Unsere Einschulung oder warum Mamas feste Strukturen brauchen

Heute ist der zweite Schultag. Der zweite Schultag ist emotional viel schwieriger, als der erste Schultag und ich habe das Bedürfnis, in die Kita zu gehen, mich dort in der Kuschelecke einzurollen und einfach ein bißchen die Geborgenheit der Atmosphäre zu genießen. Aber der Reihe nach:

Endlich war der große Tag gekommen: Am Donnerstag Morgen stand Maxi auf und war ein Schulkind. Am Abend vorher war er ganz normal und unaufgeregt eingeschlafen und auch als er am Donnerstag erwachte, war er eigentlich die Ruhe selbst. Ich hatte mit viel mehr Unruhe gerechnet und am Abend noch zum Mann gesagt: „Egal wie sehr der morgen früh am Rad dreht, wir müssen auf jeden Fall die Ruhe bewahren. Der wird total aufgeregt sein und vielleicht total knatschig und nervig, aber darauf hat er morgen auch ein Recht. Wir dürfen ihm nicht den Tag mit Schimpfen verderben.“ Es war gar nicht nötig.

Maxi hüpfte fröhlich und vollkommen ruhig seinem ersten Schultag entgegen.

Einschulung

Der Tag begann in der Kirche und Maxi stürmte sofort los in die erste Reihe. Ich habe ihn dann zurückgerufen, weil zwar einige Kinder allein in den ersten Reihen saßen, aber die Mehrheit bei ihren Eltern in den Bänken saßen. Ich wollte mein Kind auch neben mir haben. Außerdem hatte ich ihm versprochen, dass ich am ersten Schultag bei ihm sein würde. Das war natürlich alles für mich und meine Beruhigung, aber Maxi sah auch sehr froh aus, als er sich zwischen den Mann und mich setzte.

Die Messe war sehr schön gemacht, aber ich habe es trotzdem geschafft, nicht zu weinen. Ein paar Mal hatte ich einen Kloß im Hals, weil ich von dieser ganzen großen Sache so bewegt war und der ein oder andere Satz des Pfarrers oder eine Liedzeile genau diesen Nerv traf. Den Kloß konnte ich aber jedes Mal runterschlucken und ich war sehr stolz und glücklich in der Kirche, genau so wie mein Sohn.

Nach der Kirche gingen wir rüber zur Schule. Als wir den Schulhof betraten, standen dort alle Mitschüler der Klassen 2-4. Sie standen Spalier für die neuen Mitschüler, hielten bunte Tücher in den Händen und winkten und riefen:“ Hallo! Herzlich Willkommen!“ „Kommt rein!“ Und da konnte ich meine Tränen dann doch nicht mehr zurückhalten. Ehrlich gesagt kommen sie mir gerade jetzt in diesem Moment beim Schreiben schon wieder. Das war ein so schöner Moment.

Auf dem Schulhof habe es bei herrlichem Wetter noch ein paar Aufführungen der großen Kinder und wo ich ja nun schon einmal dabei war, habe ich vor Rührung natürlich direkt weitergeheult. Aber es war schön. Dummerweise hatten wir den Mini ein bißchen aus den Augen gelassen. Als sich mein Blick hinter den trocknenden Tränen wieder klärte, saß der Mini etwas abseits und hatte schon den halben Inhalt seiner kleinen Schultüte aufgefuttert.

Einschulung

Während die I-Dötzchen schließlich für ihre erste Unterrichtsstunde mit der Lehrerin im Klassenraum verschwanden, gab es für die Eltern Kaffee und Kuchen. Zum Glück kamen dann auch meine Eltern auf den Schulhof. Die hatten leider im Stau gestanden, aber immerhin nicht alles verpasst. Als der Maxi wieder aus dem Klassenraum kam, war er deutlich gelöst. Obwohl er sich nichts hatte anmerken lassen, konnte man nun merken, dass er jetzt wirklich glücklich war. Er zeigte uns noch den Klassenraum, seinen Sitzplatz, sein Fach- und dann gingen wir mit unserem großen Schulkind nach Hause.

Einschulung

Einschulung

Wir hatten einen wunderschönen Tag mit Tanten, Onkel, Opa, Omas  und der kleinen Cousine und obwohl es ein wirklich großer, aufregender Tag war, schlief das Schulkind am Abend wieder seelenruhig ein. Alles geritzt- dachte ich!

Als die Kinder im Bett waren überkam mich der Katzenjammer. Ich hatte mich lange auf den ersten Schultag meines Großen vorbereitet. Ich hatte die Schultüte gebastelt, Deko gebastelt, mir Gedanken um das Essen gemacht, um das Outfit für die ganze Familie und und und. Was für den einen nach verrückt viel Aufwand klingt, war für mich eine Art Vorbereitungs-Meditation. Ich bin eben emotional, ich habe es mir mit einer langen Vorbereitungszeit einfacher gemacht, weil ich mich langsam an den ersten Schultag herangetastet habe. Dann war er vorbei.

Ich saß auf der Terrasse, schaute in den lauen Sommerabend hinaus und stellte fest, dass ich nie weiter als bis zum ersten Schultag gedacht hatte. Nach anderen großen Ereignissen sitzt man am Abend entspannt da und ist froh, dass alles so schön war, aber man freut sich auch, dass nun wieder Normalität einkehrt. Nach der Einschulung geht es aber erst richtig los. Schon am nächsten Morgen muss man ja wieder in die Schule!! Kein Runterkommen, kein Verdauen. Es geht sofort weiter. Nur ohne den Glanz des ersten Schultages.

Am Morgen seines zweiten Schultages war beim Maxi mal wieder alles wie immer. Er hat da wirklich viel von seinem Vater, den auch nichts aus der Ruhe bringen kann. Eigentlich war es ein ganz normaler Morgen- bis wir im Auto saßen, ich zum Maxi sagte, dass es heute 34 Grad werden und mir in dem Moment einfiel: „Sch***, der hat ja gar nichts zu Trinken dabei!“ In der Kita gab es immer Getränke. Ist das in der Schule auch so? Oder müssen die sich da Getränke selber mitbringen? Wahrscheinlich, oder? Dazu hat mir niemand etwas gesagt! Sicherheitshalber hielten wir schnell beim nächstbesten Bäcker an (besser zu spät zum zweiten Schultag kommen, als an selbigem zu Verdursten). Leider hatte der aber nur Capri Sonne, kein Wasser. Also hinterlässt  mein Kind heute am zweiten Schultag direkt einen super Eindruck…

Und dann musste ich den Maxi im größten Gewusel in der Schule abgeben. Heute durften die Eltern ihre Kinder noch einmal bis in die Klasse begleiten, ab Montag müssen sie alleine gehen. Dabei kam mir Maxi heute schon mit mir gemeinsam in dem Trubel überfordert vor. Als er an seinem Platz n der Klasse saß, war er zum Glück wieder ganz fröhlich. Ich nicht! Mein Maxi hat jetzt direkt fünf Sunden Unterricht! Das ist natürlich direkt die volle Dröhnung, mal sehen, wie viel Lust dann am Montag noch übrig ist.

Für mich war das heute sehr viel schwerer als gestern, Maxi da abzugeben und alleine zu lassen. Wenn ich ihn heute mittag abhole, kann ich nicht wie in der Kita fragen: „War alles gut heute?“ Wenn die Schule aus ist, kommt er mir hoffentlich fröhlich entgegengelaufen. Apropos: Er kann ja auch einfach vom Schulgelände runter. Da ist keine Tür mit Klinke, an die ich selber kaum herankomme. Das ist ein so großer Schritt, so viel Loslassen!

Ich habe heute noch Urlaub, aber ehrlich gesagt bin ich ziemlich hibbelig und würde doch lieber ins Büro gehen. Auch Mütter brauchen feste Strukturen!!

Ich weiß natürlich, dass sich die Mütter immer viel mehr Gedanken machen, als die Kinder, und Maxi hat mir bislang wirklich keinen Anlass gegeben, zu denken, er wäre dem nicht gewachsen. Das wird schon.

Darauf erhebe ich meine Capri Sonne! Prost!

Mamablog Mama Mia

 

 

10 Gedanken zu “Unsere Einschulung oder warum Mamas feste Strukturen brauchen

  1. Hallo Mia,
    das klingt genauso, wie ich es vor 3 Wochen auch erlebt habe… samt den Tränchen, wenn die Erstklässler in ihren Klassenraum einziehen und man am Abend realisiert: schon VORBEI – dabei hatte man sich so lange vorbereitet und gefreut. Und jetzt stehen seit 3 Wochen morgens 2 Schulranzen im Flur, die mit Pausenbroten, Wasserflaschen und Co. gefüllt werden wollen. Vor 1 Woche ist bei Marlenchen auch noch einer der oberen Schneidezähne raus. Jetzt sieht sie wirklich nicht mehr wie ein Kindergartenkind aus… wie schön, dass wir noch 1 kleines Geschwisterkind haben! In 3 Jahren werde ich dann wieder mit dir mitfiebern und die Klöße im Hals runterschlucken …

    LG aus Bremen und danke für den schönen Blogbeitrag
    Sabine

  2. Immerhin brauchst du nicht fragen was denn heute Hausaufgaben sind 😉
    Ich war letztes Jahr die ersten Freitage immer verwundert bis am Elternabend aufgelöst wurde das es in NRW seit (ich meine) letztem Jahr gesetzlich geregelt ist das es Freitags in der Grundschule keine Hausaufgaben mehr auf gibt. 🙂
    Alles Gute für die Schulzeit!

  3. Ich kenne das alles zu gut von vor 1 Jahr! Aber wenn du erst siehst, wie diese neue Selbstständigkeit – Stichwort kein hohes Tor – deinen Maxi beflügelt, wird es auch für dich leichter. Ich spreche aus Erfahrung 🙂 ihr habt alles richtig gemacht!

  4. Liebe Mia,
    ich lese seit geraumer Zeit deinen Blog, wie eine schöne Gute-Nacht Geschichte immer abends. Ich habe schon viel gelacht, mitgefühlt, zustimmend genickt und vielleicht mal hin und wieder kurz das Bedüfnis gehabt einen Kommentar zu hinterlassen. Nun ist es aber tatsächlich soweit. 😀
    Erstmal: Herzlichen Glückwunsch zur Einschulung deines Sohnes!

    Ich kann Dir aus der anderen Perspektive beruhigend berichten, dass wir Grundschullehrer/innen genauso aufgeregt sind am Tage der Einschulung und auch am zweiten Tag. Eigentlich bin ich sogar am zweiten Tag vielmehr aufgeregt, weil ich dann meine Klasse zum ersten Mal so richtig für mich habe, ein paar Stunden lang. Das ist schön und aufregend. Ich mag all diese glänzenden Kinderaugen, die unterschiedlichen Charaktere, diese gar nicht mehr so kleinen Menschen, die nun lesen und schreiben von mir lernen sollen. Wie sie alle da sitzen, mit ihren meist nagelneuen Schulranzen, der Bauch noch voller Süßigkeiten aus der Schultüte, die Stifte in der Federtasche noch alle ganz perfekt angespitzt, alle Materialien noch vollständig. Meistens zumindest. Und dann dieser Moment, wo man zum ersten Mal Hausaufgaben aufgibt und die Klasse jubelt darüber. Ich könnte mich jedesmal schlapp lachen :-). Leider ändert sich die Freude über die Hausaufgaben recht zügig.
    Und dann ist die erste Stunde vorbei, die zweite und dann kommt die Pause. Im Lehrerzimmer: „Und, wie sind deine so?“ „Super! Total goldig. Ich hab sie jetzt schon lieb. Der eine Junge hatte ne Capri Sonne dabei. Besser als nix.“

    1. Das kommt nicht oft vor, dass mir ein Kommentar die Tränen in die Augen treibt. Aber jetzt! Ich hoffe, Maxis Lehrerin ist so liebevoll wie Du <3

  5. Liebe Mia, ich kann mich Steffi nur anschließen: wir Grundschullehrerinnen sind genau so aufgeregt und kennen die kleinen uns anvertrauten Schätzchen nicht…. Aber das kommt alles. Die ersten Tage 4-5 Stunden Unterricht sind wirklich anstrengend für alle, aber nach 1-2 Wochen hat sich das alles festgeruckelt und klappt! Hab Vertrauen, auch GrundschullehrerInnen haben einen gemütlichen Schoß zum Tränen trocknen! Und wir starten immer ganz ganz langsam…. Schule ist ein Wahnsinnig größer Schritt, aber so wie du immer schreibst wird das bei euch ganz toll werden! Alles Liebe! Julia

  6. Liebe Mia,
    unser großer wird morgen eingeschult und ich habe ihn gerade ins Bett gebracht.
    Er schläft schon und fand das alles ganz unspektakulär aber ich bin fix und fertig. wie du auch schon beschrieben hast ich glaube die Größe Umstellung ist es für die Mama und manchmal auch Papas die Kinder nehmen es wie es kommt.
    jedenfalls hab ich beim Lesen ein paar Tränen geweint du scheißt immer so schön. Ich hoffe das ich mich morgen zusammenreißen kann und es ein toller Tag wird.
    Maxi wünsche ich weiterhin viel Spaß in der schule und dir und deiner Familie nur das Beste!
    LG Sabrina

  7. Hallo Mia,

    ich kann das sehr gut nachvollziehen. Meine Kleine ist jetzt auch in die Schule gekommen und für mich war das genauso. Es ist ein seltsames Gefühl und wohl ist einem bei der Sache auch nicht. Wie du schon schreibst, sie können ja einfach vom Schulhof runter gehen. In der Kita gab es immer ein großes Tor, welches die Kinder nicht öffnen konnten.

    Aber nichtsdestotrotz ist es ein neues schönes Kapitel im Leben. Und ich freue mich mit meiner Tochter über jedes neue Erlebnis. Wird schon schief gehen oder so :o)

    LG
    Doreen

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