Abschied auf Raten

Ein Wohnzimmer mitten in Deutschland. Rufen. Kreischen. Zanken. „Ich bin dran, Papa, ich bin dran!“

Zwei kleine Jungs hängen am Bein ihres Vaters und streiten darum, wer als nächster auf seinem Rücken Rodeo-Reiten spielen darf. Der Vater lacht, eins der Kinder weint vermutlich gleich, weil es den Ellenbogen des anderen ins Auge bekommen hat oder ähnliches. Es ist so laut und so wild. Es ist mein Wohnzimmer.

Die meisten meiner Blogposts entstehen in Situationen wie diesen. Weiterlesen

Für immer in deinem Herzen

Letzte Woche habe ich für eine Nacht mein zweijähriges Patenkind gehütet. Die ganze Nacht hat sie immer wieder meine Hand in ihrer geknetet und sich in meinen Arm gekuschelt.  Auf der anderen Seite neben mir lag der Mini und schlief selig.

„Es ist noch gar nicht lagen her, da habe ich jede Nacht so mit dem Mini verbracht,“ dachte ich, als ich meinen Jüngsten betrachtete. Denn der Mini hat drei Jahre lang nicht durchgeschlafen. Weiterlesen

Abschied von den Kitafreunden (Werbung)

Sie sind aufgeregt bis in die Haarspitzen: Nur noch wenige Tage, dann sind Maxi und seine Freunde endlich Schulkinder. Sie warten drauf, wie kleine Abenteurer, die endlich in die große Welt losstürmen dürfen. Seit Wochen scharren sie mit den Hufen. Kindergarten? Nur für Babys! Wir wollen endlich in die Schule!  Es gibt nur einen kleinen Haken: Weil die Kinder in eine Betriebskita gehen, werden sie nicht gemeinsam in die Schule gehen können, Weiterlesen

Und bald ein Schulkind

Weisst Du, was ich wirklich gerne wissen würde, Maxi? Ob Du Dich eigentlich noch so sehr auf die Schule freust, wie vor ein paar Monaten. Aber jedes mal, wenn ich Dich das frage, sagst Du nur „ja“ und damit ist das Thema für Dich erledigt. Du erzählst mir nichts von Deiner Aufregung oder von eventuellen Ängsten. Du fragst auch nichts mehr über die Schule. Du gehst da jetzt halt einfach hin. Weiterlesen

Welchen Weg du wählst

Kinder sind das, was wir aus ihnen machen. Natürlich kommen sie schon als kleine Individuen auf die Welt, sind vom Tag ihrer Geburt an fertige kleine Wunder, und jedes von ihnen ist einzigartig.

Ihre Eltern sind bemüht, sie behütet aufwachsen zu lassen und jede Mutter und jeder Vater macht seinem Kind auf eigene Weise den Weg frei. Nur manchmal vergessen wir, dass es wichtig ist, mehr als nur einen Weg frei zu machen. Weiterlesen

Du brauchst mich- und ich brauche Dich!

Zu der Zeit, als mein Kinderwunsch, der immer schon da gewesen war, in mir langsam aber sicher lauter wurde, habe ich oft Mütter mit ihren kleinen Kindern angesehen und gedacht, wie wunderschön es sein muss, so sehr gebraucht zu werden.

Eines Tages, so dachte ich bei mir, möchte ich auch für jemanden der Mensch sein, der alles wieder gut machen kann. Ich werde der Mensch sein, zu dem ein Kind gelaufen kommt, wenn es weint. Ich werde der sichere Hafen sein, an den sich mein Kind ankuschelt, weil es müde ist, weil es Angst hat oder weil es sich verletzt hat. Oder weil es einfach nur im Arm gehalten werden will.

Und der Tag kam, an dem sich diese Sehnsucht erfüllte. Natürlich war ich überglücklich. Ich war verrückt nach meinem Baby, verliebt bis über beide Ohren und ich hielt es, verbrachte Stunden und Tage damit, ein kleines Wunder anzusehen und war durch all die Müdigkeit und die Erschöpfung eine glückliche junge Mutter.

Es dauerte nicht lange, da keimte eine neue Sehnsucht in mir auf: Ach, wäre das schön, wieder ein bißchen mehr Zeit nur für mich zu haben! Nachdem ich noch ein zweites Wunder auf die Welt gebracht hatte, und täglich von früh bis spät und auch in der Nacht gebraucht wurde, wurde mir klar, dass dieses Gebraucht-Werden doch furchtbar anstrengend war.

Mehrere Jahre lang schleppte ich Kinder und deren Zeug durch die Gegend, bis mein Rücken sich anfühlte, als sei ich mindestens 100 Jahre alt. Ich erledigte alles mit einer Hand, und hielt mit der anderen ständig ein Kind auf meiner Hüfte fest. Ich wusch täglich Berge von Wäsche, wickelte, kochte, fütterte, fuhr die Kinder durch die Stadt und kaum war ich abends erschöpft eingeschlafen, wurde ich von einem der Kinder auf 30 Zentimeter Matratze verdrängt, wo ich ein paar Stunden kauerte, bis ich aufstehen und den Kindern ihr Frühstück zubereiten durfte.

Ich beobachtete jetzt nicht mehr die Mütter mit den kleinen Kindern, dafür hatten es mir die Mütter größerer Kinder angetan. Wie unsere Nachbarin alleine das Haus verlässt! Beneidenswert! Eines Tages würde auch ich mich wieder frei bewegen können, eines Tages wenn ich nicht mehr so sehr gebraucht werden würde.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wachte ich gegen 3:30 Uhr auf. Kein Kind lag neben mir. Ich ging ins Bad und als ich am Kinderzimmer vorbeiging, stand dort die Tür offen. Die Rolläden waren nicht heruntergelassen und das Licht der Straßenlaterne fiel auf die Betten meiner Söhne. Sie waren leer. Die Kinder waren verschwunden und das war gruselig, obwohl ich sie eigenhändig hatte verschwinden lassen.

Der Mann und ich hatten die Jungs schon am Samstagmorgen zu meinen Eltern gebracht, damit wir am Abend auf eine Geburtstagsfeier gehen konnten. Wir fühlten uns irgendwie sehr erwachsen, als wir ohne unsere Söhne nach Hause fuhren. Beim Einkaufen sagte der Mann alle Dinge zu mir, die er sonst zu den Söhnen sagt:
„Du darfst dir schon eine Brezel holen gehen.“
„Bleibst Du bitte bei mir?“
„Du kannst hinter der Kasse warten aber bitte nicht rauslaufen!“
„Vorsichtig, hier fahren Autos!“

Wir lachten und hatten wirklich Spaß dabei, aber es fühlte sich auch merkwürdig an. Als die Jungs plötzlich verschwunden waren, stellten wir fest, wie sehr alle unsere Alltagshandlungen mit den Kindern verbunden sind und auch wenn wir sie in den paar Stunden nicht allzu sehr vermissten, fehlten sie uns doch bei jedem Schritt.

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Als der Mini am nächsten Abend wieder zu Hause neben mir im Bett lag, mit seinen kleinen Fäustchen neben dem Kopf und dem pulsierenden Schnuller in seinem Gesichtchen, da sah ich ihn wieder an, wie ich es im Laufe der letzten Jahre immer seltener getan hatte. Ich sah ihn an, wie ich ihn in seinen ersten Tagen auf dieser Welt angesehen hatte. Ich sah ihn an und freute mich wieder darüber, dass ich so sehr gebraucht werde, auch in der Nacht.

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Bald, dachte ich, wird es immer öfter so sein, dass ich Zeit für mich habe, während meine Söhne irgendwo unterwegs sind, und ihr Leben ohne Mama an der Hand leben. Eines Tages werde ich sehnsüchtig an die Zeit zurück denken, in der sie sich mehrmals täglich an mich kuschelten, weil sie ihre Mama brauchten. Dann werde ich sie mehr aus der Ferne lieben müssen- zurückhaltend, beobachtend, und bestimmt werde ich sie oft vermissen.

Und da wurde mir klar, dass ich meine Kinder in Wahrheit selber mindestens genauso sehr brauche, wie sie mich.

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Mini Me- von meinem jüngeren ich, das seinen eigenen Weg geht

Der typische Farbstich alter Fotos liegt auf dem Bild. Ein bisschen so, als hätte jemand versehentlich seinen Kaffee darüber verschüttet. Zwei dunkle Knopfaugen schauen mich aus dem Foto heraus an und sehen direkt in mein Herz. Ein kleines Mädchen auf spindeldürren Beinchen, das über einen Strand an der Riviera hüpft.

„Wahnsinn!“ staunt meine Freundin Julia. „Du siehst genauso aus wie der Maxi!“

Es ist ein Foto von 1985 und ich bin 6 Jahre alt, etwas älter, als der Maxi jetzt. Es ist schon immer offensichtlich, dass mein Sohn mir sehr ähnlich sieht, aber es ist dieses alte Foto, das mir das in einer ganz anderen Intensität vor Augen führt.

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„Mini-Me“- mit diesem Ausdruck konnte ich nie viel anfangen. Meine Kinder sind keine Mini-mes, dachte ich. Weder kleide ich mich mit ihnen im Partnerlook, noch sind sie kleine Mädchen. Außerdem sind sie eigenständige Persönlichkeiten und nicht nur kleinere Versionen ihrer Mutter.

Als ich aber mit meiner Freundin durch das alte Fotoalbum blättere und mein Blick auf dieses Bild fällt, von dem ohne den Farbschleier niemand sagen könnte, ob es den Maxi oder mich abbildet, da kann ich gar nicht anders, als in dem Maxi mein jüngeres Ich zu erkennen. Mein Mini-Me.

Das Mädchen, das ich vor vielen Jahren war, lacht auf dem Foto unbeschwert. Es war der Sommer, bevor ich in die Schule kam und ich sah nicht nur aus wie der Maxi, ich war ihm auch charakterlich so verdammt ähnlich. Ich stand mir mit meiner Schüchternheit und meinem Perfektionismus oft selbst im Weg. Heute ärgere ich manchmal darüber. Hätte ich mich ein bisschen anders verhalten und hätte ich mich manchmal einfach angepasst, wäre vieles besser gelaufen. Ich hätte es einfacher gehabt.

Und dann sehe ich meinen Sohn und ahne, dass er sein unbeschwertes Lachen an die gleichen Erfahrungen verlieren wird, wie ich. Ich weiß genau, was auf ihn zukommt und ich weiß genau, wie die wunderbare Person, die er ist, sich selber das Leben schwer machen wird.

Kann ich dagegen etwas tun? Muss ich dagegen etwas tun? Darf ich? Eigentlich muss ja jedes Kind seinen eigenen Weg finden. Wenn ich aber weiß, wo die größten Hürden für ihn sind, sollte ich ihn dann nicht hier ein bisschen schieben, da ein bisschen ziehen? Und wie könnte ich mit meiner eigenen Erfahrung zusehen, wie sich Jahre später mein Mini-Me mit den selben Dingen quält?

An Mamas Hand durchs Leben? Schön wär´s!
An Mamas Hand durchs Leben? Schön wär´s!

Ich zu sein war manchmal doof. Mein heutiges Ich zu sein ist schön. Ich weiß heute, wann es okay ist, ich selbst zu sein, und wann es besser ist, sich eine Fassade aufzusetzen und eine Rolle nach den Spielregeln zu spielen, die das Leben manchmal von mir verlangt. Als Kind wusste ich das nicht und selbst wenn ich es durchschaut hätte, ich hätte es nicht gekonnt. Ich musste meine Erfahrungen machen und davor kann ich auch meine Kinder nicht bewahren.

Ich kann sie nicht vor allem beschützen, ich weiß ja nicht einmal, vor was ich sie beschützen muss. Vielleicht entwickelt sich der Maxi ja ganz anders als ich. Vielleicht reagiert sein Umfeld anders auf ihn, als ich es erfahren habe. Vielleicht werden seine vermeintlichen Schwächen dann sein größtes Potential?

Natürlich mache ich mir hin und wieder Sorgen, das ist eine meiner Kernkompetenzen als Mutter. Ich weiß ja nicht, ob das Leben immer gut zu meinen Kindern sein wird. Wenn man irgendwo ein Rundum-sorglos-Paket kaufen könnte- ich würd´s tun. Ich wünsche mir so sehr, dass meine Kinder im Leben immer an die richtigen Mitmenschen geraten werden. Ich wünsche mir, dass ihre Persönlichkeiten nicht an äußeren Gegebenheiten zerbrechen werden. Sie sollen sich nicht verbiegen müssen und schließlich ihren Platz in dieser Welt finden. Dem Mini wird das sicher leichter fallen, als dem Maxi- so wie es meiner kleinen Schwester leichter gefallen ist als mir.

Einmal mehr muss ich als Mutter den Kopf ausschalten, tief durchatmen und loslassen. Jedes Kind hat seine Besonderheiten und sie müssen alle ihren eigenen Weg finden- Eure genauso wie der Maxi. Und wir werden ihnen dabei helfen, weil wir da sind und weil wir ihre Mütter sind, die sie verstehen.
Mamablog Mama Mia