Für wen lohnt sich ein AuPair?

Der Babysitter ist immer verfügbar, das Haus ist aufgeräumt, wenn man nach Hause kommt und die Kinder haben eine Art große Schwester, die immer mit ihnen spielt. Das Leben mit AuPair klingt großartig. Aber ist es das auch?

Immer wenn Menschen hören, dass wir ein AuPair haben, werde ich mit Fragen gelöchert. Sogar als wir am Flughafen auf unser aktuelles Aupair warteten und die Jungs einer neben uns wartenden Familie davon erzählten, hat mich die Mutter ganz neugierig ausgefragt. Alle wollen wissen, wie das denn so ist mit AuPair und wie das so geht, denn alle fragen sich: Wäre das auch etwas für uns?

Deswegen möchte ich Euch heute die Frage beantworten: Für wen lohnt sich ein AuPair?

Etwas ausführlicher habe ich es in diesem Video erklärt:

1. Was kostet ein AuPair?

Zunächst muss man sich überlegen, ob man die Kosten für ein AuPair ein Jahr lang tragen kann und will. Ein AuPair bekommt laut Europäischem Standardvertrag 260 Euro Taschengeld pro Monat. Dazu kommen eine Krankenversicherung, ein Zuschuss zum Sprachkurs, Fahrten zur Sprachschule oder je nachdem gleich ein Monatsticket, Kost und Logie und außerdem viele Einmalkosten (Verlängerung des Visums, Vermittlungsgebühr für eine Agentur) und mehr. Eine ganz haarkleine Aufstellung habe ich HIER gemacht.

2. Hab ich genügend ?Platz

Haben wir überhaupt Platz für ein AUPair? Ein AuPair muss ein eigenes, abschließbares Zimmer zur Verfügung gestellt bekommen, das mindestens 8 qm groß sein muss. Ein eigenes Badezimmer ist kein Muss, aber empfehlenswert. Man muss also keine Einliegerwohnung haben, um ein AuPair aufzunehmen, aber eine klare räumliche Trennung ist aus meiner Sicht sinnvoll, damit man sich ein bißchen Privatsphäre bewahren kann.

3. Welches Betreuungsproblem haben wir?

Ein AuPair soll ja hauptsächlich ein Betreuungsproblem lösen. Der Vorteil beim AuPair ist, dass es aus meiner Sicht die größtmögliche Flexibilität bietet, denn es ist ja immer da. Während unser ehemaliger Babysitter morgens in die Schule musste und also keine Lösung im Krankheitsfall war, haben wir mit dem AuPair auch im Notfall eine vertraute Person direkt im Haus. Allerdings sind unsere Kinder inzwischen nur noch wenig krank und brauchen auch am Nachmittag nicht mehr ununterbrochene Bespannung durch einen Erwachsenen. Wer Großeltern vor Ort hat, die im Notfall einspringen können und wer nicht mehr ganz so kleine Kinder hat und nur ein wenig Hilfe im Haushalt oder gelegentlich etwas Luft zum Arbeiten braucht, der ist vielleicht mit einer Nanny/Haushaltshilfe o-Ä. besser beraten.

4. Bin ich bereit, meine Privatsphäre einzuschränken?

Ein AuPair ist immer da. Am Sonntagmorgen beim Frühstück, am Weihnachtsabend, am Wochenende- immer. Wenn ihm nachmittag mit den Kindern nach Hause komme, dann ist sie da. Ob ich sie brauche oder nicht. Ich bin nachmittags nie mit den Kindern alleine, es sei denn, ich schicke das AuPair explizit weg. Ich finde das schön, denn es gibt den Nachmittagen mehr Luft. Ich kann in Ruhe das Abendessen vorbereiten, auch mal Joggen gehen, mich mit einem Kind intensiv beschäftigen, während sie sich um das andere kümmert, und ich kann mal kurz noch einen Einkauf erledigen. Aber auf der anderen Seite ist da eben immer eine Person mehr dabei.

Man kann auch nicht mal eben nackig vom Badezimmer ins Schlafzimmer laufen. Man kann sich nicht laut streiten und man kann vielleicht auch nicht seine Gehaltsabrechnung offen in der Küche liegen lassen.

5. Arbeitsverhältins

Das Konstrukt AuPair ist nicht ganz unkompliziert. Denn das AuPair ist einerseits ein Familienmitglied und andererseits eine Angestellte. Das macht es kompliziert, wenn etwas nicht so gut läuft. Dann habt ihr sozusagen ein Personalgespräch zu führen, müsst dabei aber  den Drahtseilakt vollbringen, auch daran zu denken, dass ihr gleichzeitig die Ersatzmutter seid.  Das kann schnell in die eine oder andere Richtung ausschlagen: Entweder ihr bringt es nicht übers Herz, dem AuPair zu viele Ansagen zu machen und seid mit der Leistung nicht glücklich, oder ihr macht zu viele Ansagen und das AuPair ist verletzt und die Beziehung ist vergiftet.

6. Probleme

Da wir inzwischen das dritte AuPair bei uns haben, konnte ich schon einige Erfahrungen sammeln, zumal ich mich auch in verschiedenen Gruppen mit anderen AuPair Familien austausche. Leider höre ich von vielen Problemen und fand es bislang auch selber nicht immer einfach.

7. Fazit

Mein Fazit zum Thema AuPair ist, dass die Idee ganz wundervoll ist: Ein junger Mensch bekommt die Chance auf ein Jahr im Ausland. Es ist mit einer Krankenversicherung versorgt, mit Kost und Logie, einem Sprachkurs, einem Busticket und einem Taschengeld. Im Gegenzug betreut es die Kinder und hilft im Haushalt. Es ist damit eine tolle Lösung für Familien mit kleinen Kindern, die auch vor allem unplanbar und häufig kurzfristigen Betreuungsbedarf haben.

Mein persönliches Fazit ist aufgrund der gemachten Erfahrungen aber ein anderes. Unser aktuelles AuPair verlässt uns am Montag und wir werden kein AuPair mehr bei uns aufnehmen. Warum? Das erzähle ich Euch in einem anderen Beitrag.

Eure Halima

 

 

 

20 Kommentare

  1. Du machst es aber spannend, das würde mich sehr interessieren ;-)…
    Für uns wäre ein aupair auch nichts. Wir laufen hier ständig nackt rum, lassen wichtige Dinge offen rum liegen etc. Unsere Kinder sind zwar auch noch klein (2 und 4) und dementsprechend oft krank, wir haben aber das Glück, dass die Großeltern nebenan wohnen und die beiden außerdem eine ganz wundervolle Tante ohne eigene Kinder haben, die oft vorbei kommt, aushilft und einspringen kann, wenn Not am Mann ist.

  2. Danke für deinen Erläuterungen. Gelegentlich vermuten mein Mann und ich, in komplizierten Momenten, den Vorteil eines AuPairs. Letztlich passt es aber wenig zu unserem Bedarf, das wurde mir gerade mit deinem Beitrag wieder deutlich.

    • Freut mich 🙂 Ich will ja niemanden entmutigen, aber meine Erfahrung ist einfach,dass die großen Einschränkungen sich nur selten lohnen.

    • Naja, ich werde jetzt öffentlich nicht mit unseren AuPairs abrechnen. Es geht eher allgemein um häufige Probleme. Alles andere wäre unfair!

  3. Wir hatten auch verschiedenen Au-pair-Mädchen, haben gute und weniger gute Erfahrungen gemacht. Unser letztes aupair ist von einem Zuhälter rekrutiert worden, der ihr die große Liebe vorgespielt hat und sie dann auf den Strich schicken wollte. Außerdem hat der Typ versucht, unser Haus leerzuräumen, als wir übers Wochenende weg waren, nur das beherzte Eingreifen eines Freundes meiner Mutter hat das verhindert. Dennoch hatten wir danach noch ein weiteres Mädchen, für fünf Tage. Sie hatte so schlimmes Heimweh, dass wir sie nach Hause geschickt haben.

    Danach war für uns auch Schluss und wir haben eine richtige Kinderfrau eingestellt.

    • Oh Hilfe, das klingt ja abgefahren – auf den Strich geschickt? Unglaublich!
      Eine Kinderfrau hätte ich auch gerne, leider war unsere Suche bisher vergeblich 🙁

  4. Wir haben seit 3 Jahre AuPairs aus den USA und sind super zufrieden. Alle drei waren Mormonen, was aus unserer Sicht optimal für das Zusammenleben ist. Mormonen sind extrem familienbezogen, in der Regel aus kinderreichen Familien, rauchen nicht, trinken nicht, keine Parties, kein Sex vor der Ehe (sehr praktisch in einer Stadt wie Berlin…), sehr sozial eingestellt und sind sofort in eine stabile Gemeinschaft Gleichgesinnter eingebettet, wenn es eine Mormonen-Kirche in der Nähe gibt (in Berlin gibt es 7 (!) Mormonen-Gemeinden!). Entgegen aller Vorurteile missionieren sie überhaupt nicht.
    Außerdem ist meine Erfahrung (auch nach 10 Jahren mit AuPairs in unserer Familie als ich selbst ein Kind war), dass man darauf achten sollte, AuPairs aus dem westlichen Kulturkreis zu bekommen. Alle anderen sind kulturell oft so anders geprägt, dass es sehr häufig zu Problemen kommt.
    Schade dass es bei Euch nicht geklappt hat, Halima…!

    • das erinnert mich an eine Erzählung einer ehemaligen Schulfreundin:
      sie war das x-te AuPair in der Familie und die Kinder haben sich ihr sofort um den Hals geschmissen. Nach einiger Zeit aber musste sie feststellen, dass die Kinder weder zu ihr noch (trauriger Weise) ihren Eltern richtig vertraut haben. Sie hatten gelernt, dass eine Person, die ihnen lieb und teuer geworden ist einfach so verschwinden kann und ihr Vertrauen nicht mehr „gebraucht“ wird.
      Für mich klang das – ich möchte schon fast sagen: – logisch und ich finde das zutiefst traurig, wenn dann eine kindliche Psyche und Seele mit so etwas belastet wird.
      Hast du solche Erfahrungen auch gemacht?
      LG

  5. Das ist ja eine überraschende Entwicklung. Zuletzt klang es sehr positiv und passend mit dem neuen Aupair. Aber es sind ja immer zwei Seiten und menschliche Interaktionen und Beziehungen kann man ja nicht vorhersehen. Wie regelt ihr das Betreuungsthema nun ohne Aupair? Für uns wäre ein Aupair nichts. Ich brauche meine Privatsphäre und meine Ruhe und würde wohl auch niemand Unbekanntem mein Heim und meine Kinder anvertrauen können.

    • Es ist auch ein wirklich liebes Mädel, aber es passt aus verschiedenen Gründen leider nicht. Ich werde jetzt beruflich einen Schritt zurücktreten müssen…

  6. Für mich waren zwei Dinge schwierig bei einem Au pair.
    Ich finde, es sind oft sehr junge Menschen. Ich halte die Erfahrung in der Kinderbetreuung vor allem in stressigen Situationen für nicht ausreichend.
    Zweitens ist es mir zu unsicher , mich in der Betreuung auf ein Au pair zu verlassen, da es wie schon erwähnt so eine Art Zwitter Arbeitsverhältnis ist, was ganz plötzlich vorbei sein kann.

  7. Und wenn man mal die Kosten bedenkt, wäre eine erfahrene Kinderfrau mit Referenzen meine persönliche Wahl.

    • Ja, aber nur, wenn man genuu weiß, an welchen Tagen ich sie brauche, oder an wievielen Tagen ungefähr. Ich brauche jemanden auf Abruf, da passt eine Kinderfrau leider nicht so gut. ABer sonst wäre das auch meine Wahl.

  8. Sie beschreiben das alles so dass es katastrophe für die Gastfamilie ist und für Au-pair alles leicht und einfach, eins stimmt, für Au-pair ist es große Chanc für die Zukunft was zu aufbauen, aber wir dürfen nicht Vergessen dass alles hat sein 2 Gesichter, für eine Au-pair: du kommst in eine Familie wo du nicht mal diese Leute normal kannst, was für eine Charakter die haben, was für eine Traditione, was für eine Lebensstil und du darfst nicht Vergessen du muss dich selber anpassen weil du „ANGESTELLTE “ bist und wenn dir was nicht passt dir schmeißen von zu Hause raus so dass dir kein Mensch wird fragen warum?! Du muss um alles kümmern, um alles denken, alles machen, um alles anpassen, leben so wie diese Familie lebt, gefehlt dir es oder nicht du bist abgängig auf das was die planen, was die wollen und wünschen, du hast ganze 1 Jahre lang fast keine eigene Leben und du muss sogar sehr dankbar sein dass du Taschengeld 260 € hast und noch Tausende Sachen was ich nicht alles hier schreiben kann.
    Gastfamilien! es is für die Au-pair genau so nicht einfach wie für euch soger noch schwer als sie vorstellen können. Versuchen Sie manchmal von Augen von die andere Seite alles schauen, aber nicht übersichtlich sondern genau und für beide Seite wird ganzes Jahr einfach angenehm. Genau so wie es bei mir war, ich war glücklich mit meine Gastfamilie und sie waren glücklich mit mir. Nach 6 Jahre kontaktieren wir uns immer noch . Und es gibt kein Treff ohne Trenne…..
    Sie können selber entscheiden was sie wollen und wie sie wollen

    • Nein, das stimmt nicht, ich beschreibe es nicht als Katastrophe für Familien. Ich habe sehr genau getrennt zwischen allgemeiner Bewertung und ganz persönlicher Erfahrung. Und unsere AuPairs hatten hier ein sehr schönes Leben mit sehr wenig Arbeit aber allen Freiheiten. Vielleicht solltest Du auch trennen zwischen allgemeinen und ganz persönlichen Erfahrungen. Lieben Gruß- Halima

      • Ich finde, Du hast absolut sachlich und alle Vor- und Nachteile abwägend zu diesem Thema geschrieben, ohne beeinflussend in die eine oder andere Richtung zu schreiben. Das ist ja auch eine sehr persönliche Sache, die sowohl für jedes Au Pair als auch für jede Familie sehr individuell ist. Ich habe Deine Berichte sehr gerne gelesen, da wir im Bekannten/Freundeskreis niemanden mit Erfahrungen haben und so hatte ich das Gefühl durch deine Persönlichen Berichte wie durch „eine Freundin “ informiert zu werden. Danke dafür.
        Liebe Grüße, Anne

  9. O ja, ups and downs, das kennen wir auch gut mit Aupairs… Unterm Strich war die Bilanz aber positiv und mit einigen ganz tollen Mädchen (die dann oft hier zu jungen Frauen wurden) hatten wir eine wunderbare Zeit.
    Bin gespannt auf den nächsten Beitrag und wie ihr die Kinderbetreuung in Zunkunft lösen werdet.
    LG! Yvette

  10. PS: Mit der Privatsphäre hatten wir nie Probleme- eigentlich waren die Mädels immer froh, wenn sie sich abends zurückziehen konnten und am Wochenende hatten sie nach einer Eingewöhnungszeit auch meist ihr eigenes Programm.

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