Work-Life-Balance: Geht es uns ohne AuPair besser?

Es war ein aufregendes Jahr und es neigt sich dem Ende zu: in zwei Monaten wird unser AuPair uns nach einem Jahr in unserer Familie verlassen.
Eigentlich hatten wir bereits eine Nachfolgerin gefunden. Unser neues AuPair sollte aus Kolumbien kommen und wir haben uns schon auf das neue Abenteuer gefreut. Dann gab es allerdings Probleme mit der extrem unprofessionell agierenden Agentur- der Deal platzte. Jetzt müssen wir von vorne mit der Suche beginnen. Das bedeutet, wir müssen eine neue Agentur suchen, viele, viele Bewerbungen studieren, Mails mit den Kandidatinnen austauschen, mit der engeren Wahl skypen, mit der noch engeren Wahl ein zweites und vielleicht ein drittes Mal skypen bis wir schließlich ein neues AuPair Mädchen finden. Mir kommen allerdings plötzlich Zweifel, ob ich überhaupt direkt ein neues Familienmitglied möchte.

Dabei überwiegen die Vorteile des Modells AuPair jedenfalls anzahlmäßig eindeutig:
Nachdem ich jahrelang beruflich extrem zurückstecken musste, konnte ich plötzlich wieder etwas freier Arbeiten. Geschäftsreisen, die immer daran gescheitert sind, dass der Mann fast immer so eingespannt ist, dass er dann nicht rechtzeitig die Kinder übernehmen kann, waren plötzlich wieder möglich. Dadurch stand ich für meinen Arbeitgeber wieder für umfangreiche und verantwortungsvollere Themen zur Verfügung. Im Krankheitsfall war mit dem AuPair immer eine Art Familienmitglied bei den Kindern, so dass ich kaum Ausfälle aufgrund Krankheit der Kinder hatte. Beinahe hatte ich das Gefühl, dass Krankheitstage alleine mit dem AuPair zu Hause eine Art Incentivecharakter für die Kinder hatten.
Selten, aber immerhin überhaupt mal wieder gingen der Mann und ich abends aus. Wir brauchten dann keinem Babysitter zu erklären, was zu tun ist, wir gingen einfach und für die Kinder war es ein ganz normaler Abend. Mit AuPair gab es einfach eine Betreuungsperson mehr im Haus, und weil sie den Kindern nach ein paar Wochen so vertraut war, hatte ich grundsätzlich nicht das Gefühl, den Kindern mit der Abwesenheit ihrer Eltern etwas zuzumuten.

Und jetzt kommt das große Aber.Es klingt verrückt, aber nach ein paar Monaten kam ich an den Punkt, an dem ich das Gefühl nicht mehr loswurde, zu viele Freiheiten zu haben. Ich war ZU flexibel. Ich war immer einsatzbereit, für jeden Termin verfügbar- denn ich hatte ja immer Unterstützung zu Hause. Also habe ich immer mehr gemacht. Zuerst habe ich mir meine Freizeit vollgepackt. Ich habe einen Mädels-Stammtisch ins Leben gerufen und meinen Sprachkurs wieder aufgenommen. Ich habe wieder angefangen, regelmäßig laufen zu gehen und mich im Hockeyverein angemeldet. Mehrere Abende in der Woche war ich unterwegs.
Gleichzeitig lief mein Terminkalender auf der Arbeit voll. Mit der Teilzeittätigkeit ist es ja so, dass die Welt sich nunmal nicht aufhört zu drehen, wenn man um 15 Uhr nach Hause geht (jedenfalls nicht in einem großen Konzern). Bis zum nächsten Morgen ist oft so viel passiert und das bedeutet, dass entweder eine Kollegin meine Arbeit machen muss, oder ich selber auch von zu Hause aus nochmal ein bißchen arbeiten muss. Da wir am Nachmittag immer mit AuPair unterwegs oder zu Hause waren, war es eigentlich kein Problem, mich mal eben um Telefonieren zurückzuziehen. So wurde es mit der Zeit zur Normalität.

Wenn ich heute sage, ich kann leider nicht um 17 Uhr an der Telefonkonferenz teilnehmen, dann habe ich ein schlechtes Gewissen. Meine Kollegen sind nicht so und sie würden so etwas niemals sagen, aber ich höre sie in meinem Kopf trotzdem: „Aber Du hast doch jetzt ein AuPair. Die kann doch mal kurz auf die Kinder aufpassen.“ Es ist meine eigene Schuld, mich davon leiten zu lassen, aber der ein oder andere wird schon so denken und das kann ich schlecht aushalten.

Mehr Zeit für meine Kinder.

 

Im Laufe der letzten Monate geriet ich immer mehr unter Druck. Selbstgemachter Druck, schon klar, aber das habe ich nicht von Anfang an gemerkt. Anfangs war ich einfach nur glücklich über all die neuen Möglichkeiten. Erst mit der Zeit und anfangs unbemerkt begann alles zu kippen.

Wenn ich auf Geschäftsreisen ging, waren die Kinder manchmal 24 Stunden alleine mit dem AuPair. Wenn sie morgens aufwachten, waren weder der Mann noch ich zu Hause und wenn sie abends ihre kleinen Köpfchen auf ihre Kopfkissen legten, waren da auch weder Mama noch Papa. Das war für mich das schlimmste. Ich fühlte mich unterwegs auch nicht frei, ich hatte ständig Angst, dass ein Kind sich verletzen oder krank werden könnte, und seine Eltern bräuchten den halben Tag, um zu ihm zu kommen.

Weil ich das nicht mehr ertragen konnte und mich auch ganz schrecklich unfrei fühlte, wenn ich unterwegs war, stellte ich die Regel auf, dass wenigstens am Morgen und am Abend wenigstens ein Elternteil zu Hause sein müsste. Klappt leider nicht, denn auch wenn der Mann meine Auswärtstermine fest im Kalender notiert hat, kommt manchmal etwas Wichtiges dazwischen.

So sitze ich jetzt also vor den Unterlagen für die AuPair Agentur und überlege, ob es unserer Familie nicht gut tun würde, wenn wir keine zusätzliche Betreuungsperson im Haus hätten. Wenn ich nachmittags nicht arbeiten könnte, weil ich auf die Kinder aufpassen muss. Wenn ich keine Geschäftsreisen mehr machen könnte (oder nicht so viele), wäre das nicht besser für die Kinder? Und auch für mich, weil mein Stresslevel dann mal wieder runterfahren könnte? Aber dann säße ich wieder zu Hause fest, beruflich und privat extrem eingeschränkt.

Die Frage ist also wieder mal, wie wir eine gute Work-Life-Balance für uns herstellen können.

Es bleibt kompliziert…

 

 

23 Gedanken zu “Work-Life-Balance: Geht es uns ohne AuPair besser?

  1. Ich kann dich gut verstehen. Ein Au Pair schafft Freiheiten, man muss dann aber selbst Regeln für sich finden, dass es für alle passt.

    Wir haben kein Au Pair, sondern einen Wohnhelfer: eine Studentin, die mietfrei bei uns wohnt und uns nach klarer vorher getroffener Absprache ca. 3 h unter der Woche unterstützt. Wie ein Au Pair nur etwas weniger Zeit (ca. 15 Stunden pro Woche). Und die Auswahl und Startphase ist viel leichter: kein Visum, keine Startschwierigkeiten, keine maximale Aufenthaltsdauer, hohe Erfolgsquote durch persönliches Kennenlernen.

    Schau mal auf http://www.room-and-Care.com. Dort kannst du kostenlos und unverbindlich deine Suchkriterien eingeben und erhältst sofort passende Partnervorschläge, in denen du stöbern kannst. Und über das sichere Portal kannst du dann Nachrichten austauschen.

    Ist vielleicht eine gute Lösung für euch

    Ich wünsch euch viel Erfolg!
    Esther

    1. Das habe ich ja hier schonmal beantwortet: Ich finde das ist eine ganz tolle Sache! Vor allem wegen der Langrfristigkeit. Mein Hauptproblem sind aber immer die Notfälle gewesen: Dringender Termin und ein Kind ist krank; Fristsache und das Kind muss aus der Schule abgeholt werden… Die Studenten würden im entscheidenden Moment immer in der Uni sein. Ich brauche jemanden, auf den ich immer zurückgreifen kann. Daher ist das nicht die Lösung unseres Problems. LG Mia

  2. Liebe Mia,
    Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen, denn obwohl wir kein Aupair haben und ich mich damit ab 15h ganz auf meine Kinder einstellen muss, erlebe ich dies als große Freiheit.
    So wie ich dich in deinem Blog bisher kennen lernen durfte, habe ich das Gefühl, dass auch du dieses Leben sehr genießen würdest.
    Eine Antwort auf deine Frage hast du dir mit deinem Text doch eigentlich schon selber gegeben…
    Sei ganz lieb gegrüßt aus Köln,
    Christina

    1. Naja, ich kenne ja den Zustand ohne AuPair, so war es ja hier die ersten fünf Jahre. Das habe ich allerdings leider nicht als große Freiheit empfunden, denn ich saß immer zu Hause fest. Ich möchte nicht auf meinen Sport verzichten müssen und ich möchte Zeit haben, Freundinnen zu treffen etc. Ich glaube momentan, wir machen am Besten mal eine Pause, um das Pensum wieder runterzufahren und dann werden wir uns aber in ein paar Monaten bestimmt wieder Unterstützung holen. Denn abgesehen davon läuft es super! LG Mia

  3. Liebe Mia, ich kenne eure genaue Situation nicht. Hier kommt meine Meinung: Es macht mich irgendwie kribbelig, dass das allein dein Problem zu sein scheint.
    Sport, Geschäftsreise? Warum kann den nicht dein Mann zumindest gelegentlich zurückstecken? Wie wichtig kann sein Job sein? Er ist ja nicht Bundeskanzler. Oder ist es eine Frage der Karriere? Dann sind es Prioritäten. Auf deine Kosten.
    Genau für diese Fälle (Notfall, Aufwachen, Einschlafen) braucht es Eltern, keine Fremden. Das ist dein intuitives Gefühl und mir ginge es auch so. Und es gibt ja gottseidank zwei Eltern…
    Liebe Grüße und viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung.
    Andrea

    1. Liebe Andrea, nein, Du kennst unsere Situation nicht. Es geht hier nicht um ungerechte Verteilung, es geht um Zwänge, die sind, wie sie sind denn es gibt außer Bundeskanzler noch mehr Jobs, die man entweder ganz oder gar nicht macht. Falls es dich beruhigt: Außerhalb der zwingenden Rahmenbedingungen sind die Aufgaben hier sehr paritätisch verteilt. Grundsätzlich hast Du natürlich Recht, aber in unserem Fall liegt die Sache tatsächlich anders und ich finde nicht, dass mein Mann seinen Job aufgeben muss (auf den ich mich ja eingelassen habe), damit ich gelegentlich joggen gehen kann. Lg Mia

  4. Liebe Mia, sieh es doch anders herum: du bist in deiner Entscheidung ziemlich frei von äußeren Zwängen, was Dir und deiner Familie am Besten tut! Wer die Wahl hat, hat die Qual 😉 Aber das ewige Austarieren wird uns wohl noch begleiten bis die Kinder keine Kinder mehr sind. LG

    1. Das stimmt! Und die Bedürfnisse der Kinder verändern sich ja auch ständig, deswegen muss man wohl ständig neu austarieren.

  5. Hallo Mia,
    Ich kann dich sehr gut verstehen und wünsche mir auch ein Au-pair. Wir haben zwar Familie in der Nähe aber die ist auch beruflich eingespannt und daher kann sie nicht immer einspringen wenn es nötig ist.

    Vielleicht hilft es, wenn ihr euch beim zweiten Mal klare Regeln aufstellt. Wie z.B. deine Elternteil-Regel am Morgen und Abend, dass du z.B an zwei Nachmittagen pünktlich gehst und so weiter.
    Du hast ja jetzt ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie es dir und deiner Familie mit einem AuPair geht und in welchen Situationen du dich unwohl fühlst.

    Ihr kriegt das bestimmt hin. Ich bin sehr gespannt.

    Lg, Olga

    1. Ja, so werden wir es machen 🙂 Wahrscheinlich. Aber im Moment tendiere ich trotzdem erstmal zu ein paar AuPair-freien Monaten. Das Haus mal wieder für sich zu haben hat auch seinen Reiz… 🙂

  6. Ich stecke genau in der gleichen Situation!
    Unser erstes Jahr mit Au pair ist bald zu Ende.

    Unsere Kinder haben sie als Familienmitglied akzeptiert.
    Ich habe die Erleichterung genossen. Fast ein Jahr brauchte ich jetzt zum Beispiel die Wäsche der Kinder nicht anfassen! Das Au pair hat sie gewaschen, getrocknet und den Kindern ins Zimmer gestellt, damit die sie in den Schrank räumen. Das ist ein „kleines“ Beispiel, aber auch das zeigt: ich muss Vertrauen in die fremde Person haben, ihr etwas Privates abzugeben, anzuvertrauen. Ich kümmere mich nicht mehr darum, als verliere ich die Kontrolle über diesen Bereich. Sie macht das vielleicht anders, als ich es machen würde. Ich muss akzeptieren, dass es verschiedene Wege gibt.

    Es ging mir genauso, dass ich die plötzlichen neuen Freiheiten genoss und „mit neuen (oder alten?!) Leben“ (Hobbies, Verabredungen) füllte. Und auch das schlechte Gewissen, einen Teil der Kindheit meines Nachwuchses zu verpassen, ist mir vertraut. Manchmal fand ich mein Verhalten unfair, egoistisch gegenüber der beiden Zwerge. „Warum bin ich jetzt hier- ich sollte doch lieber dort sein!“
    Aber sieh es mal so:
    Es ist eine große Chance. Für ALLE:
    DU verwirklichst dich selbst, erfüllst dir den „Luxus“, zum Sport zu gehen und Freunde zu treffen. Das macht dich glücklich. Davon profitieren deine Kinder! Oder denkst sie hätten lieber mehr Zeit mit einer unzufriedenen Mutter, die sich eingesperrt fühlt? Welches Vorbild willst du deinen Kindern sein, was willst du ihnen mit auf ihren Weg geben? „Lebt euer Leben, erfüllt Euch Träume!“ Oder einen schlechten und zähneknirschenden Kompromiss? „Mama ist ja da.“

    Im Ernst: Für Kinder ist es doch in erster Linie wichtig, DASS jemand da ist. Egal ob Mama, Papa, Oma oder eben Au pair. Wichtig ist, dass man sich mag und vertraut.

    MEINE KINDER haben profitiert: sie haben einige spanische Wörter gelernt und einer jungen Frau aus Venezuela geholfen, sich in Deutschland einzuleben. Meine 11jährige hat z.B. die VHS-Hausaufgaben des Au pairs kontrolliert 😉 Was für ein Schub für ihr Selbstbewusstsein! „Ich kann etwas, was ein anderer nicht kann!“
    Training des Sozialverhaltens, Geduld: Das Au pair versteht und spricht anfangs schlecht Deutsch. Man muss etwas vielleicht öfters erklären. Manchmal gibt es Missverständnisse, etwas läuft nicht wie erwartet= Umgang mit Frustration!

    Und natürlich das AU PAIR. Wir wissen, welche positiven Vorteile das für sie hat, warum sie es macht. Und wir bieten ihr diese Gelegenheit. Obwohl sie schon volljährig ist, nehmen wir sie unter unsere Fittiche. Wie ein zusätzliches Kind. Gesprächspartner. Sie kocht für uns aus ihrer Heimat. Sie motiviert mich, mit ihr Sport zu machen. Gemeinsam überwinden wir Hürden, die ich vorher nie hatte (und auch andere Menschen nicht, denn ein Au pair in unserem kleinen Ort ist selten und ungewöhnlich. Ein Bankkonto für ein Jahr für eine ausländische junge Frau bei der Bank einrichten- da mussten sich erstmal vier Bankangestelle untereinander versten! „Das haben wir nicht so oft/ Das hatten wir noch nie.“ höre ich oft in den vergangenen Monaten und zucke hilflos mit den Schultern. „Nein, ich auch nicht.“)

    Es gab eine Phase direkt am Anfang, da dachte ich: Mist, wir haben so viel Glück! Das Au pair ist perfekt! Ich kann nach ihr nie wieder ein anderes nehmen, keine würde diesen Maßstab je wieder erreichen!

    Aber darum geht es nicht.

    Es geht ums Leben.
    Und das hat man nur einmal.

    Und ich lebe zwar auch für meine Kinder, aber bin ich mir nicht in erster Linie selbst ein angenehmes Leben schuldig? Wenn ich mir nichts Gutes tue, wer tut es dann? Gesunder Egoismus tut nicht nur gut, er ist auch wichtig!

    Für mich heißt das: Es wird ein neues Au pair geben! Es war ein tolles Jahr und es geht weiter!

    1. Klingt super. Ich bin auch wirklich froh über die Erleichterung. Mir geht´s aber auch gar nicht darum, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich abends mal ausgehe. Schlimm waren wirklich all die Tage, an denen die Kinder uns gar nicht gesehen haben. Und da kann ich auch nicht bestiegen, das es für sie nur wichtig ist, dass irgendjemand da ist. Ich habe es ihnen angemerkt, wenn sie zu wenig Mama/Papa hatten. Aber sie sind auch erst 4 und 6. Deshalb komme ich für mich auf jeden Fall zu dem Schluss, dass ich ihnen nicht weiterhin so viel Mama/Papa abknapsen kann. Aber klar, auf der anderen Seite gibt es auch Punkte, da profitieren sie so sehr vom AuPair. Gerade weil noch eine zusätzliche Person da ist und ich statt die Wäsche zu bügeln z.B. Zeit für noch eine Runde Fußball im Garten habe… Man muss halt die Rahmenbedingungen immer wieder austarieren, damit es für alle passt, aber dann bin ich auch total begeistert von der AuPair Idee.

      1. Hallo!
        Ich kann euch vielleicht dazu noch eine andere Sichtweise bringen: Ich war zwei Jahre lang Au Pair.
        Ich habe die Zeit genossen, hatte vor allem zu Beginn eine super Unterstützung von Seiten meiner Gastmutter. Und irgendwann ist genau das passiert, wovon Mia spricht. Sie wussten, dass sie sich auf mich verlassen konnten und haben daraufhin begonnen, mehr und mehr auf mich abzuladen. Dort war noch ein bisschen Zeit für Sport vor der Arbeit. Dort ging sich noch ein Telefonat aus, weil ich war ja eh da. Und dort könnten wir noch mit diesen Freunden ausgehen, weil wir haben ja eh jemanden zu Hause.
        Ich bin immer wieder über meine Maximalstunden gekommen, obwohl die Kinder meist ganztags im Hort oder Kindergarten betreut wurden.
        Irgendwann hatten wir den Punkt erreicht, dass die Kinder von Sonntag Abend bis Freitag Abend oder Samstag früh ihre Eltern nicht mehr gesehen haben. Ich war für alles zuständig. Zahnarztbesuche, Friseurtermine, Kindergartenausflüge, Geburtstagsgeschenke für Schulfreunde, Kleidungskauf, Impftermine.
        Im Nachhinein gesehen hätte ich viel früher die Reissleine ziehen müssen. Darauf war ich nicht vorbereitet. Diese Verantwortung innerhalb weniger Wochen übernehmen zu müssen, ist wohl für jedes junge Mädchen in einem fremden Land zu viel.
        Seitdem bin ich kritisch geworden. Au Pair sollte ein Austausch für beide Seiten sein, kein praktischer Kinderbetreuungs-Deal für Eltern. Ich verstehe schon, dass ein zusätzlicher Erwachsener in einer Familie wunderbar und sehr hilfreich sein kann. Nur leider sind die meisten jungen Mädchen eben noch keine Erwachsenen mit diesem Erfahrungsschatz, sondern machen gerade erst die ersten Ausflüge in die Erwachsenenwelt nach dem Abitur.

        Verlasst euch bitte nicht zu sehr auf euer Au Pair, auch wenn es den Eindruck macht, dass sie es ganz gut aushält.

        Versteht mich bitte nicht falsch, ich würde es wieder so machen. Ich würde sofort wieder Au Pair machen, wenn ich nochmal 19 und mit der Schule fertig wäre. Aber ich wünschte, dass ich das Selbstvertrauen schon gehabt hätte, mich zu melden, bevor es nicht mehr ging; ich bereits gelernt hätte, mit meiner Energie hauszuhalten und auch einmal nein zu sagen.

        Liebe Grüße
        Carmen

        1. Liebe Carmen, das klingt in der Tat heftig. Vermutlich hätte ich mit 19 auch nicht den Mut gehabt, bei meinem Gasteltern auf die Einhaltung des Vertrages zu pochen. Das ist aber auch sehr unfair von ihnen gewesen. Von so etwas sind wir hier weit entfernt. Unser AP kommt niemals auf ihre 30 Stunden. Diese Tage, an denen der Mann und ich nicht da sind, die sind heftig, aber danach gebe ich ihr dann auch frei. Die Wochenenden hat sie immer frei und ist dann meistens auch von Freitag Abend bis Sonntag Abend bei ihrem Freund. Stundenmäßig hat sie einen wirklich angenehmen Job. Mein Hockeytraining zum Beispiel ist abends um 21 Uhr, d.h. ich bringe die Kinder ins Bett und drücke ihr nur das Babyfon in die Hand. Ich könnte nie jemanden so ausnutzen. Aber unser AP würde das auch nicht mit sich machen lassen (sie ist auch schon 23). Anfangs hat sie sich beschwert, weil sie ihrer Meinung nach auf über 30 Stunden pro Woche gekommen ist. Da war ich baff und habe genau nachgefragt. Da hatte sie jede Minute, in der sie uns gesehen hat (gemeinsame Mahlzeiten etc) als Arbeitszeit aufgeschrieben, auch wenn sie nur im Wohnzimmer gesessen und ihr Buch gelesen hat 😀 Wir mussten die Spielregeln lange miteinander ausdiskutieren, aber dafür läuft es jetzt auch super für alle Beteiligten.

  7. Liebe Mia, wir haben ab August auch ein Au Pair, da wir keinen Hortplatz bekommen haben. Ich frage mich momentan, wie wir das mit dem Sprachkurs und den ganzen Terminen hinbekommen. Der Sprachkurs steht ihr ja zu und ist auch wichtig. Hier gehen die Kurse aber entweder sehr lange und Montag bis Freitag oder nur 1,5 Stunden am Tag an nur 2 Tagen die Woche. Wie habt ihr das denn geregelt? Liebe Grüße, Christiane

    1. Liebe Christiane,
      ja, der Sprachkurs steht ihr zu, aber für uns war klar, dass er mit den anderen Pflichten vereinbar ist. Einem Intensivkurs über mehrere Wochen an den Nachmittagen habe ich daher nicht zugestimmt; war auch okay fürs AuPair. sie hat dann einen Kurs gemacht, der an zwei Tagen die Woche vormittags stattfand. Es gibt ja total viele Sprachschulen, die VHS, Vereine etc, da wird sich bestimmt etwas finden, das mit allen Interessen vereinbar ist. Viel Erfolg!
      LG Mia

      1. Herzlichen Dank für deine Antwort. Ich habe nun auch einen Kurs gefunden, der nicht so oft und vor allem abends ist. Das gibt mir wieder Luft zum Atmen ☺️ Liebe Grüße, Christiane

  8. wie wäre es denn, wenn du „feste regenln“ im bezug auf ein au pair für euch alle festlegen würdet, wenn du ein au pair quasi als teilzeit kraft betracjten würdest.

    die frage ist doch: was gebau hindert dich daran z.b. über macht reisen bei denen keiner vo euch 2 zuhause ist nicht zu machen? ist es nur das WISSEN das ja jemand zuhause ist? wenn du kein au poair hättest, würdest du ja aich nicht fahren 😉 evtl muss man da ein wenig streng mit sich und den kollegen sein aber dann einfach sagen: nein, dann wäre keiner von uns 2 bei dem kindern. aus.
    für telefonate nach der arbeit kamm mann sich z.b noch einen gewissen Zeitraum offen halten und danmach nicht mehr(auch wenn ich die als nicht schlimm empfinde. für mich war es als kind normal dass mama oder papa manchmal halt noch kurz zuhause am telefon arbeiten mussten. sollange dass nicht ein 2h meeting wird sollte das also kein problem sein)

    wie wäre es denn wenn ihr euch eine art Studen plan macht a la: wochenende absolut familien zeit.
    dafür machst du z.b. mal kleinere Dienstreise und ein abend in der woche ist frei für dich. sei es sport oder sonst was..

    mal eine andere frage: momentan scheint es ja eher so zu sein das DU mit Arbeitsstunden Dienstreisen etc am rum schieben bist. was ist denn mit deinem mann? kann der nicht aich im zweifel mal zuhause bleiben?
    manch paare fahren ja die regel wer zuerst kommt mahlt zuerst. also wer seinen termin eher einträgt der fährt (ausser natürlich es ist was extrem wichtiges). so könntes du auch wieder mehr fuss fassen..

  9. Ich finde die Geschichten rund um Au Pairs sehr spannend. Für mich käme das nie in Frage, weil ich mir nicht vorstellen könnte, dass ein fremder Mensch mit uns wohnt. Ich glaube aber, dass man auch einfach Glück haben muss. Ich kenne einige, die mit den Au Pairs gar nicht klar kamen und mehr Arbeit hatten als vorher. Ihr hattet anscheinend großes Glück. Ich kann dich aber verstehen. Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich Finn einen Nachmittag mal nicht abholen kann und das kommt extrem selten vor. Ich glaube aber nicht, dass euren Kindern das schadet. Sie würden schon sagen, wenn ihnen was fehlt.
    Bin gespannt, wie ihr euch entscheidet.
    LG Steffi

  10. Liebe Mia,
    vielen Dank für deinen ehrlichen Bericht! Bei uns hat das noch etwas Zeit (2. Kind ist 4 Monate), aber wenn ich wieder arbeiten gehe, haben wir das mit dem AuPair auch immer schon mal überlegt…
    Diesen Aspekt, dass man die neu gewonnene Flexibilität dann auch nutzt und schwer wieder „zurückschalten“ kann, hatte ich dabei noch gar nicht bedacht.
    Ist bei uns letztendlich im Moment ähnlich mit der Kita: Eigentlich könnte die Tochter (fast 3) gar nicht oder nur vormittags hingehen, weil ich ja mit dem Baby zu Hause bin… Ich lasse sie jedoch im Moment bis nach dem Mittagsschlaf da, um mehr Zeit für Baby, Haushalt, und ja, auch mal Sport und Freundinnen Treffen zu haben.
    Wirklich schwer, da zwischen den Bedürfnissen aller Familienmitglieder immer einen guten Mittelweg zu finden – ich bin auf jeden Fall gespannt, wie das bei euch weitergeht!
    Liebe Grüße,
    Anne

  11. Wir sind in einer ganz anderen Lebensphase als ihr (Kind 1 ist 14 Monate alt, ich bin im 7. Monat schwanger mit Kind 2) und eigentlich war unser Au Pair als Überbrückung für die Zeit zwischen dem 1. Geburtstag und dem Eintritt in den Kindergarten ein Jahr später gedacht.

    Da ich nun aber seit beinahe 3 Monaten im Beschäftigungsverbot bin, sind wir einfach zu zweit zuhause, was mir unverhofft viele viele freie Vormittage und Mittage beschert.

    Ich denke, dass du nach 5 Jahren das Einstehen für deine work life balance einfach ein wenig verlernt hast und sich deine Erfahrungen des letzten Jahres positiv auf ein weiteres Jahr mit mehr Freiheiten auswirken werden.

    Unser Au Pair ist großartig. Mein Kind liebt sie seit dem ersten Tag, ich verstehe mich hervorragend mit ihr, sie ist nur 5 Jahre jünger als ich und es ist einfach toll jemand zuverlässigen, flexiblen für die Kinderbetreuung (und auch für den kinderrelevanten Teil der Hausarbeit) zu haben.

    Trotzdem wird das aller Wahrscheinlichkeit nach unser letzter Ausflug in die Welt der Au pairs bleiben. Zumindest bis die Kinder größer sind.

  12. Hallo Mia,
    ich kann das was du beschreibst sehr gut nachvollziehen. Unser AuPair ist nach einem halben Jahr hier für ein paar Tage verreist und mit einem mal zweifle ich daran, ob ich die damit verbundenen Freiheiten wieder aufgeben möchte.
    Als Alleinerziehende wäre ich ohne sie aufgeschmissen. Dennoch habe ich eben keinen zweiten Erwachsenen sondern eher einen hilfsbereiten Teenager im Haus. Das kostet Zeit und Nerven, ist aber auch sehr bereichernd.

    Hin und wieder wäre ich auch einfach gerne diejenige, die nachmittags Zeit und Spaß mit den Kindern hat. Je mehr Hilfe ich habe, desto mehr Verantwortung muss ich auch abgeben und das fällt mir nicht leicht.

    Unser AuPair kommt übrigens aus Kolumbien, falls du dich doch dafür entscheidest noch einmal ein AuPair aufzunehmen und darüber austauschen möchtest, würde ich mich freuen, wenn du schreibst.
    Beste Grüße

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