Die Ferien könnten ewig weitergehen. Theoretisch.

Wie doof ich immer diese Bilder fand, die nach den Ferien jedes Mal ohne Ende über Facebook geteilt werden. Traurig dreinblickende Kinder, die wieder in die Schule/Kita müssen und daneben Eltern, die vor Freude Luftsprünge machen. Wer freut sich denn bitte darüber, dass er seine Kinder loswird? Wie doof ich das immer fand.

Aber ein kleiner Teil von mir macht heute auch einen Luftsprung (einen kleinen, natürlich).

Es ist schon klar, dass Ihr Kinder traurig guckt. Nicht, dass es in der Schule oder der Kita nicht auch schön wäre, immerhin seht Ihr endlich alle Eure Freunde wieder, aber wer möchte schon morgens früh aufstehen, wenn er zwei Wochen lang ausschlafen durfte? Keiner, genau!

Und natürlich möchte auch kein halbwegs vernünftiges Kind ernsthaft eine Butterbrotdose mit Vollkornbrot und Obst zum Frühstück mitnehmen, wenn es zwei Wochen lang jeden Morgen den Papa bequatscht hat, doch nochmal Brötchen holen zu gehen. Mit dem kleinen Fahrrad neben dem Papa herzufahren, beim Bäcker nach einem Schokobrötchen betteln, Stunden später wieder nach Hause zu kommen, Mamas „das hat aber lange gedauert“ ignorieren, sich einfach an den Tisch setzen und auf das Schokobrötchen noch Nutella schmieren dürfen- weil Ferien sind? Wer möchte das schon eintauschen? Keiner natürlich!

Und keiner möchte schon morgens um sieben in einer ordentlichen Hose rumlaufen, wenn man gerade zwei Wochen lang jeden Tag bis mittags im Schlafanzug war.

Nein, Ihr wollt lieber den ganzen Tag laserschwertschwingend durchs Haus rennen. Ihr wollt fernsehen ohne Ende und ihr wollt Eure kleinen Köpfchen im Ferienmodus belassen und Euch über gar nichts Gedanken machen. Stundenlang auf dem Wohnzimmerfußboden rumliegen und jammern „Mir ist langweilig“. Das wollt Ihr.

Ich weiß, Ihr habt es genossen Kinder, und  es war ja auch toll.

Aber wisst Ihr, wir haben auch alle ganz schön aufeinandergehangen und ich denke, die Zeit ist reif, dass wir alle wieder ein bißchen Alltag zwischen uns bringen.

Weil, es war schon auch verdammt anstrengend. In den ersten Tagen waren wir alle glücklich, dass wir aus dem Hamsterrad des stressigen Alltags ausgestiegen waren. Ach, was hatten wir es gemütlich zu Hause. Wir haben vorm Kamin zu Abend gegessen, wir haben uns jeden Tag alle zusammen im Wohnzimmer den Bauch mit Plätzchen und Lebkuchen vollgeschlagen und wir haben „Das fliegende Klassenzimmer“ und andere schöne Filme gemeinsam angesehen. Wir hatten endlich Zeit so viel Ihr wolltet, um mit Euch auf dem Bolzplatz zu spielen und wir waren mit Euch schwimmen und all das immer zu viert. Aber irgendwann begann es in uns allen zu köcheln und dann war es da, das „Cabin Fever“. Lagerkoller. Ganz schlimm!

Man konnte nichts dagegen tun und obwohl wir täglich mit Euch draußen an der frischen Luft waren, hattet Ihr einfach irgendwann ein solches Depot an Energie aufgebaut, dass Ihr nicht mehr wußtet, wohin mit Euren Kräften. Also entludet Ihr sie beim Turnen im Wohnzimmer, in Geschrei, in Brüderkämpfen und allerhand anderen Dingen, die den Erwachsenen in diesem Haus zunehmend auf den Keks gingen.

Nach etwa 10 Tagen hatte ich das Gefühl, ich würde mit Beavis und Butthead zusammen wohnen. Türen knallten den ganzen Tag, Geschrei, Geheule und wenn Ihr Euch nicht gerade strittet dann lachtet Ihr dreckig und hecktet irgendwelchen Blödsinn aus.

Da fing ich an zu schimpfen. „Raus aus dem Wohnzimmer“ habe ich geschrien und mir vorgenommen, nie wieder zwei Wochen Urlaub am Stück mit Euch zu Hause zu verbringen. In der OGS ist es ja auch ganz nett und die Kita hat sowieso immer auf. So! Blöderweise habe ich Euch das auch genau so hinterhergeschrien, als Ihr nach meinem Rausschmiss in Euren Zimmern verschwandet.

Abends hatte ich dann ein schlechtes Gewissen. An einem Abend war es sogar so schlimm, dass ich das Gefühl hatte, die ganze Familie gleitet mir durch die Hände. Es fühlte sich nicht mehr „zusammen“ an, es fühlte sich an, als seien die Erwachsenen nur noch genervt und die Kinder deswegen verletzt. Wo war denn plötzlich die ganze Gemütlichkeit hin, die ich so schön geplant hatte?

Im Scherz sagte ich: „Vielleicht laden wir morgen mal ein paar Viertklässler ein, dann kannst Du Dich ein bißchen mit denen prügeln, Maxi!“ Kaum hatte ich das ausgesprochen, da wurde mir klar, dass ihm genau das tatsächlich fehlte. Also, nicht eine Prügelei natürlich, aber die Herausforderungen des Alltags. Die Kinder waren satt an Erholung, satt an Langeweile. Sie hatten aus Langeweile die tollsten Sachen gemacht, ganze Kappla Städte gebaut, aber jetzt war es gut. Entspannung geht nur nach vorheriger Anspannung und genau die war jetzt wieder fällig.

Und ich, ich hatte mich so danach gesehnt, Zeit mit der Familie zu verbringen. Die habe ich gehabt, das war schön. Zeit für mich habe ich leider nicht so viel gehabt, ich musste ja ständig darauf aufpassen, dass sich die Kinder nicht ernsthaft die Köpfe einschlagen. So gesehen könnten die Ferien auch noch länger dauern.

Aber versteht Ihr, was ich meine, Kinder? Es waren herrliche Ferien. Wir sind alle ausgeschlafen und könnten theoretisch immer so weiter faulenzen. Aber der Alltag wird uns gut tun. Euch, mir, uns. So wie es vor den Ferien die Auszeit war, die wir dringend brauchten, so brauchen wir jetzt ein bißchen Struktur im Alltag, kleine Herausforderungen, um wieder ins Lot zu kommen.

Und deswegen, ja, wenn wir morgen früh alle das Haus verlassen, werde ich vielleicht nicht unbedingt Luftsprünge machen vor lauter Begeisterung, Euch los zu sein, denn so ist es ja nicht. Aber ich werde ganz bestimmt deutlich fröhlicher dabei aussehen, als Ihr.

In nur 5 Tagen ist ja schon wieder Wochenende. Ich freu mich drauf!

Eure Halima

10 Kommentare

  1. Jungsmama

    Wie wahr! Bei uns hat die Harmonie immerhin bis ca. Donnerstag gehalten, aber nun ist auch bei uns wieder Zeit für Alltag – zumal der Große die letzten 2 Schulwochen ein fiesen MD-Virus hatte und er daher schon seit 4 Wochen nahezu durchgehend zu Hause ist…

  2. Danke!
    Du schreibst mir aus der Seele.

    Es ist so beruhigend, auch so was mal zu lesen!

    Hab’ einen guten Start in die Woche!

  3. Amen!
    Wir haben zwar „nur ein“ Kindergartenkind aber Möbel bemalen, Socken und Bettwäsche zerschneiden passiert hier auch nur in den Ferien wenn zu viel Zeit ist.
    LG!

    P.S. „Schön, dass ich mit solchen verbalen Entgleisungen nicht allein bin. Manchmal ist man so impulsiv und später tut es einem so schrecklich leid.

  4. Mamaleny

    … wie wahr! Und in Hessen dauern die Ferien noch eine Woche länger. Trotzdem : SCHÖÖÖÖN! !!

  5. Bei uns ist es immer genau andersrum. Der Ferienbeginn ist furchtbar. Alle sind noch gestresst, ausgelaugt und Ferienregion. Dann braucht es immer ein paar Tage, bis wir im Ferienmodus sind. Und diese Tage sind furchtbar anstrengend. Zumindest für mich. Wenn dann die Akkus wieder ein bisschen aufgeladen sind, beginnt die schöne Zeit. Und dann dürften die Ferien ewig gehen!!! Nur den Anfang, auf den verzichte ich gerne
    Liebe Grüße und mach so weiter, dein Blog ist super

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