Von Mädchenkram und Weicheiern

Es fing damit an, dass Maxi sich in der Bücherei zwei Bücher über die Titanic ausgeliehen hat. Zum ersten Mal packte ihn ein Thema so sehr, dass er die Bücher geradezu verschlang. Nachdem er sie wieder und wieder gelesen hatte, hatte er viele Fragen. Weitere Bücher wurden angeschleppt. Schließlich wusste Maxi alles über die Titanic und deren Untergang. Ihr könnt ihn fragen, wie lange der Untergang dauerte, wie viele Menschen starben und wie viele gerettet wurden, wie viele Meter die beiden Teile voneinander entfernt auf dem Meeresgrund gefunden wurden- alles. Aber eine Frage blieb offen: „Mama, warum hieß es eigentlich Frauen und Kinder zuerst?“

Bislang habe ich mir die Frage nicht wirklich gestellt. ICH hätte auf ein Rettungsboot gedurft, ich bin eine Frau. Cool. Aber Maxi ist ein Mann (oder dabei einer zu werden) und aus der Sicht eines von dieser Regelung betroffenen, muss man sich die Frage ja mal stellen.

Ich fand eine Antwort für Maxi, die in die Richtung ging, dass Kinder ja noch nicht schwimmen können und zuerst in die Boote müssten und weil Kinder damals vor allem von ihren Müttern betreut wurden, gingen die Mütter eben mit. Maxi kaute ein paar Stunden auf der Antwort herum, dann kam er wieder: „Aber Männer-Kinder durften auch, oder?“ Ja klar, die Jungs sind ja auch Kinder. Am nächsten Tag kam er wieder: „Aber wenn es gar keine Papas mehr gibt, ist das doch auch schlimm. Warum haben die nicht halbe-halbe gemacht?“

So ging das weiter. Viele Tage lang beschäftigte ihn die Frage, warum er als Mann auf dem untergehenden Schiff hätte zurückbleiben müssen. Und da wurde mir mal wieder klar: Jungs haben es auch nicht leicht.

Als Frau mache ich mir in den letzten Jahren immer Sorgen um die Mädchen. Das Frauenbild ist ja doch, gelinde ausgedrückt, nicht so fortschrittlich, wie man erwarten würde.  Es gibt alles für Mädchen und für Jungs- getrennt! Und die Mädchensachen sind immer rosa und haben etwas mit Prinzessinnen oder Feen zu tun. Ich sag nur „Überraschungseier für Mädchen“! Wenn ich mir die Bilder aus meiner Kindheit anschaue, wie ich da mit den anderen Kindern sitze, alle in braun und orange, muss ich sagen: So einen Sch**ß hatten wir damals nicht. In mancher Hinsicht ist das Frauenbild der Gesellschaft eher rückwärts gerichtet. Deswegen: Feministinnen vor! Es gibt noch viel zu tun!

Jetzt bin ich aber eine Mutter von zwei Jungs und sehe: Mit dem Männerbild sieht es auch nicht so rosig aus.

Nehmen wir mal den Schulhof. Wie vielfältig sind dort die Möglichkeiten der Pausengestaltung für die Mädchen! Sie basteln „Drück michs“, sie spielen Gummitwist, Seilspringen und machen diese Finger-Klatsch-Spiel („Bei Müllers hat´s gebrannt brannt brannt…“) Wenn sie damit fertig sind singen sie irgendwelche Songs und tanzen eine gemeinsame Choreographie dazu. Und die Jungs? Spielen Fußball. Oder spielen Fußball. Oder Fußball. Naja gut, sie rennen und klettern auch oder fesseln ein paar Mädchen, aber wild muss es sein. Singen, klatschen, tanzen? Nix für Jungs!

Ihr wisst, ich übertreibe ein wenig, aber es ist nicht gelogen, wenn ich Euch sage, dass der Maxi sich all diese Fingerspiele und Hüpfspiele abgeguckt hat und dann damit zu mir kam. „Kennst Du das, Mama?“ Klaro! Ein Glück, denn so kam Maxi auch in den Genuss. Aber ist es nicht schrecklich, dass er so etwas heimlich zu Hause mit seiner Mama machen muss, weil der Kodex auf dem Schulhof das als „Mädchenkram“ belegt hat?

Ich erlebe, dass mein Sohn in ein Rollenbild sozialisiert wird, dass sehr viel mit Unterdrückung von Emotionen zu tun hat. Neulich habe ich beobachtet, wie ein Mädchen auf dem Schulhof geweint hat. Das war ein demonstratives Weinen und es hatte seine Wirkung: Vier andere Mädchen kamen angerannt und umarmten das Mädchen. Als Maxi seinen Ranzen aus der Klasse geholt hatte und wir Minuten später vom Schulhof gingen, standen sie immer noch in einer Riesenumarmung dort. Wenn Maxi mal eine Träne verdrücken muss, wischt er sie wütend weg und die anderen Jungs tun so, als hätten sie nichts gesehen. (Ja, auch das ist übertrieben, natürlich weint das Kind gar nicht mal so selten, aber es geht mir hier um den Verhaltenskodex auf dem Schulhof oder im Sportverein, und der ist tatsächlich ein anderer als der der Mädchen).

Meine Erziehung ist das nicht. Zu Hause gibt es keine Jungs/Mädchen-Regeln, zu Hause ist jede Emotion erlaubt, jedes Spiel und jedes Spielzeug. Trotzdem sehe ich, wie meine Söhne da draußen in ein altes Rollenbild hineinwachsen- ich kann es kaum verhindern.

Haarspangen, Nagellack, Puppen- es gibt so viele Dinge, mit denen sie immer wieder liebäugeln, die aber nur für Mädchen gesellschaftsfähig sind. Sie probieren zu Hause nach wie vor alles aus, aber sie wissen schon, welche Kommentare sie draußen zu hören bekommen. Deshalb bleibt die Puppe dann doch im Auto vor der Kita und den Nagellack muss ich im letzten Moment auch wieder entfernen. Und ich denke mal wieder, dass Mädchen viel problemloser „Männersachen“ machen können, als umgekehrt.

Aber was heißt das für meine Söhne? Werden sie mit jedem Jahr ihre Emotionen mehr und mehr unterdrücken? Mit jedem „Stell dich nicht so mädchenhaft an“ und mit jedem „Weichei“ (oh, wie ich das hasse!) werden sie kontrollierter, härter? (Wir reden heute mal nicht davon, wie doof ich solche Bemerkungen auch im Hinblick auf Mädchen und unser Frauenbild finde, heute geht´s mal um die Männer…).

Eines Tages sitzen sie stumm neben ihrer Freundin und die schimpft: „Jetzt sag doch auch mal was! Nie sagst Du was! Macht Dich das nicht wütend/traurig/verzweifelt/glücklich?! Wie kann man nur so emotionslos sein?!“

Durch die Erfahrung mit meinen Söhnen sehe ich die Männer in meinem Leben mit ganz anderen Augen. Vielleicht haben sie alle sehr wohl diese emotionale Seite, die ich manchmal vermisse, haben aber erlernt, ihre Emotionen zu zügeln?

Meine Söhne sind hochemotionale Wesen, nicht anders, als es eine Tochter von mir sein könnte. Der Unterschied ist nur, dass sie lernen, diese Seite in sich nicht so sehr zu beachten. Die „Kommunikation“ der Jungs läuft eher über Wettkämpfe: Wer ist schneller, stärker, größer, lauter? Das bringt natürlich eine Menge Freiheiten mit sich. Wild und laut sein zu dürfen, weil es angeblich in ihrer Natur liegt- cool! Ich hätte gerne eine Welt, in der Jungs und Mädchen in den Köpfen aller alle Freiheiten aus beiden Welten vereinen können, aber ich habe den Eindruck, dass es noch lange nicht so weit ist.

Werde ich eines Tages die einzige sein, die die „weiche“ Seite in meinen Söhnen kennt? Kann ich ihnen helfen, emotionale Wesen zu bleiben? Kann ich ihnen helfen, zu Männern zu werden, die gerne lachen, tanzen, singen und manchmal auch weinen, was das Zeug hält?

Ich glaube schon. Ich glaube, es gehört zu meinem Erziehungsauftrag, diejenige zu sein, die sie in all diesen Dingen bestärkt. In diesem Punkt finde ich, dass der Papa so gefordert ist, wie in kaum einem anderen Erziehungsthema. Er muss es vorleben, denn ich bin ja schließlich auch „nur“ eine Frau. Und vor allem ist es wichtig, Zuhause zu einem Ort zu machen, an dem man jede Seite ausleben darf. Auf dem Schulhof mag Gummitwist den  Mädchen vorbehalten sein, hier zu Hause stehen Gummitwist und Fußball in einer Reihe, genauso wie die Autos und die Puppen. Und ich werde immer wieder alle Dinge, die ihnen Spaß machen so lange als so selbstverständlich behandeln, bis sie in den Augen meiner Söhne wieder in einer Reihe mit den Dingen stehen, die in das gängige Männerbild passen. Alles geht! Keine Kommentare, keine Fragen, nur Spaß an der Sache.

Es ist nicht so, dass ich mir nicht manchmal eine Scheibe abschneiden möchte von der Coolness, die vorwiegend meine männlichen Kollegen an den Tag legen. Aber es ist doch ein Unterschied, ob man die erreicht, weil man seine Emotionen kennt, sich aber in bestimmten Situationen nicht von ihnen leiten lässt, oder ob man Emotionen schon gar nicht zulässt, weil man so lange gelernt hat, sie zu deckeln, bis man gar nicht mehr in der Lage ist, überhaupt noch etwas zu empfinden.

„Aber hatten die Männer auf der Titanic denn nicht auch Angst?“, hat der Maxi mich wieder ein paar Tage später gefragt. „Natürlich hatten die Angst. Große Angst.“

Ist doch klar!

 

 

 

 

 

27 Kommentare

  1. Danke für diesen wunderbaren Beitrag. Noch geht mein Sohn mit Nagellack in den Kindergarten wie seine Zwillingsschwester. Aber es gibt vieles, was sie selbst mittlerweile als nur für Mädchen oder nur für Jungs betiteln. Das ist schade.

  2. Wow, einfach nur wow! So ein wahrer und wichtiger Text! Vielen Dank dafür! Als Mutter eines Jungen und eines Mädchens knabbere ich fast jeden Tag an diesem Thema herum und finde es so gruselig, wie viel meine Kinder von diesen Mädchen/Jungen Stereotypen übernehmen, obwohl es bei uns zu Hause ganz bewusst nicht so vorgelebt wird…
    Viele Grüße
    Merle

  3. wow! !! Ein toller Text, auf dem ich noch eine ganze Weile rumdenken werde. Ich gebe Dir völlig recht, diese Gedanken habe ich mir als Mama von drei Töcetera noch nie gemacht oder machen müssen.
    Und wenn ich richtig erinnere, dann war ich als Kind schon immer froh, ein Mädchen zu sein. Ich durfte Kleider UND Hosen tragen, kurze ODER lange Haare (okay, das ist heutzutage wahrscheinlich kein grosses Thema mehr, aber Claudia von @wasfuermich schrieb auch darüber schon einen tollen Beitrag) und und und
    Ich hoffe so sehr, dass Dein Einfluss immer gross genug sein wird, Deinen Söhnen Mut zu machen, alle Seiten zu zeigen.

    Liebe Grüße von Karen

  4. Was für ein toller Artikel!!!!
    Für ausführlicheres bin ich gerade zu müde, aber das wollte ich auf jeden Fall gesagt haben 🙂
    Danke dafür!
    Herzliche Grüße, Anna

    • Wow, also todmüde fällt mir ja kein Wort mehr ein- ich weiß Deinen Kommentar also sehr zu schätzen 🙂 Danke und jetzt ab ins Bett mit Dir 🙂

  5. Danke für den tollen Artikel!
    Ich setze mich auch gerade wieder etwas mehr mit dem Thema auseinander. Ich habe ein Mädchen (6) und einen Jungen (4) und gerade die Hoffnung, dass wir den Gipfel der Geschlechterbeharrlichkeit schon überstanden haben. Das Mädchen schon etwas länger („rosa ist Baby“) aber erstaunt hat mich mein Junge, der nach einer längeren „Das will ich nicht, das ist für Mädchen“-Phase inzwischen darauf beharrt, die „Conni“ und „Bibi und Tina“-CDs zu behalten, wenn die beiden mal getrennte Zimmer haben, der seinen Papa bittet, ihm beim Barbie anziehen zu helfen und der
    gestern seinen rosa Teddy mit in die Kita genommen hat.
    Am erstaunlichsten finde ich, dass er das plötzlich mit einer Selbstverständlichkeit und einem Selbstbewusstsein tut, die es ihm hoffentlich möglich machen, sein „es gibt keine Mädchenfarben“ auch den anderen Jungs in der Kita entgegen zu schleudern, wenn die ärgern sollten. Da bin ich ja leider nicht dabei…

  6. Hallo meine Liebe,
    wenn man betrachtet dass es purer Zufall ist, das Frauen und Kinder zuerst aufs Boot dürfen(da es ja eher um Kranke und Kinder ging(da nur das strafbar ist, sie zurückzulassen) wurden die Männer eben tatsächlich nur durch ein Missverständnis auf der Titanic(nach Überbringungen) diskriminiert, jedoch macht auch mir das große Angst als reine Jungsmama. Mein Prinz ist so sensibel und wird immer wieder mit diesen verschrobenen Rollenbildern konfrontiert. Mir wurde mal gesagt, ich soll ihn mehr mit Jungs spielen lassen, da ich ihn zu einem Opfer für Mobbing und Hänseleien mache. Ich hab mich wirklich sehr aufgeplustert und aufgeregt über diese Tatsache aber tatsächlich könnte das passieren, da eben auf dem Schulhof oder auch schon in der Kita ein komischer Wind weht. Ich hoffe, das sein Selbstwert und sein Bewusstsein dafür ausreichen, das ihm das dennoch nicht passiert.
    Ein sehr nachdenklich machender Text.
    Danke
    Liebste Grüße
    Dani

  7. Ja! Ja, ja, ja!
    Ich unterschreibe das alles.
    Und doch betrifft es mich als Mutter von drei Mädchen weniger.

  8. Danke! von einer Jungsmama… Die so gern mit ihrem kleinem wilden Wuschelkopf kuschelt… Der Mama beim Schminken hilft. Und Armreifen mag. Und der so gern Emotionen zeigt. und sich das hoffentlich sehr sehr lang behält… <3

  9. Toller Artikel!
    Ich finde auch, dass in diesem Falle männliche Vorbilder da deutlich mehr gefragt sind als weibliche.
    Leider sieht es bei uns dort emotional etwas karg aus und das macht mir Sorgen. Keine Ahnung, wie ich weiter verfahren soll, wenn ich zwar: „Alle Menschen weinen manchmal.“ predige, die Kinder dann aber in der Realität dies nie bei einer männlichen Bezugsperson erleben.
    Schwierig.

  10. Ich glaube nicht, dass es so schlimm werden wird. Maxi hat mit dir eine Mutter, die ihn seine Emotionen ausleben lässt und das macht Mut.

    Selbst kann ich mich gut an meine Kindheit erinnern und daran, dass meine Eltern mir das Spielen mit Puppen oder anderen „Mädchenspielzeugen“ vergräult haben. Ich hatte diese Rückzugsorte nicht, in denen ich „ich“ sein durfte und ich war abenteuerlustig und sanft, konnte mit manchen Jungssachen sehr wenig und manchen mädchensachen sehr viel anfangen und wollte mir davon eigentlich nichts nehmen lassen.

    Im Fußballclub von nebenan oder bei anderen männlichen Jugendliche lernte ich dann eine gewisse emotionale Abgestumpftheit kennen. Plötzlich wollte niemand mehr darüber reden, wenn etwas weh tat und später lösten viele ihre Probleme schweigsam mit Alkohol.

    Auch für Mädchen war ein eher sanfter Typ oft verhasst. Schließlich suggerierten Zeitschriften und Eltern das Jungs und Männer eben anders zu sein haben, sonst ist mit denen etwas nicht richtig.

    Das hat sich aber mit der Zeit geändert. An den Rändern von Gruppen habe ich immer mehr Leute kennengelernt, die nichts auf solche Vorschriften gaben und einfach sie selbst waren.

    Gewünscht hätte ich mir allerdings, dass meine Eltern in der langen Durststrecke, in der ich das Gefühl hatte ein Einsiedler in einer Gesellschaft zu sein, die ich nicht verstehe, für mich da gewesen wären: mit Rückhalt und Zuspruch.

    Maxi hat dich. Das ist enorm viel wert. Er darf Angst haben, er kann traurig sein oder fröhlich und das ist ok.

  11. Wow was für ein toller Beitrag – weiß gar nicht wie ich alles in Worte fassen soll, was mir grad durch den Kopf geht.

    Auf jeden Fall geht es mir änlich, meine Söhne haben auch nur daheim mit Puppen gespielt, auch mal ein Kleid angezogen, aber nie draußen … etc.

    Es ist schon echt manchmal ein echter Spagat den man so geht, weil es erwartet wird oder so … ich wünsche mir immer wieder den Mut, neue Wege zu gehen und genau das gleiche wünsche ich mir auch für die Kids.

  12. Liebe Mia,
    ich bin Mama von drei Buben und ich glaube auch, dass genau das meine wichtigste Erziehngsaufgabe ist.
    Ja, sie sollen selbstbewusste und selbstständige Buben sein und wissen was sie wollen, aber vor allem sollen sie sein dürfen, wie sie sein möchten. Ob pinkes T-Shirt oder mit Dinosaurier, ob Nagellack in drei verschiedenen Farben oder nicht, lange oder kurze Haare, ob mit Haarreifen oder Zopf, ob Spiderman oder Wonderwoman, Puppe oder Auto, kuscheln oder wettlaufen … Sie sollen weinen, wenn sie sich weh tun oder kränken und ihre Ängste aussprechen.
    Aber könnten sie nicht auch ein bisschen weniger wild sein und sich nicht immer zu hauen? 🙂
    Liebe Grüße Jutta

  13. amen! mia, ganz toll und so wahr und erschreckend eigentlich! NOCH ist in unserem männerhaushalt alles im lack, mein toni hat langes walla walla lockenhaar und will auch rosa nagellack wie mama haben! und mama macht. es ist nur farbe und eine frisur. draußen dann immer: oohh zwillinge. mädchen junge? joa. soweit der stand mit knapp 3. und dennoch war das bild deiner geschichte mit dem weinen auf dem schulhof ganz klar in meinem kopf als hätte ich das selbst schon 1000 mal beobachtet. da ich auch ein sehr emotionaler mensch bin, werde ich das hoffentlich an meine 2 kerls weitergeben und mit aller macht versuchen, sie zu empathischen und mutigen menschen zu erziehen. wo sind wir denn, das man seine gefühle nicht zeigen darf? ich musste auch sehr schmunzeln bei dem bild „freundin zu freund: warum sagst du denn nichts?!?“ argh. ich hab hier nämlich einen sitzen, der genau so reagiert und der mich damit oft in den wahnsinn treibt da möchte ich ein bisschen unterstützend wirken und hoffentlich 2 weniger harte brocken groß ziehen. danke für den denkanstoß ❤

  14. Das ist so wahr! Schon in der Schwangerschaft habe ich mich darüber gewundert, dass es kaum genderneutrale Kleidung für Babys gibt. Und bei Spielsachen und Büchern geht es dann weiter… Früher war es normal, dass man die abgelegten Kleidungsstücke seiner Geschwister trägt. Das geht heutzutage nur noch, wenn diese das gleiche Geschlecht haben.
    Und auch war: Jungen bleibt weniger Spielraum! Mädchen dürfen ggf. noch Fußball spielen und Kampfsport ausüben – aber ein Junge beim Ballett???

  15. Hallo, oh wie wahr!!! Ich bin auch Mama von 2 tollen Jungs und trage diese Gedanken oft mit mir rum.
    Mein Großer bringt aus dem Kindergarten so Sätze wie „Lila ist eine Mädchenfarbe“, „Nur Mädchen weinen, Jungs sagen nur Aua.“ Ich könnte schreien, wenn ich das höre!!!! Er hatte bis vor kurzem lange blonde Haare, die man nun endlich zu einem Zopf zusammen binden konnte. Aber in der Kita hat jemand gesagt, dass nur Mädchen lange Haare tragen, also musste ich auf sein ewiges Drängen hin einen Termin beim Friseur vereinbaren.
    Es ist so schade, dass man es Zuhause anders vorlebt, letztlich aber die Peergroup entscheidet 🙁
    Danke für diesen wichtigen Artikel!!
    Julia

  16. Tsja, das sehe ich leider auch so. Wir bekommen ja jetzt auch unseren zweiten Jungen, so dass man das Thema vielleicht nochmal ganz anders sieht.
    Bei uns an der Schule gibt es ein supertolles Stipendium. Nur für Mädchen. Das finde ich irgendwie nicht fair. Stipendien für Jungs bieten wir so nicht an. Dabei hätte ich einige, die das Zeug dazu hätten und sich auch Unterstützung wünschen würden.
    Mein Sohn bastelt total gerne und kann das stundenlang machen. Als DIY-Mami freut mich das natürlich. Wenn ich das aber mal erwähne, werde ich tatsächlich komisch angeschaut. Und zufällig hat sich heute einer der drei Fragezeichen-Kids in einer Folge über den lustig gemacht, der nähen kann. Als Junge. Das finde ich total schade.
    Ich habe nichts gegen rosa Überraschungseier oder Gender-Kram, solange das jeder nutzen darf, wenn er möchte.
    LG Steffi

  17. Ein wundervoller Blogbeitrag!
    Da bin ich eigentlich ganz froh, zwei Mädchen zu haben, weil sie alles machen können, was sie wollen – Ich kann sie „wie Jungs“ anziehen und ihnen Jungsspielzeug kaufen – Niemand stört sich daran. Bei Jungs ist das tatsächlich anders. Ein Kleid? Nagellack? Haarspangen? Rosa? Lillyfee, HelloKitty, Barbie, Fillypferde… Wobei mich überrascht, dass Klatsch-Spiele und Gummitwist heutzutage ebenfalls für Jungs tabu sind. Das war in meiner Schulzeit noch anders… Entwickelt sich wirklich alles so rückwärts… 🙁

  18. Gleichberechtigung ist keine Einbahnstraße ne!?

    Ich habe mich wirklich alles schon gefragt, über das du nachgedacht hast und meiner ist erst zwei! Und sogar jetzt hat er schon zu hören bekommen: „Was quakst du denn so? Bist du etwa ein Mädchen?“
    Fürchterlich! Ich werde mein bestes tun, ihm beizubringen, dass jede Emotion zu jedem MENSCHEN gehört und Gefühle nicht an ein Geschlecht geknüpft sind. Ich glaube, das ist alles was ich tun kann. Das und hoffen, dass es reicht um die Zwänge der Außenwelt größtenteils abtropfen zu lassen…

    Großartiger Post!

    Liebste Grüße
    Verena

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