Klappt´s nicht?

Mein Mann muss momentan dauernd auf Geschäftsreise. Letzte Woche Wien, diese Woche Berlin und übernächste Woche wieder Berlin. Wie es der Zufall will wird er dann in unserer Hauptstadt über irgendwelche Strategien beraten, während hunderte Kilometer entfernt einsam und alleine mein Ei springt.
 
Zwei Wochen später stehe ich dann wie jeden Monat mit einem neuen Paket Tampons unterm Arm im Supermarkt an der Kasse und werfe einen Blick auf die Boulevardpresse, von wo aus mir jeden Monat irgendwelche Prominente ihren Babybauch entgegenstrecken.
 
Shakira, Barbara Schönenberger, Jana Ina, Mirja Boes, alle Promis sind schwanger! Nein, eine nicht: Die Herzogin von Cambridge.
 
Arme Kate Middleton! Kaum sind die Hochzeitsglocken verklungen, baut das Königreich erstmal ordentlich Druck auf. Zwei Generationen von Thronfolgern in der Warteschleife sind ja nicht genug! Wann kommt denn endlich ein Baby, Kate?
 
Beim Thema Nachwuchs sind die Erwartungen hoch, da wird für die Frau des zukünftigen Königs von England keine Ausnahme gemacht. Bevor man verheiratet ist, wird erwartet, dass man tunlichst nicht schwanger wird. Kurz nach der Hochzeit wendet sich das Blatt schlagartig: Nun wird geradezu erwartet, dass schnellstmöglich Nachwuchs angekündigt wird. Hat man dann endlich ein Baby in die Welt gesetzt, ist einem nur eine kurze Verschnaufpause gegönnt, denn kaum hat der Nachwuchs den aufrechten Gang erlernt, fragt die Welt nach Nummer 2. Wann kommt denn das Geschwisterchen? Klappt es etwa nicht?
 
Woher kommt eigentlich diese Neugierde?
Es gibt wohl kaum ein privateres Thema als die Familienplanung. Aber in kaum ein Thema mischt sich die Umwelt so sehr mit Bemerkungen ein. Keiner fragt einen, was man verdient, wie viel man wiegt, oder wieviel das Haus gekostet hat, aber die Frage, ob man (noch) ein Kind haben möchte, scheint immer erlaubt zu sein.
 
Vielleicht hängt das damit zusammen, dass Babys etwas so Weltbewegendes sind. Wenn ein paar eine Familie gründet, mutet das immer irgendwie auch romantisch an. Liebe und Babys sind doch irgendwie die ganz großen Themen im Leben. Möglicherweise möchte unsere Umwelt daher rechtzeitig an diesem wunderbaren Ereignis teilhaben. Vielleicht ist es aber auch nur Sensationslust. Um von unserem eigenen Leben anzulenken, schauen wir auf das Leben der Anderen. Oder es ist die pure Langeweile, die uns darauf warten lässt, dass im Leben unserer Freunde und dem der Prominenten geschieht, was der Reihenfolge nach als nächstes geschehen muss. 
 
Über Kate lesen wir in diesen Tagen auch noch, dass es gegebenfalls ein Urlaubsvideo gibt, das sie mit nacktem Hintern zeigt. Lasst Kate doch einfach mal in Ruhe. Sie ist doch sowieso dauernd quasi nackt. Wer möchte schon gerne unter Beobachtung der halben Welt versuchen, ein Kind in die Welt zu setzen? 
Gerade bei der Familienplanung muss man den Menschen doch ihre Privatsphäre lassen. Außer vielleicht denjenigen, die dem Thema einen ganzen Blog widmen. Die sind ja selber schuld.
 
Eure Mia

Männer unter Zeugungsdruck

Es kann ja eigentlich nicht mehr lange dauern, bis ich wieder schwanger bin. Ich freu mich so drauf! Und ich kann durchaus noch ein bißchen warten. Das wird schon! Kein Streß!
 
Aber was ist mit meinem Mann? Ich bin auf Eltern.de über ein Forum gestolpert, das sich nur mit der Männersicht beschäftigt. Dort tauschen sich Männer aus, die sich unter Zeugungsdruck gesetzt fühlen. Einige wissen sogar zu berichten, dass dieser Druck die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen kann! Das wiederum führt ja zu noch mehr Druck! Was für ein Teufelskreis!
Plagen auch meinen Mann solche Gedanken? Muss ich mir Sorgen machen? Vielleicht quälen ihn Albträume, in denen er von Ovulationstests verfolgt wird?
Für mich ist die Beobachtung meines Zyklus ja wie Zähneputzen geworden. Mach ich einfach. Kein Ding. Jetzt hoffe ich bloß, dass sich mein Mann nicht heimlich mit Versagensängsten quält. In die Ecke gedrängt vom Eisprung seiner fortpflanzungswilligen Frau!
 
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich meinen Mann komplett unbehelligt lasse, wenn es um die Signale meines Körpers geht. Zervixschleim ist nichts, was man mit seinem Mann gemeinsam interpretieren muss! Für das richtige Timing bin ich zuständig. Aber ihm einfach so mitzuteilen, wann er verstärkt ran muss, ist vielleicht zu unsensibel?
 
Ich denke, es ist Zeit, die Gefühle meines Mannes mal in den Mittelpunkt zu stellen. Gestern habe ich daher den Fernseher ausgemacht (hab aber die letzte Folge von Desperate Housewifes aufgenommen), um meinem Mann Gelegenheit zum Reden zu geben.
 
„Sag mal, Süßer, wie ist das eigentlich für Dich?“
 
„Was denn?“
 
„Na, das mit unserem Kinderwunsch.“
 
„Wie jetzt?“
 
„Also, dass wir jetzt immer Sex nach Kalender haben müssen.“
 
„Und?“
„Ja, mein Schatz, wie ist das für Dich? Was denkst Du?“
„Was ich denke?“
„Ja!“
 
„Beim Sex??“
 
Gott sei Dank! Alles wie immer! „Ist schon gut, mein Süßer!“
 
Dem geht´s gut! Da bin ich aber erleichtert!
 
Eure Mia

Wie man schnell schwanger wird

Ich habe (hier) gelesen, dass Männer zur Steigerung ihrer Fruchtbarkeit Antioxidantien zu sich nehmen sollen. „Siehste“, sage ich zu meinem Mann, „Du isst zu viel Wurst!“ Und er: “ Wenn ich gewußt hätte, dass Fleisch ein Verhütungsmitel ist, hätte ich vor einigen Jahren noch viel mehr davon gegessen!“
Fleisch als Verhütungsmittel?? Um weitere Fehler bei der Familienplanung auszuschließen, habe ich direkt mal gegoogelt, was man noch so alles tun kann, um schnell schwanger zu werden. Hier meine Favoriten:
 
1. Vermeiden Sie übermäßigen Kaffeegenuss:
Kommt nicht in Frage! Außerdem wäre ich dann gar nicht mehr wach, wenn mein Mann abends nach Hause kommt. So gibt das auch nix! Irgendwann habe ich mal eine Studie gelesen, nach der sogar vier Tassen Kaffee pro Tag kein Problem sind. Das war allerdings eine italienische Studie…
 
2. Schlafen Sie regelmäßig
Woher kommen dann die Geschwisterkinder?
 
3. Legen Sie nach dem Sex die Beine hoch
Kann man dann beim Sex im Stehen nicht schwanger werden? Ich kenne einige Männer, die sich sicher freuen, das zu hören! Ich gebe zu, ich habe das auch schon gemacht (also das Beine Hochlegen meine ich jetzt) und kam mir sehr doof vor. Ich lag da und dachte mir: Kann doch nicht sein! Was für eine Fehlkonstruktion wäre denn der weibliche Körper, wenn man ihn auf den Kopf stellen müsste, damit er sich fortpflanzen kann? Nebenbei bemerkt: Wie hat Boris Becker das dann eigentlich in der Besenkammer geschafft? Ach ja, das war ja Samenraub!
 
4. Schränken Sie Ihren Alkoholkonsum ein. Das gilt auch für Ihren Partner.
Daran kann es nicht liegen! Sogar Britney Spears hat zwei Kinder! Und Robbie Williams wird jetzt auch Vater!
 
5. Vermeiden Sie Streß.
Siehe Punkt 2
6. Speiseeis und andere sahnige Milchprodukte erhöhen die Fruchtbarkeit
Wenn es danach geht, müsste ich nach diesem Sommer Drillinge bekommen. Vom bloßen Angucken!!
7. Ihr Partner sollte seine Hoden kühl halten
Prima, heute morgen waren es bloß 9 Grad draußen! Dann klappt es bestimmt jetzt!
Eure Mia

Alle drei Tage Eisprung!

Evolutionstechnisch hinkt der weibliche Körper der Realität hoffnungslos hinterher. Nicht nur, dass unsere fruchtbarsten Jahre in eine Lebensphase fallen, in der wir uns unter dem Stichwort „Lebensplanung“ maximal mit der Auswahl des richtigen Clubs für das nächste Wochenende beschäftigen, nein, viel blöder ist, dass wir noch immer mit nur einem einzigen Eisprung pro Monat auskommen müssen.
Paaren mit Kinderwunsch wird empfohlen, sich an die Drei-Tage-Regel zu halten: Da eine Eizelle irgendetwas zwischen 12 und 24 Stunden nach dem Eisprung befruchtungsfähig ist und Sperma bis zu 72 Stunden im weiblichen Körper überleben kann, soll man einfach alle drei Tage Sex haben- dann trifft man schon den richtigen Zeitpunkt. Alle drei Tage?? Das haben wir höchstens in unserer Kennenlernphase geschafft!
Wer berufstätig ist und einen berufstätigen Partner hat, der weiß, dass das gar nicht so einfach ist. Wenn dann noch bereits ein Kind im Haus ist, kann es richtig schwierig werden. Mein Mann kommt für gewöhnlich zwischen 21 und 22 Uhr von der Arbeit nach Hause. Dort trifft er auf seine ermattet auf dem Sofa liegende Frau, die vor einer Stunde endlich den Sohn ins Bett gebracht hat und eigentlich bloß noch ein bißchen fernsehen will, bevor sie ins Bett geht. Lust auf Sex? Gähn! Jetzt noch?
Aber was tut man nicht alles! Wenn der Eisprung sich ankündigt, muss mein Mann extra früher Feierabend machen. „Kommst Du heute früher nach Hause?“ „Geht nicht, heute ist Geschäftsführungssitzung, aber morgen kann ich früher kommen.“ „Aber du musst doch HEUTE früher nach Hause kommen, morgen ist es zu SPÄT“! „Das kann ich in der Geschäftsführung aber schlecht so sagen, oder?“
Da hilft nur eins: langfristige Planung. Heute morgen fragt mein Mann, als er aus der Dusche kommt: „Äh, wann muss ich Sexualitäten einplanen?“ Lachend habe ich geantwortet. „Nächste Woche“. Und er: „Gut, ich sag´s meiner Sekretärin!“ Ich fand das so witzig und außerdem so süß von meinem Mann. Da lag so vieles in dieser Bemerkung. Wir wünschen uns beide noch ein Kind, wir finden beide dass es lansam ein bißchen unromantisch wird, aber wir machen unsere Witzchen, und zeigen uns dadurch gegenseitig, dass wir uns einfach nur auf ein zweites Kind freuen und uns das wiederum so glücklich macht. Ich hätte glatt über ihn herfallen können- aber in dem Moment ging leider das Babyfon an.
Später an diesem Tag fand ich die Idee gar nicht mehr so blöd. Wenn die Sekretärin meinem Mann einen Serientermin „Eisprung“ einstellt, könnte das doch eigentlich vieles vereinfachen. Na ja, noch besser wäre es allerdings, die Evolution würde uns endlich die Drei-Tage Regel für den Eisprung einführen!
Eure Mia

Sex nach Kalender. Wie romantisch!

Diesen Monat will ich es ganz genau wissen. Ich habe mir Ovulationstests gekauft und erwarte nun in den nächsten Tagen von einem digitalen Smiley angegrinst zu werden.
Das Problem ist aber: Ich hab gerade überhaupt keine Lust! Der Sohn ist krank (erster Härtetest mit meinem neuen Chef- ich werde noch berichten), meine Freundin hat Liebeskummer, ein Freund hat seinen Job verloren, kurz: Ich habe jetzt keine Muße für ein Rendezvous mit meinem Mann.
Jetzt könnte man einwenden, man müsse ja nicht gleich ein Feuerwerk der Gefühle abfackeln und könne als Ehepaar mit Kinderwunsch einfach schnell mal so in die Kiste hüpfen, dafür bräuchte man keinen freien Kopf. Ja, könnte man. Aber einfach schnell mal so wird mein Kind nicht gezeugt!
Ein bißchen romantisch muss es für mich schon zugehen. Letzten Monat habe ich mich echt ins Zeug gelegt. Ich habe gekocht, mir was Tolles angezogen und als ich meinen Mann in der Einfahrt hörte, schnell die Kerzen angezündet. Nach dem Nachtisch meinte mein Mann: „So, jetzt bist Du fällig!“ Aber bis dahin war es echt romantisch!
Einmal habe ich das Gästezimmer als Liebesnest hergerichtet. Also, eigentlich habe ich nur aus einem zur Rumpelkammer verkommenen Raum wieder ein begehbares Zimmer gemacht, indem ich Staubsauger, Wäschständer etc. enfernt und für schöne Beleuchtung gesorgt habe. Hat aber gereicht, um meinen Mann zu begeistern. Hätte er nicht gesagt: „So, dann wollen wir mal“ hätte es glatt romantisch werden können.
Schön, ich gebe es zu, es bleibt Sex nach Kalender, egal was ich mir ausdenke. Ich bestehe aber trotzdem weiterhin darauf, dass Romantik im Spiel sein muss. Leider gehen mir langsam die Ideen aus. Ich kann ja nicht jeden Monat die Nummer mit dem Candlelight Dinner bringen. Und weitere Zimmer, die ich zum Liebesnest machen kann, haben wir auch nicht. Und diese Woche habe ich sowieso keine Lust. Es wird wohl das Beste sein, wir setzen einfach mal einen Monat aus. Warum nicht?
Andererseits… jetzt habe ich ja diese Packung mit den teuren Ovulationstests schon angebrochen! Und diese liebevoll mit Folsäure, Vitaminen, Bewegung und unter weitgehendem Alkoholverzicht herangezüchete Eizelle einfach so vorbeiziehen lassen?? Niemals!
Romantik darf man jetzt auch nicht überbewerten!
Eure Mia
P.S. Irgendjemand vielleicht noch Ideen?

Ganz schnell schwanger

„Liebes Dr. Sommer Team, mein Freund hat mir beim Knutschen die Zunge in den Mund gesteckt. Kann es sein, dass ich jetzt schwanger bin?“
Irgendwie schießt mir die Erinnerung an diese Briefe aus der Bravo gerade durch den Kopf.
Meine Eltern waren dagegen, dass ihre Töchter die Bravo lesen, aber meine beste Freundin hatte immer die aktuelle Ausgabe zu Hause, da habe ich natürlich regelmäßig reingeschaut.
Nun hielten meine Eltern die Bravo zwar nicht für die geeignete Lektüre für ihre Töchter, aber verklemmt waren sie nie. Ich war also hinreichend aufgeklärt. Über diese Leserbriefe in der Bravo habe ich mich regelmäßig schlappgelacht.
Heute musste ich also wieder daran denken, und wieder musste ich lachen. Dieses Mal aber aus einem ganz anderen Grund:
Stellt Euch mal vor, eines dieser Mädchen versucht gerade schwanger zu werden. Damals hat sie panisch ans Dr. Sommer Team geschrieben, weil sie Angst hatte, mal eben so schwanger geworden zu sein, und heute, 15 Jahre später, wartet sie sehnsüchtig auf ein Baby. Sie führt einen Zykluskalender, in ihrem Badezimmerschrank türmen sich Ovulationstest, aber nichts passiert.
Wahrscheinlich versteht sie die Welt nicht mehr. Ihre Mutter hat ihr vermutlich immer eingeredet, bloß aufzupassen. Ein Baby vor dem Schulabschluss, das wäre eine Katastrophe. Und danach muss man erstmal eine Ausbildung machen. Pass bloß auf, dass dir kein Baby dazwischen kommt!
Bei mir bestand zwar nie wirklich die Gefahr, vor dem Abitur schwanger zu werden- ich war eher ein Spätzünder. Aber diese Warnung, bloß immer gut aufzupassen, die lief auch bei mir immer schon mit. Irgendwie wurde uns in jungen Jahren immer der Eindruck vermittelt, eine Schwangerschaft sei eine riesengroße Gefahr, vor der man sich (ver)hüten muss, und die einen trotzdem quasi im Vorbeigehen treffen kann. Und dann stellt man fest, dass es weniger eine Gefahr, als vielmehr ein glücklicher Zufall ist, für den schon einiges zusammenkommen muss.
(Wehe, es schreibt jetzt einer einen Kommentar, dass man mit 16 tatsächlich viel schneller schwanger wird! Sowas will ich gar nicht hören!!)
„Liebe Bravo Leserin, mach dir keinen Kopf. So schnell wird man nicht schwanger. Vom Knutschen allein schon gar nicht. Nee, auch nicht mit Zunge!“
Eure Mia

Große Erwartungen

„Was machst Du so?“, fragt meine Freundin mich am Telefon. „Ich WARTE“, würde ich am liebsten antworten. „Und gestern habe ich auch gewartet und letzten Monat und den Monat davor habe ich auch im Wesentlichen gewartet.“
Wer schwanger werden will, braucht eine Menge Geduld, denn man muss viel warten. Man wartet auf den Eisprung, dann wartet man auf den Tag der Fälligkeit der Periode und danach wartet man wieder auf den Eisprung.
Ich warte nicht gerne. Ich lasse lieber ein super Schnäppchen im Laden liegen, als länger als zwei Minuten an der Kasse zu stehen. Ich gehe lieber zu Fuß, als auf den Bus zu warten. Ein Zyklus kann verdammt lang werden, wenn man so ungeduldig ist, wie ich.
Wenn etwas nicht gleich klappt, dann muss man es sofort nochmal versuchen und sich einfach beim nächsten Mal mehr anstrengen. Das ist ein Prinzip, mit dem ich etwas anfangen kann.
Dass ich aber für den Eintritt einer Schwangerschaft so wenig tun kann und zwischendurch immer einfach bloß warten muss, das fällt mir sehr schwer.
Vielleicht ist es gerade für Menschen wir mich gut, wenn wir auch mal gezwungen sind, ein bißchen zu warten. Manche Dinge haben wir eben nicht in der Hand. Dazu gehört das Wunder des Lebens.
Mein Plan, wie groß idealerweise der Altersunterschied zwischen zwei Kindern sein sollte und wann es beruflich zwischen zwei Projekten am Besten passt, dieser Plan zählt einfach nicht. Ich kann ein neues Leben nicht einfach planen. Ich bin machtlos.
„Was machst Du so?“, fragt mich meine Freundin am Telefon. „Hast Du heute Abend Lust auf Kino?“ „Ja klar“ antworte ich, „und vorher was essen?“ Immerhin kann ich mich ablenken. So machtlos bin ich nämlich auch wieder nicht.

Eure Mia

Warten. Warten. Und nochmal Warten.

Kennt Ihr das, wenn man ganz aufgeregt auf etwas wartet?
Ich erinnere mich gerade daran, wie ich nach meinem Examen auf den Briefträger gewartet habe, der die Prüfungsergebnisse bringen sollte. Im Internet konnte man damals unter seiner persönlichen Prüfungsnummer einsehen, an welchem Tag man mit der mündlichen Prüfung dran ist. Auf den Tag genau drei Wochen vorher sollten dann die Ergebnisse der Schriftlichen im Briefkasten liegen, die sogenannten Vorpunkte.
Ich stand an diesem Tag schon morgens früh am Fenster und hielt sehnsüchtig Ausschau nach dem Briefträger.
Ich komme mir gerade wieder vor, wie die Studentin, die am Fenster steht wartet. Ich bin mal wieder in Phase 3 und ganz schön aufgeregt. Ich verspüre keine Schwangerschaftsanzeichen. Keine Übelkeit, spannende Brüste oder sonstiges. Hatte ich in meiner ersten Schwangerschaft aber auch nicht. Das kann alles und nichts bedeuten.
Ich bin ja schon viel ruhiger geworden. Inzwischen warte ich eher nebenbei. Meine Gedanken kreisen nicht mehr nur noch um das Thema. Aber wer sich wirklich ein Baby wünscht, und behauptet, er würde sich keine Gedanken über seinen Eisprung machen und nicht warten, der lügt! Jedenfalls kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen.
An dem Tag, an dem der Briefträger meine Vorpunkte bringen sollte, sah ich den Briefträger gegen Mittag auf der anderen Straßenseite. Ich lief zu ihm rüber und bat um meine Post. Er weigerte sich, mir diese zu geben und meinte, ich müsse warten, bis er auf der anderen Seite vorbei käme. Ich konnte ihn nicht überreden. Also weiter warten. Etwa zwei Stunden später sah ich ihn von weitem wieder kommen. Ich lief die Treppen runter, riss die Haustür auf, nahm meine Post entgegen und- der Brief war nicht dabei! Vermutlich lag es daran, dass ich kurz vorher umgezogen war. Meine Post kam per Nachsendeantrag, und dadurch dauerte es länger.
Nochmal 24 Stunden warten! Für mich damals eine Ewigkeit. Am nächsten Tag stand ich wieder am Fenster und hielt Ausschau und mittags hielt ich endlich den ersehnten Brief in den Händen.
Manchmal muss man eben länger warten, als gedacht.
Eure Mia

Wenn man nicht dran denkt wird man schwanger oder was?

Irgendwann demnächst- ich weiß gar nicht so genau wann- habe ich meinen Eisprung. Dieses mal will ich einfach nicht daran denken. Ich will nicht fünf Tage lang mit einem blinkenden Leuchtsignal (Eisprung! Eisprung!) im Kopf und einem Phase 2 Monster auf der Schulter durchs Leben gehen.
Druck soll ja so schlecht sein- habe ich gehört. Man soll ja ganz entspannt an die Sache rangehen. Is klaa- ich denk einfach nicht mehr dran und schwupps bin ich schwanger. Aber gut- ich lasse mich gerne mal auf das Expiremt ein.
Wie denkt man nicht mehr dran?  Das ist genausowenig möglich, wie an nichts zu denken. Obwohl- Buddhisten machen das doch, oder? Die Meditieren und denken an nichts. Werden buddistische Frauen dann schneller schwanger? Vielleicht sollte ich mal ´ne Studie dazu aufsetzen. Ach nee, geht ja nicht, weil dann denk ich ja wieder dran!
Egal- ich schaff das schon. Ist ja nicht so, als hätte ich nicht genügend Ablenkung. Der Sohn braucht schon wieder neue Schuhe und das ist ein tagesfüllendes Programm. Ich muss ganz dringend mal den Kleiderschrank vom Sohn ausmisten. Obwohl- dann denke ich wieder dran, was ich vielleicht nochmal für ein Geschwisterchen brauchen kann- das ist also nix. Aber wir haben unseren Sommerurlaub noch nicht geplant. Ach ja, und wir wollten unsere Geburtstage dieses Jahr mal wieder mit einer richtigen Party feiern, das muss alles organisiert werden. Allein die Erstellung der Gästeliste. Das Buffet mache ich am besten selber. Ob wir es wagen können, eine Gartenparty zu planen? Man kann ja auch ein Zelt mieten- nur für den Fall das es regnet…
Oh, mein Handy gibt gerade einen Erinnerungston von sich. „Ab heute bist Du fruchtbar.“ Na super! Jetzt hatte ich´s gerade vergessen!
Ich schaff´das schon…

Eure Mia

Schwangerschaftstests sind wie Schokolade

Ich werde keinen Schwangerschaftstest machen, der Badezimmerschrank bleibt geschlossen. Ich werde keinen Schwangerschaftstest machen, der Badezimmerschrank… ach, verdammt, dieses blöde Mantra hilft auch nicht.
Es ist das Ende von Phase 3. Nur noch vier Tage bis zur Mens.
Der Schwangerschaftstest liegt im Badezimmerschrank bereit. Ich kann ihn rufen hören: „Komm, hol mich raus. Du hast doch meine Packungsbeilage gelesen: 53% der Frauen können schon schon vier Tage vor Fälligkeit ein sicheres Ergebnis erhalten. Hol mich raus. Finde es raus“.
Ja warum eigentlich nicht? Es ist ja möglich, dass ich schwanger bin?! Dann ist es doch auch möglich, dass der Test positiv ist. Dann hätte ich Gewissheit und müsste nicht mehr wahnsinnig werden. Aber wenn er negativ ist? Ach, dann mach ich halt in ein paar Tagen noch einen. Ja, ich glaub´ich mach´s!
Oder nein. Ich lass es lieber!  Ich kann ja erstmal abwarten, ob ich meine Periode bekomme.  Auch kann ich morgen früh meine Basaltemperatur messen. Wenn sie abgefallen ist, bekomme ich kurz darauf meine Tage- so weiß ich auch schon ein paar Tage vor Fälligkeit bescheid, und es kostet nichts. Ja, ich warte besser ab.Oh Mann, ich will es aber heute wissen. Jetzt sofort!
Ich schleiche noch eine Runde am Badezimmer vorbei. Ich checke nochmal den Kalender. Schaue nochmal in meine zwei Kinderwunsch Apps (die haben unterschiedliche Angaben zu meinem Eisprung und den fruchtbaren Tagen- ein Grund, sie immer wieder zu öffnen). Ich rechne und rechne und überlege hin und her. Der Badezimmerschrank zieht mich magisch an.
Soll ich, oder soll ich nicht? Wenn er negativ ist, bin ich enttäuscht, und außerdem nicht schlauer als vorher. „Warum machst Du das immer?“, werde ich mich fragen. „Du wußtest doch, dass es eigentlich noch zu früh für den Test war!“
Schwangerschaftstests sind wie Schokolade. Unglaublich reizvoll! Ein süßes Versprechen. Ein toller Moment- und hinterher die große Reue! Nicht gut für mich, aber ich kann nicht widerstehen.
Hat der mich gerade wieder gerufen? „Hol mich raus! 50/50 Chance!“ Verdammt, ist der hartnäckig!
Nee, nee. Heute noch nicht. Vielleicht morgen…
Ich werde keinen Schwangerschaftstest machen, der Badezimmerschrank bleibt geschlossen. Ich werde keinen Schwangerschaftstest machen, der Badezimmerschrank…Eure Mia