Auch an blöden Tagen

Ich habe es einfach so hingeschrieben, als wäre es das einfachste der Welt: Wie einfach Familie sein kann! Dabei ist es in Wahrheit längst nicht immer einfach. Im Gegenteil.

Natürlich hatte ich in meinem letzten Post von Familie im Urlaub gesprochen, und das ist eine ganz andere Geschichte als die von der Familie im Alltag. Dennoch musste ich über mich selber und meinen eigenen Text schmunzeln, als sich schon am nächsten Tag meine Söhne so sehr und so ausdauernd in den Haaren hatten, dass ich am liebsten laut fluchend abgereist wäre.

Also erzähle ich Euch heute die andere Geschichte meiner Familie. Weiterlesen

Sind die anstrengendsten Jahre vorbei?

Als meine kleine Schwester vor fünf Monaten Mutter wurde, ging es ihr wie den meisten von uns: Eine explosive Mischung aus Schlafentzug und Hormonen, gepaart mit unendlich vielen neuen Gedanken und Fragen im Kopf traf sie mit voller Wucht. Sie war stolz, glücklich und dankbar, aber einfach zu müde, um ihr Glück in vollen Zügen genießen zu können. Ich gab die erfahrene große Schwester und erzählte ihr, dass es sehr schnell entspannter werden würde. „Nach ein paar Wochen wird es schlagartig besser!“ Sie glaubte mir nicht. Ich lächelte wissend.

Natürlich behielt ich Recht. So war es ja auch bei mir:

Die ersten Wochen mit dem Maxi waren hart. Ich war wirklich glücklich und liebte dieses Kind wie wahnsinnig. Wochenlang konnte ich nur sagen: „Oh Gott, ist der süß!“ Mein Schwager witzelte schon, dass vermutlich „süß“ das erste Wort sein würde, das der Maxi sprechen würde (es ist dann doch Wauwau geworden). Aber ich war so müde, dass ich einschlief, sobald ich mich irgendwo hinsetzte. Maxi hatte jeden Abend seine Schreistunden und ich war verzweifelt. Noch verzweifelter wurde ich, als ich sah, dass er auf dem Arm meines Mannes weniger schrie. In den ersten Tagen habe ich viel geweint, weil ich so müde und so überfordert war, und dann auch noch diese blöden Hormone.

Aber nach ein paar Wochen löste sich der Spuk ganz plötzlich auf:  die Nächte wurden besser und die Tage auch. Es blieb anstrengend, aber besser. Und schöner. Und viel routinierter.

Nach zweieinhalb Jahren kam der Mini dazu und brachte diese schöne Routine wieder komplett durcheinander.

Der Mann und ich stritten erneut über Rollenverteilung, ich verzweifelte daran, zwei Kinder ins Bett zu bringen, ich hatte das Gefühl, mich klonen zu müssen und war immer wieder am Ende meiner Kräfte. Meine Güte, war das laut hier!

Es dauerte dieses Mal etwas länger, aber dann wurde es wieder besser. Und heute? Heute habe ich das Gefühl, alles ist gut.

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Wenn ich die Kinder heute ins Bett bringe, dann lese ich erst mit dem Mini und danach mit dem Maxi ein Buch. Dann sage ich: „So, Kinder, acht Uhr!“ Und der Mini antwortet: „Nachtruha!“ und springt ins Bett.  Jedes Kind wird mit unendlich vielen Küssen und Umarmungen versorgt, wir singen noch 2-200 Schlaflieder und sagen dem lieben Gott Danke. Und dann verabschiede ich mich mit einem“ Schlaft gut, träumt schön, ich liebe Euch!“ aus dem Zimmer. Fertig.

Ich trage wieder ganz normale Handtaschen- keine Weekender mehr. Wenn wir das Haus verlassen, müssen wir nur noch eine Ersatzwindel und Feuchttücher einpacken. Keinen Brei, keine Getränke, keine Snacks. Bevor die Kinder verhungern oder verdursten, kaufe ich ihnen in der nächsten Bäckerei etwas. Ach, ist das ehrlich einfach!

Die Dachbox fürs Auto haben wir wieder verkauft. Wir fahren inzwischen wieder ohne Reisebetten, ohne Kinderwagen ohne unendlich viel Kram in den Urlaub.

Wir haben am Wochenende wieder Zeit. Der Mini braut keinen Mittagsschlaf mehr und so wird der Tag nicht mehr in ein Zeitfenster vor und dies nach dem Mittagsschlaf zerrissen. Wir gucken nicht mehr auf die Uhr.

Meine Kinder können sprechen. Sie können mir sagen, was sie wollen und sie können mir sagen, was ihnen weh tut. Das ist eine riesige Erleichterung.

Die Jungs spielen miteinander. Manchmal sogar ganz ohne mich und so lange, dass ich in Ruhe einen Kaffee trinken kann.

Wir können mit den Jungs in Cafés und Restaurants gehen, ohne, dass wir unser Essen dort hinunterschlingen müssen, damit wir gehen können, bevor die Kinder das Inventar zerstört haben. Sie sitzen mit uns am Tisch. Wir alle vier, als Familie. Das ist richtig toll!

Begeistert von meinen großen Kindern und von diesem Gefühl, dass tatsächlich Ruhe in unseren Alltag eingekehrt ist, sagte ich zu meiner Mutter:

„Ich glaube, die anstrengenden Jahre sind vorbei!“ Meine Mutter erwiderte, mit Kindern kehrt nie Ruhe ein, aber ich glaubte ihr nicht und antwortete: „Mich haut jetzt nix mehr um!“ Sie lächelte wissend.

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