Superman? Der alte Langweiler!

Wenn ich am Wochenende meinen Geburtstag feiere, kann ich eine sehr gute Bilanz ziehen: Ich habe ein paar graue Haare und bin  nicht mehr so knackig wie mit 20, aber davon abgesehen bin ich in der Form meines Lebens. Ich bin so effizient und leistungsstark wie nie zuvor.

I´m a Mom-what´s your superpower?

Ich funktioniere immer und überall. Am Morgen schlage ich die Augen auf und schon auf dem Weg ins Bad räume ich Schleichtiere, Klamotten und Weiterlesen

Du wolltest doch Kinder!

„Du wolltest doch Kinder!“ Gerade heute beim Mittagessen hat es wieder jemand zu mir gesagt.

Dabei hatte ich mich dieses Mal gar nicht beschwert. Ich hatte bloß dem Kollegen, der sich im Urlaub nicht langweilen will, gesagt, dass ich den Gedanken sehr verlockend fände, mich mal wieder richtig zu langweilen. Mit Kindern sei man aber eben immer im Dienst, auch im Urlaub.

Manchmal beschwere ich mich schon. Wenn die Jungs sich den ganzen Tag gestritten haben wie die Kesselflicker, wenn sie sich nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen und alle paar Sekunden aneinandergeraten und wenn ich schon einen langen Tag hinter mir habe und noch einen langen Abend vor mir, dann kommt es vor. Dann jammere ich ein bisschen darüber, dass ich keine Zeit für mich habe.

Vielleicht klingt es dann, als würde ich mein Leben reklamieren wollen. Weil ja alles so anstrengend ist und weil ich neben dem Mutter-Dasein kaum noch Raum für anderes habe.

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Kinder rauben einem den Schlaf, bringen uns an unsere Grenzen und gehen uns manchmal ganz einfach auf den Keks. Und das sind nur die ersten drei Dinge, die mir gerade eingefallen sind. Ich finde, das darf man auch mal sagen, ohne gleich ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Denn natürlich habe ich mir Kinder gewünscht, aber ganz ehrlich: Ich hatte keinen Schimmer, worauf ich mich da einlasse. Ein paar Freunde haben wohl während meiner Schwangerschaft erwähnt, dass es anstrengend werden würde, und ich habe dann die Augen verdreht und gedacht: „Boor, ja! Ich weiß! Hab ich gelesen!“ Dann wurde der Maxi geworden und ein paar Nächte später  dachte ich wütend: „Wieso hat mir keiner gesagt wie anstrengend das ist?!“

Heute ist mein „altes Leben“ Geschichte. Ich käme gar nicht auf die Idee, dem nachzutrauern. Das war eben früher, heute habe ich die Kinder, und ich bin glücklich darüber. Aber immer wieder gibt es Tage, an denen ich denke: „Verdammt, ist das anstrengend!“ Im Moment denke ich sogar oft, es wird immer schlimmer. Diese Auseinandersetzungen der Brüder sind so kräfteraubend für alle Beteiligten. Wann spielen die denn bloß endlich mal in Ruhe miteinander?

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Mit dem Muttersein geht ein Erwartungsdruck einher- ausgehend von der Gesellschaft und uns selber- immer glücklich sein zu müssen, weil es sonst ja so aussehen könnte, als wäre man keine gute Mutter. Dabei muss ich wohl kaum jeden Tag komplett begeistert von meinen Kindern sein, um meine Liebe unter Beweis zu stellen. Die meisten Dinge im Leben sind nicht 100% toll: Wir freuen uns ja zum Beispiel auch über einen gut bezahlten Job, und stöhnen trotzdem, wenn am Montagmorgen der Wecker klingelt!

Natürlich möchte niemand von mir hören, dass ich das Leben anstrengend finde. Diejenigen mit mehr als zwei Kindern denken, zwei kann man doch mit links wuppen. Diejenigen mit nur einem Kind denken, naja, so anstrengend ist es ja auch wieder nicht. Diejenigen mit unerfülltem Kinderwunsch denken, dass sie sehr gerne diese Probleme hätten. Die Alleinerziehenden denken, wenn man einen Partner hat, ist es doch ganz einfach und die Schwangeren hören sowieso nicht zu. Und die, die keine Kinder wollen, grinsen einen an und  sagen: „Aber Du wolltest doch Kinder!“

„Ja, natürlich! Das ist ja auch schön“, habe ich dem Kollegen geantwortet und der sah mich erstaunt an und hielt mich wahrscheinlich für unter Schlafmangel wahnsinnig geworden. Hat die nicht gerade eben noch gesagt…? Also, was denn jetzt?! Ist es schön, oder anstrengend?

Ich sag´s mal so: Mütter haben jedes Recht, sich auch mal zu beschweren. Warum Mütter trotzdem ständig mit glücklichem Lächeln auf den Lippen von ihren Kindern erzählen und Stein und Bein schwören, dass sie das Beste sind, was ihnen im Leben passieren konnte, DAS müssen so Leute wie mein Kollege dann schon selber herausfinden!

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Andere Leute haben viel nettere Kinder

Es war ein anstrengender Tag! Am Abend sagte ich zum Mann:

„Wir brauchen ne Nanny! Die Kinder sind so anstrengend. Ich kann nicht mehr!“

Die Jungs schliefen seit 10 Minuten und der Mann hing noch völlig geschafft von den letzten 45 Minuten auf dem Sofa.  „Aber wie machen das denn andere Leute mit kleinen Kindern?“ wollte er wissen.

Andere Leute“ antwortete ich total überzeugt, „andere Leute haben einfach nicht so schreckliche Kinder wie wir!“

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Hinter mir lag einer dieser Tage, an denen mir die Kinder den letzten Nerv rauben! Sie waren wilder als wild und lauter als laut. Immer wenn ich das Chaos vor meiner Nase beseitigte, führten sie hinter meinem Rücken die nächste Katastrophe herbei. So drehte ich mich den ganzen Tag um meine eigene Achse und kam immer 10 Sekunden zu spät am „Tatort“ an. Die Jungs stritten sich wegen nichts und gönnten einander nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Ich wußte nicht, wie ich sie auch nur für fünf Minuten vom Streiten abhalten sollte. Wenn in der „Sendung mit der Maus“ mal der Begriff „Verzweiflung“ erklärt wird, können sie einfach mein Gesicht an so einem Tag einblenden.

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Ich fluchte an diesem Abend noch eine ganze Weile über meine Kinder, die schrecklichen Biester und der Mann stimmte mit ein!  Was macht man bloß mit solchen Rabauken? Wo soll das hinführen? Ach, haben wir es schwer! (->Profitipp: Wenn man sich bei einer schönen Flasche Wein mit dem Partner über die Kinder aufregt, macht es eigentlich ziemlichen Spaß!)

Am darauffolgenden Wochenende waren wir zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Eine Nanny hatten wir immer noch nicht, aber der Babysitter hütete die Jungs. Wir kannten kaum einen der anderen Gäste, trotzdem standen wir nach kurzer Zeit ins Gespräch vertieft mit einigen anderen zusammen, denn wir hatten schnell gemerkt, dass wir alle eines gemeinsam hatten: Kinder.

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Und da standen wir Eltern nun mit unseren Drinks in einer großen Runde und hatten nichts Besseres im Sinn, als uns an unserem kinderfreien Abend über unsere Kinder zu unterhalten.

Dabei erzählten wir uns aber nicht gegenseitig, wie toll unsere Kinder sind. „Der Tom ist ja schon so weit!“ „Ja! Meine Emma auch! Die kann schon mit der linken Hand rückwärts Gedichte schreiben!“- Solche Themen sind wohl anderen Runden vorbehalten. Wir gaben lieber gegenseitig die Schandtaten unseres Nachwuchses zum Besten

Wir schüttelten die Köpfe. Wir wirkten verzweifelt. Wir verzogen ein bißchen gespielt unsere Mundwinkel. Und wir genossen es.

Mit den einleitenden Worten: „oh ja, das machen unsere ja auch gerne…“ reihte sich eine Geschichte an die andere. Der Mann und ich erzählten davon, wie unsere Jungs den abnehmbaren Drehknopf unseres Küchenherdes versteckt hatten und wir so lange nicht kochen konnten, bis wir einen neuen geliefert bekamen. Am nächsten Tag fanden wir ihn in der Ritze vom Sofa. Und wie ich mit dem Maxi bei der U8 war und sich die beiden Kinder im Behandlungszimmer wartend um drei Bücher gestritten haben. Drei Bücher, zwei Kinder- man könnte meinen, das funktioniert… Und wie der Mini neuerdings alles mit einer beeindruckenden Entschlossenheit in den Mülleimer wirft. Manches haben wir wieder herausgeholt, vieles wird noch vermisst. Vermutlich gehen auch der fehlende Schlüssel vom Gartentor und mein Fahrzeugschein auf dieses Konto (aber vielleicht habe ich beides auch selber verlegt…).Und wir beschrieben, wie die beiden jeden Tag schwerterschwingend das Haus unsicher machen.

Eine Frau wollte sich zu uns gesellen, drehte dann aber wieder ab. Wahrscheinlich haben wir sie erschreckt.

Wenn sie genau hingehört hätte, hätte sie sicher gehört, wie viel Liebe aus den Worten der Eltern triefte. Stolz beschrieben wir unsere geliebten Kinder mit ihren witzigen Eigenheiten und durchaus anstrengenden aber sehr unterhaltsamen Marotten. Diese putzigen, kleinen Terroristen, die bei uns wohnen, die unser Leben sowas von auf den Kopf stellen und die wir eigentlich in diesem Moment gerne mal kurz abknutschen würden, auch wenn sie uns noch bis vor zwei Stunden den letzten Nerv geraubt hatten.

Eltern, die Spaß daran haben, sich darüber zu unterhalten, was ihre Kinder so alles anstellen. Das muss diese Liebe sein.

Als wir nach Hause gingen waren wir sehr glücklich, weil wir mit den Geschichten unserer Jungs für so viel Erheiterung gesorgt hatten. Und anscheinend haben gar nicht nur wir so schreckliche Kinder. Wie beruhigend!

Zufrieden schliefen wir ein. Einem neuen, anstrengenden Tag entgegen.

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Warum ich das Kinderhaben manchmal satt bin

Was ich heute schreibe, ist unfair, das gebe ich zu.  Aber es ist, wie es ist:

Manchmal bin ich das Kinderhaben leid!

Ich bin ein Mensch, der keine Party auslassen kann, ich habe gerne viele Menschen um mich. Auf der anderen Seite brauche ich aber ganz viel Rückzug und genau diesen Rückzug habe ich als Mutter von zwei kleinen Kindern so gut wie gar nicht mehr.

Ich bin 24 Stunden am Tag mit mindestens einem Kind zusammen.

Der Mini schläft nach wie vor nur in meinem Bett und weckt mich nachts mehrere Male.

Tagsüber will der Mini inzwischen permanent unterhalten werden. Er langweilt sich zu Hause. Ich muss mir Spiele einfallen lassen oder mit ihm irgendwo hin gehen. Selten ist er momentan so gut drauf, dass er sich mit sich alleine beschäftigt. Ich kann noch nichteinmal in Ruhe einen Kaffee trinken.

Nachmittags kommt der Maxi nach Hause und ich weiß manchmal gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll- das jeweils andere Kind macht im Zweifel irgendeinen Blödsinn, wenn ich mal kurz abgelenkt bin.

Die letzten zwei Stunden des Tages sind besonders turbulent. Dann sind beide Kinder müde und hungrig. Der Mini hängt in dieser Zeit fast durchgängig auf meinem Arm- während ich das Abendessen zubereite weint er lautstark, weil er es kaum abwarten kann.

Wenn die beiden endlich im Bett sind, kann ich eigentlich auch nicht mehr, aber wenn ich schlafen ginge, wäre ich ja tatsächlich nur noch Mutter. Die ein bis zwei Stunden am Abend brauche ich, um mich wie ich zu fühlen. Ich blogge oder schaue einfach nur fern oder rede mit meinem Mann, wenn der da ist.

Die Jungs sind phantastisch. Maxi ist ein Selbstläufer, der macht einfach alles toll und ist so ganz nebenbei ein unfassbar liebevoller, verantwortungsbewusster Bruder. Manchmal ist er mir schon fast zu lieb und ich freue mich, wenn ich höre, dass er in der Kita ganz viel Quatsch gemach hat.

Der Mini kann ja auch nichts dafür. Er braucht einfach ganz viel Nähe. Momentan scheint er mir zusätzlich so eine Art Schub zu haben. Er entdeckt so langsam das Laufen und es verunsichert ihn vielleicht.

Kinder sind anstrengend, das ist so.

Ich himmele meine Kinder förmlich an, aber so sehr ich sie liebe, mein Problem ist Folgendes:

Manchmal ist es mir einfach zu viel Muttersein. Ich habe kaum Zeit für andere Dinge. Ich wünsche mir manchmal, viel mehr zu schreiben, ich vermisse den Sport, und ich habe kaum Gelegenheit, in Ruhe mit einer Freundin zu sprechen. Wenn der Mini schläft, sind da Rechnungen zu bezahlen, Wäsche zu machen, Einkäufe zu erledigen… Ich bräuchte nur ein bis zwei Stunden am Tag, in denen ich die Kinder mal nicht hätte, dann wäre alles wieder im Gleichgewicht. Statt dessen bin ich im Dauereinsatz und fühle mich ein bißchen wie gefangen.  Wenn der Mini so wie in den letzten Tagen und vor allem Nächten noch einen drauf setzt und mich tagsüber noch mehr fordert und nachts kaum zur Ruhe kommen lässt, dann ist es mir manchmal einfach zu viel. Und was macht man dann?

Nichts. Denn den Impuls, einfach alles hinzuschmeißen und wegzulaufen, müssen Mütter schon im Keim ersticken. Wir können ja nicht weg (und eigentlich wollen wir ja auch nicht).

Was mir in solchen Momenten hilft, ist in erster Linie mein Mann. Der hat ein sehr sensibles Gespür dafür, wann mir alles zu viel wird. Dann nimmt er mir die Kinder so viel ab, wie nur irgendwie geht. Letzte Nacht zum Beispiel, hat er kaum geschlafen, weil er bis 1:30 den Mini herumgetragen und danach mit ihm auf dem Sofa geschlafen hat. Und während ich diese Zeilen schreibe, liegt er mit dem Mini im Schlafzimmer, weil der mal wieder nach 10 Minuten Schlaf in seinem Bett weinte und nur mit Körperkontakt wieder einschlafen konnte. (Und bevor jetzt wieder einer schimpft: Nein, dass kann der Mann nicht jeden Tag machen, das lässt sein Managerjob nicht zu).

Außerdem hilft mir die Erkenntnis, dass immer dann, wenn ich gar nicht mehr kann, irgendetwas passiert. Irgendetwas ändert sich und dann kann ich mit neuer Energie weiter machen. Sie begeistern mich und schaffen es damit, meine Prioritäten wieder in ihre Richtung zu verschieben.

Darauf warte ich jetzt!

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