AuPair- 7 Tips für einen gelungenen Einstieg

Unser AuPair ist inzwischen seit sechs Monaten bei uns und noch immer lerne ich jeden Tag dazu. Unser Verhältnis wandelt sich immer wieder. Haben wir ein Problem gelöst, kommt ein neues um die Ecke. Wir lernen neue Facetten aneinander kennen, wir formulieren gegenseitige Ansprüche und Erwartungen immer wieder neu, wir gestalten den gemeinsamen Alltag immer mal wieder ein bisschen um- es bleibt spannend. Beim AuPair geht es um Menschen, die miteinander leben und dafür gibt es kein Patentrezept und ich kann vermutlich niemals „Expertenwissen“ an Euch weitergeben. Aber vielleicht helfen Euch die Erfahrungen, die wir bislang gemacht haben weiter:

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, wenn ich ein AuPair aufnehmen möchte? Was kostet eine AuPair? Wo muss ich mein AuPair anmelden? Auf diese und noch mehr Fragen findet ihr über google schnell die richtigen Antworten. Aber dann steht das AuPair plötzlich mit seinem Köfferchen bei Euch im Flur und Ihr seid gerade mitten im Alltag. Wie gelingt der Start in die erste Zeit? Dazu habe ich ein paar Tipps, die ich zum Teil durch eigene Erfahrung, zum Teil durch Austausch mit anderen AuPair Gastfamilien gewonnen habe:

1. Die eigenen Grenzen festlegen
Ihr lasst einen fremden Menschen in Euer Haus. Dieser fremde Mensch kommt aber nicht nur kurz vorbei um 2 Stunden auf die Kinder aufzupassen, sondern dieser Mensch wird bei Euch wohnen. Euer Zu Hause wird auch sein Zu Hause- mit allem,was dazu gehört. Er wird sich in allen Räumen bewegen, er wird an Euren Kühlschrank gehen und Eure Küche benutzen. Er wird Freunde einladen wollen und abends ausgehen. AuPair wörtlich genommen heißt eben, dass dieser Mensch ein gleichberechtigtes Familienmitglied wird. Damit es keine Probleme gibt, solltet Ihr Euch vorher einmal überlegen, welche Grenzen Ihr persönlich vielleicht habt, die Ihr nicht überschritten haben wollt. Bei uns gehört dazu, dass wir keinen Übernachtungsbesuch von fremden Männern haben wollen.

 

2. Die eigenen Grenzen kommunizieren
Wenn Ihr für Euch definiert habt, wo Eure Grenzen im Zusammenleben sind, über die das AuPair nicht hinweggehen darf, solltet Ihr diese so früh wie möglich kommunizieren. Am Besten noch in der Kennenlernphase und bevor Ihr Euch füreinander entschieden habt, jedenfalls aber vor derAnreise oder spätestens in den ersten Tagen. Manche Dinge stellt man allerdings auch erst im Laufe des Zusammenlebens fest. Auch hier gilt: Frühzeitig miteinander reden, bevor die Situation für alle unangenehm wird. Bei uns war es so, dass wir schnell gemerkt haben, dass wir am Abend, wenn die Kinder schlafen, das Wohnzimmer für uns haben möchten. Das klingt, als würden wir das AuPair ein Stück weit von unserem Alltag ausschließen. Das wollen wir natürlich nicht, aber wir leben die besondere Situation, dass mein Mann eigentlich nie vor 20 Uhr nach Hause kommt. Die wenige Zeit, die wir gemeinsam haben, hätten wir gerne für uns. Würde das AuPair jeden Abend mit uns im Wohnzimmer sitzen, hätten wir überhaupt gar keine Zeit zu zweit mehr. Das geht für uns nicht. In den ersten Tagen wurde uns mit der Situation immer unbehaglicher und unbehaglicher zumute. Als wir das Thema schließlich ansprachen, war es für alle Beteiligten okay.

 

3. Grundsatzregeln formulieren
Die Sache mit dem Männerbesuch wurde bei uns schnell akut. Es ist ja nicht so, als wüssten wir nicht, dass so ein junger Mensch schnell ein eigenes Sozialleben finden wird- und auch, dass das andere Geschlecht dabei eine Rolle spielen dürfte. Nur dass sich unsere gerne von wildfremden Männern nach Hause bringen lässt und dass es sich dabei um wechselnde Männer handelte, fanden wir jetzt nicht so doll. Also stellten wir eines Tages klar, dass wir keinen Übernachtungsbesuch wünschten. Da war aber jemand beleidigt! Um solche Dinge zu vermeiden, kann man die Grundsatzregeln einfach in einem AuPair-ABC formulieren, das man dem AuPair als kleines Booklet zu Beginn überreicht (diese Idee hat mir die MeWorkingMom verraten). Darin sollten natürlich nicht nur Verbote stehen, sondern einfach ein paar allgemeine Dinge, die im Alltag zu beachten sind: Türen und Fesnter schließen, wenn man das Haus verlässt, den Müll trennen, das Fahrrad abschließen, wenn man es irgendwo abstellt, nach dem Duschen das Bad lüften… Außerdem kann man dort noch einmal den üblichen Tagesablauf und die allgemeinen Aufgaben des AuPair auflisten. Auch ein paar kleine Ausflugstipps fürs erste Kennenlernen der neuen Stadt könnte man aufnehmen. Wenn man auf diese Weise die Regeln des Zusammenlebens schwarz auf weiß in einem (vielleicht auch noch schön gestalteten) Booklet übergibt, dann muss man Dinge wie „kein Männer-Übernachtungs-Besuch“ nicht erst im akuten Fall ansprechen und spart sich Befindlichkeiten. Unser AuPair ABC ist noch in Bearbeitung, aber wenn es fertig ist, zeige ich es hier.
4. Erstmal ankommen lassen

In der ersten Woche durften unsere beiden bisherigen AuPairs erstmal in Ruhe ankommen. Wie läuft unser Alltag ab, wo sind die Aufgaben, die das AuPair übernehmen soll, wie machen wir das in unserer Familie? Und vor allem: Wie sind die Kinder? Am besten lässt man sich erstmal alle beschnuppern und sich und den Alltag kennenlernen. Aber: ein paar kleine Aufgaben auch sofort zu übernehmen kann hilfreich sein. Wir hatten ein AuPair, das war gar nicht zu bremsen und sie hat sich immer unwohl gefühlt, wenn sie mir beim Arbeiten zugesehen hat. Das andere AuPair hat sich lange nicht getraut, irgendetwas anzufassen und lieber erstmal ganz lange bei allem zugeschaut. Das In-Ruhe-Ankommen ist ein Angebot, aber nicht für jeden das Richtige.

 

5. Wöchentliche Dienstbesprechungen

Bei uns hat es sich bewährt, dass wir uns jeden Sonntag Abend mit den AuPairs zusammensetzen und die Aufgaben der Woche besprechen. Wir nutzen diesen Termin, um das Au Pair anfangs immer mal wieder zu fragen, ob es sich wohl fühlt, ob irgendetwas in der Woche nicht in Ordnung war, ob es besondere Wünsche hat und so weiter. Und wir speichern dann auch aus, was aus unserer Sicht gut gelaufen ist oder vielleicht auch nicht so gut gelaufen ist. Das hat den Charme, dass man nicht extra sagen muss: „Wir müssen mal reden“, wenn etwas nicht so gut lief und dann sofort eine gefühlt viel größere Sache entsteht, als es eigentlich ist. Außerdem staut sich gegenseitiger Ärger auf diese Weise nicht über längere Zeit an.

Ich drucke uns jeden Monat einen Familienkalender aus, der für jedes Familienmitglied (also auch das AuPair) eine eigene Spalte hat. Dort trage ich alle Termine ein und auch das AuPair trägt dort eigene Termine ein (Wochenendausflüge, Sprachkurse etc).  Am Sonntag Abend besprechen wir kurz den Wochenablauf. Nach etwa 2-3 Monaten haben wir uns nur noch kurz zugerufen, ob es in der kommenden Woche etwas Besonderes gibt und inzwischen ist alles so gut eingespielt, dass ich nur noch den aktuellen Kalender in den Küchenschrank hänge und das AuPair schaut dann selber nach, was so ansteht.

 

6. Aufgaben schriftlich festhalten

Wenn Ihr ein AuPair bei Euch aufnehmt, werdet Ihr mit ihr oder ihm einen Vertrag abschließen. Üblicherweise steht darin, dass das AuPair 30 Stunden in der Woche arbeiten soll und dass es hauptsächlich bei der Kinderbetreuung helfen soll, aber auch leichte Hausarbeiten erledigen soll. So weit so gut. Aber was ist eigentlich Arbeitszeit und was ist freie Zeit mit der Familie? Wir hatten hier auch schon die Vorstellung, dass jede mit der Familie verbrachte Minute Arbeitszeit ist- auch wenn wir z.B. gemeinsam schön essen gingen, wurde das als Arbeitszeit verstanden. Dann kommt man natürlich schnell auf eine 70-Stunden-Woche. Mir blieb in diesem Fall nichts anderes übrig, als eine genau Liste der Aufgaben zu erstellen. Auf der Liste stand auch „Kochen“. Nun kochte das Mädchen täglich 4 Stunden. Ich brauche aber keine Köchin. Also habe ich die Aufgabenliste um „Sollzeiten“ erweitert. Das ist ganz bestimmt nicht immer nötig, aber in unserem Fall ging es einfach nicht anders, denn sonst wäre mir das AuPair keine Hilfe gewesen- und dafür ist es einfach zu teuer! Wenn nicht alles von alleine läuft, dann muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass man nicht nur Gastmutter, sondern auch Arbeitgeberin ist und dass man zur Not eben sehr detaillierte Anweisungen erteilen muss.

 

7. Reden, reden, reden

Wenn ein fremder Mensch sich in eine fremde Familie einfügen soll, dann klappt das in den seltensten Fällen ab dem ersten Tag. Das gilt umso mehr, als ein AuPair ja aus einem anderen Land und oft sogar aus einem komplett anderen Kulturkreis stammt. Hinzu kommt, dass es sich normalerweise um sehr junge Menschen handelt, die vielleicht zum ersten Mal alleine von zu Hause weg sind. Sie haben noch nie einen Haushalt geführt, noch nie Verantwortung übernommen, und seit ihren eigenen Kleinkindjahren nicht mehr mit Kleinkindern gelebt. Das kann auf vielen Ebenen ein Kulturschock sein, auf jeden Fall ist es für alle Beteiligten eine große Umstellung. Wenn man nicht nach ein paar Tagen genervt das Projekt AuPair abbrechen will, muss man viel Geduld mitbringen und vor allem in der ersten Zeit die eigene Rolle mehr als Gastmutter denn als Arbeitgeberin ausfüllen. Denn Heimweh kommt oft auch noch dazu und macht alles noch viel schwieriger. Kommunikation ist alles! Sprecht miteinander und nähert Euch langsam an. Wir haben unser aktuelles AuPair in der ersten Zeit erstmal nur an die Hausarbeit gesetzt. Auf eigenen Wunsch: Ihr waren die Kinder zu laut und zu wild und zu anstrengend. Darüber war ich erst wütend. Was will sie dann als AuPair, schnaubte ich. Heute verstehe ich, dass sie sich einfach eingewöhnen musste (meine Kinder SIND laut, wild und anstrengend).

 

Unser aktuelles AuPair bleibt noch bis Ende Juli. Ich werde mich bald auf die Suche nach einer Nachfolgerin begeben, denn wir sind inzwischen AuPair-Fans geworden. Es ist immer mal wieder zum Haare-Raufen (davon erzähle ich in einem eigenen Artikel), aber insgesamt überwiegen die Vorteile deutlich und wir sind froh, dass wir unser AuPair haben.