Welchen Weg du wählst

Kinder sind das, was wir aus ihnen machen. Natürlich kommen sie schon als kleine Individuen auf die Welt, sind vom Tag ihrer Geburt an fertige kleine Wunder, und jedes von ihnen ist einzigartig.

Ihre Eltern sind bemüht, sie behütet aufwachsen zu lassen und jede Mutter und jeder Vater macht seinem Kind auf eigene Weise den Weg frei. Nur manchmal vergessen wir, dass es wichtig ist, mehr als nur einen Weg frei zu machen. Weiterlesen

Mein Kind ist so!

An einem verschneiten Morgen im Dezember 2010 wurde mir ein winziges Wesen in den Arm gelegt. Es sah mich schon am ersten Tag herausfordernd an, als wollte es sagen: „Und, was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Tag?!“ Als ob ich das wüsste! Ich wusste doch nichts über Babys und über dieses spezielle Baby schon gar nicht. Es schien eigentlich selber viel besser zu wissen, was es brauchte, jedenfalls protestierte es schreiend, wenn irgendetwas nicht stimmte, und ich musste erstmal herausfinden, was das war.
Ein paar Tage später ließ man mich tatsächlich alleine mit diesem Baby nach Hause gehen. Keine Ärzte, keine Schwestern begleiteten uns. Anscheinend war man der Ansicht, ich als Mutter würde das Kind schon schaukeln.

Und so lernten der Maxi und ich uns kennen. Wir verbrachten jeden Tag und jede Nacht miteinander. Ich stillte ihn, wickelte ihn, trug ihn herum, schaute ihn stundenlang an und wurde schließlich zur Expertin für dieses Kind. Alles lief super. Dann kam Nummer 2.

Als mittlerweile Expertin in Sachen Baby sah ich der Sache gelassen entgegen. Stillen, schlafen, Kitaeinführung? Hab ich alles schon mal gemacht, ich weiß wie das geht!
Aber der Mini war in jeder Hinsicht ein anderes Kind als der Maxi. Da stand ich nun mit meinem Expertenwissen, und es war so viel wert wie die D-Mark heute beim Bäcker.

Und während ich in den folgenden Monaten langsam auch zu einer Expertin für mein zweites Baby wurde, reifte in mir vor allem eine Erkenntnis: Jedes Kind ist anders.

Nehmen wir zum Beispiel das Schlafverhalten meiner Söhne: Maxi hat schon nach ein paar Wochen glücklich und zufrieden im eigenen Bettchen durchgeschlafen. Er hat nur zum Einschlafen Nähe eingefordert, aber er brauchte dazu nicht mehr als meine Hand und wollte seinen Raum im eigenen Bett haben. Mit sieben Monaten schlief er so konstant 12 Stunden jede Nacht, dass ich ihn aus dem Elternschlafzimmer ausquartierte.

Der Mini wird demnächst zwei Jahre alt und denkt nicht ans Durchschlafen. Er braucht nachts immer Körperkontakt mit mir oder seinem Papa und hat seinen festen Platz im Elternbett.
Damit ist auch gleich ein zweiter Mythos widerlegt: Dass nämlich entspannte Babys von entspannten Müttern kommen, und deswegen die zweiten Kinder viel pflegeleichter sind. Ich bestreite nicht, dass sich die Gelassenheit der Mutter auf ihr Kind überträgt und dass das sehr hilfreich ist, aber jedes Kind hat eben auch seine Eigenheiten und nur weil die Mutter tiefenentspannt ist, schläft das Kind weder automatisch durch noch geht es fröhlich in die Kita oder sonst irgendetwas. Und das wiederum bedeutet:

Mama ist nicht schuld!

Mütter machen ja in den Augen ihrer Umwelt ständig Fehler. „Lass ihn doch einfach mal ein paar Minuten schreien, dann schläft er schon ein!“

„Wahrscheinlich merkt sie, dass Du Dich nur schwer trennen kannst und weint deswegen immer, wenn Du sie in der Kita lässt.“

„Wenn Du nicht auf jedes Schreien reagierst, wird er sich schon alleine beschäftigen!“

Das alles sind gar nicht mal böse gemeinte Ratschläge und sie kommen von echten Experten. Aber eben nur Experten für ihre eigenen Kinder. Alle anderen Kinder sind anders!

Ich gestehe, ich habe auch nicht glauben wollen, dass das Kind meiner Freundin in einer absolut ruhigen Umgebung gestillt werden musste. Als erfahrene Mutter neige ich zugegebenermaßen gelegentlich zu Besserwisserei a la „Wenn die erstmal zwei Kinder hat, wird sie sicher auch viel entspannter“, aber das ist unfair. Bei meiner Freundin habe ich neulich gesehen, dass ihre Tochter nach dem Stillen alles wieder ausgespuckt hat, weil sie vor lauter Unruhe um sie herum ganz hektisch getrunken hat. Ups, die braucht ja echt Ruhe beim Stillen!

Der Austausch mit anderen Müttern ist in meinen Augen gold wert. Für viele Fragen gibt es nämlich richtig gute Antworten und für viele Probleme eine echte Lösung. Aber am Ende finde ich es wichtig zu sehen, dass keine Lösung auf jedes Kind passt. Also nehmen wir uns lieber zurück, wenn unsere Freundin alles anders macht und wir glauben, es besser zu wissen, und seien wir umgekehrt entspannt, wenn unser Kind ganz andere Gewohnheiten hat, als alle anderen. Das muss dann eben so. Mama macht das schon richtig!

Unsere Kinder sind so einzigartig und selbst wir Eltern halten nicht die Bedienungsanleitung für sie in den Händen. Wir sind die Experten für unsere Kinder und wir dürfen stolz auf den Weg sein, den wir mit ihnen schon gegangen sind, durch all die schlaflosen Nächte, die Krankheiten und die Trotzphasen. Und deswegen dürfen wir uns auch auf unser Gefühl verlassen, wenn jemand sagt: „Ach echt, bei uns war das nie ein Problem! Vielleicht musst Du das so und so machen!“

Nö, muss ich nicht.  Mein Kind ist eben so!

Mamablog Mama Mia

 

 

 

P.S. Wollen wir mal sammeln? Was läuft bei Euren Kindern scheinbar anders als bei allen anderen? Ich fang mal an: Alle erzählten immer, in der Elternzeit sei doch alles so entspannt gewesen, mit so einem Baby könne man schließlich überall hingehen und entspannt shoppen, Kaffee trinken…ICH HATTE NIE SO EIN KIND. Meine waren nie zufrieden im Kinderwagen!

Und jetzt Ihr:

Alles zu seiner Zeit

„Eins, zwei, drei, vier, fünf!“ Maxi war wenige Minuten alt und die Hebamme zählte mit uns gemeinsam seine Finger und Zehen und der Mann und ich strahlten um die Wette. Wir konnten kaum glauben, dass da so ein perfektes Baby in unseren Armen lag, und es hatte tatsächlich fünf Finger an jeder Hand und fünf Zehen an jedem Fuß. Was will man mehr?

An ein frisch geborenes Baby hat noch niemand besondere Erwartungen. Wenn es gesund ist, und alles dran, dann hat es die Erwartungen schon fast übererfüllt.  Im erstens Lebensjahr lernt das Baby dann sein Köpfchen zu heben, zu sitzen, zu krabbeln und schließlich zu laufen. Wie von Zauberhand geführt funktioniert das nach einem inneren Plan der bis auf wenige Tage oder maximal Wochen von den schlauen Büchern oder den anderen Babys in der Pekip-Gruppe abweicht.

So weit, so einfach, aber dann geht es auch schon los:

„Es läuft noch nicht? Naja, ein bißchen Zeit haben wir ja noch.“

“ Ach so, noch nicht trocken? Vielleicht sollten sie es einfach mal ohne Windeln herumlaufen lassen?“

„Was? Es schläft immer noch nicht durch? Meine haben alle nach spätestens sechs Monaten durchgeschlafen!“

Nach nur wenigen Monaten auf der Welt hat das ursprünglich perfekte Baby schon Verbesserungspotential.

Ab dem zweiten Lebensjahr, wenn es nicht mehr um rein körperliche Entwicklung geht, werden die Erwartungen an unsere Kinder komplexer. Sie sollen sich nun auch an ihr Umfeld anpassen.

Je nach dem, in welchem Umfeld unsere Kinder aufwachsen, werden unterschiedliche Erwartungen an sie gestellt. Ein Kita-Kind wird beispielsweise schneller lernen müssen, sich selbständig anzuziehen, weil es im Kita-Alltag nicht immer möglich ist, dass die Erzieherinnen alle Kinder an- und ausziehen, während ein Kind, das zu Hause von einem Elternteil betreut wird, in dieser Hinsicht vielleicht mehr „Service“ geboten bekommt, dafür aber andere Herausforderungen meistern muss.

Als Eltern übernehmen wir diese Anforderungen schnell auch als eigene Erwartungen. Manche, weil uns Erzieherinnen ansprechen, aber manches findet auch ungefragt Eingang in unsere Erwartungshaltung, weil wir sehen, was andere Kinder schon können, oder weil wir gelesen haben, was unsere Kinder angeblich schon können sollten.

Große Erwartungen an kleine Menschen zu stellen, erscheint mir nicht richtig. Wir stellen heute das Individuum ständig in den Mittelpunkt. Mehr als jemals zuvor haben wir die Möglichkeit, unser individuelles Glück zu finden- von den individuellen Einstellungen unseres Smartphones bis zur individuellen Verteilung unserer Arbeitszeit. Nur bei den Kleinsten, da vergessen wir manchmal, dass sie jenseits der Perzentilenkurven Individuen sind.

Dabei macht es überhaupt keinen Sinn, sich und die Kinder mit Erwartungsdruck zu belasten. Auch wenn das Nachbarskind schon stehend freihändig Fahrrad fahren kann, während das eigene Kind gerade erst das Robben entdeckt hat: Es hat bislang jedes (gesunde) Kind laufen gelernt.

Oder nehmen wir den Maxi: Der Maxi ist morgens schon immer eher zögerlich in die Kita gegangen, aber vor etwa einem Jahr hat sich die Situation zugespitzt.  Der Papa hat daraufhin gemeinsam mit dem Maxi ein Ritual geschaffen, nach dem sich die beiden jeden Morgen in der Kita noch ein paar Minuten auf eine Bank setzten. Erst wenn Maxi bereit war, sagte er: „Du kannst jetzt gehen, Papa.“ Dass er das Gefühl hatte, bestimmen zu können, wann er sich trennt, hat die Sache vereinfacht, aber trotzdem nicht immer ohne Tränen funktioniert. Wenn der Papa heute die Jungs in die Kita bringt, bringt er erst den Mini in seine Gruppe. Maxi läuft dann schon alleine  die Treppe hoch in seine Gruppe. Wenn der Papa hoch kommt, hat der Maxi seine Jacke ausgezogen und an die Garderobe gehängt, die Hausschuhe angezogen und ist schon ins Spiel versunken. Das hat fast neun Monate gedauert, aber jetzt ist alles gut.

Richtwerte sind ja okay. Es ist zum Beispiel schwierig, einem Vierjährigen Klavierspielen beizubringen, aber mit ungefähr 5-6 Jahren öffnet sich ein Zeitfenster, da geht es fast von alleine. Ähnlich ist das mit dem Lesen. Es ist hilfreich zu wissen, dass es für das Vierjährige Kind noch zu früh ist, aber man darf eben auch nicht (ver)zweifeln, wenn sich auch das Sechsjährige noch schwertut. Die Zeit ist vielleicht noch nicht reif, aber vielleicht ist es auch einfach kein Klavierspieler, sondern eher ein Fußballspieler.

Es gibt für alles einen richtigen Zeitpunkt und der liegt bei jedem Kind ein bisschen anders.

Als Eltern sollten wir sie begleiten, hier und da unterstützen und bestätigen, aber nicht drängeln. Sie erfüllen zwar nicht jede Norm, aber sie übertreffen doch jeden Tag unsere schönsten Erwartungen.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Und wann muss man anfangen, die zu erziehen?

Meine Freundin Katja ist lange vor mir Mutter geworden. Ich erinnere mich an eine Situation vor ungefähr acht Jahren, da war ihre Tochter zweieinhalb:

Ich war zu Besuch in ihrem Reihenhaus in einer Neubausiedlung, ganz weit außerhalb der Stadt. Mir kam das damals sehr spießig vor. ICH würde selbstverständlich immer in einer coolen Stadtwohnung wohnen! Aber Katja ging ja auch nicht mehr aus und saß samstags abends auf dem Sofa, wo sie in einem der vielen Erziehungsratgebern blätterte, die bei ihr herumlagen, anstatt wie normale Frauen in der InStyle! Auch würde ich meinen Kindern niemals so viel Spielzeug kaufen, wie Katja das offensichtlich getan hatte, denn das Wohnzimmer sah aus wie ein Schlachtfeld. Ihre Tochter tobte um uns herum und wir konnten uns kaum unterhalten. „Das würde ich ja nicht einen Tag aushalten“, dachte ich damals.
Als die Tochter aus irgendeinem Grund einen Wutanfall bekam, sah mich meine Freundin an und meinte lachend: „Wann muss man eigentlich anfangen, die zu erziehen?“

Innerlich schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen! Die hat in zweieinhalb Jahren noch nicht mit dem Erziehen angefangen?! Man stelle sich meine Empörung vor!

Inzwischen habe ich in meinem Häuschen außerhalb der Innenstadt so manchen Abend auf dem Sofa verbracht, nachdem ich Berge von Spielzeug aufgeräumt habe und die Zeitschriften sämtlicher Verlage zum Thema „Erziehung“ gelesen. Sätze wie „Sie machen das ja nicht, um Dich zu ärgern“ sind so etwas wie ein Mantra für mich geworden. Wie viele Trotzanfälle, Wutausbrüche und Schabernack habe ich schon nachsichtig lächelnd an mir vorbeiziehen lassen?

Ich mag dieses Herumerziehen an Kindern nicht. Viele Erziehungsmaßnahmen von anderen Eltern, die ich miterlebt habe, riefen in mir ein gewisses Unbehagen hervor. Ein Kind vor die Tür zu setzen zum Beispiel oder in der Öffentlichkeit demonstrativ so genante Erziehungsmaßnahmen ergreifen, solche Dinge empfinde ich als demütigend.

Ich denke, dass meine Kinder die wichtigen Dinge schon von alleine lernen. Wenn ich unser zu Hause ordentlich halte, werden sie schon irgendwann lernen, aufzuräumen. Ich muss auch nicht genervt sagen: „Und wie sagt man???!!“, wenn der Maxi an der Wursttheke strahlend seine Scheibe Wurst entgegennimmt. Ich sage einfach selber laut und deutlich „Danke!“ und denke, das wird er schon eines Tages übernehmen. Ja, ich erziehe meine Kinder, indem ich ihnen meine Werte vorlebe.

Oder muss es heißen: Ich DACHTE, ich erziehe meine Kinder, indem ich ihnen meine Werte vorlebe?

Irgendwann kommen wohl die meisten Eltern an einen Punkt, an dem sie feststellen, dass ihr Kind durchaus ein paar mehr von diesen üblichen Regeln des Zusammenlebens drauf haben könnten. Die Sache mit dem Vorleben funktioniert auf jeden Fall drei, vier Jahre einwandfrei, aber wenn die ersten richtig derben Sprüche aus der Kita mit nach Hause kommen, was macht man dann?

Wann anfangen erziehen
Wann anfangen erziehen

„Führen durch Vorbild!“, sagt das Engelchen auf der linken Schulter und referiert: „Anfangs geht es nur um Beziehung, nicht um Erziehung!“

„Quatsch“, motzt das Teufelchen von der anderen Seite zurück. „Doch nicht mehr mit Vier! Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“

Ach war das schön, als ich den ganzen Tag mit Baby-Max auf der Krabbeldecke lag und wir ganz ohne Worte ein Herz und eine Seele waren. Inzwischen müssen auch mal echte Regeln und Verbote her. Die muss man zwar nicht mit Geschrei und Geschimpfe umsetzen (ich versuche es meistens über gemeinsame Verabredungen), aber immer nur nachsichtig lächeln funktioniert auf Dauer leider nicht.

Gestern war einer dieser Tage, an denen mir das Lächeln schwer fiel. Die Kinder waren außer Rand und Band. Unsere Heizung war kaputt und ich musste viele Telefonate führen, Menschen ins Haus lassen, mich mit dem Mann beraten, ob wir die Heizung nun gleich austauschen oder lieber reparieren lassen und wieder und wieder telefonieren. Die Jungs räumten inzwischen sämtliches Spielzeug aus und verteilten es gleichmäßig auf dem Fußboden. Sie stritten sich und irgendeiner schrie immer.

Vor meinem inneren Auge sah ich Katja, wie sie lachend fragt: „Ab wann muss man eigentlich anfangen, die zu erziehen?“

Damals hat mich die Frage empört. Heute würde ich die Schultern hochziehen. Ich würde sehr ratlos aussehen und sagen: „Ja Du, so genau kann ich das auch nicht sagen, aber ich glaube, Vier könnte vielleicht ein gutes Alter dafür sein!“

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Eigentlich sind die ganz anders

Als Mutter entwickelt man ja ein beachtliches Reaktionsvermögen. Ich zum Beispiel kann innerhalb Bruchteilen von Sekunden das Ausmaß des Schadens einschätzen, das meine Kinder verursacht haben.

Ich habe dafür im Kopf drei Kategorien angelegt:

1. Wir müssen uns entschuldigen.

2. Wir müssen uns entschuldigen und sofort anbieten, das Spielzeug zu ersetzen.

3. Wir müssen uns entschuldigen, das Spielzeug ersetzen und ein Wiedergutmachtungsgeschenk dazu packen.

„Das wird alles nicht reichen“, denke ich und telefoniere gedanklich schon mit unserem Versicherungsmenschen, als ich mir das Ausmaß der letzten Nachmittagsgestaltung meiner Söhne ansehe.

Der Mini hat noch Fetzen von den Papp-Miniaturen aus dem Kaufladen im Mund und der Maxi fährt im Hintergrund einen Puppenwagen mit nur noch drei Rädern durchs Zimmer. Ich hab´s geahnt!

Wir waren bei diesem super-süßen Mädchen eingeladen, mit dem wunderschön eingerichteten Kinderzimmer und ausgerechnet an so einem Tag benehmen sich meine Jungs wie Wildsäue.

Wir verabschieden uns und ich entschuldige mich auf Knien viele hundert Male bei der Gastgeberin. Auf Knien natürlich nur deshalb, weil ich dem Mini noch die Schuhe anziehen musste.

„Oorrr, warum musste das jetzt passieren? Warum mussten die ausgerechnet heute so wild und zerstörungswütig sein“, frage ich mich etwas verärgert auf der Rückfahrt im Auto. Die Jungs sitzen auf der Rückbank und sehen aus wie kleine Engel. Das sind sie auch. Eigentlich.

Eigentlich sind die nämlich ganz anders. Wirklich! Das sah zwar heute vielleicht nicht danach aus, aber die können beide ganz toll spielen und…

Plötzlich fallen mir mindestens drei andere Mütter ein, die das von ihren Kindern auch immer behaupten. Deren Kinder sind aber wirklich untragbar, deren Mütter sagen nur immer, die wären so lieb. Und da trifft mich die Erkenntnis:

Oh! Mein! Gott! Was ist, wenn man das auch auf mich zutrifft? Bin ich die Einzige, die denkt, ich habe phantastische Kinder und alle anderen denken: „Also die Kinder von der Mia, die sind ja sowas von schrecklich, aber die erzählt immer, die wären so lieb. Von wegen! Mir kommen die nicht mehr ins Haus!“?

Friedlich im Spiel vereint.
Friedlich im Spiel vereint.

Wie sind meine Kinder denn nun „eigentlich“? Und warum hört man so oft von Eltern: „Eigentlich macht der sowas sonst nicht“, „Normalerweise kann sie das ganz toll“, „Ich weiß auch nicht, was heute los ist“?

Natürlich hüpft und tanzt und jubelt mein Mutterherz, wenn meine Kinder besonders schön miteinander spielen und sich so benehmen, wie wir es gerne als „brav“ bezeichnen und es gehört zu den Sternstunden des Mutterdaseins, wenn andere das dann auch noch lobend anerkennen. Und das ist häufig dann der Fall, wenn sie sich wie kleine Erwachsene benehmen. Nachvollziehbar also, dass ich meine Kinder in der Öffentlichkeit am liebsten „brav“ sehe und mich bemüßigt fühle „Eigentlich sind die ganz anders“ zu rufen, wenn das mal (wieder) nicht der Fall ist.

Mit dieser Aussage will ich meine Kinder eigentlich in Schutz nehmen und sie ins bestmögliche Licht rücken, aber im Grunde ist das ganz schön unglücklich. Denn hinter der Aussage, dass die Kinder ganz anders seien, steckt ja letztlich die Grundannahme, dass sie so, wie sie sich jetzt geben, nicht okay sind.  Meine Kinder sind aber immer toll, jedenfalls für mich und das sollen sie auch wissen. Zum Glück habe ich den „Eigentlich sind sie ganz anders“Spruch nicht gebracht, denke ich und betrachte meine Jungs durch den Rückspiegel. Tolle Kinder.

Sie sind süß, lustig, kreativ, laut, wild…alles, was Kinder eben so sind. Manchmal passt die Ausprägung Ihres Selbst, die sie gerade ausleben, nicht so gut ins Ambiente, aber dafür sind wir ja versichert…

Heute waren sie eben mal sehr wild und das ist völlig in Ordnung. Teuer, aber in Ordnung!  Wir haben uns ja entschuldigt und den Schaden ersetzen wir auch.

Trotzdem war es ein anstrengender Tag, jedenfalls für mich. Wenn die Kinder im Bett sind, brauche erstmal einen Schnaps.

Aber eigentlich trinke ich ja keinen Alkohol…

Unterschrift_blog

 

 

 

 

 

Die perfekte Mutter

Es gibt sie, die perfekte Mutter! Ihr Kind geht in dieselbe Kita wie meine Kinder.

Wenn ich ihr Auto auf dem Parkplatz vor der Kita sehe, warte ich immer so lange im Auto, bis sie mit ihrem Kind hinauskommt. Dann winke ich freundlich und tue so, als würde ich telefonieren, bis sie wieder im Auto sitzt.

Manchmal geht es nicht anders, dann muss ich mit ihr sprechen.  Das ist eigentlich immer sehr erhellend, denn es gibt ja so viele Dinge, die ich nicht weiß. Sie weiß alles.

Sie weiß alles über die richtige Ernährung. Sie weiß alles über Krankheiten und alternative Heilmethoden. Sie weiß sogar alles über Erziehung.

Ihre Sätze beginnen fast immer mit: „Man soll die Kinder ja…“, oder „Man soll ja nicht…“ Sie weiß es einfach.

Ihr Kind ist dementsprechend wunderbar. Oft erzählt sie, was ihr Kind schon kann oder was ihr Kind tolles gesagt hat. Kein anderes Kind ist so toll wie ihres und wenn sie mir stolz davon erzählt, schiele ich traurig auf meine Brut und bin von ihrem Kind schwer beeindruckt.

Warum schlagen denn nur meine Kinder dauernd über die Stränge? Maxi hat zum Beispiel gerade eine sehr ausgeprägte „Kack-Pups-Phase“.  Er und sein bester Kita-Freund begrüßen sich morgens schon liebevoll mit „Du Kacker! Du Pupser!“ und dann wälzen sie sich glücklich miteinander über den Fußboden.

Kacke2

„Naja, diese Phase machen ja alle Kinder irgendwann mal durch“, murmelte ich entschuldigend und mit rotem Kopf, als sie vor ein paar Tagen so eine Szene beobachtete und offensichtlich etwas angewidert von so viel schlechtem Benehmen war. „Nein, mein Kind nicht“, antwortete sie. „Aber es spielt im Moment total gerne mit Mini LÜK! Ist das nicht toll?!“

Lange habe ich mich gefragt, wie sie das macht. Wie kann man so überzeugt davon sein, alles richtig zu machen und damit sogar andere Mütter, die sich sonst auch nicht für so schlecht halten, verunsichern?

Kacke1

Als wir gestern unsere Kinder aus der Kita holten, hat mein Telefonier-Trick leider nicht funktioniert, denn sie kam erst kurz nach mir, als ich meine Deckung also schon aufgegeben hatte. „Na, was macht Ihr heute Schönes“, fragte sie, nur um mir unter die Nase reiben zu können: „Wir gehen ins Museum, das machen wir ja so gerne!“

Da kamen uns unsere Kinder entgegengerannt. Man hörte schon von weitem ein Getrampel wie von einer Elefantenherde. Maxi rannte voraus, gefolgt von dem perfekten Kind: „Du Kacker!“, schrie das perfekte Kind dem Maxi hinterher und beide Kinder lachten wahnsinnig. Ich sah in das entsetzte Gesicht der Mutter  und für einen Moment dachte ich, ich höre nie wieder auf zu lachen.

Ganz kurz, aber wirklich nur ganz kurz schien sie zu taumeln. Dann fasste sie sich und sagte entrüstet und voller Überzeugung: „DAS hat der MAXI ihr beigebracht!“ Ja genau! Und der Maxi hat´s erfunden, oder was?

Kacke3

Es war nicht das erste Mal, dass sie mir das Gefühl gab, meine Kinder seien einfach schlecht erzogen und hätten auch auf ihr Kind einen schlechten Einfluss. Erst sehr viel später an diesem Abend hatte sich meine Wut auf die Frau gelegt. Und nachdem sich auch die Wut auf mich selber und meine Unfähigkeit gelegt hatte, dieser Frau im richtigen Moment die richtige Antwort zu geben, fing ich an, sie ein kleines bißchen zu bewundern.

Eigentlich macht sie ja nichts anderes als alle anderen Mütter dieser Welt: Sie tut das, was sie für richtig hält. Der Unterschied ist nur, das sie alles andere ausblendet. Sie sieht keine anderen Eltern und keine anderen Kinder. Alles, was sich außerhalb ihres eigenen Kopfes abspielt ist interessiert sie nicht. Und wenn sie etwas gar nicht mehr verleugnen kann, dann sind es eben einfach die anderen schuld. So geht sie dauerlächelnd zufrieden mit sich und der Welt durchs Leben.

Eigentlich sollte man sich eine Scheibe davon abschneiden. Ein bißchen mehr Selbstbewusstsein in Bezug auf den eigenen Umgang mit Erziehungsfragen kann nicht schaden. Ihre klugen Sprüche nerven allerdings as hell! Und wenn man sich nicht gerade hinterm Telefon im Auto verstecken kann, ist das echt einfach- man kann es nicht anders sagen- KACKE!

Das passende T-Shirt vom Maxi habe ich übrigens bei la fraise rouge entdeckt und man kann es HIER bestellen. Die Kakaoflecken müsstet Ihr dann noch selber hinzufügen…

Unterschrift_blog

 

 

 

 

Wir können nicht alle alles richtig machen.

Elternabende in der Kita hasse ich. Jetzt hab ich sofort meine Cousine im Kopf, die immer sagte: „Hassen tut man nicht!“, aber es ist wie es ist: Ich hasse Elternabende. Wirklich.

Bei den Elternabenden der Vergangenheit haben wir über so viel Blödsinn diskutiert, mir wird jetzt noch ganz schwindelig. Warum die Kita keinen eigenen Koch hätte, ob es gesünder ist, wenn das Obst vom Biohof geliefert wird , oder wenn die Eltern das Obst selber abwechselnd mitbringen und ob es nicht möglich ist, dass die Eltern die Abschnitte von den Erzieherinnen vorgelegt bekommen, anstatt sie mühsam zu Hause auszudrucken. Ich glaube, einmal haben wir sogar darüber diskutiert, ob das Toilettenpapier 3-lagig oder 4-lagig sein soll, aber es kann auch sein, dass ich das nur geträumt habe, als ich langsam wegdöste.

Gestern graute mir schon den ganzen Tag vor dem ersten Elternabend in der Ü3 Gruppe. Ich stellte mich wieder auf 2-3 Stunden Diskussionen ein, die mich vor allem deswegen so nerven, weil die Kita ein Traum ist und wir eigentlich alle von morgens bis abends nur dankbar auf Knien herumrutschen müssten, weil unsere Kinder dort einen Platz haben.

Und dann das: Komplett relaxte Eltern, heitere Stimmung und nach nur 30 Minuten waren wir mit allem durch. Kein Stoff zum Bloggen. Schade!

Wäre da nicht dieses Gespräch mit einer anderen Mutter gewesen. Weil wir schon so früh fertig waren, haben wir noch ein bißchen gequatscht und diese andere Mutter erwähnte in einem Nebensatz, dass sie ihre Kinder anschreit. In einem Nebensatz. Als wäre es das Normalste der Welt.

Ich fand diese Mutter in dem Moment so herrlich entspannt, so authentisch, einfach toll! Die meisten von uns sind so sehr darauf fokussiert, im Umgang mit unseren Kindern bloß alles richtig zu machen, dass wir nicht einmal vor uns selber zugeben können, hier und da vielleicht nicht allzu glorreich gehandelt zu haben. Dass eine Mutter anderen erzählt, dass sie ihre Kinder anschreit, ohne sich im nächsten Halbsatz dafür zu rechtfertigen, das erlebt man selten (außer unter Freundinnen).

Ich schreibe hier auf Mama Mia so viel über unseren Alltag. Ich schreibe über unsere Rituale, über meine Gefühle, über lustige, traurige und Dinge die nachdenklich machen aber vieles behalte ich auch für mich. Ganz besonders dann, wenn ich weiß, dass etwas eher in die Kategorie „erzieherische Verzweiflungstat“ fällt und ich schon selber nicht stolz auf mich bin, scheue ich mich, darüber im Blog zu berichten- wer will schon sehenden Auges einen sogenannten Shitstorm auf sich ziehen?

Auch im persönlichen Kontakt mit Freundinnen und anderen Mamas lasse ich natürlich meistens die größten Entgleisungen beiseite. Ich erzähle lieber, was Maxi wieder Lustiges erzählt hat, anstatt davon zu berichten, wie unsere Diskussion über Fernsehen in beiderseitigem Geschrei und Gerangel um die Fernbedienung endete (ich habe gewonnen!).

Natürlich stelle ich lieber die positiven Dinge in den Vordergrund und das gilt ganz besonders im Gespräch mit anderen Müttern. Wenn die mich nämlich mitleidig anblicken und mir kurz erläutern warum SIE dieses und jenes NIEMALS SO machen würden, erschüttern sie damit meinen mütterlichen Stolz- und das dürfen nur meine Kinder.

Diese andere Mutter auf dem Elternabend, der schien es egal zu sein, was andere Mütter denken. Vielleicht sind wir hier im Netz auch ganz besonders sensibel, weil Meinungen hier so einfach und daher auch so schnell und so vehement geäußert werden. Vielleicht hat die andere Mutter weder einen Facebookaccount noch liest sie Blogs und Mamiawars sind ihr nicht bekannt. Vielleicht ist sie auch einfach nur sehr selbstbewusst. Davon möchte ich mir gerne eine Scheibe abschneiden.

Fernsehen, Süßigkeiten, Kita-Betreuung, Autositze, Bio-Essen- man kann alles anders machen, und ich bin nicht auf alles stolz, aber es kann ja auch nicht jeder alles richtig machen. Ihr und ich, wir sind für unsere Kinder jeden Tag im Einsatz und tun unser Bestes. Das machen wir ganz sicher nicht kaputt, weil wir sie auch mal anschreien. Seien wir also einfach zufrieden mit dem, was wir tun und wie wir unsere Kinder erziehen. Wir können das nicht alle gleich machen und wir machen das alle gut! Egal was andere denken!

Und weil das so ist, können wir auch ganz entspannt darüber sprechen. Bestimmt freuen sich andere Mütter, wenn sie von mir in einem Nebensatz hören, was bei uns alles nicht so perfekt läuft. So wie ich mich gestern über die beiläufige Bemerkung dieser anderen Mutter gefreut habe.

Unterschrift_blog

 

 

 

Ach, und so ganz nebenbei bemerkt: Ich schreie meine Kinder laufend an. Ich bin schnell auf 180, aber genau so schnell wieder die Ruhe selbst. Meine Kinder kennen mich so, ich glaube, sie würden sich nicht ernst genommen fühle, wenn ich nur ihnen gegenüber ständig buddamäßige Ruhe an den Tag legen würde.

 

Häufiger Grund für Schreie
Häufiger Grund für Schreie

 

 

Da fehlt doch was: Wie man jeden Erziehungstipp ergänzen sollte

Ich lese gerne Erziehungstipps. Ich meine nicht, dass ich mir dazu (viele) Bücher kaufe, aber ich bleibe immer an den Artikeln in Zeitschriften und auf anderen Blogs hängen und freue mich über die immer wieder in Zeitungen auftauchenden Interviews mit Jesper Juul.

Ich kann mich sehr für die guten Tipps begeistern, die man überall so zu lesen bekommt. Erst letzte Woche habe ich total entzückt den Blogpost von Uta (Wer ist eigentlich dran mit Katzenklo) auf meiner Facebookseite geteilt. Das klingt alles immer so einfach. Ja, genau so muss man das machen, dachte ich. Genau so wollte ICH mich in meiner nächsten Mutter-Challenge verhalten und freute mich fast auf Maxis nächsten Ausraster, damit ich es schnell ausprobieren kann. Schließlich wird man ja nicht zu einem guten Koch, indem man die Kochbücher nur liest, ne!

Maxi zeigte sich sehr kooperativ und gab mir schon am nächsten Morgen  freundlicherweise eine Chance: Er wollte mal wieder mit den geliebten gefütterten Gummistiefeln in die Kita ziehen. An diesem Punkt endete Maxis Kooperationsbereitschaft dann aber auch. Aufgrund der hochsommerlichen Temperaturen wagte ich, einen Einwand zu erheben und schon hatte ich das schreiende Kind vor mir, auf das ich gewartet hatte. 

Ohne die Einzelheiten meiner erzieherischen Verzweiflungstaten an dieser Stelle vertiefen zu wollen: Es hat nicht funktioniert. GAR NICHTS hat funktioniert.

Mit den Erziehungstipps ist es nämlich so: Sie alle haben eine gemeinsame Schwachstelle: Sie enden da, wo unsere Kinder einsetzen.

Das Schema von Erziehungsratgebern ist immer das:

Beispielsituation -> Sehr kluge Reaktion des Erziehungsberechtigten -> ENDE

Die Realität ist sieht eher so aus:

Beispielsituation -> Sehr kluge Reaktion des Erziehungsberechtigten -> Beispielsituation hält an -> Weitere sehr kluge Reaktionen des Erziehungsberechtigten -> Beispielsituation verschärft sich -> Immer noch ziemlich kluge Reaktion des Erziehungsberechtigten -> Kind wird lauter -> Leicht genervter Unterton in der ansonsten sehr klugen Reaktion des Erziehungsberechtigten -> Kind hat bislang keine der sehr klugen Reaktionen mitbekommen -> ErziehungsberechtigterschlägtsichwirklichtapferaberirgendwannistjaauchmalSchluss -> Eskalation (auf beiden Seiten)!

Kein Ratgeber/Tipp/Methode/Theorie/ wird jemals bewirken, dass der Maxi einen seiner (im übrigen für sein Alter total normalen) Wutanfälle unterbricht und sagt: „Ach so, das wußte ich ja nicht. Dann machen wir es so, Mama!“

Ich schätze, kein Erziehungsratgeber nimmt für sich in Anspruch, die vielen nervenaufreibenden Situationen mit trotzenden/übermüdeten/reizüberfluteten/…(hier zutreffendes Adjektiv einfügen) Kindern mit einem einfachen Patentrezept aufzulösen. (Das denke ich nur immer, denn ich falle gerne auf die vielversprechenden Überschriften herein. Das Prinzip sollte mir eigentlich von den vielen Frauenzeitschriften bekannt sein, die mit „50 neue Frisuren für jede Haarlänge“ oder „Die schönsten 30 Frisuren für jeden Typ“ werben. Ich kaufe die immer! Von den schätzungsweise 3476 Frisuren, die ich mir auf diese Weise angeschaut habe, waren bislang genau Null für mich dabei!)

Erziehung

Erziehungsratgeber können jedenfalls aus meine Sicht keiner Patentrezepte liefern, aber ein Verständnis der Eltern für ihre Kinder erleichtern und so die Grundstimmung in der Familie positiv beeinflussen. Das hilft zwar in der Situation nicht immer weiter, aber deswegen lese ich sie doch gerne.

Ich bin allerdings dafür, dass alle Beispielsituationen in sämtlichen Erziehungsratgebern überarbeitet werden: Nachdem die Erziehungsberechtigten ihren sehr klugen Satz abgelassen haben, ist ja das Kind wieder dran und dann wieder die Erziehungsberechtigten und dann wieder das Kind und dann wieder … 

Deswegen könnten Jesper Juul und Kollegen das ja vielleicht demnächst so machen:

Beispielsituation

Kind sagt…

Mutter/Vater sagt…

Kind sagt…

Und jetzt kommt die Ergänzung:

Mutter/Vater: OMMMMMM 

Passt immer!

Die gefütterten Gummistiefel habe ich im Keller versteckt, als der Maxi in der Kita war. Dafür möchte er neuerdings nicht mehr baden. Versucht mal, das wertschätzend aber in der Sache konsequent zu lösen. Wie das funktioniert, dürfte Jesper Juul bis nach Dänemark hören können.

Ich sach nur: OMMMMMM! 

Und was sind Eure „Ommmm-Situationen“?

Unterschrift_blog

 

 

 

 

 

 

Wie kommt die Tomatensauce an die Zimmerdecke? Kinder und Tischmanieren

Wie groß ist die maximale Fläche, die man mit einem einzigen Stück Schokolade einschmieren kann?

Dieses und andere Experimente machen meine Jungs in ihrem Labor, das irgendwann mal mein Wohnzimmer war, täglich.

Mit Essen spielt man nicht- so eine Regel können sich ja auch nur Erwachsene einfallen lassen. Die Wahrheit ist doch: Mit Essen lassen sich die allerbesten Spiele veranstalten.

Bea Beste, Erfinderin der Tollabox, hat auf ihrer Facebookseite einen Anti-Knigge veröffentlicht und Dajana vom Blog „Mit Kinderaugen“ hat über Kinder und Tischmanieren gebloggt. Am Wochenende entstand auf meinem Lieblingskanal Twitter ein kleiner Chat zum Thema (auf Twitter geht das ja in nahezu Lichtgeschwindigkeit), und schon war die Idee zur Blogparade geboren.

Tischmanieren

Bea und ich wollen mit Euch allen darüber diskutieren, wie Ihr das Thema Tischmanieren mit Euren Kindern angeht. Gar nicht? Oder mit eingeklemmten Büchern unter den Armen?

Kinder und Regeln- passt das zusammen?

Als ich den „Anti-Knigge“ las, musste ich natürlich erstmal schmunzeln, denn wer kennt das nicht: Die lieben Kleinen, die beim Essen alles tun, nur nicht stillsitzen und essen.

Die Frage ist aber: Müssen Kinder sich überhaupt an diese „Erwachsenen-Regeln“halten? Dajana meint: Nein. Es seien ja keine Erwachsenen.  Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Kinder und Regeln, das geht nicht gut zusammen. Kinder sollen spielen und Spaß haben. Wer seinen Kindern eine glückliche Kindheit garantieren will, der zwängt sie nicht in ein Regelwerk.

Das ist ein schöner Gedanke, und wo immer es geht, sollten wir versuchen, unseren Kindern Regeln zu ersparen.

„Regeln“ und „Manieren“, diese Wörter klingen nicht unbedingt wie Musik in unseren Ohren. Sie sind auf gewisse Weise negativ behaftet.  Regeln bedeuten aber nicht automatisch, dass wir unsere Kinder in einen Rahmen pressen, der ihrem Wesen widerspricht. Manche Regeln machen nicht nur Sinn, sie sind sogar eine Bereicherung für unsere Kinder.

Dazu gehören in meinen Augen Benimmregeln und Tischmanieren. Diese dienen nämlich nicht dem reinen Selbstzweck oder um einigen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich mit Besserwisserei abzuheben. Es geht um Rücksicht aufeinander und damit um Wertschätzung und Respekt im Umgang miteinander.

Essen ist etwas, das wir gemeinsam am Tisch tun. Wir kommen miteinander ins Gespräch- und sei es auch erstmal nur: „Kannst Du mir mal bitte die Butter geben?“ Wir bewerfen uns nicht gegenseitig mit essen, wir nehmen dem anderen nicht das Essen vom Teller und so sind die gemeinsamen Mahlzeiten Kommunikation und Rücksichtnahme- ein prima Ausgangspunkt für das Leben da draußen.

Wie immer im Leben kommt es auf das WIE an. Wie bringen wir unseren Kindern Tischmanieren bei? Hier sind ein paar unserer Regeln:

1. Regeln ja-Zwang nein

Ich halte generell wenig davon, Kindern Regeln einfach einzuhämmern und ihnen die ewig gleichen Regeln gebetsmühlenartig immer wieder um die Ohren zu hauen. Regeln, die uns selber wichtig sind, lernen Kinder sowieso, sie machen uns schließlich alles nach. Gerade beim Thema Tischmanieren finde ich es besonders falsch, Kindern Regeln über Zwang aufzuerlegen. Essen soll Spaß machen, die Kinder sollen gerne am Tisch sitzen und das Beisammensein genießen. Mir selber sind Tischmanieren so wichtig- ich kann mich am Tisch gar nicht daneben benehmen. Das sehen meine Kinder und hier und da gebe ich dazu Erklärungen ab- oft auch in einem sehr bestimmten Ton, aber niemals über den Weg des Schimpfens („jetzt sitz endlich still!“). Meine Erfahrung ist, dass Kinder Regeln sogar ganz gerne mögen, wenn sie verstehen, welchen Sinn sie machen. Maxi ist in der Tat sehr regelkonform- das kann sogar lästig werden, besonders beim Autofahren: „Mama, beide Hände ans Steuer!!“ Und so erkläre ich viel und erwarte Einiges, aber nur das, was ein Dreijähriger oder Einjähriger verstehen kann.

2. Sitz still (solange Du kannst)

Wenn der Maxi keinen Hunger mehr hat, darf er aufstehen. Mein Mann und ich genießen das Essen dann eben ohne den Maxi weiter und unterhalten uns. Wenn der Maxi an unserem Gespräch teilnehmen will, muss er halt am Tisch bleiben. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir ihn ignorieren, wenn er von außerhalb des Tisches mit uns spricht, aber die Musik spielt während der Mahlzeit eben am Tisch und es bleibt dem Maxi überlassen, sich dazu zu gesellen, oder alleine zu spielen. Ein Kind wie der Maxi, das von morgens bis Abends in Bewegung ist, und sich in der Kita und am Nachmittag mit Freunden austoben darf,  kann durchaus mal gebeten werden, ein paar Minuten am Tisch sitzen zu bleiben.

2. Mit Essen spielt man nicht (mehr als nötig)

Mit Essen spielt man nicht  jeder seinem Alter entsprechend. Der Mini matscht mit dem Essen wie ein Weltmeister. Das darf er, weil er noch nicht ordentlich essen kann. Er ist noch in der Phase, in der Babys Essen im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Maxi mit seinen 3 1/2 Jahren darf nicht mehr matschen, aber er darf spielen. Er darf  Figuren auf dem Teller legen und das Essen auch mal mit den Händen essen- solange es keine Suppe ist. Ich selber „spiele“ schließlich auf meine Weise auch mit dem Essen: Ich stehe auf den perfekten Bissen und packe mir auf jede Gabel etwas von jedem Lebensmittel, das auf meinem Teller liegt. Der Mann hingegen isst das Essen gerne so, wie es auf dem Teller liegt, also ohne Dinge zu vermischen. Maxi isst gerne mit Messer und Gabel- aber wenn er das tut, gibt es auch Regeln und es wird nicht mit dem Besteck in der Gegend rumgefuchtelt oder in den Tisch gehauen. Den Umgang mit Messer und Gabel kann man übrigens super mit einer Banane üben. Das macht Spaß und Maxi ist stolz wie Oskar.

3. Gegessen wird da, wo es am Schönsten ist

Wir essen am Tisch. Als der Mann und ich noch alleine waren, haben wir gerne vorm Fernseher gegessen. Meistens aus einer Schüssel und darum hieß das Essen vorm Fernseher bei uns immer „Napfessen“. Vorm Fernseher zu essen ist für mich aber das Gegenteil von Essen Genießen und Kommunikation und deshalb gehört es dort einfach nicht hin. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber als Ausnahme gilt für mich nur Fußball-Weltmeisterschaft, Bundestagswahlen oder Krankheit.

4. Essen ist auch ein Spiel

Spielzeug gehört nicht an den Esstisch. Der Maxi schafft es je nachdem, was es zu Essen gibt, zwischen fünf und 20 Minuten am Tisch zu sitzen. Es ist ihm durchaus zuzutrauen, dass er sich in dieser Zeit nur auf das Essen und seine Familie konzentriert- schließlich darf er auch (in einem gewissen Rahmen) mit dem Essen spielen. Manchmal legt er ein Spielzeug auf den Tisch, damit sein kleiner Bruder es sich nicht schnappt, während er isst. Das ist okay, aber es wird während der Mahlzeit nicht damit gespielt. Das gilt natürlich genauso für den Mann und mich, die wir uns schon gelegentlich damit schwer tun, unsere Smartphones beiseite zu legen.

5. Der Weg ist das Ziel

Eines Tages sollen meine Söhne Tischmanieren verinnerlicht haben. Diesen Weg gehen wir Schritt für Schritt. Anfangs war es zum Beispiel okay, wenn der Maxi vom Tisch einfach aufgesprungen ist. Heute fragt er: „Darf ich aufstehen?“ Auch der Mini lernt schon seine ersten Tischmanieren: Die Füße gehören nicht auf den Tisch. Natürlich könnte man sagen, für so etwas sei er doch noch viel zu klein. Es ist aber gar kein Problem, seine kleinen Füßchen immer wieder mit einer Erklärung vom Tisch zu schieben- und so gewöhnt er sich tatsächlich gar nicht erst daran. Das funktioniert. Wirklich.

Für alle, die jetzt denken: „Huch, so haben wir die Mia aber gar nicht eingeschätzt, die ist doch sonst so entspannt“ muss ich noch ergänzen: Ja, ich achte darauf, dass meine Kinder Tischmanieren lernen. Aber: Die Jungs machen da nicht immer so mit, wie ich mir das denke. Unsere Mahlzeiten sind oft von ohrenbetäubendem Lärm begleitet und anschließend sieht es hier aus, als wäre Godzilla zum Essen da gewesen. Den Anti-Knigge könnte ich daher gemeinsam mit meinen Söhne noch um viele Punkte erweitern. Trotzdem bleiben wir dran. Und dann gibt es da noch den weisen Spruch meiner Oma (über diese tolle Frau habe ich hier schonmal geschrieben):

Wer die Regeln kennt, darf sie auch brechen!

In diesem Sinne: Immer locker bleiben!

Und jetzt seid Ihr dran! Wie ist das bei Euch mit den Tischmanieren? Hinterlasst einen Kommentar und diskutiert mit uns unter dem Hashtag #tischmanieren auf Twitter. Und wer einen eigenen Blog hat, ist herzlich eingeladen, zu dem Thema einen Blogpost zu verfassen und ihn hier zu verlinken. Dazu einfach unten auf den Button klicken.

Bea und ich sind schon ganz gespannt!

Starke Mädchen!

Ich bin 35 Jahre alt. Ich bin Volljuristin, Ehefrau und Mutter von zwei Söhnen. Und ich bin immer noch ein Mädchen.

Als Berlinmittemom zu ihrer Blogparade zum Thema: „Gemeinsam für starke Mädchen“ aufrief, dachte ich erst: Schade, schönes Thema, aber ich bin ja ´ne Jungsmama. Nach einigem Nachdenken fiel mir aber ein, dass ich ja selber auch noch ein Mädchen bin, und damit bis heute von dem Thema betroffen.

Ich war glücklicherweise immer ein starkes Mädchen. Vielleicht lag das daran, dass das Leben  es  auf ganzer Linie gut mit mir gemeint hat. Mir ist eigentlich alles zugeflogen: In der Schule musste ich mich nie anstrengen, ich habe alles im Vorbeigehen gelernt (ok, außer Mathe…), jede Sportart, die ich angefangen habe, habe ich nach kurzer Zeit auf hohem Niveau betrieben, für jedes Instrument, das ich gelernt habe, hatte ich Talent. Ich habe mich nie als Außenseiter fühlen müssen und habe für mein Aussehen immer nur Komplimente bekommen.

Keine (größeren) Probleme = starkes Mädchen. Ist das schon das ganze Rezept? Schön wär´s, aber ich kenne viele Frauen und Mädchen, die sind begabt, schlau schön- aber sie sehen es selber nicht. Allzu leicht lassen sie sich verunsichern, und wenn es kein anderer tut, dann verunsichern sie sich eben einfach selbst, das können die richtig gut.

Warum also fühle ich mich stark und habe das mit Ausnahme kleinerer Phasen immer getan?

Es sind sicher viele Komponenten, die in die Antwort nach dieser Frage hineinspielen. Natürlich ist es hilfreich, wenn man sich mit vielem nicht schwer tun muss und wie ich mit einem Gemüt gesegnet ist,  das von jeher das Glas als halb voll betrachtet hat- negative Dinge werden bei mir einfach ausgeblendet. Es gibt aber einen ganz wichtigen Faktor, um den ich bei der Antwort auf die Frage nicht herumkomme: Meine Mutter!

Meine Mutter ist eine echte Löwenmutter. Nicht so, wie wir das von der Tigermutter, Amy Chua kennen, die ihren Töchtern immer wieder Parolen ins Hirn gepflanzt hat. Nein, meine Mutter hat mir das GEFÜHL gegeben, schön, begabt und geliebt zu sein. Sie war immer der sichere Hafen für mich und meine Schwestern. Sie hat uns bedingungslos geliebt und unterstützt und uns dabei immer den notwendigen Freiraum für unsere individuelle Entwicklung gelassen. Und sie hat mir gezeigt, wie man stark ist. Wenn ich es mal nicht selber sein konnte, dann war sie für mich stark.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Situation (ich war etwa 16 Jahre alt), da wollte ich in einem Laden ein Kleidungsstück umtauschen. Das Preisschild war schon ab, aber ich hatte es dabei, ebenso, wie die Rechnung. Wohl aufgrund meines exotischen Aussehens sprach die Verkäuferin zuerst auf englisch und dann unangemessen langsam und laut mit mir. Die Rechnung hat sie sich nicht einmal angesehen- für sie war klar, ich hatte das Stück geklaut. Ich war wirklich nicht auf den Mund gefallen, aber mit meinen 16 Jahren kam ich gegen die Frau in dem vollen Laden nicht an. Unverrichteter Dinge und zutiefst gekränkt fuhr ich nach Hause.

Meine Mutter ist ohne zu zögern ins Auto gesprungen um die Sache zu klären. Ich saß neben ihr und wußte schon während der Fahrt, dass sie die Sache geradebiegen würde, und so war es natürlich auch. Die Verkäuferin war am Ende der Rede meiner Mutter ganz kleinlaut- sie hat sich nicht nur bei mir entschuldigt sondern mir sogar noch ein kleines Accessoire geschenkt.

Ähnliche Situationen gab es immer wieder, zum Beispiel auch in der Schule. Immer wenn ich nicht weiterkam, ist meine Mutter für mich in die Bresche gesprungen. Sie hat sich nicht eingemischt, in erster Linie habe ich meine Probleme selber gelöst, aber immer dann, wenn ich nicht weiterkam und ich Hilfe brauchte, ist sie eigesprungen. Ich wußte immer, dass zu Hause jemand ist, der mir hilft, mich unterstützt oder mich einfach auffängt. Ich hatte je nach Bedarf einen Coach oder eine „Geheimwaffe“ zu Hause und das hat mir ein Gefühl von Sicherheit und Stärke gegeben.

In derPubertät gab es Phasen, da war ich verunsichert. Mal fand ich mich zu dick, mal zu klein, mal war der Busen nicht groß genug. Meine Mutter ist auf meine Sprüche dazu gar nicht erst eingegangen. Mit mir über diese Äußerlichkeiten zu diskutieren fand sie überflüssig. Manchmal wußte ich gar nicht so richtig, wohin mit mir. Bin ich auf dem richtigen Weg? Was will ich eigentlich und kann ich das überhaupt schaffen? Wer bin ich und wer will ich sein- ach, die Pubertät war manchmal einfach nur doof! Ich weiß gar nicht so genau, wie meine Mutter es geschafft hat, aber irgendwie hat sie mit ihrer unerschütterlichen Liebe und Zuversicht in den Menschen, der ich bin, gar nicht erst zugelassen, dass Zweifel an mir entstehen konnten, sondern sich zwischen mich und sämtliche Zweifel an mir selbst gestellt. Sich mit Selbstzweifeln zu quälen und in Unsicherheiten zu verlieren, diesen Weg hat sie für mich einfach dicht gemacht.

Meine Mutter hat mir aber nicht nur beigebracht, nicht an mir selber zu zweifeln, sie hat mir auch beigebracht, andere Menschen zu respektieren und zwar so, wie sie sind.

Mommy

 

Es wird sicherlich Jahre geben, in denen auch meine Söhne sich mit sich selber schwer tun werden. Denn auch Jungen sind heute viel mehr als in meiner Jugend dem Druck von Schönheitsidealen ausgesetzt. Dann wird es an mir sein, genau so hinter ihnen zu stehen, wie es meine Mutter bei mir getan hat. Sie sollen immer spüren, dass sie perfekt sind, so wie sie sind. Und genau so sollen sie von mir lernen, andere zu respektieren- auch und gerade Mädchen.

Kein Mensch hat sich selber gemacht, und jeder verdient Respekt- wir selbst und andere. Diese Grundlage meiner Erziehung soll auch für meine Söhne bestehen. Ich hoffe, dass ich ihnen in diesem männerdominierten Haushalt ein gewisses Grundverständnis für das weibliche Wesen vermitteln kann.

Ich weiß übrigens auch heute nicht immer so ganz genau, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich mochte mein Leben vor Kindern. Ich fand mein Bild von einer Juristin in einem großen Konzern ziemlich toll. Im Moment bin ich aber ganz Mutter. Mein Job kommt mir gerade so unwichtig vor. Ist das gut so? Bin ich eher Business-Frau oder eher Mutter? Kann ich beides in gleichen Teilen sein, beides gleich gut machen, oder steht ein Ziel über dem anderen? Welches?

Vor „Business-Frauen“ habe ich das Gefühl, zu sehr Mutter zu sein, vor manchen Müttern habe ich das Gefühl, verteidigen zu müssen, dass ich bald wieder arbeiten gehen möchte. Und wehe, wenn einer einen Spruch über mein Leben macht, das kann mich auch heute noch ganz schön verunsichern.

Dann rufe ich übrigens immer meine Mutter an. Die weiß immer Rat. Stark, oder?

Eure Mia