Wenn Du losgehst

„In 10 Minuten findet oben ein Rockkonzert statt!“ Huh, Rockstars können sehr laut brüllen, das kann ich Euch sagen!

Der Maxi jedenfalls träumt von einer Karriere auf der ganz großen Bühne und hat neuerdings ein entsprechendes Spielzeug in seinem Zimmer: Einen Bass. Es versteht sich von selbst, dass diese Idee auf Maxis und Papas Mist gewachsen ist. Ich hätte ihm niemals einen echten Bass ins Kinderzimmer gestellt, ich wohne schließlich in diesem Haus. Aber der Mann, selber Bassist in einer Band, war wohl so begeistert von dem Wunsch seines Sohnes, dass er flugs eines seiner vielen Modelle für Maxis Übungsgerät erklärt hat. Nebst Verstärker!! Jaa, jetzt könnt Ihr Euch vorstellen, wie gemütlich wir es hier haben. Weiterlesen

Mädchenjagd. Die Entstehungsgeschichte des männlichen Balzverhaltens

Eltern sind für die Wissenschaft sehr wertvoll. Sie haben Zugang zu Geheimwissen!

Ich als Mutter eines Dreijährigen darf zum Beispiel gerade das männliche Balzverhalten in seiner Entstehung beobachten.

Einige Erkenntnisse konnte ich bereits sammeln, das Thema scheint nicht allzu komplex zu sein. Für meinen wissenschaftlichen Durchbruch wird es vermutlich nicht reichen.

Aber der Reihe nach: Der Sohn pirscht sich mit knapp vier Jahren langsam aber sicher an das weibliche Geschlecht heran. Wer jetzt an putzige Annäherungsversuche denkt, wie wir sie von niedlichen schwarzweiß Postern kennen, der wird herb enttäuscht. Die Realität ist brutal. Der Sohn macht „Mädchenjagd!“

Wer auf Mädchenjagd geht, braucht eigentlich nicht viel: Eine Schaufel und mindestens einen Freund. Gemeinsam gräbt man ein Loch, eine sogenannte „Mädchenfalle“ und wartet, bis ein Mädchen einem in die Falle geht.

Von den Erzieherinnen habe ich mir sagen lassen, dass es auch eine offensivere Variante der Mädchenjagd gibt, bei der ein Rudel Jungs in den Garten stürmt und laut brüllt: „Mädchenjaaagd angesaaagt!“ Die Mädchen finden das allerdings nicht so toll und dann schreiben sie in die Freundebücher „Das mag ich gar nicht: Mädchenjagd“.

Maxi hat sich jedenfalls auf den Bau von Mädchenfallen spezialisiert.

Er sitzt täglich in der Kita im Sandkasten und schaufelt Löcher.

„Und dann?“, wollte ich von ihm wissen. „Was macht Ihr, wenn ein Mädchen in die Falle hineinfällt?“

„Dann machen wir die Falle zu!“

Aha. Gut, Männer sind häufig sehr ergebnisorientiert. Man will ein Mädchen fangen, man baut eine Falle, man macht die Falle zu. Leuchtet ein. Im Sinne der Wissenschaft versuchte ich, der Sache weiter auf den Grund zu gehen:

„Aber was macht Ihr dann?!“, wollte ich vom Sohn wissen.

Er guckte mich etwas irritiert an und antwortete: „Ja, nichts mehr!“ Tja, darin liegt vermutlich ein Faktor für die ansteigenden Scheidungsraten.

Das männliche Balzverhalten ist ein langweiliges Forschungsthema. Vermutlich wird sich im Vorgehen meines Sohnes in den nächsten 25 Jahren nicht viel ändern. Er wird mit Freunden Mädchen fangen. Die Freunde heißen dann Kumpels und sie werden (hoffentlich) keine Schaufel mitnehmen, aber in Erinnerung an die Mädchenfallenzwit von „angraben“ sprechen.  Und wenn sie eines Tages die Richtige gefunden haben, machen sie den Sack zu.

So weit, so bekannt. Aber jetzt, da ich Mutter zweier Söhne bin, könnte ich doch vielleicht etwas daraus machen. Ich könnte die Welt verändern. Angenommen, ich würde es schaffen, meinem Sohn beizubringen, dass der interessante Teil erst beginnt, wenn die Dame in die Falle gegangen ist  – das wäre revolutionär, oder? Ich sehe noch eine klitzekleine Chance auf  eine wissenschaftliche Karriere.

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P.S. Interessant ist übrigens, dass der Maxi die Falle meistens für ein bestimmtes Mädchen baut. Noch interessanter finde ich , dass dieses Mädchen tatsächlich meistens um den Sandkasten herumscharwenzelt…