Was soll aus Dir nur werden?

Manchmal ist es schwer zu begreifen, dass das, wofür ich die Verantwortung trage, eigentlich gar nicht in meinen Händen liegt.

Ich habe meine Söhne gestillt und getragen, ich versorge und beschütze sie, ich mache ihnen Mut und trockne ihre Tränen, aber obwohl ich jeden Tag alles in meiner Macht stehende für sie tue, weiß ich doch, dass sie ihren eigenen Weg gehen werden.

Wenn ich den Mini manchmal noch die steile Treppe in unser Dachgeschoss hinauftrage, denke ich, dass es doch schön wäre, die Kinder ebenso, Stufe für Stufe auf einen guten Platz im Leben tragen zu können. „Hier bitteschön, mein Sohn, ich habe hier einen Abschluss in Jura für Dich, einen Platz im Management einer großen Firma, eine nette Frau, gesunde Kinder- wenn noch etwas fehlt, lass es mich wissen.“

Aber meine Vorstellungen vom Leben sind nicht ihre, und ich sehe jeden Tag, wie sie schon jetzt kleine Individuen sind, die ich nur ein wenig lenken kann, während sie ihre Schritte auf dem Weg ihres Lebens tun.

Ich wüsste gerne, wo ihre Reise sie hinführt.  Am Wochenende saß ich abends mit dem Mann vorm Kamin. Wir waren schon beim zweiten Glas Wein, da fingen wir an zu orakeln, was aus unseren Kindern wird:

Der Mini ist auffallend musikalisch. Wahrscheinlich wird er mit 8 seine erste Band gründen. Mit 16 wird er mit uns Diskussionen führen, weil er die Schule abbrechen und als Singer/Songwriter um die Welt ziehen will. Er wird uns hassen, weil wir auf einem Schulabschluss bestehen werden, aber eines Tages werden wir stolz bei einem seiner Konzerte in der Kölner Lanxess Arena in der ersten Reihe stehen und sagen: „Wir haben ja immer gewusst, dass Musik sein Ding ist!“

Und dann hatten wir eine Idee: Wir holten Papier und Stift und schrieben auf, was wir denken, was aus unseren Kindern wird. Wir steckten alle Zettel in Briefumschläge.

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Und weil wir dabei so viel Spaß hatten, will ich die Idee gerne mit Euch teilen. Hier sind die Spielregeln:

1. Für jedes Kind gibt es zwei Briefumschläge- jeder Elternteil befüllt einen.

2. Jeder Elternteil bekommt pro Kind 10 Zettel.

3. Auf jeden Zettel schreibt man eine Idee auf, wo das Kind in 20 Jahren stehen wird. Anschließend liest jeder seine Zettel vor und man hat einen wunderbaren Abend dabei.

4. Alle Zettel werden im Umschlag verschlossen. Auf den Briefumschlag wird das Datum geschrieben, an dem der Umschlag geöffnet werden darf (z.B. wenn das Kind 20 ist, oder 30, oder wenn es die Schule beendet, oder am Vorabend seiner Hochzeit…)

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5. Für jeden Zettel, dessen Inhalt sich erfüllt hat, bekommt man vom anderen Elternteil eine Flasche Wein, oder eine Fussmassage oder ein Abendessen, oder was Ihr Euch sonst für einen Einsatz überlegen wollt.

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Ob wir auch nur in einem Punkt richtig liegen? Ob wir die Umschläge gemeinsam mit den Kindern öffnen werden? Werden wir uns kaputt lachen und ohne Ende glücklich sein, oder sind wir vielleicht alle gar nicht mehr zusammen? Ich weiß es nicht. Aber eines Tages werden mir diese Umschläge wieder in die Hände fallen und ich werde dabei an diesen Abend denken, an dem mein Mann und ich lachend vor dem Kamin saßen, während unsere Söhne klein und süß ein paar Meter von uns entfernt in ihren Betten lagen und schliefen.

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„Verelterung“ – Kleine Fluchten für Mama und Papa

Gestern habe ich im Fernsehen eine richtige Schnulze gesehen. Mit Happy End und allem, was man so braucht. Genau das Richtige nach einem langen Tag.
Leider musste in dem Film auch eine junge Frau ihr Leben lassen und starb in den Armen ihres Mannes. Es war eigentlich wirklich ein Flachfilm, aber ich habe trotzdem danach gegrübelt- über das Leben, die Liebe, Familie…Am Ende meiner Grübeleien fragte ich meinen Mann: „Wenn ich morgen sterbe, würdest Du dann sagen, wir haben die gemeinsame Zeit bestmöglich genutzt?“ Mein Mann reagierte auf seine Weise: Er wähnte eine Fangfrage, sah Ärger auf sich zukommen und schaltete sofort auf Verteidigung. Zwei Minuten später waren wir mitten in einer Diskussion über unser Familienleben allgemein. Ich kam viel zu spät ins Bett und bin jetzt noch müde.

Dieser Abend ist eigentlich die Antwort auf die Frage, die ich meinem Mann gestellt habe. Wir sind oft zu müde, um gemeinsam etwas zu unternehmen und lassen viele Abende einfach so verstreichen, aber wenn es um Streits geht, schaffen wir es immer, uns miteinander zu beschäftigen. Sogar abends spät noch, wenn wir eigentlich längst schlafen wollen. Standpunkte verteidigen, Revier abstecken, Aufgaben klarstellen- dazu nehmen wir uns die Zeit. Aber Zeit für uns als Paar, die gibt es sehr wenig.

Die Ursachen sind klar: Im Mittelpunkt stehen bei uns immer die Söhne. Wenn der Mann abends spät zur Tür hereinkommt, muss ich ihm erstmal erzählen, was die Jungs den ganzen Tag so gemacht haben und da wir beide von der Sorte Eltern sind, die ihre Kinder so monstersüß finden, dass sie sie ständig abknutschen könnten, liegt auch am Wochenende unsere ganze Aufmerksamkeit häufig nur auf den Kindern. Die Kommunikation unter den Eltern beschränkt sich auf: „Guck mal, wie süß“, „Hast Du ihn gerade gehört? Der hat Kacka gesagt!“, „Wir haben die süßesten Söhne der Welt“, „Kannst Du mal kurz auf sie aufpassen“….
Das alles ist nicht wirklich ein Grund zur Beschwerde, denn unsere süßen Jungs sind schließlich auch ein phantastisches gemeinsames Hobby- viel besser als zusammen Tennis zu spielen oder so. Aber man lebt als Paar oft nur nebeneinander her. Glücklich, aber „nur“ noch Eltern.

Deshalb habe ich mich entschieden, die „Verelterung“ zu stoppen und uns wieder mehr Zeit als Paar einzuräumen.

Den ersten Versuch hatte ich schon vor ein paar Monaten gemacht und mit dem Mann vereinbart, dass wir uns einen Abend im Monat Zeit für uns nehmen. Wir müssen ja nicht jedes Mal den Babysitter beauftragen, wir könnten ja auch zu Hause Zeit als Paar verbringen. Der Mann fand den Plan super, ich war happy und dann vergaßen wir den Plan wieder. Gemeinsam verbrachte Abende seitdem: Null!

In meinem zweiten Anlauf gestalte ich schon die Terminfindung einfach bunter! Da mein Mann hier ja nicht mitliest, kann ich Euch heute zeigen, was er zu Nikolaus bekommt:

Ich werde ihm zu Beginn jedes Monats eine Karte überreichen. Dazu bekommt er ein Tütchen mit diesen schönen Billetts.

 

Feine Billetterie

 

Aufgabe des Mannes ist es, einen Termin in seinem Kalender zu reservieren und jeden Monat eines der Billetts auszusuchen. Was er dann schließlich bekommt, ist eine Überraschung, denn ich setze das ausgewählte Wort dann um und da gibt es ja viiiieeeele Möglichkeiten.

 

Feine Billetterie

Ob der Plan aufgeht? Ich halte Euch auf dem Laufenden. Für Tipps, wie ihr der „Verelterung“ entgeht, bin ich dankbar!!

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Heiter- bis- wolkig-Mittwoch:Eltern und Ehepaar

Ich schlage heute morgen die Zeitung auf und lese: „Jede dritte Ehe scheitert.“

Huch, so eine Headline vor dem ersten Kaffee…

Ich lege die Zeitung wieder weg, nehme einen Schluck Kaffee und denke über meine eigene Ehe nach.

Unsere Beziehung befindet sich im verflixten siebten Jahr, unsere Ehe haben wir vor vier Jahren geschlossen. Manchmal,wenn ich mir unsere Hochzeitsfotos anschaue, denke ich bei mir: „Wahnsinn, wer wir damals waren, und wer wir heute sind!“

Von den Hochzeitsfotos guckt mich ein Paar an, das eigentlich gerade erst anfing, ein richtiges Paar zu werden. Genau genommen waren wir zwei sehr unabhängige Erwachsene, die ineinander verliebt waren. Dann wurden wir Eltern. Es war eine riesige Umstellung, vom Paar zur Familie. Wie haben wir uns gestritten! Über absolut ALLES!

Der Sprung von der Familie mit einem Kind zu einer Familie mit zwei Kindern ist nicht ganz so groß, dachte ich mir und das stimmt auch. Die Rahmenbedingungen ändern sich nicht mehr so sehr. Hier wird wenig geschlafen, ich nehme Elternzeit, mein Mann und ich haben kaum Zeit füreinander…das war schon vor Baby Nr. 2 so.

Überrascht hat mich allerdings, dass die Streiterei wieder von vorne losging. Wir sind seeehr genervt voneinander. Es ist, als wären wir gerade zum ersten Mal Eltern geworden und müssten unsere Rollen neu definieren. Ich fühle mich oft alleine gelassen mit den Kindern. Ich will mehr Anerkennung für das, was ich täglich leiste. Ich bin neidisch auf seinen Büroalltag. Und wirklich ausflippen könnte ich, wenn er genervt von dem Babygeschrei ist. Ich bin nicht weniger genervt davon, dass der Kleine abends immernoch seine Schreistunde abhält, aber wenn er das ausspricht, dann stelle ich mich automatisch vor meinen Sohn und bin wütend auf meinen Mann, weil er unser Baby in meinen Augen nicht süß genug findet. Klar, der wartet wieder, bis ich den Kleinen aus dem Gröbsten rausgebracht habe. Dann nimmt er ihn mir weg und macht mit ihm und dem Großen Männersachen, denke ich dann.

Manchmal bin ich überrascht davon, wie sehr wir uns verändert haben. Die beiden unabhängigen Menschen auf dem Hochzeitsfoto leben jetzt ein unfassbar traditionelles Familienbild. Ich bin die Hausfrau, er der Geldverdiener. Das war eigentlich nicht beabsichtigt, ist aber beim Machen so geworden. Meistens ist das auch ok für mich. Ich bin glücklich in meiner Mutterrolle und schäme mich nicht dafür, dass mir die Kinder wichtiger sind als meine Karriere. Nur manchmal denke ich mir, dass ich beruflich viel aufgegeben habe. Dieses Gefühl lasse ich uneingeschränkt an meinem Mann aus.

Und dann sind da noch all diese eigentlich überflüssigen Motzereien: Ich hatte doch gesagt ich brauche Tomaten, warum hast Du keine Tomaten gekauft? Hörst Du eigentlich nicht, wenn das Babyfon angeht? Kannst Du auch mal das Bad putzen? Musst Du wirklich bis 23 Uhr im Büro sitzen? Hast du etwa keine Jacke für den Sohn eingepackt?

Seit der Kleine vor zwei Monaten zur Welt kam, haben mein Mann und ich kaum miteinander geredet. Meistens sagen wir nur: „Kannst Du mal kurz…“, aber richtige Gespräche gibt es kaum. Höchstens mal ein kleiner Streit zwischendurch. Dafür ist immer Zeit.

Von dem Foto neben dem Hochzeitsfoto, ein Familienfoto mit Sohn, gucken mich keine unabhängigen Erwachsenen an, sondern Eltern. Die Liebe zueinander und die Liebe zum Sohn springt einem aus diesem Foto heraus fast an. Wir haben den Spung vom Paar zur Familie geschafft.

Daneben steht neuerdings ein Foto einer Familie mit zwei Kindern. Die Eltern sind wieder andere Menschen, als die auf dem Foto mit nur einem Kind. Die Unabhängigkeit ist sowas von weg, aber das Glück ist noch da.

Wir werden uns in den nächsten Wochen noch oft streiten. Müde und gereizt werden wir aneinander geraten, kurioserweise nie zu erschöpft, um zu streiten. Wir wissen aber beide, dass das wieder besser wird.

Dem Zeitungsartikel zufolge haben wir statistisch gesehen noch 10 Jahre und 8 Monate glückliche Ehe vor uns. Ich traue uns durchaus mehr zu.

Ach ja, und ich hätte nichts dagegen, wenn eines Tages ein weiteres Foto im Wohnzimmer aufgehängt würde- mit drei Kindern. Noch so ein Streitpunkt…

Eure Mia