Kinderseelen im Urlaub

Die Sonne glitzert auf dem Wasser. Die Mittagssonne brennt unerbärmlich und die einzige Bewegung, zu der man noch fähig ist, ist gelegentlich ein kühles Eis zum Mund zu führen. Die Kinder scheinen die Hitze gar nicht zu bemerken. Vielleicht, weil ein kühler Wind vorne am Meer weht, vielleicht aber auch, weil sie so beschäftigt sind. Die bauen nämlich einen Staudamm gegen die Wellen. Es ist ein sinnloses Unterfangen, aber das ist ihnen egal. Sie bauen und bauen und brechen in eine Mischung aus Jauchzen und Schimpfen aus, Weiterlesen

Die steigen nicht aus! Entspannt verreisen.

Ich war ja dagegen. Als der Mann vorschlug, wir könnten den Kindern für unsere Autofahrt nach Italien so eine Art Bordcomputer kaufen, habe ich protestiert.
„Quatsch! Die können aus dem Fenster gucken. Das haben wir schließlich früher auch gemacht!“ Manchmal bin ich ein bißchen altmodisch.

Wenige Tage später war ich mit beiden Jungs im Auto unterwegs. Es war nur eine 20 minütige Fahrt, aber Weiterlesen

Unser Wochenende in Bildern

Ach, war das ein herrliches Wochenende- jedenfalls bis es ein jähes Ende fand, als dieser kleine Junge angerannt kam und schrie: „Der Maxi ist von der ganz hohen Mauer abgestürzt!!!“

Aber der Reihe nach:

Am Samstag Morgen sind wir mit der ganzen Familie nach Belgien aufgebrochen. Dort wollten wir auf Einladung von Arla das Wochenende auf einem Milchbauernhof verbringen.

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Die Fahrt ging durch Felder und Wälder und als ich ganz sicher war, dass uns jetzt gleich der Grüffelo vors Auto laufen würde, fuhren wir an diesem Schild vorbei:

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Hab´ich´s doch gewußt!

Nach einem herzlichen Empfang wurden wir zu einer Planwagen fahrt abgeholt. Die Jungs waren begeistert, wobei sich der Mini hauptsächlich für den Traktor begeisterte. Wenn der Mini sich etwas in den Kopf setzt…

Als wir eine kurze Pause machten, überredet der kleine Mann mit lispelnden Worten den Fahrer dazu, dass er nun auch einmal fahren dürfe.

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Er saß kurz Probe…

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…und wollte dann die ganze Rückfahrt übernehmen.

Der Mann und ich waren skeptisch, auch weil wir dachten, nach zwei Minuten hätte der Mini keine Lust mehr. „Dann halten wir an und ich bringe ihn Euch nach hinten“, sprach der Fahrer und los ging es.

Natürlich brachte er den Mini nicht nach hinten. Der saß nämlich eine knappe Stunde auf dem Schoß des Fahrers und war hellauf begeistert. „Meine Eltern? Brauch ich jetzt nicht!“

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Um 17 Uhr haben wir gemeinsam mit dem Bauern de Kühe von der Weide geholt. Mini war sofort Feuer und Flamme und nach zwei Minuten best friends mit dem Milchbauern.

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Auf dessen Schultern thronend, ging er furchtlos auf die Weide.

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Ein tolles Erlebnis war das!

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Der Mini war für jeden Spaß zu haben.

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Und ist zielstrebig in den dicksten Kuhfladen spaziert.

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Sein neuer Freund der Bauer hat ihn in einem Bach schnell gesäubert.

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Beim Melken war der Mini wieder ganz vorne mit dabei. Er machte sogar seinen kleinen Mund auf und ließ sich die Kuhmilch direkt in den Mund spritzen. „Schmeckt nicht!“, fand er aber.

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Anschließend sahen wir uns noch die Kälber an. Wer wollte unbedingt mit in den Stall hinter das Gatter? Genau!

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Inzwischen war der Bauer total begeistert vom Mini. „Den behalten wir gleich hier“, beschloss er. Vielleicht hat er es sich deshalb schließlich doch anders überlegt, weil dem Mini ja die Milch nicht geschmeckt hat. Ist vielleicht doch nicht der Richtige für den Hof.

Ja und dann haben wir uns noch ein fantastisches Abendessen schmecken lassen, während die Kinder draußen spielten. Ich hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl und eigentlich auch verboten, dass die Jungs ohne uns in der fremden Umgebung draußen spielten. Aber der Sohn des Bauern (9 Jahre) hatte schon zu mir gesagt: „Ach, ein kleines Abenteuer schadet doch nicht! Als ich so klein war habe ich auch schon gefährliche Sachen gemacht!“ Und irgendwie hatte ich da das Gefühl, ich muss ein bißchen loslassen. Maxi ist ja schon fast fünf, da muss Mama nicht immer daneben stehen.

Dann kam der Junge angelaufen und schrie, der Maxi sei von der ganz hohen Mauer gefallen. Der Bauer hatte Maxi schreien hören und war noch vor uns bei ihm. Die Mauer war ungefähr 2,50 m hoch. Zum Glück war er nicht direkt auf die Straße geknallt, weil unter der Mauer ein Fahrradständer stand und Maxi auf die Fahrräder gefallen ist.

Er weinte aber schrecklich und gefiel uns gar nicht. Deswegen beschlossen wir, direkt nach Hause zu fahren.

Als wir um 23:15 im Krankenhaus ankamen, wurde festgestellt, dass sein Schienbein gebrochen ist. Zum Glück nur angebrochen, so dass er keinen Gips braucht. Aber der kleine Kerl hat starke Schmerzen.

Also blieben wir den halben Tag im Bett.

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Am Nachmittag mussten wir aber alle mal ein bißchen frische Luft schnappen, also wurde Maxi in den Buggy gepackt. Seine größte Sorge, dass andere Kinder ihn so sehen könnten, hat sich zum Glück nicht realisiert.

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Zufälligerweise habe ich morgen ohnehin Urlaub. Ich fahre mit den Kindern zu meinen Eltern, weil es hier auf der Baustelle nun richtig ungemütlich wird. Weil Maxi aber nicht laufen kann, wird das vermutlich kein so schöner Urlaub!

Euch allen einen guten Start in die neue Woche!

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Die Wochenenden vieler anderer Familien gibt es wie jede Woche bei Geborgen Wachsen.

 

Eine Autofahrt ist lustig- äh macht urlaubsreif

Jeden Sommer fuhren wir mit der ganzen Familie nach Italien. Spätestens nach vier Stunden Autofahrt hatten wir Kinder keine Lust mehr. Meine Schwestern und ich saßen hinten auf der Rückbank unseres Autos, hatten jedes Spiel schon gespielt, jede Kassette gehört und quengelten um die Wette. Bis meine Mutter das Fenster einen kleine Spalt weit auf machte,  die Nase in die Höhe streckte und sagte: „Es ist gar nicht mehr weit. Ich kann das Meer schon riechen!“

Meine Schwestern und ich verrenkten uns die Hälse, aber wir konnten das Meer weder riechen noch sehen. Doch wir wussten ja, dass meine Mutter eine ganz besondere Liebe zum Meer in sich trug, und da geht so etwas bestimmt.

Heute bin ich genau so verrückt nach dem Anblick des Meeres, wie meine Mutter und deshalb packen wir bei jeder Gelegenheit die Koffer und fahren nach Holland. Bis dahin sind es von uns aus nur drei Stunden mit dem Auto und die Kinder schlafen davon mit etwas Glück eine Stunde. Während der übrigen zwei Stunden frage ich mich, wie es meine Eltern jedes Jahr mit drei Kindern bis nach Italien geschafft haben!

Die Streithähne von damals- heute ganz friedlich!
Die Streithähne von damals- heute ganz friedlich!

 

Was finden Kinder nur so schrecklich am Autofahren? Sie sitzen in Hightech-Sitzen, die in einem sehr komfortablen Auto eingebaut sind, es gibt Musik, Hörspiele, Verpflegung und die Aussicht auf ein wunderschönes Urlaubsziel. Ich könnte tagelang Autofahren. Wären da nicht die Kinder auf der Rückbank.

Es fing wie meistens harmlos an. Die Kinder hatten jedes ein kleines Auto mit ins Auto genommen und spielten damit. Plötzlich zog der Mini unter seinem Hintern ein zweites Auto hervor, und da war es mit dem Frieden vorbei. „Warum hat der Mini zwei Autos und ich nur eins?“- der klagende Unterton machte meinem geübten Ohr sofort deutlich, dass die Situation zu eskalieren drohte.

Anstatt in Panik auszubrechen zog ich triumphierend ein weiteres Auto aus meiner „Entertainment-Tasche“. Diese Entertainment-Tasche nimmt fast den gesamten Fußraum ein und auf einer dreistündigen Fahrt muss man sich so etwas gut überlegen, wobei ein vernünftiges Ergebnis einer solcher Überlegungen nur sein kann, dass es besser ist, eingeschlafene Füsse zu riskieren als ein durch sreitende Kinder verursachtes Unbehagen, das in schlimmen Fällen den ganzen Körper betreffen kann.

Jedes Kind hatte zwei Autos. Perfekt. Nicht!

Wenn jemand weiß, wie man solchen Situationen entgehen kann, soll er mir bitte einen Kommentar oder eine Nachricht hinterlassen, denn ich weiß es wirklich nicht. Zwei Kinder, vier Hände, vier Autos. Das passt doch eigentlich. Blöderweise waren es auch vier unterschiedliche Modelle und die Modelle in der Hand eines Bruders sind automatisch die erstrebenswertesten Autos, die es auf der ganzen Welt gibt.

„Das Feuerwehrauto gehört eigentlich mir!“

„Nee, ssiss meinsss!“

„Nein, Du kannst den VW Bus haben!“

„Sssisss meeeiiinsss!!!“

„Mama“!

„Maaaamaaa!!!“

„Wisst Ihr was? Wir können doch ein Hörspiel hören“, sagte ich, aber da sah ich, wie der Mann mir einen verzweifelt-drohenden Blick zuwarf, als würde er sofort anhalten und schreiend aus dem Wagen rennen, wenn ich ihm ein weiteres Kinderhörspiel antun würde. Langsam zog ich die Hand aus meiner Entertainment Tasche zurück, aber da kam von hinten schon ein begeistertes „Au ja, Benjamin Blümchen im Krankenhaus“ und es tat mir furchtbar Leid für den Mann.

Nach etwa zwei Dritteln der Fahrt hatten wir es mit akuter Langeweile zu tun. Das ist das Schlimmste. Geschwisterstreits, die aus purer Langeweile entstehen, sind so unaufhaltsam wie ein Tornado. Ich versuchte es dennoch und griff- ihr ahnt es- in die Entertainment-Tasche. Ich gab jedem Kind ein Buch. Das erste flog nach einem kurzen Blick zu Boden. Tapfer reichte ich das nächste Buch nach. Gelangweilt wurde es zu Boden geworfen. Verzweifelt reichte ich im Akkord ein Buch nach dem anderen hinterher. Schließlich hatte ich nur noch ein Buch übrig.

„Das ist das letzte“, sagte ich und sieh da! Der Maxi nahm es und blätterte höchst interessiert darin herum. „Isss will auchein Buch!“ beschwerte sich der Mini sofort. Wenn es sein muss kann ich mich im Auto so sehr verrenken und meine Körpergröße um ein Drittel verlängern, dass ich an Gegenstände herankomme, die von einem der Söhne in eigentlich unerreichbare Winkel geworfen wurden. Ich angelte auf diese Weise ein Buch aus dem Fußraum, aber es war wohl nicht so schön wie das, das der Maxi in Händen hielt. Der Mini streckte sich nun seinerseits, und entriss dem Maxi sein Exemplar.

Ein bitterer Kampf entbrannte auf der Rückbank. Meine  Entertainment -Tasche hätte ich am liebsten brüllend aus dem Fenster geworfen.  Der Mann und ich starrten erschöpft auf die Straße und überließen die Jungs ihrem Streit. Als der Mini empört schrie: „Das ist unpferd!“ brachen wir in hysterisches Gelächter aus.

Ich hatte keine Lust, so kurz vor dem Ziel noch eine Pause einzulegen, zumal ich wusste, dass es danach nicht besser werden würde. „Es ist jetzt wirklich nicht mehr weit“, sagte ich, aber niemand schien mit dieser Aussage etwas anfangen zu können. Da hatte ich eine Idee:

Ich machte das Fenster einen ganz kleinen Spalt auf und sagte: „Gleich könnt Ihr das Meer sehen. Und man kann es sogar schon ein bißchen riechen!“

Nun saßen wir im Auto und reckten unsere Nasen in Richtung des offenen Fensters. Die Jungs verrenkten sich die Hälse und sie schnupperten herzallerliebst nach dem Geruch des Meeres. Für ein paar Minuten kehrte Ruhe ein.

Ich lächelte in mich hinein. Nicht weil mein kleiner Trick den Streit tatsächlich unterbrochen hatte, sondern weil mir erst in diesem Moment klar wurde, dass meine Mutter wohl niemals schon ab Bern das Meer gerochen hatte.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

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Mein größter Luxus? Zeit vertrödeln!

Mir fehlt nichts. Ehrlich. Alles ist gut, so wie es ist. Aber manchmal ist so eine kleine Auszeit von meinem Leben einfach himmlisch!

Natürlich breche ich nicht mit Juppeidi zu so einem Ausflug auf. Als ich am Samstag Abend meinen Koffer packte, war die ganze Vorfreude der vergangenen Tage komplett verschwunden. Zwei Tage ohne meine Kinder? Wie schrecklich!
Warum habe ich den Flug nach Berlin bloß auf den Sonntagmorgen gelegt? Ich hätte doch noch den ganzen Tag mit den Kindern verbringen können! Statt dessen ging der Flieger schon am Vormittag, weil ich in Berlin meine Freundin treffen wollte.

Ich knutschte die Kinder abwechselnd mehrere Minuten lang ab. Dann trug ich mein zentnerschweres Herz zur Haustür hinaus.

Es wäre gelogen, zu behaupten, aller Abschiedsschmerz sei verschwunden, sobald ich an der nächsten Kreuzung angekommen war. Dass der Maxi mich gefragt hatte: „Kann ich mit Dir kommen?“, hatte meine Reiselust auch nicht beflügelt.

Erst als mir in Berlin am verabredeten Treffpunkt meine Freundin entgegenkam, fing die Sache an, mir Spaß zu machen.

Vor ein paar Jahren hatten wir unsere Wohnungen beinahe gegenüber voneinander und fast jeden Abend verbrachten wir gemeinsam. Wir trainierten gemeinsam für unseren ersten Halbmarathon, wir gingen oft ins Kino oder schauten uns Trash-TV an und wenn uns der Sinn einfach nach nichts stand, tranken wir einen Sundowner auf ihrem riesigen Balkon in der fünften Etage. Wir hatten beide keine Kinder und Zeit im Überfluss (wenngleich uns das damals nicht bewusst war).

Im Sommer nach dem wir Hand in Hand die Ziellinie beim Halbmarathon überschritten hatten, zog sie nach Berlin. Ich bekam zwei Kinder und langsam aber stetig nahm unser Kontakt ab. Einmal habe ich sie in Berlin besucht und sie kommt einmal im Jahr auf einen Kaffee vorbei, wenn sie bei ihren Eltern ist. Ich gucke jetzt alleine Trash TV, aber ich laufe keine Halbmarathons mehr und gehe auch nur selten ins Kino, denn so weit reicht das Babyfon nicht und die Zeit tut es erst recht nicht.

Da stand sie nun also an der Tram Haltestelle und wir fielen uns in die Arme und wir fingen sofort an, ein bisschen Zeit zu vertrödeln, genau so wie früher.

Ich glaube, Zeit zu vertrödeln ist der größte Luxus, den ich mir momentan vorstellen kann. Freie Zeit ist zwischen Job und Kindern so rar geworden, dass ich eigentlich immer irgendetwas vernachlässige, wenn ich mal nichts mache: Die Wäsche, die Rechnungen, den Blog, meine Freunde, meinen Mann, meine Fingernägel…Am Sonntag in Berlin waren die Kinder nicht dabei, der Mann auch nicht und mein Zuhause mit dem großen Ablagefach und der langen ToDo Liste waren weit weg. Mir blieb also gar nichts anderes übrig, als mich von meiner Freundin an die Hand nehmen zu lassen und guten Gewissens den Tag zu genießen.

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Wir haben uns von Cafe zu Cafe, von Mahlzeit zu Mahlzeit und von Bistro zu Bistro gehangelt, jeweils unterbrochen von ein bisschen Schlendern durch Berlin. Und dann sind wir einfach so, mitten am Tag ins Kino gegangen. Klingt nicht sehr spektakulär? Stimmt! Es ist schließlich nicht so, als hätte ich seit Jahren kein Cafe und kein Kino mehr von innen gesehen. Das Besondere und für mich geradezu Spektakuläre war, dass ich kein einziges Mal an diesem Tag auf die Uhr geschaut habe. Ich habe an nichts anderes gedacht, als an mich und das, worauf ich gerade Lust habe. Das hat wunderbar gut getan. Ich glaube, das ist nur möglich, wenn ich weit weg von zu Hause bin und wahrscheinlich brauchte ich dazu auch meine Freundin, die noch weiß, wie man sich um sich selber kümmert.

In der Nacht schlief ich in meinem Hotelzimmer durch (!) und den nächsten Tag verbrachte ich beim Videodreh mit zwei Lieblingskolleginnen: Berlinmittemom und Frau Mutter. Das alles hat so gut getan, dass es den Abschiedsschmerz wert war.
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Die Kinder waren längst im Bett, als ich am Montagabend nach Hause kam. Es ist vielleicht nicht sehr schlau gewesen, aber den Mini habe ich mir einfach in mein Bett geholt. Musste sein. Am nächsten Morgen stand ich im Bad, da ging ganz langsam die Tür auf und herein kam ein kleiner Maxi im Superman-Schlafanzug und sagte strahlend: „Mamaaaa!“

Was für eine Freude, unterwegs zu sein- und was für ein Glück, nach Hause zu kommen!

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Verratet Ihr mir, wann Ihr zuletzt Zeit vertrödelt habt? Könnt Ihr das noch? Und könnt Ihr Ruh von Euren Kindern trennen?

Mama im Bikini

Das Kofferpacken hat ewig gedauert. Eigentlich wäre alles ganz schnell gegangen, aber das letzte Teil auf meiner Pack-Liste konnte ich einfach nicht finden: Meinen Bikini.

Ich war von Donnerstag bis Samstag mit dem Mann in einem Wellnesshotel. Meine Eltern hüteten die Kinder und der Mann und ich wollten mal so richtig entspannen. Die Vorfreude war riesig. Aber wo war mein Bikini?

„Wahrscheinlich versteckt der sich vor mir“, dachte ich. Der wäre bestimmt lieber von einer Frau mit Knackpo und Waschbrettbauch gekauft worden und würde jetzt gerne mit den anderen Bikinis stolz am Pool Angeber-Parade machen, anstatt meine Reiterhosen und Schwangerschaftsstreifen präsentieren zu müssen.

Ich fand ihn schließlich in der hintersten Ecke meiner Sockenschublade und versprach ihm, die meiste Zeit ein Handtuch um uns beide zu wickeln. Dann fuhren wir los.

Schon im Auto hatte ich den Eindruck, dass die Stimmung zwischen mir und dem Mann anders war als sonst. Als wäre ein Schalter umgelegt worden, waren Mama und Papa plötzlich wieder ein Paar (der Schalter wurde inzwischen wieder zurückgelegt, so viel kann ich schon verraten, das geht nämlich sehr schnell, wenn ein Kind nachts Fieber bekommt).

Der Urlaub war toll. Es ist so erfrischend, mal eine Mahlzeit einzunehmen, ohne dass jemand ein Glas umwirft. Es tut so gut, mal einen Kaffee zu trinken, ohne dass nach dem ersten Schluck jemand ruft: „Mama! Po abwischeeeen!“ Und die InStyle ist tatsächlich mal eine tolle Abwechslung zu „Pettersson und Findus“! Das Format ist ja ganz ähnlich, Frauenzeitschriften liegen Müttern daher auch nach langer Abstinenz noch gut in der Hand. Wirklich!


Wellness

Wir waren in der Sauna, wir sind geschwommen, wir haben geschlemmt und geschlafen. Ich hätte Monate in diesem Hotel verbringen können. Das dachte ich jedenfalls nach dem ersten Tag. An Tag 2 fielen mir plötzlich die Familien mit Kindern auf.

Zuerst begegneten sie uns in der Sauna. Da saß ein Paar mit zwei kleinen Mädchen, die brabbelten und kicherten und irgendwie hatte die Familie sehr viel Spaß. Der Mann und ich hatten nur Ruhe. Mit der war es natürlich dank der beiden Mädchen vorbei, aber mich hat das gar nicht gestört. Das hätte ich den Eltern auch gerne gesagt, aber die haben leider nicht gefragt.

Im Restaurant am Abend saß eine Familie mit einem kleinen Jungen. Den hat das Essen anscheinend nicht so beeindruckt wie mich, denn er lief nach ein paar Minuten durch den ganzen Raum, blieb an einzelnen Tischen stehen und beobachtete die Leute. Am Nachbartisch stand er ein paar Minuten wie versteinert, bis seine Mutter kam und meinte, er solle die Leute nicht stören. „Nein, nein, lassen Sie ihn, der stört doch nicht. Unsere Kinder bleiben auch nie am Tisch sitzen.“ Ich hätte gerne gehabt, dass der Junge mal zu uns an den Tisch kommt. Dann hätte seine Mutter sich auch bei uns entschuldigt und ich hätte sagen können, dass wir auch zwei kleine Jungs haben. Leider blieb der Junge dann doch bei seinen Eltern sitzen und ich konnte seiner Mutter nicht von unseren Söhnen erzählen.

Am Nachmittag planschten ein Mädchen und ein Junge im Pool. Die Eltern mahnten zwischendurch immer mal wieder zur Ruhe und ich hätte ihnen so gerne gesagt, dass meine Söhne viel lauter sind als ihre Kinder und dass mich ihre Kinder überhaupt nicht stören!

Ich hatte das dringende Bedürfnis allen anderen Eltern mitzuteilen, dass ich auch eine Mutter bin. Das geht mir oft so, wenn ich mit dem Mann ohne Kinder unterwegs bin. Es fühlt sich etwa so an, als wäre ich stolzes Mitglied eines Clubs, hätte aber meinen Mitgliedsausweis nicht dabei.

Nachdem ich alle Kinder betont wohlwollend und alle Eltern übertrieben aufmunternd angesehen hatte, aber niemand mir die Chance gegeben hatte, von meinen Kindern zu erzählen, suchte ich verzweifelt nach einer Möglichkeit, meine Clubzugehörigkeit unter Beweis zu stellen.

Plötzlich fiel es mir ein!

Ich sah auf die Uhr: Zeit für den nächsten Saunagang. Ich erhob mich von meiner Liege und lief am Pool entlang zur Sauna. Ich lief ganz, ganz langsam und dabei schob ich die Hose meines Bikinis  so weit hinunter, wie man es  gerade noch als anständig bezeichnen konnte und hoffte, dass es alle sehen konnten:

Meine Schwangerschaftsstreifen!

In diesem Moment war ich tatsächlich froh, dieses unverkennbare, mütterliche Erkennungszeichen zu haben. Ich hoffe, alle haben es gesehen!

Und mein Bikini? Der hat´s überlebt. Ich bin sicher, Eure werden das auch!

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