Alles andere kann warten

„Mama, ich bin die Feuerwehr und Du bist ein Haus das brennt!“ Mein Jüngster sitzt inmitten von aufgetürmten Sofakissen und wartet darauf, dass er endlich losspielen kann. Schon zum dritten Mal ruft er nach mir: „Mama! Jetzt komm endlich!“
„Gleich, mein Schatz, ich muss nur noch kurz eine Mail schreiben, dann komme ich.“ Da sitzt der eifrige kleine Feuerwehrmann auf seinem Sofakissen-Berg und hat nichts zum Löschen. Er schmollt.

Eigentlich muss ich gar nicht nur eine Mail schreiben Weiterlesen

Du brauchst mich- und ich brauche Dich!

Zu der Zeit, als mein Kinderwunsch, der immer schon da gewesen war, in mir langsam aber sicher lauter wurde, habe ich oft Mütter mit ihren kleinen Kindern angesehen und gedacht, wie wunderschön es sein muss, so sehr gebraucht zu werden.

Eines Tages, so dachte ich bei mir, möchte ich auch für jemanden der Mensch sein, der alles wieder gut machen kann. Ich werde der Mensch sein, zu dem ein Kind gelaufen kommt, wenn es weint. Ich werde der sichere Hafen sein, an den sich mein Kind ankuschelt, weil es müde ist, weil es Angst hat oder weil es sich verletzt hat. Oder weil es einfach nur im Arm gehalten werden will.

Und der Tag kam, an dem sich diese Sehnsucht erfüllte. Natürlich war ich überglücklich. Ich war verrückt nach meinem Baby, verliebt bis über beide Ohren und ich hielt es, verbrachte Stunden und Tage damit, ein kleines Wunder anzusehen und war durch all die Müdigkeit und die Erschöpfung eine glückliche junge Mutter.

Es dauerte nicht lange, da keimte eine neue Sehnsucht in mir auf: Ach, wäre das schön, wieder ein bißchen mehr Zeit nur für mich zu haben! Nachdem ich noch ein zweites Wunder auf die Welt gebracht hatte, und täglich von früh bis spät und auch in der Nacht gebraucht wurde, wurde mir klar, dass dieses Gebraucht-Werden doch furchtbar anstrengend war.

Mehrere Jahre lang schleppte ich Kinder und deren Zeug durch die Gegend, bis mein Rücken sich anfühlte, als sei ich mindestens 100 Jahre alt. Ich erledigte alles mit einer Hand, und hielt mit der anderen ständig ein Kind auf meiner Hüfte fest. Ich wusch täglich Berge von Wäsche, wickelte, kochte, fütterte, fuhr die Kinder durch die Stadt und kaum war ich abends erschöpft eingeschlafen, wurde ich von einem der Kinder auf 30 Zentimeter Matratze verdrängt, wo ich ein paar Stunden kauerte, bis ich aufstehen und den Kindern ihr Frühstück zubereiten durfte.

Ich beobachtete jetzt nicht mehr die Mütter mit den kleinen Kindern, dafür hatten es mir die Mütter größerer Kinder angetan. Wie unsere Nachbarin alleine das Haus verlässt! Beneidenswert! Eines Tages würde auch ich mich wieder frei bewegen können, eines Tages wenn ich nicht mehr so sehr gebraucht werden würde.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wachte ich gegen 3:30 Uhr auf. Kein Kind lag neben mir. Ich ging ins Bad und als ich am Kinderzimmer vorbeiging, stand dort die Tür offen. Die Rolläden waren nicht heruntergelassen und das Licht der Straßenlaterne fiel auf die Betten meiner Söhne. Sie waren leer. Die Kinder waren verschwunden und das war gruselig, obwohl ich sie eigenhändig hatte verschwinden lassen.

Der Mann und ich hatten die Jungs schon am Samstagmorgen zu meinen Eltern gebracht, damit wir am Abend auf eine Geburtstagsfeier gehen konnten. Wir fühlten uns irgendwie sehr erwachsen, als wir ohne unsere Söhne nach Hause fuhren. Beim Einkaufen sagte der Mann alle Dinge zu mir, die er sonst zu den Söhnen sagt:
„Du darfst dir schon eine Brezel holen gehen.“
„Bleibst Du bitte bei mir?“
„Du kannst hinter der Kasse warten aber bitte nicht rauslaufen!“
„Vorsichtig, hier fahren Autos!“

Wir lachten und hatten wirklich Spaß dabei, aber es fühlte sich auch merkwürdig an. Als die Jungs plötzlich verschwunden waren, stellten wir fest, wie sehr alle unsere Alltagshandlungen mit den Kindern verbunden sind und auch wenn wir sie in den paar Stunden nicht allzu sehr vermissten, fehlten sie uns doch bei jedem Schritt.

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Als der Mini am nächsten Abend wieder zu Hause neben mir im Bett lag, mit seinen kleinen Fäustchen neben dem Kopf und dem pulsierenden Schnuller in seinem Gesichtchen, da sah ich ihn wieder an, wie ich es im Laufe der letzten Jahre immer seltener getan hatte. Ich sah ihn an, wie ich ihn in seinen ersten Tagen auf dieser Welt angesehen hatte. Ich sah ihn an und freute mich wieder darüber, dass ich so sehr gebraucht werde, auch in der Nacht.

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Bald, dachte ich, wird es immer öfter so sein, dass ich Zeit für mich habe, während meine Söhne irgendwo unterwegs sind, und ihr Leben ohne Mama an der Hand leben. Eines Tages werde ich sehnsüchtig an die Zeit zurück denken, in der sie sich mehrmals täglich an mich kuschelten, weil sie ihre Mama brauchten. Dann werde ich sie mehr aus der Ferne lieben müssen- zurückhaltend, beobachtend, und bestimmt werde ich sie oft vermissen.

Und da wurde mir klar, dass ich meine Kinder in Wahrheit selber mindestens genauso sehr brauche, wie sie mich.

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Lieblingskinder

„Immer nur süßer Mini, süßer Mini! Mich findest Du überhaupt nicht süß!“ Maxi schmollt.

„So ein Quatsch! Du bist mein süßer Mausemax und das habe ich Dir heute schon 100 Mal gesagt!“ Ich ziehe meinen Großen auf meinen Schoß und knutsche ihn ganz besonders gründlich ab. Thema erledigt.

Naja, nicht ganz! Am Abend beschäftigen mich Maxis Worte. Ist der Mini mein Lieblingskind?

Meine Kinder sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Der eine redet wie ein Wasserfall, der andere schweigt sich gründlich aus. Der eine sitzt stundenlang über einem Buch, der andere hüpft in derselben Zeit jauchzend auf dem Bett herum und stößt dabei mit dem Kopf bis fast an die Decke. Mini und Maxi sind so unterschiedlich, wie sie aussehen: Schokolade und Vanille. Aber welche Sorte mag ich lieber?

Nun sind Kinder ja keine Eissorten, trotzdem stellt sich die Frage Eltern von mehreren Kindern häufig- oder besser: Sie wird einem gestellt: Kann man alle seine Kinder gleichermaßen lieben?

„Ja natürlich!“ will man sofort entrüstet rufen, weil schließlich jede andere Antwort einer Bankrotterklärung an die Mutterliebe gleichkäme. Aber so einfach will ich es mir nicht machen. Habe ich ein Lieblingskind?

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Weil Kinder nicht wie Maschinen funktionieren, habe ich als Mutter große Probleme damit, meine Aufmerksamkeit zu gleichen Teilen auf die zwei Jungs zu verteilen. Sie verbringen ihre Tage nicht ruhig vor sich hin spielend neben mir, und ich kann mich deshalb nicht immer im Wechsel 10 Minuten um das eine und dann 10 Minuten um das andere Kind kümmern. Meistens ist ein Kind besonders müde und kuschelbedürftig, oder kränkelt, oder bekommt Zähne, oder hatte einfach einen besonders anstrengenden Tag. Dieses Kind holt sich dann meine ganze Aufmerksamkeit, indem es viel weint und viel auf den Arm möchte. Das ist nicht immer positive Aufmerksamkeit, denn für mich ist das anstrengend, aber das jeweils andere Kind nimmt ja nur die Tatsache wahr, dass ich seinem Bruder mehr Aufmerksamkeit widme.

In Maxis Fall kommt momentan noch etwas hinzu: Der Mini ist ein so putziger kleiner Kerl, dass er überall Aufmerksamkeit auch von Fremden auf sich zieht. Der quasselt ohne Pause und spricht Menschen auf der Straße an, um ihnen Geschichten zu erzählen. Zu so einem plappernden kleinen Menschen mit goldenen Locken sagen natürlich viele Leute: „Ist der aber süß!“ Und auch der Mann und ich sagen das vielleicht ein bißchen zu häufig in Maxis Beisein. Der Mini entzückt uns aber momentan ständig und bringt uns dauernd zum Dahinschmelzen.

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Maxi zählt hauptsächlich die wahrgenommene Aufmerksamkeit, aber die allein macht ja nicht die Liebe aus. Was der Maxi vielleicht noch nicht so wahrnehmen kann, ist dass ich mich auf der anderen Seite in ihn viel besser hineinversetzen kann und mich ihm dadurch eigentlich näher fühle.

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Mehreren Kindern gerecht zu werden ist eine so schwierige Aufgabe. Ich befürchte, ich meistere diese Aufgabe nicht immer so gut, wie ich sollte. Manchmal bin ich unfair, ungeduldig und manchmal werde ich dabei nur einem Kind gerecht. Mit meiner Liebe hat das nichts zu tun.

Trotzdem werde ich meine unterschiedlichen Söhne vielleicht immer unterschiedlich behandeln, weil sie von mir eben unterschiedliche Dinge einfordern. Vielleicht werden sie deshalb gelegentlich das Gefühl haben, der andere Bruder würde mehr geliebt, weil er mehr Aufmerksamkeit bekommt, oder weil er eine andere Art Aufmerksamkeit bekommt. Die wird der jeweils andere vielleicht gar nicht brauchen, aber weil die Kirschen in Bruders Garten immer besonders rot aussehen, wird er sich trotzdem benachteiligt fühlen.

Wenn sie älter werden, werden sie aber hoffentlich erkennen, dass ich sie beide jeden Tag unendlich liebe und zwar jeden so, wie er ist. Ich bin je nach Bedürfnissen und Phasen der Kinder mal dem einen und mal dem anderen näher, aber ich kann wirklich nicht sagen, dass ich einen mehr liebe als den anderen. Ich würde jederzeit für jede von beiden alles geben, was ich habe.

Weil Mütter ebensowenig wie Kinder funktionieren als wären sie Maschinen, glaube ich aber, dass es auch möglich ist, dass man sich dauerhaft einem Kind mehr verbunden fühlt. Ich denke, das ist okay- Gefühle kann man nicht steuern. Nur die Kinder sollten das nicht spüren.

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Als der Mini geboren wurde, habe ich gesagt, das Herz baut bei jedem weiteren Kind einfach an. Das glaube ich auch heute noch. Mutterliebe ist eine unendliche Resource. Aber ich habe gelernt, dass sie sich bewegt und mal mehr das eine Kind, mal mehr das andere Kind im Fokus hat.

Das gilt im Übrigen auch für die Kinder: Am Wochenende war ich beim Mini komplett abgemeldet. Ich durfte ihm noch nicht einmal die Windel wechseln. Alles musste der Papa machen. Zum Glück weiß ich, dass er mich genauso sehr liebt, wie seinen Vater!

Wie ist das bei Euch? Ist es klarer, wenn man zwei sehr ähnliche Kinder hat? Oder empfindet Ihr tatsächlich unterschiedlich für Eure Kinder?

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Der Weg Deines Lebens

An dem Tag, an dem ich Mutter wurde, habe ich den ersten Schritt einer langen Reise getan. Ja, mir kommt das Leben mit Kindern manchmal vor wie eine sehr spannende Reise. In den ersten Wochen haben wir noch das Gefühl, wir Eltern seien diejenigen, die dabei vorausgingen, aber je länger wir auf dieser Reise unterwegs sind, umso deutlicher wird, dass es die Kinder sind, die sowohl die Richtung als auch das Tempo vorgeben.

Ich bin nah dran, aber die Richtung gibt der Maxi vor.
Ich bin nah dran, aber die Richtung gibt der Maxi vor.

Ich laufe nun schon seit fast fünf Jahren meinen Kindern auf ihrem Weg hinterher.  Im Grunde gibt es ja nicht viel zu tun- man räumt mal ein Hindernis aus dem Weg oder passt auf, dass die Kinder nicht zu weit vom Weg abkommen. Eigentlich sollte ich also bloß noch pfeifend, die Hände auf dem Rücken verschränkt in einigen Metern Abstand hinterher trotten. Aber kurz bevor ich das tue, passiert plötzlich wieder etwas Spannendes.

Der Weg hat seine Längen, soviel steht fest. Manchmal, da läuft man monatelang nur über Felder voller Feuerwehrautos und Bagger. Gelegentlich winkt einem mal ein Batman oder Spiderman am Wegesrand aufmunternd zu, aber sonst gibt es nicht viel Abwechslung.

Einmal habe ich einen Fußballverein entdeckt und gerufen: „Schau Maxi, ein Fußballverein!“, aber Maxi hat gar nicht richtig hingeschaut und ist einfach daran vorbei gegangen. Ein anderes Mal sind wir über eine Wiese voller Buntstifte gelaufen und ich habe vorgeschlagen, man könne doch anhalten und ein paar Bilder malen, aber Maxi hat nicht einen Buntstift gepflückt sondern ist einem vorbeilaufenden Minion begeistert nachgelaufen. In diesen Momenten merke ich immer, dass ich versehentlich wieder versucht habe, vorweg zu gehen. Dabei ist es ja der Weg meines Kindes.

Und ganz plötzlich, wenn man schon fast schlafwandelnd am 100. Polizeimotorrad vorbeiwankt, zieht das Kind das Tempo an und ich muss aufpassen, dass ich nicht den Anschluss verliere. Der Maxi hat das gerade getan.

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Einmal mehr habe ich gesehen, dass es für alles den richtigen Zeitpunkt gibt. Und den kennen nur unsere Kinder. Ich kann sie immer wieder auf Dinge am Wegesrand hinweisen, die ICH interessant finde, oder von denen ICH denke, dass die Zeit für sie reif wäre- wenn meine Kinder noch nicht so weit sind oder sie gerade mit anderen Dingen beschäftigt sind, werden sie achtlos weitergehen. Sie müssen die Dinge von sich aus entdecken.

Wenn sie bereit für neue Dinge sind, dann finden sie sie überall. Maxis Weg führt in diesen Wochen durch ein Dorf, in dem gerade Markt ist, und der Maxi bleibt überall stehen und nimmt an jedem Stand etwas mit. So viele Dinge funktionieren plötzlich wie von selbst.

Ich hätte den Maxi schon viel früher zu alledem zwingen können. Dann hätten wir vermutlich beide irgendwann frustriert aufgegeben oder hätten etwas erreicht und uns nicht darüber freuen können, weil wir beide keinen rechten Spaß an der Sache gehabt hätten. Ich bin keine Mutter, die viel vom sogenannten Frühförderwahn hält, aber manchmal, wenn ich sehe, was andere Kinder so alles machen, dann bin auch ich verunsichert und denke, ich müsste meinen Kindern auch mehr anbieten und sie mehr fördern. Gelegentlich neige ich dann zu Verzweiflungstaten.

Dass das Quatsch ist, hat mir der Maxi gerade wieder gezeigt. Ich denke, ich bin jetzt wieder auf dem richtigen Weg.

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Mini Me- von meinem jüngeren ich, das seinen eigenen Weg geht

Der typische Farbstich alter Fotos liegt auf dem Bild. Ein bisschen so, als hätte jemand versehentlich seinen Kaffee darüber verschüttet. Zwei dunkle Knopfaugen schauen mich aus dem Foto heraus an und sehen direkt in mein Herz. Ein kleines Mädchen auf spindeldürren Beinchen, das über einen Strand an der Riviera hüpft.

„Wahnsinn!“ staunt meine Freundin Julia. „Du siehst genauso aus wie der Maxi!“

Es ist ein Foto von 1985 und ich bin 6 Jahre alt, etwas älter, als der Maxi jetzt. Es ist schon immer offensichtlich, dass mein Sohn mir sehr ähnlich sieht, aber es ist dieses alte Foto, das mir das in einer ganz anderen Intensität vor Augen führt.

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„Mini-Me“- mit diesem Ausdruck konnte ich nie viel anfangen. Meine Kinder sind keine Mini-mes, dachte ich. Weder kleide ich mich mit ihnen im Partnerlook, noch sind sie kleine Mädchen. Außerdem sind sie eigenständige Persönlichkeiten und nicht nur kleinere Versionen ihrer Mutter.

Als ich aber mit meiner Freundin durch das alte Fotoalbum blättere und mein Blick auf dieses Bild fällt, von dem ohne den Farbschleier niemand sagen könnte, ob es den Maxi oder mich abbildet, da kann ich gar nicht anders, als in dem Maxi mein jüngeres Ich zu erkennen. Mein Mini-Me.

Das Mädchen, das ich vor vielen Jahren war, lacht auf dem Foto unbeschwert. Es war der Sommer, bevor ich in die Schule kam und ich sah nicht nur aus wie der Maxi, ich war ihm auch charakterlich so verdammt ähnlich. Ich stand mir mit meiner Schüchternheit und meinem Perfektionismus oft selbst im Weg. Heute ärgere ich manchmal darüber. Hätte ich mich ein bisschen anders verhalten und hätte ich mich manchmal einfach angepasst, wäre vieles besser gelaufen. Ich hätte es einfacher gehabt.

Und dann sehe ich meinen Sohn und ahne, dass er sein unbeschwertes Lachen an die gleichen Erfahrungen verlieren wird, wie ich. Ich weiß genau, was auf ihn zukommt und ich weiß genau, wie die wunderbare Person, die er ist, sich selber das Leben schwer machen wird.

Kann ich dagegen etwas tun? Muss ich dagegen etwas tun? Darf ich? Eigentlich muss ja jedes Kind seinen eigenen Weg finden. Wenn ich aber weiß, wo die größten Hürden für ihn sind, sollte ich ihn dann nicht hier ein bisschen schieben, da ein bisschen ziehen? Und wie könnte ich mit meiner eigenen Erfahrung zusehen, wie sich Jahre später mein Mini-Me mit den selben Dingen quält?

An Mamas Hand durchs Leben? Schön wär´s!
An Mamas Hand durchs Leben? Schön wär´s!

Ich zu sein war manchmal doof. Mein heutiges Ich zu sein ist schön. Ich weiß heute, wann es okay ist, ich selbst zu sein, und wann es besser ist, sich eine Fassade aufzusetzen und eine Rolle nach den Spielregeln zu spielen, die das Leben manchmal von mir verlangt. Als Kind wusste ich das nicht und selbst wenn ich es durchschaut hätte, ich hätte es nicht gekonnt. Ich musste meine Erfahrungen machen und davor kann ich auch meine Kinder nicht bewahren.

Ich kann sie nicht vor allem beschützen, ich weiß ja nicht einmal, vor was ich sie beschützen muss. Vielleicht entwickelt sich der Maxi ja ganz anders als ich. Vielleicht reagiert sein Umfeld anders auf ihn, als ich es erfahren habe. Vielleicht werden seine vermeintlichen Schwächen dann sein größtes Potential?

Natürlich mache ich mir hin und wieder Sorgen, das ist eine meiner Kernkompetenzen als Mutter. Ich weiß ja nicht, ob das Leben immer gut zu meinen Kindern sein wird. Wenn man irgendwo ein Rundum-sorglos-Paket kaufen könnte- ich würd´s tun. Ich wünsche mir so sehr, dass meine Kinder im Leben immer an die richtigen Mitmenschen geraten werden. Ich wünsche mir, dass ihre Persönlichkeiten nicht an äußeren Gegebenheiten zerbrechen werden. Sie sollen sich nicht verbiegen müssen und schließlich ihren Platz in dieser Welt finden. Dem Mini wird das sicher leichter fallen, als dem Maxi- so wie es meiner kleinen Schwester leichter gefallen ist als mir.

Einmal mehr muss ich als Mutter den Kopf ausschalten, tief durchatmen und loslassen. Jedes Kind hat seine Besonderheiten und sie müssen alle ihren eigenen Weg finden- Eure genauso wie der Maxi. Und wir werden ihnen dabei helfen, weil wir da sind und weil wir ihre Mütter sind, die sie verstehen.
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Schon bald werden sie größer sein als ich.

Manchmal fange ich an zu träumen, wenn ich eine andere Mutter mit ihrem Sohn sehe.

:::Mit 8:::

Wenn deren Sohn etwa 8 Jahre alt ist und einem meiner Söhne ein bißchen ähnlich sieht, dann stelle ich mir vor wie es sein wird, wenn ich eines Tages einen so großen Sohn haben werde.

Die Zeit wird wohl kommen, in der der Mini tatsächlich seinen Schnuller und seinen „Kuschel“ ablegen und ein großer Junge werden wird! Dann werde ich vielleicht wie diese andere Mutter mit ihm durch die Stadt laufen, um ihm neue Schuhe in einer riesigen Größe zu kaufen. Er wird neben mit her laufen und wir werden uns richtig unterhalten. Was für ein Typ er wohl sein wird? Im Moment stelle ich mir vor, dass er immer so bleiben wird, wie er heute ist: Wild und witzig. Vielleicht erzählt er mir eine lustige Geschichte, während wir durch die Stadt laufen und ich werde lachen und nach alter Gewohnheit seine Hand ergreifen, die er mir sofort empört entzieht.

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 :::Mit 17:::

Wenn der Sohn der anderen Mutter etwa 17 Jahre alt ist, dann stelle ich mir vor, wie meine Söhne in diesem Alter sein werden.

Mir gefällt die Vorstellung, dass sie zu netten und höflichen jungen Männern geworden sind.  Werden sie immer noch so süß aussehen? Ich persönlich finde meine Söhne ja so schön, dass ich überzeugt davon bin, die Stadt Bonn wird vor unserer Haustür eine Bushaltestelle einrichten, damit die Scharen von Mädchen unser Haus besser erreichen können. Werden Sie mit 17 schon eine Freundin haben? Werde ich sie mögen?

Ich stelle mir vor, wie sie abends auf Partys gehen und hoffe, dass wir ihre Freunde kennen und mögen werden. Nachts werde ich vermutlich wach im Bett liegen und  mit gespitzten Ohren darauf warten, dass ich höre, wie sie nach Hause kommen. Dann werde ich daran denken, wie schön es war, als ich nachts deswegen wach lag, weil einer von ihnen in mein Bett gekrabbelt kam. Wie sie sich an mich gekuschelt haben und ich manchmal müde gedacht habe: „Ach wären sie doch schon ein bißchen größer!“

In meiner Vorstellung ist es eine aufregende Zeit. Sie werden anfangen Auto zu fahren, auszugehen und selbständig zu werden. Längst sind sie größer als ich und ich schaue stolz zu ihnen auf. Vielleicht ist unser Familienleben durch ihre Pubertät verändert, aber auch wenn sie mich manchmal nerven, werde ich unendlich stolz auf sie sein. Es wird die Zeit sein, in der der Tag näher rückt, an dem sie ihren Koffer nehmen und ausziehen um ihrer eigenen Wege zu gehen. Wenn es erstmal so weit ist, wird mich der Gedanke hoffentlich nicht mehr so wehmütig machen wie jetzt.

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 :::Mit 60:::

Im Wartezimmer beim Arzt habe ich diese Woche eine etwa 80 Jahre alte Frau gesehen, die von ihrem mindestens 60 Jahre alten Sohn begleitet wurde. Was für eine glückliche Frau!

Werde auch ich eines Tages alt und grau durch die Welt gehen und mich dabei hin und wieder auf den Arm einer meiner Söhne stützen dürfen? Werden sie in der Nähe wohnen und ihre alten Eltern manchmal besuchen? Werden wir auf ihren Hochzeiten getanzt haben und ihre Kinder im Arm halten dürfen?

 :::Babies:::

Wenn ich eine Mutter mit einem Baby auf der Straße sehe, muss ich fast immer lächeln.  Dann denke ich, dass diese Mutter vielleicht eine unruhige Nacht mit ihrem Baby hatte und jetzt gerade auf die Uhr guckt, weil sie denkt, das Baby müsste bald wieder gestillt werden und mir wird klar, wie weit ich mich von diesen Babythemen schon entfernt habe. Dabei ist es doch eigentlich erst gestern gewesen, dass ich den Maxi zum ersten Mal in den Arm gelegt bekam. Vielleicht schaut mir die frischgebackene Mutter hinterher, wie ich mit meinen Söhnen auf den Spielplatz laufe: Der Mini auf seinem Laufrad, der Maxi auf seinem Fahrrad und ich mit den Sandsachen hinterher.

Und vielleicht wird sie sich dann vorstellen, wie es ist, wenn ihr Baby auch einmal so groß sein wird.

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Wie lange noch? Vom Festhalten und Loslassen.

Am Sonntag ist etwas Großartiges passiert: Ich bin aufgewacht. Ja, wirklich! Ich bin aufgewacht.
In den letzten viereinhalb Jahren bin ich eigentlich nie aufgewacht. Ich WURDE geweckt, und das ist ein Unterschied, dessen Dimension man vielleicht erst erkennt, wenn man einen gewissen Grad der Erschöpfung erreicht hat.

Ich schlug die Augen auf und tastete nach meinem Wecker. Ohne Brille blind wie ein Maulwurf führte ich die Anzeige bis zwei Zentimeter vor meine Nase heran. 7:35 Uhr- krass!

Das war eine wunderbare neue Erfahrung und während ich mich reckte und streckte fand ich, dass es sich sehr erwachsen anfühlte. Halt! Stop! Erwachsen? Nein! Hilfe!

Natürlich sind meine Söhne noch lange nicht erwachsen. Sie sind noch so klein und ihre Welt ist es auch. Aber wie lange noch?

Wie lange noch werden sie nachts aufwachen und dann ganz automatisch nach mir rufen, weil ihre Angst sofort verfliegt, wenn ich neben ihrem Bett auftauche und sie meine Hand nehmen können? Sie rufen nach mir, sobald sie morgens aufwachen, weil ihr Tag nur mit mir beginnen kann. Ich mache ihnen ihre geliebte Milch und trinke neben ihnen meinen Kaffee. Wir sind zusammen und ihre Welt ist in Ordnung. Wie lange wird das noch so einfach sein?

Wie lange noch werden sie sich nach jedem Sturz umsehen, wo ihre Mutter ist? Sobald sie mich entdeckt haben, verzieht sich ihr Gesicht zu einem herzzerreißenden Weinen. Ich nehme sie auf den Schoß und während sie dort ganz fürchterlich schluchzen, ist eigentlich schon alles wieder gut, weil Mama ja irgendwie den Schreck und den Schmerz für sie übernimmt.

Wie lange werden sie mir noch in die Arme fliegen, wenn ich sie aus der Kita abhole? „Meine Mama“ ruft der Mini und rennt mir strahlend entgegen. Sie sind gerne in der Kita, aber wenn sie mich sehen, dann sind sie schon zu Hause. Ich bin ihr zu Hause, denn wenn ich bei ihnen bin, dann fühlen sie sich wie in einem geschützten Raum- egal wo wir sind. Mit mir in ihrer Nähe sind sie mutige kleine Weltentdecker.

Wie lange noch werden sie zu mir kommen und mir ihre kleinen Ärmchen entgegenstrecken, damit ich sie auf den Arm nehme? Wenn sie müde sind, oder wenn sie gerade nicht wissen, wohin mit sich. Wenn sie eine Pause brauchen oder wenn ein Bruder den anderen geärgert hat, dann gibt es für sie keinen sichereren Ort, als meinen Arm. Ein bisschen erhöht und damit weg von dem, was sie gerade überfordert thronen sie auf meinem Arm und legen ihr kleines Köpfchen auf meine Schulter.

Wie lange werden wir uns auch körperlich noch so nah sein? Noch gehört es zu unserem Alltag, dass ich sie abknutsche, dass wir uns gegenseitig umarmen und durchkitzeln. Sie drücken mir ihre saftigen Küsse ins Gesicht und kuscheln sich an mich- einfach so. Ich beiße in ihre kleinen Zehen, ich küsse ihre Arme und Beine und umarme sie, wann immer ich einen von ihnen erwischen kann.
Wenn ich sie aus der Kita hole, drücke ich ihre süßen kleinen Gesichter an meines und ich vergrabe meine Nase in ihrem Hals- ich liebe diesen Duft!
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Was ist das für ein Glück, so wichtig für zwei kleine Menschen zu sein! Was für eine Aufgabe, was für eine Ehre ihre Mutter sein zu dürfen. Wie lange werde ich wohl noch der wichtigste Mensch in ihrem Leben sein dürfen?

Vor vier Jahren war der Maxi ein winziges Baby. Ich hatte dieses winzige Wesen ungefähr 20 Stunden am Tag an meinem Körper- die übrigen 4 Stunden verbrachte er auf dem Arm seines Vaters. Heute braucht dieses kleine Wesen viel, viel weniger Körperkontakt. Mein Baby verbringt Nachmittage alleine bei Freunden und trägt Schuhgröße 30. Und manchmal wehrt es sich doch tatsächlich gegen meine Küsse!

Mutterliebe

Ich weiß, dass ich sie nicht festhalten darf. Ich weiß, dass es meine Aufgabe ist, sie zu selbständigen Menschen zu erziehen. Als das Babyfon an geht, höre ich, wie die beiden Jungs miteinander spielen. Stolz lächelnd liege ich zufrieden in meinem Bett und lausche den Stimmen meiner Söhne. Als endlich das erste „Mamaaa!“ ertönt, bin ich sehr glücklich.

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Die Aufgaben wachsen mit ihren Eltern

Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Eltern wissen das, die haben schließlich ihre wandelnden Aufgaben um sich herum, und gar nicht so selten das Gefühl, ihnen nicht gewachsen zu sein. Und egal wie sehr man über sich hinauswächst: Diese spezielle Sorte Aufgaben wächst mit!

Ich zum Beispiel. Ich hatte ein Baby. Klitzeklein. Dann drehte ich mich einmal um und plötzlich bin ich Mutter eines Dreieinhalbjährigen. Kaum habe ich mich daran gewöhnt, dass mein Baby kein Baby mehr ist, warten neue Aufgaben. Genau genommen ist es immer dieselbe Aufgabe, die allerdings aus vielen, vielen Leveln besteht: Loslassen.

Neulich habe ich ein neues Level erreicht. Zum Abschluss des Kindergartenjahres fuhr Maxis Gruppe in den Kölner Zoo. Kurz zu den Details: Sie fuhren mit einem Reisebus und der Kölner Zoo ist 30 Kilometer von meinem Küchentisch entfernt. Mein erster Gedanke: Ich brauch ´n Schnaps!

„Sie können mich gerne auf die Liste der Eltern setzen“, sagte ich nur 30 Minuten nachdem die Ankündigungsmail in meinem Postfach gelandet war zur Leiterin der Kita. Schließlich ist der Maxi das jüngste Kind in der Gruppe und dann ist es ja nur fair, wenn ich mich freiwillig bereit erkläre, die für diesen Ausflug erforderliche zusätzliche Anzahl an Aufsichtspersonen zu unterstützen.

Die Kitaleiterin fand das sehr nett von mir. Sie hat mich trotzdem ausgelacht und mitgenommen haben sie mich auch nicht. Die Kinder sind tatsächlich ganz alleine und nur mit ihren Erzieherinnen gefahren.

Am Morgen der Abfahrt unterdrückte ich jeden Impuls, der mich schreien lassen wollte: „Der Maxi ist aber erst 3, ne?! Der muss an die Hand, das wisst Ihr, ne?!“

Seeeehr tapfer ließ ich den Maxi ziehen, als wäre es ein ganz normaler Kita Tag. Bilder von Busunglücken und Kindern, die über irgendwelche Zäune von Tigerkäfigen klettern kann man ja mit Schokolade betäuben.

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Dieser Ausflug war für mich mindestens so aufregend, wie für den Maxi. Die Kita ist Maxis eigene kleine Welt, über die ich viel zu wenig weiß. Nur hier und da lässt er mal ein paar Informationen raus, und gelegentlich rede ich mit den Erzieherinnen, aber der Großteil seiner Zeit in der Kita bleibt für mich ein großes Fragezeichen. In der Kita ist er ohne Mama, ohne Papa, ohne Familie unterwegs, das ist sein erster kleiner Schritt in die Selbständigkeit. Wenn er nun mit dieser Welt, die ich nicht betreten kann, einen Ausflug macht, dann ist die gefühlte Entfernung deutlich größer als 30 Kilometer.

Ausflug

Am Nachmittag wartete ich mit den anderen Eltern vor der Kita auf die Ankunft des Reisebusses (und war nicht alleine aufgeregt!) Der Bus bog hupend in die Straße vor der Kita ein und als alle Eltern ihre Kameras zückten, war ich mir kurz nicht ganz sicher, ob da nun wirklich unsere Kinder aus dem Bus aussteigen würden, oder doch die Fußball- Nationalmannschaft. Mit größerer Begeisterung sind Müller, Schweinsteiger und Co jedenfalls auch noch nicht empfangen worden.

„Und, welches Kind ist auf dem Rückweg im Bus eingeschlafen?“, fragte ich den Maxi, der mir weniger abgekämpft als erwartet erschien. „Alle, die wir haben!“, war die Antwort.

Viel hat der Maxi natürlich nicht erzählt, aber als ich ihn abends ins Bett brachte, sagte er: „Mama, können wir da nochmal hinfahren? Mit Dir und dem Papa und dem Mini? Ich zeige Euch dann alles, ihr kennt Euch da ja nicht aus!“

„Klar, mein Schatz“, antwortete ich und staunte über mein großes Kind, das mir jetzt schon die Welt zeigt.

„Aber Mama, man muss Geld bezahlen, wenn man da rein möchte. DAS müsst IHR dann machen!“ So ganz aus dem Haus ist er wohl doch noch nicht…

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Warum ich das Kinderhaben manchmal satt bin

Was ich heute schreibe, ist unfair, das gebe ich zu.  Aber es ist, wie es ist:

Manchmal bin ich das Kinderhaben leid!

Ich bin ein Mensch, der keine Party auslassen kann, ich habe gerne viele Menschen um mich. Auf der anderen Seite brauche ich aber ganz viel Rückzug und genau diesen Rückzug habe ich als Mutter von zwei kleinen Kindern so gut wie gar nicht mehr.

Ich bin 24 Stunden am Tag mit mindestens einem Kind zusammen.

Der Mini schläft nach wie vor nur in meinem Bett und weckt mich nachts mehrere Male.

Tagsüber will der Mini inzwischen permanent unterhalten werden. Er langweilt sich zu Hause. Ich muss mir Spiele einfallen lassen oder mit ihm irgendwo hin gehen. Selten ist er momentan so gut drauf, dass er sich mit sich alleine beschäftigt. Ich kann noch nichteinmal in Ruhe einen Kaffee trinken.

Nachmittags kommt der Maxi nach Hause und ich weiß manchmal gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll- das jeweils andere Kind macht im Zweifel irgendeinen Blödsinn, wenn ich mal kurz abgelenkt bin.

Die letzten zwei Stunden des Tages sind besonders turbulent. Dann sind beide Kinder müde und hungrig. Der Mini hängt in dieser Zeit fast durchgängig auf meinem Arm- während ich das Abendessen zubereite weint er lautstark, weil er es kaum abwarten kann.

Wenn die beiden endlich im Bett sind, kann ich eigentlich auch nicht mehr, aber wenn ich schlafen ginge, wäre ich ja tatsächlich nur noch Mutter. Die ein bis zwei Stunden am Abend brauche ich, um mich wie ich zu fühlen. Ich blogge oder schaue einfach nur fern oder rede mit meinem Mann, wenn der da ist.

Die Jungs sind phantastisch. Maxi ist ein Selbstläufer, der macht einfach alles toll und ist so ganz nebenbei ein unfassbar liebevoller, verantwortungsbewusster Bruder. Manchmal ist er mir schon fast zu lieb und ich freue mich, wenn ich höre, dass er in der Kita ganz viel Quatsch gemach hat.

Der Mini kann ja auch nichts dafür. Er braucht einfach ganz viel Nähe. Momentan scheint er mir zusätzlich so eine Art Schub zu haben. Er entdeckt so langsam das Laufen und es verunsichert ihn vielleicht.

Kinder sind anstrengend, das ist so.

Ich himmele meine Kinder förmlich an, aber so sehr ich sie liebe, mein Problem ist Folgendes:

Manchmal ist es mir einfach zu viel Muttersein. Ich habe kaum Zeit für andere Dinge. Ich wünsche mir manchmal, viel mehr zu schreiben, ich vermisse den Sport, und ich habe kaum Gelegenheit, in Ruhe mit einer Freundin zu sprechen. Wenn der Mini schläft, sind da Rechnungen zu bezahlen, Wäsche zu machen, Einkäufe zu erledigen… Ich bräuchte nur ein bis zwei Stunden am Tag, in denen ich die Kinder mal nicht hätte, dann wäre alles wieder im Gleichgewicht. Statt dessen bin ich im Dauereinsatz und fühle mich ein bißchen wie gefangen.  Wenn der Mini so wie in den letzten Tagen und vor allem Nächten noch einen drauf setzt und mich tagsüber noch mehr fordert und nachts kaum zur Ruhe kommen lässt, dann ist es mir manchmal einfach zu viel. Und was macht man dann?

Nichts. Denn den Impuls, einfach alles hinzuschmeißen und wegzulaufen, müssen Mütter schon im Keim ersticken. Wir können ja nicht weg (und eigentlich wollen wir ja auch nicht).

Was mir in solchen Momenten hilft, ist in erster Linie mein Mann. Der hat ein sehr sensibles Gespür dafür, wann mir alles zu viel wird. Dann nimmt er mir die Kinder so viel ab, wie nur irgendwie geht. Letzte Nacht zum Beispiel, hat er kaum geschlafen, weil er bis 1:30 den Mini herumgetragen und danach mit ihm auf dem Sofa geschlafen hat. Und während ich diese Zeilen schreibe, liegt er mit dem Mini im Schlafzimmer, weil der mal wieder nach 10 Minuten Schlaf in seinem Bett weinte und nur mit Körperkontakt wieder einschlafen konnte. (Und bevor jetzt wieder einer schimpft: Nein, dass kann der Mann nicht jeden Tag machen, das lässt sein Managerjob nicht zu).

Außerdem hilft mir die Erkenntnis, dass immer dann, wenn ich gar nicht mehr kann, irgendetwas passiert. Irgendetwas ändert sich und dann kann ich mit neuer Energie weiter machen. Sie begeistern mich und schaffen es damit, meine Prioritäten wieder in ihre Richtung zu verschieben.

Darauf warte ich jetzt!

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