So anders und mir doch so nah

Schon seit Tagen schüttele ich ständig den Kopf und denke: „Das gibt´s doch gar nicht!““ Manchmal denke ich auch: „Wow!“ Oder: „Krass!“, aber jedenfalls komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus.

Heute ist der dritte Geburtstag meines Sohnes. Es ist so ein Eltern-Ding, dass man an diesen Tagen denkt, die Kinder würden ja so schnell groß werden und sich fragt, wo denn nur die Zeit geblieben ist. Ich staune aber nicht nur deswegen, da ist noch mehr. Ich staune über dieses Kind- und das eigentlich schon seit drei Jahren.

Vielleicht liegt es daran, dass vom ersten Tag an alles ganz anders war, als erwartet.

Ich hatte die Geburt wirklich gut geplant. Ich hatte mir (ja, lacht nur) für die verschiedenen Möglichkeiten einen Plan gemacht. Was machen wir, wenn die Geburt a) morgens b) mittags c) abends oder d) nachts los geht? Wie lösen wir die unterschiedlichen Betreuungssituationen, wer kümmert sich (vorübergehend) um den Maxi- ich hatte tatsächlich eine Tabelle gemacht. Und dann kam alles so….anders!

Es ging mitten in der Nacht los und zwar mit aller Macht. Ich rief meine Mutter an, so wie es auf der Tabelle stand, aber der Mini kam so schnell zur Welt, dass meine Eltern erst im Krankenhaus auftauchten,, als der Mini schon in meinen Armen lag. Maxis Geburt hat 18 Stunden gedauert, Minis nur zwei und ich konnte es nicht fassen. Ich sah dieses Kind in meinem Arm an und sagte in Endlosschleife: „Wie schön, dass Du da bist, oh, ist das schön, dass Du bei uns bist, oh mein Gott, Du bist da, Du bist schon da, oh wie schön, dass Du bei uns bist…“ Ich konnte es einfach nicht so schnell fassen wie er plötzlich bei uns war.

Babyblog

Manchmal sehe ich ihn heute noch an und denke: „Oh, wie schön, dass Du bei uns bist!“ Und so richtig fassen kann ich es eigentlich noch immer nicht. Vielleicht liegt es daran, dass diese Geburt für mein Hirn einfach zu schnell verlaufen ist und ich es bis heute nicht geschafft habe, es so richtig zu begreifen. Ich müsste nochmal die Zeitlupe sehen, bitte!

Vielleicht liegt es auch daran, dass der Mini so anders ist, als der Maxi. Der Mann und ich sind optisch sehr unterschiedlich, noch unterschiedlicher geht nicht! Groß-klein, hell-dunkel, dickes, wildes Haar-fast gar kein Haar, große Augen-kleine Augen, volle Lippen-schmale Lippen, ich könnte ewig so weiter machen. Als der Maxi in meinem Bauch war, war alles denkbar, ich erwartete irgendeine Mischung aus dem Mann und mir. Maxi kam und sah aus wie ich. Ach so sieht der aus. Wunderschön. Alles klar. Dann kam der Mini und sah so irgendwie so …anders aus.

Nach dem Maxi hatte ich eine Vorstellung davon, wie das Baby in meinem Bauch aussehen würde. Jedenfalls so ungefähr müsste es doch sein. Der Mini ist aber blond. Ich habe ein blondes, blauäugiges Kind. Nicht nur, dass mich der große Unterschied zum Maxi so erstaunt, es wirft auch alles über den Haufen, was ich in der Schule im Biounterricht über Genetik gelernt habe.

Blonde Haare haben mich schon immer fasziniert, ich musste mich manchmal sogar auf der Straße nach blonden Menschen (okay Männern) umgucken, weil ich nicht anders konnte. Jetzt habe ich ein blondes Kind! Mein Goldjunge. Nein, ich komme aus dem Staunen nicht heraus.

Und dann ist da noch seine extrovertierte Art. Der Mini singt und lacht und tanzt den ganzen Tag. Er bewegt sich hüpfend durchs Leben und findet überall innerhalb von 2 Minuten Freunde, weil er jedem sofort sein ganzes Leben erzählt. Wie begreift man etwas, das einem selber so fremd ist?

Was mich nach alledem wirklich bewegt ist, dass mir der Mini so nah ist, in mancher Hinsicht sogar näher als alle anderen Menschen, die ich liebe. Vielleicht ist es deshalb, weil der Mini so viel mehr körperliche Nähe einfordert, als es der Maxi jemals getan hat. Der Mini kommt zu mir, legt mir seine Arme um den Hals und lächelt glücklich. Er sitzt gerne auf meinem Schoß und schmiegt sich manchmal so an mich, als wäre er ein Neugeborener und wollte zurück in meinen Bauch. Er schläft immer noch gerne in unserem Bett und robbt sich dann ganz nahe an mich heran und hält dabei Papas Hand.

Vielleicht liegt es aber auch gerade daran, dass wir so unterschiedlich sind. Ist der Mini möglicherweise gerade in diesem Gegensatz zu mir wie eine andere Seite von mir, die in ihm   lebendig wurde?

Er ist mir so vertraut, wie einem nur das eigene Kind vertraut sein kann. Jeder Millimeter seines Körpers ist mir vertraut, jede Geste, jede Bewegung ist wie ein Teil von mir und gleichzeitig betrachte ich ihn immer staunend, immer bewundert, immer noch ein bißchen ungläubig.

Hört dieses Staunen jemals auf? Werde ich es jemals fassen können, dass der Mini zu uns gekommen ist?

Vielleicht, aber es wäre schade. Denn er IST ein Wunder- wie jedes Kind. Wenn man auch nur mehr als eine Sekunde darüber nachdenkt, ist es so unfassbar, dass man ein Kind zur Welt bringen kann und dass dann ein neuer, ganz eigener Mensch zu einem gehört, der ein Teil von einem ist, und doch so anders sein kann, als man selber.

Ich staune seit drei Jahren. Heute feiern wir das. Happy Birthday, Mini!

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Im Wochenbett

In der Nacht, in der ich meinen ersten Sohn zur Welt brachte, fing es an zu schneien. Es schneite so stark, dass keine Busse mehr zur Uniklinik auf dem Venusberg hoch fuhren. Wir waren froh, dass wir noch vor dem großen Schneechaos ins Krankenhaus gefahren waren.

Es schneite mehrere Tage lang und der Schnee blieb wochenlang liegen. Wie eine dicke Schicht Watte legte sich der Schnee auf die Stadt, um unser Haus und um unsere neue kleine Welt als Familie.

Im Rheinland ist man auf Schnee selten vorbereitet. In diesem Winter hatte die Stadt zu wenig Streumaterial gekauft und so bleiben viele Straßen vereist- ein Drama für den gemeinen Rheinländer. Wir haben genau einmal versucht, den Kinderwagen durch den Schnee zu schieben bevor wir beschlossen, es uns zu Hause gemütlich zu machen und erst als der Schnee zu schmelzen begann kamen die Besucherscharen. So kam ich nach 18 Stunden Geburt zu einem sehr entspannten Wochenbett.

Im Wochenbett mit Maxi 2010
Im Wochenbett mit Maxi 2010

 

Auch zur Geburt von Sohn Nr.2 haben wir es so gerade eben noch ins Krankenhaus geschafft. Das lag aber nicht am Wetter, sondern daran, dass seine Geburt nur zwei Stunden dauerte, und ich mich die erste Stunde fragte, ob das denn jetzt wirklich echte Wehen seien. Ich kniete schnaufend im Wohnzimmer- ich hätte früher drauf kommen können…

Nach dieser kurzen Geburt sagte ich zu meiner Hebamme: „Das war ja einfach!?!“ Ich fühlte mich sofort topfit. Wenige Stunden später nahm ich eine herrliche Dusche und war bereit, Bäume auszureißen.

Ich war nicht annähernd so geschafft, wie nach Geburt Nummer 1. Natürlich dürfte das auch damit zusammenhängen, dass ich nach 2,5 Jahren als  Mutter die Begriffe „müde“ und „erholungsbedürftig“ bereits aus meinem Wortschatz gestrichen hatte.

Auf den Tag eine Woche nach Minis Geburt heiratete meine kleine Schwester in unserer 100 km entfernten Geburtsstadt.

Ich habe nicht eine Minute darüber nachgedacht, ob mir das zu anstrengend sein könnte. Selbstverständlich fuhren wir hin.

Es war wunderschön. Meine kleine Schwester war eine zauberhafte Braut und es war ein tolles Fest.

Und ich? Ich war so stolz und so glücklich. Die ganze Großfamilie war da, auch diejenigen, die meinen Mini sonst erst viel später kennengelernt hätten, weil sie viel zu weit weg wohnen. Ich wurde beglückwünscht und bekam so viele Geschenke in die Hand gedrückt, dass man hätte meinen können, ich sei die Braut. Ich durfte 100 Mal die Geschichte von Minis Geburt erzählen, was ich sehr genoss, denn in meinem Kopf und in meinem Herzen spielte sich die Geburt seit einer Woche in Endlosschleife ab. Ich habe den größten Teil der Feier in einem Lounge Bereich verbracht, wo ich dauernd stillte und wickelte und stillte und wickelte… Ich habe die Rede meines Papas verpasst und hatte auch keine Zeit, die Schwester von Berlinmittemom richtig kennenzulernen, dabei hatte ich mich darauf so gefreut (unsere Schwestern haben zusammen studiert). Aber ich war dabei. Mit meinem Baby. Stolz wie Oskar, hormongeflutet und glücklich.

Das Einzige, das mich genervt hat, waren Sprüche wie: „Was machst Du denn hier? Du bist doch im Wochenbett!“

Erst auf der Heimfahrt spürte ich die Anstrengung. Mein Beckenboden schmerzte so sehr- ich konnte nicht einmal mehr sitzen, ich wollte einfach nur liegen. Auch am nächsten Morgen war ich körperlich noch völlig geschafft. In den nächsten Wochen habe ich vorsichtshalber keine weiteren Hochzeiten besucht.

Noch einmal Stillen, bevor es in die Kirche geht.
Noch einmal Stillen, bevor es in die Kirche geht.

Zwei Dinge habe ich über das Wochenbett gelernt:

1. Es ist DEINE Zeit. Tu, was gut für Dich ist.

Ich bin ein Familienmensch, ich konnte einfach die Hochzeit meiner Schwester nicht verpassen und ich wollte unbedingt der Großfamilie mein Baby präsentieren. Ich gehörte an diesem Tag nicht ins Bett, sondern auf dieses Fest. Für mich war das wichtig. Es war die Anstrengung wert, denn das hätte ich nicht verpassen können.

Es wäre aber genauso in Ordnung gewesen, zu sagen: Ich kann das noch nicht! Man muss nicht acht Wochen lang im Bett liegen, aber man sollte sich von den Erwartungen anderer frei machen und nur das zulassen, was wirklich gut tut. Ich habe in den Wochen nach der Hochzeit ganz viel Zeit im Liegestuhl und auf dem Sofa verbracht- aber auch viel auf dem Spielplatz, denn dank Sohn Nr. 1 konnte ich natürlich nicht NUR tun, was mir gut tat. Ich habe keinen Besuch abgewehrt oder ähnliche Dinge, weil ich mich über jeden gefreut habe, der an meine Tür kam um mir zu meinem Baby zu gratulieren.  So bin ich. Wenn eine andere Frau mehr Ruhe und Rückzug braucht, dann ist das so. Gerade im Wochenbett, wo Mütter bis  in die (wochenlang nicht gefärbten) Haarspitzen voll mit Hormonen sind, darf jede so leben, wie es ihr gut tut. Abgesehen davon, dass der Körper mit Rückbildung beschäftigt ist, muss man ja schließlich Kräfte sammeln für den Alltag mit Kind!

 

2. Unterschätze das Wochenbett nicht.

Auch wenn man sich (wie ich) zum Bäumeausreißen fühlt- der Körper braucht Erholung. Wie sehr, das merkt man schon nach einem kleinen Spaziergang. Ein ganzer Tag auf einer Hochzeit inklusive 200km Fahrt- das war eigentlich zu viel. Aber da greift eben wieder Punkt Nummer 1.

 

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Dieser Beitrag ist Teil einer Blogparade, initiiert von Jana vom Hebammenblog. Weitere Beiträge findet Ihr dort.

 

 

Adventskalender #4

Manchmal probiere ich meine Lieblingsteile aus der Schwangerschaft an, um zu sehen, ob man sie nicht doch auch im nicht-schwangeren Zustand tragen kann. Ich drehe und wende mich kurz vorm Spielgel und muss dann jedes Mal einsehen: Nee, geht nicht!

Mein Herz hängt doch so an diesem schwarzen Rock, den ich im Büro immer getragen habe und an diesem schönen Kleid, das ich am Tag vor der Geburt getragen hatte, mir deshalb nachts überwarf, als die Wehen einsetzten, und in dem ich dann den Mini gebar- perfekt gekleidet 🙂 Es hängen so viele Erinnerungen an die Schwangerschaften in diesen Klamotten, dass ich mich einfach nicht von ihnen trennen mag.

Genau dieses Gefühl von Erinnerungen, die wir mit Kleidungsstücken oft verbinden, greift das Label neunmaldrei mit diesem wunderbaren Accessoire auf, das sich heute im Mama Mia Adventskalender verbirgt.

Der „Annual Scarf“ ist ein perfekter Begleiter während der Schwangerschaft und wird eben auch darüber hinaus getragen. Das Muster auf nachtblauem Hintergrund lässt das Geburtsjahr 2014 durchscheinen und trägt außerdem Bauklötze als Motiv, die aber so dezent sind, dass sie eher als Muster, als als Bausteine erkennbar sind.

Blog Gewinnspiel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Schal ist ultrasoft, 90×90 cm groß und kommt wunderhübsch verpackt in einer schwarzen Box zu Euch.

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Zu beziehen gibt es diesen Schal über neunmaldrei.com oder eben hier im Adventskalender!

Um den Schal zu gewinnen müsst Ihr einen Kommentar zu diesem Post hinterlassen und Fan der Mama Mia Facebook Seite  werden (oder sein)!

Die Gewinner werden am Sonntag, 3. Advent, ermittelt und hier im Blog bekanntgegeben.

Ich drücke Euch die Daumen, liebe Mamas 2014!

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6 Monate

Jetzt bin ich schon sechs Monate alt. Ich bin 75 cm groß und wiege knapp 8800 g.

Meine Mama denkt immer wieder gerne an diese aufregende Nacht meiner Geburt zurück.

Ich bin so richtig angekommen in meiner Familie. Ich habe natürlich schnell festgestellt, dass es sehr schwer werden dürfte, mit meinem großen Bruder gleichzuziehen. Aber ich bin ja nicht blöd, und deshalb mache ich das jetzt so: Ich bin einfach ganz anders als der Maxi. Die Rolle, die hier noch frei war, ist die des Spaßvogels, denn der Maxi ist ja eher so ein zurückhaltender und überlegter Typ. Ich dagegen strahle jeden schon von weitem an. Meine Spezialität ist es, richtig albern zu lachen. Wenn ich mit meiner Familie Kontakt aufnehmen möchte, fange ich einfach an, laut zu lachen. Dann liege ich auf meiner Krabbeldecke und lache mich kaputt. Meistens kommt dann sofort jemand angerannt und ist ganz entzückt und dann lachen wir alle zusammen. Meine Eltern denken, ich werde mal Prinz Karneval.

Ich lache übrigens so gerne, dass ich auch in scheinbar unpassenden Situationen lache, zb wenn mein Bruder hinfällt oder meiner Mama etwas aus der Hand fällt.

Seit etwa 10 Tagen kann ich mich auch im Zimmer fortbewegen, wie ich möchte, denn ich habe das Robben entdeckt. In einer Mischung aus Robben, Krabbeln und Hüpfen bewege ich mich vorwärts. Das finde ich natürlich wieder so toll, dass ich dabei manchmal einfach so vor lauter Freude laut lache. Nicht zum Lachen war allerdings, als ich vom Bett gefallen bin, weil meine Mama meine Fähigkeit zur Fortbewegung anfangs noch unterschätzt hat. Zum Glück habe ich mich nur erschrocken.

6monate

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Papa ist ja beruflich sehr eingespannt. Damit ich auch meine mir zustehende Portion Papa bekomme, wende ich folgenden Trick an: Ich schlafe nur auf Papas Arm ein. Abends bin ich meistens sehr müde, aber ich warte so lange, bis mein Papa kommt. Ich weiß ja, dass der irgendwann nach Hause kommt und so lange halte ich mich mit aller Kraft wach. Wenn mich mein Papa dann auf den Arm nimmt, strahle ich ihn einmal kurz glücklich an, und dann schlafe ich innerhalb von 30 Sekunden ein.

Was ich ansonsten vom Schlafen halte, habe ich ja hier schonmal gesagt. Daran hat sich auch nichts geändert!

Mit meiner Ernährungssituation bin ich sehr zufrieden. Ich bekomme inzwischen mittags und abends Brei und werde ansonsten weiterhin gestillt. Meine Mama stillt mich inzwischen überall, neuerdings sogar während wir spazieren gehen in der Manduca. Vielleicht hat sie sich dabei ihre Erkältung geholt.

Euer Mini

 

Da hast Du geschreit! – Geburt aus Kindersicht

Vor zweieinhalb Monaten kam unser Mini auf die Welt. Wer hier schon eine Weile mitliest, erinnert sich bestimmt an den Geburtsbericht. Mitten in der Nacht rissen wir unseren Maxi aus dem Bett und packten ihn im Schlafanzug und mit Gummistiefeln ins Auto. Er durfte natürlich nicht mit in den Kreißsaal, aber er hat doch vieles mitbekommen. Immerhin habe ich im Auto schon fast Presswehen gehabt.  Vor dem Krankenhaus habe ich mich auf den Boden geworfen als mich eine Wehe übermannte und im Krankenhausflur fiel ich gleich wieder auf alle Viere. Maxi hat vor dem Kreißsaal gewartet, während sein Papa zwischen uns hin und her lief und als ich zu laut wurde, ist er mit dem Papa in ein Wartezimmer gegangen, damit er mich nicht hören muss.

Maxi hat alles sehr interessiert aufgenommen. Ich hatte ihm schon vorher erklärt, dass Mama Bauchschmerzen bekommen würde, wenn das Baby irgendwann raus möchte. Als es dann soweit war, schien ihn das nicht zu beeindrucken.

Als meine Eltern 20 Minuten nach Minis Geburt im Krankenhaus erschienen, um Maxi abzuholen, war der zwar müde aber gut gelaunt. Zu Hause hat er sich von den Großeltern einfach wieder ins Bett bringen lassen und hat ein paar Stunden Schlaf nachgeholt, bevor er am Nachmittag freudestrahlend wieder ins Krankenhaus kam.

Ich habe oft mit ihm über diese Nacht gesprochen, aber er hat nie auch nur ein Wort darüber verloren.  Er hat sich angehört, was ich ihm erklärte, aber eine Antwort oder eine Nachfrage gab es nicht. Ich dachte schon, der hätte das alles vergessen oder zumindest, es hätte ihn nicht interessiert. Bis gestern.

Der Mini hat eine extrem blöde Technik beim Trinken- er löst nämlich ungefähr alle zwei Schlucke schmatzend das Vakuum und saugt dann wieder neu an. Dadurch sind meine Brustwarzen immer mal wieder richtig wund. So auch jetzt. Gestern hatte ich solche Schmerzen beim Stillen, dass ich ganz schön die Zähne zusammenbeißen musste.

Maxi kam angelaufen und fragte: „Mama, weinst Du?“ Ich antwortete: „Nein, so schlimm ist es nicht!“

Maxi sah mir zu, dachte offenbar nach und sagte dann langsam nickend: „Aber in der Nacht, da hast Du geschreit!“

Ich wußte nicht gleich, was er meint und fragte etwas verwundert: „Wann habe ich geschrien?“

Er antwortete: „Im Auto!“ Da wurde mir klar, dass er die Geburtsnacht meinte.

Mich überkamen tausende Gefühle gleichzeitig. Ich war gerührt, aber auch besorgt,  erstaunt, ein bißchen stolz und vor allem so voller Liebe. Da steht mein Söhnchen vor mir und wird vom Anblick seiner leidenden Mutter an die eine Situtation erinnert, in der er sie unter ganz starken Schmerzen leiden sah.

Ich hatte einen kleinen Piranha an der Brust, aber das war jetzt egal! Mit zusammengebissenen Zähnen ergriff ich die Chance und versuchte, mit meinem Sohn endlich mal die Ereignisse der Geburtsnacht zu erörtern. Wie bei allen Anläufen zuvor auch, hatte er darauf aber mal wieder keine Lust.

Statt dessen versuchte er mir zu helfen. „Mama, Du musst morgen einfach länger schlafen, dann tut es nicht mehr weh!“ Wie kommt er denn darauf? Oh Gott, habe ich mal geschimpft, weil er mich morgens nicht schlafen lässt, und er denkt jetzt, ich brauche mehr Schlaf? Oder kommt das daher, dass wir schonmal sagen: „Wenn Du morgen aufwachst, ist das wieder gut“?

Auch eine Sofortmaßnahme bot er an: „Mama, Du darfst meinen Nuller haben!“ Die Mama mit Schmerzen zu sehen muss ja schrecklich für ihn sein. Niemals würde er sonst auch nur in Erwägung ziehen, dass ich seinen Schnuller ausleihen darf! Ein so großes Opfer kann eine Mutter unmöglich von ihrem Sohn annehmen!

Schließlich hat er einfach meine freie Hand gehalten. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass es dann nicht mehr weh getan hätte. Allerdings hätte ich auf diese Weise noch sehr lange aushalten können. Ich war geflutet mit wunderbaren Muttergefühlen.

Als ich mit dem Stillen fertig war, drückte ich den Mini meinem Mann in den Arm, schnappte mir den Maxi und knutschte ihn erstmal ordentlich ab!

Ich werde wohl nie erfahren, wie sehr die Ereignisse der Geburtsnacht ihn beschäftigt haben, wie er das aufgenommen und verarbeitet hat. Ich kann nur immer wieder anbieten, darüber zu reden. Wenn er will.

Eure Mia

Vater sein dagegen sehr

Die Geburten meiner Söhne sind das Beste, das ich je erlebt habe. Zwei ganz unterschiedliche Geburten waren das, aber jede für sich macht diese Geburtsnacht zur Nacht meines Lebens! Na gut, als ich mitten drin in dem Ereignis war, habe ich jetzt nicht gerade vor Begeisterung gelacht, aber im Nachhinein sind es so überwältigende Momente gewesen, dass es schwer ist, sie in Worte zu fassen.

Auch mein Mann hat beide Geburten ganz unterschiedlich erlebt. Die Geburt des Großen zog sich über 18 Stunden. Das war auch für meinen Mann anstrengend. Die Geburt des Babysohns dagegen dauerte kaum länger als ein Fußballspiel, wovon wir nur für die Dauer der Halbzeitpause im Kreißsaal waren, das ist schon eher nach seinem Geschmack. Für ihn ist es aber scheinbar noch schwerer in Worte zu fassen. Bisherige Versuche, mir die Geburten aus seiner Sicht erzählen zu lassen sind jedenfalls kläglich gescheitert (Männer, tse!).

Arno Wilhelm hingegen hat Worte gefunden, und die reimen sich auch noch. Gerade ist sein Buch „Babypoesie“ erschienen. Arno Wilhelm erzählt von Freud und Leid der Vaterschaft. Vom Kinderwunsch über Schwangerschaft bis hin zu Wochenbett und Stillzeit beleuchtet er seine Erlebnisse in Reimform. Manche Gedichte sind eher ernsthaft, manche sind sehr witzig.

Freundlicherweise hat Arno Wilhelm mir ein Exemplar zur Verfügung gestellt. Ich dachte mir, das wäre doch auch etwas für Euch oder Eure Männer und habe ihm noch ein weiteres Exemplar aus den Rippen geleiert, das ich jetzt an Euch verlosen kann.

Welche Worte habt ihr für die (bevorstehende) Geburt Eurer Kinder? Schreibt mir einfach einen Kommentar und schon seit ihr im Lostopf. Die  Auslosung nimmt mein Sohn am 01. August vor (das wird ein Spaß; in der Trotzphase haben wir das noch nie gemacht…).

Viel Glück,

Eure Mia

Heiter-bis-wolkig-Mittwoch: Mutterliebe im Wachstum

Ich weiß, wie sich Mutterliebe anfühlt.

Mein Großer (2,5 Jahre) und ich, das ist die ganz große Liebe. Dass ich für ihn jederzeit alles tun würde, ist ganz selbstverständlich. Nichts, worüber ich nachdenken müsste. Bedingungslose Liebe, ohne Zweifel, ohne Abstriche. Einfach so.

Ich weiß also, wie sich Mutterliebe anfühlt. Oder wie sie sich anfühlen muss. Müsste.

Als mein Kleiner geboren wurde, war ich hin und weg. Im Kreißsaal hielt ich das Baby im Arm und sagte immer wieder: „Oh mein Gott! Mein Kleiner! Wie schön, dass Du da bist! Oh mein Gott! Bin ich froh, dass Du bei uns bist…!“ Ich war völlig geflasht. Das Glück über die wunderbare Geburt, das gesunde Baby, den perfekten Geburtstag, all das hat mich überwältigt.

Als wir nach Hause kamen, begann der Alltag. Ich war immernoch glücklich, aber da war auch noch etwas anderes. Erst war es nur ein unterschwelliges Gefühl. Ich wußte selber nicht, was ich da fühlte, aber irgendetwas war da.

Ich verglich meine beiden Söhne miteinander. Der Kleine sah ganz anders aus, als der Große. Ich schaute mir die Babyfotos vom Großen an. Nein, auch als Baby hatte er schon anders ausgesehen. Wem sieht der Kleine eigentlich ähnlich? Mich konnte ich irgendwie nicht entdecken. Meinen Mann allerdings auch nicht.

Mein Großer hatte es mir von Anfang an leicht gemacht, mich selber in ihm zu sehen. Er hat meinen dunklen Teint, meine dunklen Haare, meine großen dunklen Augen. Als Kind hatte ich sogenannte Mongolenflecken auf dem Rücken- genau, wie mein Großer. Er hat meine Nase, meinen Mund- er ist ein echtes Mini Me.

Der Kleine ist blond! Unfassbar für mich. Er hat einen blassen Tein, fast durchsichtige Haut. Wenn er sich unter Bauchschmerzen windet, wird er feuerrot- bei meiner und des Großen dunklen Haut sieht man so etwas nicht. Er hat keine Mongolenflecken. Nicht meine Nase. Er sieht einfach anders aus.

Ich sprach mit meiner Mutter darüber und sie fragte mich: „Fremdelst Du jetzt deswegen mit ihm?“ Und auch mit der Hebamme sprach ich über meinen „anderen“ Sohn und sie erzählte mir, dass es bei ihren beiden Töchtern auch so war.

Und da erst konnte ich das Gefühl zulassen. Ja, ich habe mit meinem Kleinen gefremdelt. Es war ein Gefühl, als wäre er weniger mein Sohn, als der Große. Ich bringe es noch immer kaum über mich, zu schreiben, aber da war einfach nicht die Liebe, wie zu meinem Großen.

Ist das nicht schrecklich? Darf man das als Mutter? Geht das überhaupt?

Kaum war der Gedanke da und das Gefühl zugelassen, folgte das schlechte Gewissen auf dem Fuße. Und dann war da noch Mitleid mit dem Kleinen. Mitleid? Mit diesem tollen Kind muss man doch kein Mitleid haben. Sofort noch mehr schlechtes Gewissen.

Ob es vielleicht damit zusammenhängt, dass wir mitten in der Bondingsphase getrennt wurden, weil er mir nach nur einer Nacht gleich weder weggenommen wurde und für 48 Stunden unter die Phototherapie musste? Apropos: Haben sie ihn dabei vielleicht vertauscht? Ein ganz wildes Gedankenkarussel drehte sich in meinem Kopf.

Hinzu kam, dass ich den Großen ja so sehr vermisst habe. Irgendwie fühlte es sich an, als sei ich in meiner Mutterliebe zu beiden Kindern gestört.

Ich fand den Kleinen von Anfang an unfassbar süß. Er war den ganzen Tag auf meinem Arm und wir haben gekuschelt und ich habe ihn abgeknutscht. Ich habe ihn sofort geliebt, aber ich musste mich erst an ihn gewöhnen.

Heute kann ich relativ entspannt auf dieses Gefühl der allerersten Wochen zurückblicken.

Ja, ich musste mich erst an ihn gewöhnen und fühlte mich meinem Großen so viel näher und so viel mehr verbunden. Ich glaube, ich musste  mich auch an den Großen erst gewöhnen, ich habe es bloß vergessen und auch damals nicht so stark empfunden, weil es ja keinen Vergleich gab. Ich weiß aber noch, dass ich vor zweieinhalb Jahren oft gedacht habe: Wow, das ist jetzt also mein Sohn, und der bleibt jetzt bei uns. Ich musste auch damals erstmal im Muttersein ankommen.

Beim ersten Kind hat man so gar keine Vorstellung davon im Kopf, wie es wohl sein wird. Beim zweiten Kind weiß man zwar, dass es ganz anders sein kann, als das erste, aber man erwartet trotzdem eine Miniausgabe des ersten Kindes. Wenn Nummer 2 dann so ganz anders ist, muss man sich wohl erst an das neue Kind gewöhnen.

Sich an das neue Kind gewöhnen? Ich dachte eigentlich, das muss eine Mutter nicht. Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr konnte ich es mir selber aber schließlich nachsehen. Jede Beziehung muss erst wachsen. Einen neuen Menschen muss man erst kennenlernen und mit der Zeit entwickelt sich eine Beziehung. Den Vorsprung von zweieinhalb Jahren Beziehung mit Sohn Nummer 1 konnte der Kleine natürlich nicht vom ersten Tag an einholen.

Der Kleine ist jetzt fast sechs Wochen alt. Ich schmelze dahin, wenn ich ihn betrachte. Ich liebe seine blonden Haare und wünsche mir, dass er sie zumindest noch ein paar Jahre behält, denn eines Tages werden sie bestimmt dunkel werden. Ich liebe ihn ganz unendlich. Er gehört jetzt richtig zu uns. So wie sich sein Bruder an ihn gewöhnt hat, so ist auch in meinem Kopf und in meinem Mutterherz angekommen, dass er mein Sohn ist.

Es ist wie so oft im Leben: Wir verstellen uns selber den Blick. Ich hatte das Bild von meinem Großen als Baby im Kopf und dann kommt ein ganz anderes Kind. Vor lauter fertigem Bild im Kopf konnte ich die Besonderheiten von Sohn Nummer 2 zuerst gar nicht sehen. Ich musste den Kopf erst frei machen, um den Kleinen richtig sehen zu können.

Heute sind wir alle wieder Freunde: Meine Söhne, die Mutterliebe und ich!

Eure Mia

9085-9537