aber das waren dann auch der Maxi oder der Mini.

Und ich schwöre: Ich konnte einen Heiligenschein über dem Maxi sehen! Wirklich! Echt und ehrlich! Kein Morgenmuffel, kein Bock weit und breit. Der Maxi war die Sanftmut in Person. Wenn ich daran denke bin ich sofort wieder gerührt bis auf den Herzensgrund.

Der Maxi hat die Rolle erstaunlich lange durchgezogen. Er wollte keine Milch haben, sondern meinte, Maria trinke Kaffee. Als ich sagte: „Maxi Du bist so süß!“, sagte er ganz ernst und ein bißchen tadelnd: „Ich bin die Maria! Das weißt Du doch!“

Erst nach etwa 10 Minuten meinte er gnädig und ganz leise: „Mama, wenn Du willst, kannst Du mir auch eine Milch machen.“

Die interessante Frage lautet nun: Wann materialisieren sich die Hörner des Bocks und wann der Heiligenschein? Kann ich das beeinflussen? Gibt es einen Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme? Hat es etwas mit den Mondphasen zu tun?

Die Bockforschung in diesem Hause ist noch ganz am Anfang.  Bis ich Näheres weiß, ist ein Verkauf jedenfalls vom Tisch.

 

Unterschrift_blog

 

 

 

Trennungsschmerz vor der Blogst

Ein Wochenende für mich! Wohlklingende Worte, oder?

Als die Karten für die Blogst-Konferenz verkauft wurden, saß ich morgens schon um kurz vor acht vor dem Rechner. Die Karten waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft, aber ich hatte tatsächlich eine ergattert. Seitdem freue ich mich auf dieses Wochenende.

Es gibt nur ein Problem: Wenn ich die Verantwortung für meine Kinder abgeben muss, krieg´ich die Krise!

Zum Beispiel letzten Sonntag: Weil wir zu unterschiedlichen Zeitpunkten zurück nach Hause fahren wollten, waren mein Mann und ich mit zwei Autos unterwegs zu meinen Eltern. Maxi hatte die Sitzverteilung vorgenommen: Er wollte mit dem Papa fahren und der Mini sollte auch mit. Ich fuhr also allein.

Ich drehte die Musik gaaanz laut und hatte wirklich Spaß im Auto. Der Mann und ich haben uns immer gegenseitig überholt und damit dem Maxi eine Riesenfreude bereitet. Irgendwann hörte der Mann auf, mich zu überholen. Da wußte ich, dass der Maxi eingeschlafen war.

Ich trällerte weiter vor mich hin, aber alle paar Minuten blickte ich in den Rückspiegel um zu checken was meine Kinder hinten so machen- die waren zwar nicht da, aber das hatte meine unsichtbare Nabelschnur nicht mitgekriegt.

Und plötzlich war dieser Gedanke da: Was, wenn jetzt ein Unfall passiert? Meine drei Männer sind alle in einem Auto auf der Autobahn unterwegs. Und wenn mir was passiert, dann haben meine Kinder keine Mutter mehr. Vielleicht hätten wir uns besser zwei und zwei aufgeteilt…Ich kann mich super in solche Gedanken reinsteigern. Wenn sie einmal da sind, lassen sie mich nicht mehr los.

trennungsschmerz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man kann das albern finden, oder hysterisch, aber was dahinter steckt ist einfach die Liebe zu meinen Kindern. Ich will meine Söhne in jeder Minute beschützen. Wenn ich bei ihnen bin, fühlt es sich sicherer an. Die Unfallgefahr wäre kein bißchen geringer gewesen, wenn Maxi und Mini in meinem Auto gesessen hätten oder wir alle vier zusammen gefahren wären, aber solange ich bei ihnen bin, habe ich nicht das Gefühl, zu weit weg zum Beschützen zu sein.

So, und diese Mutter will nun ein ganzes Wochenende ohne ihre Kinder verbringen. Is kla!

„Du denkst aber dran, dass der Maxi genug trinkt, ja? Und der Mini muss regelmäßig gewickelt werden. Wenn Du ihm eine Flasche machst, achte darauf, dass Du die Mengen auch wirklich einhältst. Der Maxi kann sich alleine im Autositz abschnallen, da musst Du aufpassen. Und der Mini robbt sich nachts immer vom BabyBay ins Bett rüber, pass auf, dass er dir nicht unter die Decke gerät…“ Mein armer Mann. Seit Tagen bereite ich die Übergabe vor.

Ich freue mich tierisch auf die Blogst Konferenz und ich bin wildentschlossen, das Wochenende zu genießen, auch wenn ich die ganze Zeit ein bißchen angespannt sein werde. Ich werde den Mann nicht mit Anrufen oder SMS nerven. Mein Mann ist absolut in der Lage, seine Söhne zwei Tage zu versorgen. Gut, er wird es anders machen als ich, aber die kommen schon klar. Hat er selber gesagt:

„Du kannst ruhig auch mal eine ganze Woche wegfahren, wenn Du willst“, hat er gestern Abend gemeint. Ja, das mache ich auch. Vielleicht im Sommer.

Im Sommer 2029.

Kennt Ihr, oder? ODER??

Unterschrift_blog

 

 

 

 

 

 

 

 

Weiter weg

Ich gehe so schnell ich kann. Ich kämpfe mich vorwärts, aber mit dem Kinderwagen komme ich auf dem Kiesweg nicht so schnell voran. Mein Großer ist mit Oma und Opa, meiner Schwester und deren Mann etwa zehn Meter vor mir.

Ich weiß genau, was gleich passiert und ich möchte dabei sein.

Ich strenge mich wirklich an, aber ich bin zu langsam (dieser blöde schicke Kinderwagen mit den kleinen Vorderrädern!).

Dicht gedrängt stehen die Leute am Zaun. Der Maxi hat einen Platz ganz vorne ergattert; mein Schwager hebt ihn hoch und setzt ihn auf den Zaun. Ich stehe weiter hinten. Ich war zu langsam und jetzt habe ich keine Chance mehr, mich mit dem Kinderwagen bis nach vorne zum Maxi zu drängeln.

Wir sind beim Pferderennen auf der Galopprennbahn. Gleich startet das erste Rennen und die Leute wollen vorher im Führring einen Blick auf die Pferde und Jockeys werfen.

Der Maxi sitzt da ganz vorne auf dem Zaun und ich stehe mit dem Mini ein paar Meter entfernt. Ich kann den Mini im Kinderwagen nicht alleine lassen, dabei würde ich so gerne nach vorne zum Maxi laufen.

Jetzt kommen die Pferde in den Führring.  Ich sehe den Maxi- er thront auf dem Zaun, umarmt von meiner Mutter und meinem Schwager. Es ist sein erstes Pferderennen und ich kann von hinten sehen, wie er aufgeregt glücklich strahlt.

Das wäre mein Moment gewesen. ICH wollte das mit ihm erleben.

Ich bin schon als Kind mit meinen Großeltern und meinen Eltern oft beim Pferderennen gewesen und ich habe es geliebt. Ich weiß, wie spannend es für ein Kind ist, wenn diese großen Pferde am Führung so nah an einem vorbei gehen- eine Mischung aus Faszination und Angst vor den großen Tieren. Ich wollte dieses  Erlebnis jetzt mit meinem Sohn teilen.

Wenn ich mich nicht um den Mini kümmern müsste, wäre ICH mit dem Maxi nach vorne gestürmt. ICH hätte ihn auf den Zaun gesetzt und ich würde ihn jetzt dort im Arm halten. Es liegt aber nicht am Mini, dass ich nun da stehe und bloß sehnsüchtig zu meinem Maxi schaue. Es liegt daran, dass der Maxi groß wird.

Maxi kann schon lange Dinge, für die er mich nicht mehr braucht. Das ist toll, gut, richtig und wichtig, aber es versetzt mir manchmal einen Stich.

Ich wäre gerne diejenige, die ihm alles Neue zeigen darf. Ich wäre gerne die, mit der er die schönsten Momente seiner Kindheit teilt, aber ich weiß, dass ich schon mitten drin im Loslassen bin.

Der Maxi startet durch in sein eigenes Leben, an dem ich zwar teilhaben kann, aber in dem ich wohl immer öfter nur aus der Ferne zuschauen kann. Ich werde oft das Gefühl haben, nicht mehr nahe genug dran zu sein.

Als würde ich ihm mit einem Kinderwagen auf einem Kiesweg hinterherlaufen.

Eure Mia

aufunddavon

 

 

Starke Mädchen!

Ich bin 35 Jahre alt. Ich bin Volljuristin, Ehefrau und Mutter von zwei Söhnen. Und ich bin immer noch ein Mädchen.

Als Berlinmittemom zu ihrer Blogparade zum Thema: „Gemeinsam für starke Mädchen“ aufrief, dachte ich erst: Schade, schönes Thema, aber ich bin ja ´ne Jungsmama. Nach einigem Nachdenken fiel mir aber ein, dass ich ja selber auch noch ein Mädchen bin, und damit bis heute von dem Thema betroffen.

Ich war glücklicherweise immer ein starkes Mädchen. Vielleicht lag das daran, dass das Leben  es  auf ganzer Linie gut mit mir gemeint hat. Mir ist eigentlich alles zugeflogen: In der Schule musste ich mich nie anstrengen, ich habe alles im Vorbeigehen gelernt (ok, außer Mathe…), jede Sportart, die ich angefangen habe, habe ich nach kurzer Zeit auf hohem Niveau betrieben, für jedes Instrument, das ich gelernt habe, hatte ich Talent. Ich habe mich nie als Außenseiter fühlen müssen und habe für mein Aussehen immer nur Komplimente bekommen.

Keine (größeren) Probleme = starkes Mädchen. Ist das schon das ganze Rezept? Schön wär´s, aber ich kenne viele Frauen und Mädchen, die sind begabt, schlau schön- aber sie sehen es selber nicht. Allzu leicht lassen sie sich verunsichern, und wenn es kein anderer tut, dann verunsichern sie sich eben einfach selbst, das können die richtig gut.

Warum also fühle ich mich stark und habe das mit Ausnahme kleinerer Phasen immer getan?

Es sind sicher viele Komponenten, die in die Antwort nach dieser Frage hineinspielen. Natürlich ist es hilfreich, wenn man sich mit vielem nicht schwer tun muss und wie ich mit einem Gemüt gesegnet ist,  das von jeher das Glas als halb voll betrachtet hat- negative Dinge werden bei mir einfach ausgeblendet. Es gibt aber einen ganz wichtigen Faktor, um den ich bei der Antwort auf die Frage nicht herumkomme: Meine Mutter!

Meine Mutter ist eine echte Löwenmutter. Nicht so, wie wir das von der Tigermutter, Amy Chua kennen, die ihren Töchtern immer wieder Parolen ins Hirn gepflanzt hat. Nein, meine Mutter hat mir das GEFÜHL gegeben, schön, begabt und geliebt zu sein. Sie war immer der sichere Hafen für mich und meine Schwestern. Sie hat uns bedingungslos geliebt und unterstützt und uns dabei immer den notwendigen Freiraum für unsere individuelle Entwicklung gelassen. Und sie hat mir gezeigt, wie man stark ist. Wenn ich es mal nicht selber sein konnte, dann war sie für mich stark.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Situation (ich war etwa 16 Jahre alt), da wollte ich in einem Laden ein Kleidungsstück umtauschen. Das Preisschild war schon ab, aber ich hatte es dabei, ebenso, wie die Rechnung. Wohl aufgrund meines exotischen Aussehens sprach die Verkäuferin zuerst auf englisch und dann unangemessen langsam und laut mit mir. Die Rechnung hat sie sich nicht einmal angesehen- für sie war klar, ich hatte das Stück geklaut. Ich war wirklich nicht auf den Mund gefallen, aber mit meinen 16 Jahren kam ich gegen die Frau in dem vollen Laden nicht an. Unverrichteter Dinge und zutiefst gekränkt fuhr ich nach Hause.

Meine Mutter ist ohne zu zögern ins Auto gesprungen um die Sache zu klären. Ich saß neben ihr und wußte schon während der Fahrt, dass sie die Sache geradebiegen würde, und so war es natürlich auch. Die Verkäuferin war am Ende der Rede meiner Mutter ganz kleinlaut- sie hat sich nicht nur bei mir entschuldigt sondern mir sogar noch ein kleines Accessoire geschenkt.

Ähnliche Situationen gab es immer wieder, zum Beispiel auch in der Schule. Immer wenn ich nicht weiterkam, ist meine Mutter für mich in die Bresche gesprungen. Sie hat sich nicht eingemischt, in erster Linie habe ich meine Probleme selber gelöst, aber immer dann, wenn ich nicht weiterkam und ich Hilfe brauchte, ist sie eigesprungen. Ich wußte immer, dass zu Hause jemand ist, der mir hilft, mich unterstützt oder mich einfach auffängt. Ich hatte je nach Bedarf einen Coach oder eine „Geheimwaffe“ zu Hause und das hat mir ein Gefühl von Sicherheit und Stärke gegeben.

In derPubertät gab es Phasen, da war ich verunsichert. Mal fand ich mich zu dick, mal zu klein, mal war der Busen nicht groß genug. Meine Mutter ist auf meine Sprüche dazu gar nicht erst eingegangen. Mit mir über diese Äußerlichkeiten zu diskutieren fand sie überflüssig. Manchmal wußte ich gar nicht so richtig, wohin mit mir. Bin ich auf dem richtigen Weg? Was will ich eigentlich und kann ich das überhaupt schaffen? Wer bin ich und wer will ich sein- ach, die Pubertät war manchmal einfach nur doof! Ich weiß gar nicht so genau, wie meine Mutter es geschafft hat, aber irgendwie hat sie mit ihrer unerschütterlichen Liebe und Zuversicht in den Menschen, der ich bin, gar nicht erst zugelassen, dass Zweifel an mir entstehen konnten, sondern sich zwischen mich und sämtliche Zweifel an mir selbst gestellt. Sich mit Selbstzweifeln zu quälen und in Unsicherheiten zu verlieren, diesen Weg hat sie für mich einfach dicht gemacht.

Meine Mutter hat mir aber nicht nur beigebracht, nicht an mir selber zu zweifeln, sie hat mir auch beigebracht, andere Menschen zu respektieren und zwar so, wie sie sind.

Mommy

 

Es wird sicherlich Jahre geben, in denen auch meine Söhne sich mit sich selber schwer tun werden. Denn auch Jungen sind heute viel mehr als in meiner Jugend dem Druck von Schönheitsidealen ausgesetzt. Dann wird es an mir sein, genau so hinter ihnen zu stehen, wie es meine Mutter bei mir getan hat. Sie sollen immer spüren, dass sie perfekt sind, so wie sie sind. Und genau so sollen sie von mir lernen, andere zu respektieren- auch und gerade Mädchen.

Kein Mensch hat sich selber gemacht, und jeder verdient Respekt- wir selbst und andere. Diese Grundlage meiner Erziehung soll auch für meine Söhne bestehen. Ich hoffe, dass ich ihnen in diesem männerdominierten Haushalt ein gewisses Grundverständnis für das weibliche Wesen vermitteln kann.

Ich weiß übrigens auch heute nicht immer so ganz genau, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich mochte mein Leben vor Kindern. Ich fand mein Bild von einer Juristin in einem großen Konzern ziemlich toll. Im Moment bin ich aber ganz Mutter. Mein Job kommt mir gerade so unwichtig vor. Ist das gut so? Bin ich eher Business-Frau oder eher Mutter? Kann ich beides in gleichen Teilen sein, beides gleich gut machen, oder steht ein Ziel über dem anderen? Welches?

Vor „Business-Frauen“ habe ich das Gefühl, zu sehr Mutter zu sein, vor manchen Müttern habe ich das Gefühl, verteidigen zu müssen, dass ich bald wieder arbeiten gehen möchte. Und wehe, wenn einer einen Spruch über mein Leben macht, das kann mich auch heute noch ganz schön verunsichern.

Dann rufe ich übrigens immer meine Mutter an. Die weiß immer Rat. Stark, oder?

Eure Mia

 

 

 

Mutter-Sohn-Liebe

Vor ungefähr zehn Jahren hatte ich den schlimmsten Liebeskummer aller Zeiten! Nachdem ich mir ein paar Tage die Augen ausgeweint hatte, fragte ich eine Freundin: „Wann hört das endlich auf?“ Sie antwortete: „Wenn Du Deinen Horizont erweitert hast!“

Selbstverständlich fand ich diesen Satz damals extrem doof! Was sollte ich mit einer Horizonterweiterung? Ich wollte den Kerl zurück!

Natürlich ging der Liebeskummer vorbei- was so ein junges Herz nicht alles aushalten kann…! Heute finde ich den Spruch cool!

Mein aktueller Liebeskummer ist ebenfalls vorbei, dabei war der Herzschmerz dieses Mal besonders übel.  Die Rede ist von meinem Sohn.

Maxi hatte mir nach der Geburt des Mini die kalte Schulter gezeigt. Ich verging vor Sehnsucht nach meinem Großen und seine abweisende Haltung brach mir wirklich das Herz. Maxi war schon immer ein Papakind, aber seit der Geburt des Mini war ich komplett abgemeldet.

Ich habe das nie so richtig verstanden.  Okay, dass ich viel schöner bin als sein Vater und viel besser rieche interessiert ihn vielleicht nicht.  Aber ICH bin es doch, die ihn aus der Kita abholt, während sein Vater ihn dort ABGIBT! Ich verbringe viel mehr Zeit mit ihm. Ich denke mir viel lustigere Spiele aus, als der Papa! Im Übrigen bin ICH es, die Elternzeit nimmt, Karrierechancen verpasst und- na gut, das ist ein anderes Thema. Aber hey, einen hab´ich noch: ICH habe hier die Hoheit überdie Süßigkeiten!

Es hilft alles nichts- der Sohn ist auf den Papa fixiert.

Vor 2-3 Wochen fing er allerdings plötzlich an, auch den geliebten Papa zu bekämpfen und sich beleidigt zurückzuziehen, sobald der mal den Mini auf dem Arm hatte. Höhepunkt dieser Papa-Abnabelung war, als mein Mann eines Abends von der Arbeit nach Hause kam und Maxi anfing laut zu weinen, der Papa solle wieder weg gehen.

Während es in der Vater-Sohn-Beziehung plötzlich im Getriebe knirschte, ließ Maxi langsam wieder mehr Nähe von mir zu.  Für eine Weile schien er zwischen Vater und Mutter hin und her zu pendeln. Mal wollte er auf Papas Arm, dann wieder sollte der Papa den Mini nehmen, damit er mit mir kuscheln konnte. Als er mir einmal die Haare aus dem Gesicht strich und sagte: „Meine Mama!“, da wurde mir erst richtig klar, wie wenig Nähe es zwischen uns beiden in den letzten Wochen gegeben hatte.

Maxi hat gekämpft. Ein bißchen mit dem Papa, ganz viel mit mir und hier und da auch mit sich selbst.

Seit ein paar Tagen scheint er das Gleichgewicht wieder hergestellt zu haben. Er ist und bleibt ein Papakind, aber die Eiszeit zwischen ihm und mir ist beendet.

Auch ich musste mein Gleichgewicht neu finden. So langsam gerät unsere Familie wieder in ruhigeres Fahrwasser und es stellt sich endlich so etwas wie eine neue Routine ein.

Man könnte auch sagen, ich habe meinen Horizont erweitert. Ich habe meinen Horizont erweitert UND ich habe den Kerl zurück! Ha!

Diesem Shirt konnte ich nicht widerstehen. Ich habe Maxi erklärt, was drauf steht und er trägt es mit Stolz 🙂

IMG_2810

Eure Mia