Wenn Du losgehst

„In 10 Minuten findet oben ein Rockkonzert statt!“ Huh, Rockstars können sehr laut brüllen, das kann ich Euch sagen!

Der Maxi jedenfalls träumt von einer Karriere auf der ganz großen Bühne und hat neuerdings ein entsprechendes Spielzeug in seinem Zimmer: Einen Bass. Es versteht sich von selbst, dass diese Idee auf Maxis und Papas Mist gewachsen ist. Ich hätte ihm niemals einen echten Bass ins Kinderzimmer gestellt, ich wohne schließlich in diesem Haus. Aber der Mann, selber Bassist in einer Band, war wohl so begeistert von dem Wunsch seines Sohnes, dass er flugs eines seiner vielen Modelle für Maxis Übungsgerät erklärt hat. Nebst Verstärker!! Jaa, jetzt könnt Ihr Euch vorstellen, wie gemütlich wir es hier haben. Weiterlesen

Abschied auf Raten

Ein Wohnzimmer mitten in Deutschland. Rufen. Kreischen. Zanken. „Ich bin dran, Papa, ich bin dran!“

Zwei kleine Jungs hängen am Bein ihres Vaters und streiten darum, wer als nächster auf seinem Rücken Rodeo-Reiten spielen darf. Der Vater lacht, eins der Kinder weint vermutlich gleich, weil es den Ellenbogen des anderen ins Auge bekommen hat oder ähnliches. Es ist so laut und so wild. Es ist mein Wohnzimmer.

Die meisten meiner Blogposts entstehen in Situationen wie diesen. Weiterlesen

Mini Me- von meinem jüngeren ich, das seinen eigenen Weg geht

Der typische Farbstich alter Fotos liegt auf dem Bild. Ein bisschen so, als hätte jemand versehentlich seinen Kaffee darüber verschüttet. Zwei dunkle Knopfaugen schauen mich aus dem Foto heraus an und sehen direkt in mein Herz. Ein kleines Mädchen auf spindeldürren Beinchen, das über einen Strand an der Riviera hüpft.

„Wahnsinn!“ staunt meine Freundin Julia. „Du siehst genauso aus wie der Maxi!“

Es ist ein Foto von 1985 und ich bin 6 Jahre alt, etwas älter, als der Maxi jetzt. Es ist schon immer offensichtlich, dass mein Sohn mir sehr ähnlich sieht, aber es ist dieses alte Foto, das mir das in einer ganz anderen Intensität vor Augen führt.

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„Mini-Me“- mit diesem Ausdruck konnte ich nie viel anfangen. Meine Kinder sind keine Mini-mes, dachte ich. Weder kleide ich mich mit ihnen im Partnerlook, noch sind sie kleine Mädchen. Außerdem sind sie eigenständige Persönlichkeiten und nicht nur kleinere Versionen ihrer Mutter.

Als ich aber mit meiner Freundin durch das alte Fotoalbum blättere und mein Blick auf dieses Bild fällt, von dem ohne den Farbschleier niemand sagen könnte, ob es den Maxi oder mich abbildet, da kann ich gar nicht anders, als in dem Maxi mein jüngeres Ich zu erkennen. Mein Mini-Me.

Das Mädchen, das ich vor vielen Jahren war, lacht auf dem Foto unbeschwert. Es war der Sommer, bevor ich in die Schule kam und ich sah nicht nur aus wie der Maxi, ich war ihm auch charakterlich so verdammt ähnlich. Ich stand mir mit meiner Schüchternheit und meinem Perfektionismus oft selbst im Weg. Heute ärgere ich manchmal darüber. Hätte ich mich ein bisschen anders verhalten und hätte ich mich manchmal einfach angepasst, wäre vieles besser gelaufen. Ich hätte es einfacher gehabt.

Und dann sehe ich meinen Sohn und ahne, dass er sein unbeschwertes Lachen an die gleichen Erfahrungen verlieren wird, wie ich. Ich weiß genau, was auf ihn zukommt und ich weiß genau, wie die wunderbare Person, die er ist, sich selber das Leben schwer machen wird.

Kann ich dagegen etwas tun? Muss ich dagegen etwas tun? Darf ich? Eigentlich muss ja jedes Kind seinen eigenen Weg finden. Wenn ich aber weiß, wo die größten Hürden für ihn sind, sollte ich ihn dann nicht hier ein bisschen schieben, da ein bisschen ziehen? Und wie könnte ich mit meiner eigenen Erfahrung zusehen, wie sich Jahre später mein Mini-Me mit den selben Dingen quält?

An Mamas Hand durchs Leben? Schön wär´s!
An Mamas Hand durchs Leben? Schön wär´s!

Ich zu sein war manchmal doof. Mein heutiges Ich zu sein ist schön. Ich weiß heute, wann es okay ist, ich selbst zu sein, und wann es besser ist, sich eine Fassade aufzusetzen und eine Rolle nach den Spielregeln zu spielen, die das Leben manchmal von mir verlangt. Als Kind wusste ich das nicht und selbst wenn ich es durchschaut hätte, ich hätte es nicht gekonnt. Ich musste meine Erfahrungen machen und davor kann ich auch meine Kinder nicht bewahren.

Ich kann sie nicht vor allem beschützen, ich weiß ja nicht einmal, vor was ich sie beschützen muss. Vielleicht entwickelt sich der Maxi ja ganz anders als ich. Vielleicht reagiert sein Umfeld anders auf ihn, als ich es erfahren habe. Vielleicht werden seine vermeintlichen Schwächen dann sein größtes Potential?

Natürlich mache ich mir hin und wieder Sorgen, das ist eine meiner Kernkompetenzen als Mutter. Ich weiß ja nicht, ob das Leben immer gut zu meinen Kindern sein wird. Wenn man irgendwo ein Rundum-sorglos-Paket kaufen könnte- ich würd´s tun. Ich wünsche mir so sehr, dass meine Kinder im Leben immer an die richtigen Mitmenschen geraten werden. Ich wünsche mir, dass ihre Persönlichkeiten nicht an äußeren Gegebenheiten zerbrechen werden. Sie sollen sich nicht verbiegen müssen und schließlich ihren Platz in dieser Welt finden. Dem Mini wird das sicher leichter fallen, als dem Maxi- so wie es meiner kleinen Schwester leichter gefallen ist als mir.

Einmal mehr muss ich als Mutter den Kopf ausschalten, tief durchatmen und loslassen. Jedes Kind hat seine Besonderheiten und sie müssen alle ihren eigenen Weg finden- Eure genauso wie der Maxi. Und wir werden ihnen dabei helfen, weil wir da sind und weil wir ihre Mütter sind, die sie verstehen.
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Wie lange noch? Vom Festhalten und Loslassen.

Am Sonntag ist etwas Großartiges passiert: Ich bin aufgewacht. Ja, wirklich! Ich bin aufgewacht.
In den letzten viereinhalb Jahren bin ich eigentlich nie aufgewacht. Ich WURDE geweckt, und das ist ein Unterschied, dessen Dimension man vielleicht erst erkennt, wenn man einen gewissen Grad der Erschöpfung erreicht hat.

Ich schlug die Augen auf und tastete nach meinem Wecker. Ohne Brille blind wie ein Maulwurf führte ich die Anzeige bis zwei Zentimeter vor meine Nase heran. 7:35 Uhr- krass!

Das war eine wunderbare neue Erfahrung und während ich mich reckte und streckte fand ich, dass es sich sehr erwachsen anfühlte. Halt! Stop! Erwachsen? Nein! Hilfe!

Natürlich sind meine Söhne noch lange nicht erwachsen. Sie sind noch so klein und ihre Welt ist es auch. Aber wie lange noch?

Wie lange noch werden sie nachts aufwachen und dann ganz automatisch nach mir rufen, weil ihre Angst sofort verfliegt, wenn ich neben ihrem Bett auftauche und sie meine Hand nehmen können? Sie rufen nach mir, sobald sie morgens aufwachen, weil ihr Tag nur mit mir beginnen kann. Ich mache ihnen ihre geliebte Milch und trinke neben ihnen meinen Kaffee. Wir sind zusammen und ihre Welt ist in Ordnung. Wie lange wird das noch so einfach sein?

Wie lange noch werden sie sich nach jedem Sturz umsehen, wo ihre Mutter ist? Sobald sie mich entdeckt haben, verzieht sich ihr Gesicht zu einem herzzerreißenden Weinen. Ich nehme sie auf den Schoß und während sie dort ganz fürchterlich schluchzen, ist eigentlich schon alles wieder gut, weil Mama ja irgendwie den Schreck und den Schmerz für sie übernimmt.

Wie lange werden sie mir noch in die Arme fliegen, wenn ich sie aus der Kita abhole? „Meine Mama“ ruft der Mini und rennt mir strahlend entgegen. Sie sind gerne in der Kita, aber wenn sie mich sehen, dann sind sie schon zu Hause. Ich bin ihr zu Hause, denn wenn ich bei ihnen bin, dann fühlen sie sich wie in einem geschützten Raum- egal wo wir sind. Mit mir in ihrer Nähe sind sie mutige kleine Weltentdecker.

Wie lange noch werden sie zu mir kommen und mir ihre kleinen Ärmchen entgegenstrecken, damit ich sie auf den Arm nehme? Wenn sie müde sind, oder wenn sie gerade nicht wissen, wohin mit sich. Wenn sie eine Pause brauchen oder wenn ein Bruder den anderen geärgert hat, dann gibt es für sie keinen sichereren Ort, als meinen Arm. Ein bisschen erhöht und damit weg von dem, was sie gerade überfordert thronen sie auf meinem Arm und legen ihr kleines Köpfchen auf meine Schulter.

Wie lange werden wir uns auch körperlich noch so nah sein? Noch gehört es zu unserem Alltag, dass ich sie abknutsche, dass wir uns gegenseitig umarmen und durchkitzeln. Sie drücken mir ihre saftigen Küsse ins Gesicht und kuscheln sich an mich- einfach so. Ich beiße in ihre kleinen Zehen, ich küsse ihre Arme und Beine und umarme sie, wann immer ich einen von ihnen erwischen kann.
Wenn ich sie aus der Kita hole, drücke ich ihre süßen kleinen Gesichter an meines und ich vergrabe meine Nase in ihrem Hals- ich liebe diesen Duft!
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Was ist das für ein Glück, so wichtig für zwei kleine Menschen zu sein! Was für eine Aufgabe, was für eine Ehre ihre Mutter sein zu dürfen. Wie lange werde ich wohl noch der wichtigste Mensch in ihrem Leben sein dürfen?

Vor vier Jahren war der Maxi ein winziges Baby. Ich hatte dieses winzige Wesen ungefähr 20 Stunden am Tag an meinem Körper- die übrigen 4 Stunden verbrachte er auf dem Arm seines Vaters. Heute braucht dieses kleine Wesen viel, viel weniger Körperkontakt. Mein Baby verbringt Nachmittage alleine bei Freunden und trägt Schuhgröße 30. Und manchmal wehrt es sich doch tatsächlich gegen meine Küsse!

Mutterliebe

Ich weiß, dass ich sie nicht festhalten darf. Ich weiß, dass es meine Aufgabe ist, sie zu selbständigen Menschen zu erziehen. Als das Babyfon an geht, höre ich, wie die beiden Jungs miteinander spielen. Stolz lächelnd liege ich zufrieden in meinem Bett und lausche den Stimmen meiner Söhne. Als endlich das erste „Mamaaa!“ ertönt, bin ich sehr glücklich.

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Kontrolle ist besser?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Sagt man so. Und ich bin mir ganz sicher, dass das ein sehr guter Rat ist, wenn es um die Reißleine beim Fallschirmspringen geht oder um den Füllstand des Jeep-Tanks vor einer Safari. Für Kinder darf das nicht gelten.

In der letzten Woche ist mir gleich zwei Mal folgende neue Erfindung begegnet:

Ein Gerät lokalisiert das Kind immer, überall punktgenau. Mittels GPS können die Eltern ihr Kind auf Schritt und Tritt verfolgen. Und noch mehr: Man kann auf dem Gebiet programmieren, in welchem Radius das Kind sich bewegt, oder Gebiete festlegen (z.B. den Wald), in die sich das Kind nicht begeben darf. Bei Überschreiten dieser programmierten Grenzen erhalten die Eltern sofort eine SMS mit exakter Positionsangabe. Wem das alles noch nicht genug ist, der kann auch noch die Funktion freischalten, mit der jederzeit Sprachkontakt zum Kind aufgenommen werden kann.

Es gruselt mich!

Jeden Abend stehe ich an den Betten meiner Söhne und jeden Abend überfällt mich dann die pure Liebe. An manchen Abenden bekommt das Glücksgefühl einen kleinen Stich versetzt und ich denke: „Denen darf nie etwas passieren!“ Damit ich schlafen kann, wische ich den Gedanken schnell beiseite, aber die Sorge um meine Kinder und die Angst, ihnen könnte etwas zustoßen läuft immer mit. Mal lauter, mal leiser. Ich würde sie so gerne ganz dick in Watte packen, mit einer zusätzlichen Schicht Noppenfolie und sie anschließend mit einem Karabinerhaken an mir festmachen, das habe ich schon oft laut ausgesprochen. Dass mich dabei jemand gehört haben muss und meinen Wunsch in ein Gerät umsetzt, das habe ich nicht gewollt.

Meine Auffassung von meiner Aufgabe als Mutter ist die, dass ich meine Kinder eines Tags voller Selbstvertrauen in die Welt hinausschicken kann.

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Solange sie klein sind und meine Nähe brauchen, halte ich sie fest. Ich springe bei jedem Mucks, erfülle jedes Bedürfnis sofort, lasse sie nicht schreien. Ich lasse sie Urvertrauen tanken ohne Ende.

Wenn sie größer werden, lasse ich zu, dass sie sich von mir loslösen. Ich bin weiter für sie da und werde das immer sein, aber ich lasse ihnen den Freiraum, den sie brauchen. Ich gehe mit ihnen den ganzen Weg, von der Bindung, über die Loslösung und Selbstentfaltung bis zur Sozialisation und von da durch ihr ganzes Leben. Ich begleite sie. Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen. Das ist meine Aufgabe.

Wie sollen meine Kinder aber Selbstvertrauen entwickeln, wenn sie nicht erleben dürfen, dass ihre Eltern ihnen vertrauen?  Wie können sie sich zu verantwortungsvollen Menschen entwickeln, wenn sie nicht auch mal Grenzen überschreiten können?

Wie sollen sie erfahren, was Selbständigkeit bedeutet, wenn sie wissen, dass sie ständig auf dem Radar ihrer Eltern sichtbar sind? In der letzten Ausgabe der Nido habe ich gelesen, dass  50 Prozent der Kinder im Jahr 2012 alleine zu Fuß in die Schule gingen. Im Jahre 1970 waren es noch 91 Prozent.

Ich will meine Kinder beschützen, so gut es geht, aber ich weiß, dass ich auch loslassen muss.

Loslassen ist zum Glück kein Ereignis, das auf einen bestimmten Tag fällt, an dem man es einfach tun muss. Loslassen passiert langsam, Stück für Stück. Noch kann ich mir nicht vorstellen, meine Kinder eines Tages alleine zu Fuß in die Schule gehen zu lassen und vielleicht werde ich es auch nicht vor der 10. Klasse schaffen, diese kostbaren Wesen alleine zum Bäcker gehen zu lassen, aber ich arbeite daran.

Ein Gerät, in das ich ihre Grenzen einprogrammiere kommt mir jedenfalls nicht ins Haus. DA ist MEINE Grenze erreicht.

Vertrauen ist gut! Kontrolle ist besser.


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P.S. Wie seht Ihr das eigentlich? Würdet Ihr so ein Gerät kaufen? Habt Ihr eines zu Hause?

Die Aufgaben wachsen mit ihren Eltern

Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Eltern wissen das, die haben schließlich ihre wandelnden Aufgaben um sich herum, und gar nicht so selten das Gefühl, ihnen nicht gewachsen zu sein. Und egal wie sehr man über sich hinauswächst: Diese spezielle Sorte Aufgaben wächst mit!

Ich zum Beispiel. Ich hatte ein Baby. Klitzeklein. Dann drehte ich mich einmal um und plötzlich bin ich Mutter eines Dreieinhalbjährigen. Kaum habe ich mich daran gewöhnt, dass mein Baby kein Baby mehr ist, warten neue Aufgaben. Genau genommen ist es immer dieselbe Aufgabe, die allerdings aus vielen, vielen Leveln besteht: Loslassen.

Neulich habe ich ein neues Level erreicht. Zum Abschluss des Kindergartenjahres fuhr Maxis Gruppe in den Kölner Zoo. Kurz zu den Details: Sie fuhren mit einem Reisebus und der Kölner Zoo ist 30 Kilometer von meinem Küchentisch entfernt. Mein erster Gedanke: Ich brauch ´n Schnaps!

„Sie können mich gerne auf die Liste der Eltern setzen“, sagte ich nur 30 Minuten nachdem die Ankündigungsmail in meinem Postfach gelandet war zur Leiterin der Kita. Schließlich ist der Maxi das jüngste Kind in der Gruppe und dann ist es ja nur fair, wenn ich mich freiwillig bereit erkläre, die für diesen Ausflug erforderliche zusätzliche Anzahl an Aufsichtspersonen zu unterstützen.

Die Kitaleiterin fand das sehr nett von mir. Sie hat mich trotzdem ausgelacht und mitgenommen haben sie mich auch nicht. Die Kinder sind tatsächlich ganz alleine und nur mit ihren Erzieherinnen gefahren.

Am Morgen der Abfahrt unterdrückte ich jeden Impuls, der mich schreien lassen wollte: „Der Maxi ist aber erst 3, ne?! Der muss an die Hand, das wisst Ihr, ne?!“

Seeeehr tapfer ließ ich den Maxi ziehen, als wäre es ein ganz normaler Kita Tag. Bilder von Busunglücken und Kindern, die über irgendwelche Zäune von Tigerkäfigen klettern kann man ja mit Schokolade betäuben.

Ausflug1

Dieser Ausflug war für mich mindestens so aufregend, wie für den Maxi. Die Kita ist Maxis eigene kleine Welt, über die ich viel zu wenig weiß. Nur hier und da lässt er mal ein paar Informationen raus, und gelegentlich rede ich mit den Erzieherinnen, aber der Großteil seiner Zeit in der Kita bleibt für mich ein großes Fragezeichen. In der Kita ist er ohne Mama, ohne Papa, ohne Familie unterwegs, das ist sein erster kleiner Schritt in die Selbständigkeit. Wenn er nun mit dieser Welt, die ich nicht betreten kann, einen Ausflug macht, dann ist die gefühlte Entfernung deutlich größer als 30 Kilometer.

Ausflug

Am Nachmittag wartete ich mit den anderen Eltern vor der Kita auf die Ankunft des Reisebusses (und war nicht alleine aufgeregt!) Der Bus bog hupend in die Straße vor der Kita ein und als alle Eltern ihre Kameras zückten, war ich mir kurz nicht ganz sicher, ob da nun wirklich unsere Kinder aus dem Bus aussteigen würden, oder doch die Fußball- Nationalmannschaft. Mit größerer Begeisterung sind Müller, Schweinsteiger und Co jedenfalls auch noch nicht empfangen worden.

„Und, welches Kind ist auf dem Rückweg im Bus eingeschlafen?“, fragte ich den Maxi, der mir weniger abgekämpft als erwartet erschien. „Alle, die wir haben!“, war die Antwort.

Viel hat der Maxi natürlich nicht erzählt, aber als ich ihn abends ins Bett brachte, sagte er: „Mama, können wir da nochmal hinfahren? Mit Dir und dem Papa und dem Mini? Ich zeige Euch dann alles, ihr kennt Euch da ja nicht aus!“

„Klar, mein Schatz“, antwortete ich und staunte über mein großes Kind, das mir jetzt schon die Welt zeigt.

„Aber Mama, man muss Geld bezahlen, wenn man da rein möchte. DAS müsst IHR dann machen!“ So ganz aus dem Haus ist er wohl doch noch nicht…

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Meilensteine. Warum der Kitastart vom Mini mir nicht leicht fällt.

Nur noch vier Monate. Nur noch vier Monate, dann wird aus meinem Baby ein Kitakind!

Wie aufregend das ist, habe ich selber erst auf den zweiten Blick erkannt.

Als Geschwisterkind sind viele von Minis ersten Malen für mich als Mutter schon zweite Male und damit viel weniger aufregend. Als der Maxi in die Kita kam, hat mich das ein paar schlaflose Nächte gekostet. Ist es nicht noch zu früh? Ist er nicht noch zu klein? Es war der erste Punkt, in dem ich mir nicht sicher war, ob ich alles richtig mache. Bis dahin hatten sich alle Entscheidungen (wie lange stillen, wann Beikost, wo schlafen…) richtig angefühlt, aber die Sache mit der Kita lag mir schwer im Magen. Zum Glück war der Maxi vom ersten Tag an ein begeisterter Kita-Gänger und ich konnte wieder schlafen.

Der Mini geht mit mir seit 10 Monaten jeden Tag in die Kita, um seinen großen Bruder abzuholen. Für ihn ist das überhaupt nichts Neues mehr und er krabbelt fröhlich durch die Räume, während ich dem Maxi beim Schuhe zubinden helfe. Neulich durften die Eltern beim Musikkurs der Kinder zuschauen und damit ich mich ganz auf den Maxi konzentrieren konnte, durfte ich den Mini schonmal in seiner zukünftigen Gruppe abgegeben. Über eine Stunde war er dort und offenbar hat es ihm gut gefallen, denn die Erzieherin sagte, er hätte richtig gespielt und viel gelacht. Den Kitaeinstieg machen wir dann im August mit links. Alles kein Problem!

Dass mir trotzdem mulmig zumute ist, liegt daran, dass das Gefühl so merkwürdig ist, dass mein Baby groß wird. Der ist doch der Kleine, der immer bei mir auf dem Arm hängt, der noch nicht den halben Tag „alleine“ in der Kita verbringen kann. Jetzt wird der Mini auch flügge. Man mag das übertrieben finden, aber die Kita ist eine eigene Welt. Die Welt des Kindes, die es ohne die Eltern erlebt.  Vieles von dem, was sie dort erleben, ist unserer Einflussnahme weitgehend entzogen.

Für mich bedeutet das auch ein Stück Freiheit. Ich werde die Vormittage dann wieder ohne Kinder verbringen und mein Erwachsenen-Leben im Büro wieder aufnehmen. Das ist super, aber irgendwie auch traurig. Wenn wir nicht noch ein drittes Kind bekommen, dann werde ich ab jetzt bis ans Ende meiner Erwerbstätigkeit jeden Tag ins Büro rennen. Dabei finde ich es gerade so schön, die Vormittage mit dem Mini allein zu haben und die Nachmittage mit beiden Jungs. Vielleicht ist das gerade die beste Zeit meines Lebens…?

Eins steht fest: Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass ich ein Kind in die Kita gebe, ist es ein riesiger Meilenstein. Die Babyjahre sind dann vorbei. Meine Elternzeit geht für immer zu Ende.

Ich habe deshalb schnell nochmal den Genießen-Modus angeworfen. Die letzten vier Monate der Elternzeit wollen genutzt werden und ich plane gerade ein paar Kurztrips mit den Kindern. Eigentlich graut es mir immer ein bißchen vor Reisen mit Kindern, aber wenn ich erstmal wieder im Büro bin,  tut es mir bestimmt Leid, wenn ich die Zeit nicht bestmöglich genutzt habe. Meine Schwester wohnt seit einem Dreivierteljahr in Zürich und ich habe sie noch nie besucht. Ein guter Anfang fürs Ende der Elternzeit, oder?

Ergolino

So, und jetzt muss ich ausnahmsweise noch ein bißchen Werbung machen. Die Firma Ergobag hat mir nämlich für Minis Kita-Einstieg einen Kita-Rucksack für ihn geschenkt. Ich würde aber nicht darüber berichten, wenn ich ihn nicht so klasse finden würde.  Schon das Design ist ein Volltreffer- allerdings momentan vor allem für den Maxi. Der ist total auf dem Feuerwehr-Trip und nimmt sich immer den Feuerwehr Klettie (das ist ein Bild, das mit Klettverschluss an den Rucksack gemacht werden kann) ab. Das Besondere an Ergobag ist aber, dass die Rucksäcke aus alten PET Flaschen hergestellt werden.

In Ländern, in denen es noch kein Pfandsystem gibt und wo die Plastikflaschen auf dem Müll landen würden, werden PET-Flaschen gesammelt, recycelt und von Ergobag zu Rucksack-Textilien verarbeitet.  Dazu werden sie in klitzekleine Plastikschnipsel zerlegt, zerschmolzen und schließlich zu hauchdünnen Polyesterfasern gemacht, die dann zu Stoff gewebt werden können.

Zusätzlicher, dicker Pluspunkt: Die Rucksäcke sind frei von giftigen Weichmachern (Phtalate) oder PAKs (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe).

Umweltschutz, keine Weichmacher und ein tolles Design haben mich so begeistert, dass ich Euch das hier mal ans Herz legen wollte.

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Trennungsschmerz vor der Blogst

Ein Wochenende für mich! Wohlklingende Worte, oder?

Als die Karten für die Blogst-Konferenz verkauft wurden, saß ich morgens schon um kurz vor acht vor dem Rechner. Die Karten waren innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft, aber ich hatte tatsächlich eine ergattert. Seitdem freue ich mich auf dieses Wochenende.

Es gibt nur ein Problem: Wenn ich die Verantwortung für meine Kinder abgeben muss, krieg´ich die Krise!

Zum Beispiel letzten Sonntag: Weil wir zu unterschiedlichen Zeitpunkten zurück nach Hause fahren wollten, waren mein Mann und ich mit zwei Autos unterwegs zu meinen Eltern. Maxi hatte die Sitzverteilung vorgenommen: Er wollte mit dem Papa fahren und der Mini sollte auch mit. Ich fuhr also allein.

Ich drehte die Musik gaaanz laut und hatte wirklich Spaß im Auto. Der Mann und ich haben uns immer gegenseitig überholt und damit dem Maxi eine Riesenfreude bereitet. Irgendwann hörte der Mann auf, mich zu überholen. Da wußte ich, dass der Maxi eingeschlafen war.

Ich trällerte weiter vor mich hin, aber alle paar Minuten blickte ich in den Rückspiegel um zu checken was meine Kinder hinten so machen- die waren zwar nicht da, aber das hatte meine unsichtbare Nabelschnur nicht mitgekriegt.

Und plötzlich war dieser Gedanke da: Was, wenn jetzt ein Unfall passiert? Meine drei Männer sind alle in einem Auto auf der Autobahn unterwegs. Und wenn mir was passiert, dann haben meine Kinder keine Mutter mehr. Vielleicht hätten wir uns besser zwei und zwei aufgeteilt…Ich kann mich super in solche Gedanken reinsteigern. Wenn sie einmal da sind, lassen sie mich nicht mehr los.

trennungsschmerz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man kann das albern finden, oder hysterisch, aber was dahinter steckt ist einfach die Liebe zu meinen Kindern. Ich will meine Söhne in jeder Minute beschützen. Wenn ich bei ihnen bin, fühlt es sich sicherer an. Die Unfallgefahr wäre kein bißchen geringer gewesen, wenn Maxi und Mini in meinem Auto gesessen hätten oder wir alle vier zusammen gefahren wären, aber solange ich bei ihnen bin, habe ich nicht das Gefühl, zu weit weg zum Beschützen zu sein.

So, und diese Mutter will nun ein ganzes Wochenende ohne ihre Kinder verbringen. Is kla!

„Du denkst aber dran, dass der Maxi genug trinkt, ja? Und der Mini muss regelmäßig gewickelt werden. Wenn Du ihm eine Flasche machst, achte darauf, dass Du die Mengen auch wirklich einhältst. Der Maxi kann sich alleine im Autositz abschnallen, da musst Du aufpassen. Und der Mini robbt sich nachts immer vom BabyBay ins Bett rüber, pass auf, dass er dir nicht unter die Decke gerät…“ Mein armer Mann. Seit Tagen bereite ich die Übergabe vor.

Ich freue mich tierisch auf die Blogst Konferenz und ich bin wildentschlossen, das Wochenende zu genießen, auch wenn ich die ganze Zeit ein bißchen angespannt sein werde. Ich werde den Mann nicht mit Anrufen oder SMS nerven. Mein Mann ist absolut in der Lage, seine Söhne zwei Tage zu versorgen. Gut, er wird es anders machen als ich, aber die kommen schon klar. Hat er selber gesagt:

„Du kannst ruhig auch mal eine ganze Woche wegfahren, wenn Du willst“, hat er gestern Abend gemeint. Ja, das mache ich auch. Vielleicht im Sommer.

Im Sommer 2029.

Kennt Ihr, oder? ODER??

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Weiter weg

Ich gehe so schnell ich kann. Ich kämpfe mich vorwärts, aber mit dem Kinderwagen komme ich auf dem Kiesweg nicht so schnell voran. Mein Großer ist mit Oma und Opa, meiner Schwester und deren Mann etwa zehn Meter vor mir.

Ich weiß genau, was gleich passiert und ich möchte dabei sein.

Ich strenge mich wirklich an, aber ich bin zu langsam (dieser blöde schicke Kinderwagen mit den kleinen Vorderrädern!).

Dicht gedrängt stehen die Leute am Zaun. Der Maxi hat einen Platz ganz vorne ergattert; mein Schwager hebt ihn hoch und setzt ihn auf den Zaun. Ich stehe weiter hinten. Ich war zu langsam und jetzt habe ich keine Chance mehr, mich mit dem Kinderwagen bis nach vorne zum Maxi zu drängeln.

Wir sind beim Pferderennen auf der Galopprennbahn. Gleich startet das erste Rennen und die Leute wollen vorher im Führring einen Blick auf die Pferde und Jockeys werfen.

Der Maxi sitzt da ganz vorne auf dem Zaun und ich stehe mit dem Mini ein paar Meter entfernt. Ich kann den Mini im Kinderwagen nicht alleine lassen, dabei würde ich so gerne nach vorne zum Maxi laufen.

Jetzt kommen die Pferde in den Führring.  Ich sehe den Maxi- er thront auf dem Zaun, umarmt von meiner Mutter und meinem Schwager. Es ist sein erstes Pferderennen und ich kann von hinten sehen, wie er aufgeregt glücklich strahlt.

Das wäre mein Moment gewesen. ICH wollte das mit ihm erleben.

Ich bin schon als Kind mit meinen Großeltern und meinen Eltern oft beim Pferderennen gewesen und ich habe es geliebt. Ich weiß, wie spannend es für ein Kind ist, wenn diese großen Pferde am Führung so nah an einem vorbei gehen- eine Mischung aus Faszination und Angst vor den großen Tieren. Ich wollte dieses  Erlebnis jetzt mit meinem Sohn teilen.

Wenn ich mich nicht um den Mini kümmern müsste, wäre ICH mit dem Maxi nach vorne gestürmt. ICH hätte ihn auf den Zaun gesetzt und ich würde ihn jetzt dort im Arm halten. Es liegt aber nicht am Mini, dass ich nun da stehe und bloß sehnsüchtig zu meinem Maxi schaue. Es liegt daran, dass der Maxi groß wird.

Maxi kann schon lange Dinge, für die er mich nicht mehr braucht. Das ist toll, gut, richtig und wichtig, aber es versetzt mir manchmal einen Stich.

Ich wäre gerne diejenige, die ihm alles Neue zeigen darf. Ich wäre gerne die, mit der er die schönsten Momente seiner Kindheit teilt, aber ich weiß, dass ich schon mitten drin im Loslassen bin.

Der Maxi startet durch in sein eigenes Leben, an dem ich zwar teilhaben kann, aber in dem ich wohl immer öfter nur aus der Ferne zuschauen kann. Ich werde oft das Gefühl haben, nicht mehr nahe genug dran zu sein.

Als würde ich ihm mit einem Kinderwagen auf einem Kiesweg hinterherlaufen.

Eure Mia

aufunddavon