Die steigen nicht aus! Entspannt verreisen.

Ich war ja dagegen. Als der Mann vorschlug, wir könnten den Kindern für unsere Autofahrt nach Italien so eine Art Bordcomputer kaufen, habe ich protestiert.
„Quatsch! Die können aus dem Fenster gucken. Das haben wir schließlich früher auch gemacht!“ Manchmal bin ich ein bißchen altmodisch.

Wenige Tage später war ich mit beiden Jungs im Auto unterwegs. Es war nur eine 20 minütige Fahrt, aber am Abend setzte ich mich hin und googlete nach Fernsehern fürs Auto. Man kann sich ja nicht vorstellen, wie sehr sich Geschwister in ihren Autositzen auf der Rückbank die Köppe einschlagen können! Angeschnallt! Jedenfalls kaufte ich einen DVD-Player mit zwei Bildschirmen.

Wir hatten eine zweitägige Fahrt vor uns und der Mann und ich überlegten uns vor der Abfahrt, dass die Jungs am ersten Tag der Reise nichts von den Fernsehern erfahren sollten und wir sie erst am zweiten Tag und erst gegen Mittag herausholen würden, nachdem wir die schöne Strecke vorbei an den Schweizer Seen und Bergen hinter uns gebracht hätten. Der Plan scheiterte daran, dass wir am Abend vor der Abreise die Halterungen an den Vordersitzen befestigen mussten Sherlock Maxi wusste sofort Bescheid.

Zur Ehrenrettung meiner Kinder möchte ich zunächst erwähnen, dass sie die ersten 4 Stunden der Reise sehr schön aus dem Fenster geguckt haben. Sie haben auch ein Hörspiel gelesen, Bilderbücher angesehen und gemalt.

Dann holten wir die Bildschirme raus.

Die Jungs waren sofort wie gefesselt. Es ist nicht so, als würden sie keine Fernseher kennen, aber im Auto fernzusehen muss sich wohl besonders besonders anfühlen, denn es herrschte augenblicklich Ruhe im Auto. Niemand sagte mehr ein Wort, nur der Soundtrack zur „Konferenz der Tiere“ war noch zu hören.

Etwas später fuhren wir auf einen Rastplatz- kaffeetrinkende Mütter brauchen viele Pausen. Die Kinder starrten weiter auf ihre Bildschirme. Ich stieg aus und lief auf die Toilette. Als ich zurückkam, lief mir der Mann entgegen. „Die steigen nicht aus“, sagte er und zuckte mit den Achseln. „Na schön, umso besser, dann fahren wir eben noch ein Stück.“ So eine entspannte Fahrt hatte es ja schon lange nicht mehr gegeben! Ich hatte mir ganz umsonst Sorgen wegen der 1300 Kilometer langen Reise gemacht.

Wir fuhren Kilometer um Kilometer. Die Jungs saßen wie versteinert in ihren Sitzen. Mit weit aufgerissenen Augen starrten sie ohne zu blinzeln auf die Bildschirme. Gelegentlich reichte ich ihnen etwas zu essen nach hinten und sie aßen es ohne aufzuschauen. Das war sehr schön, denn ich hatte gar nicht damit gerechnet, das außer mir irgendjemand das ganze Obst und Gemüse essen würde. Die Kinder knabberten Paprika, Äpfel und sogar ein paar Stücke Kohlrabi verschwanden in ihren Mündern. Einmal fragte der Mini: „Darf ich Schokolade haben?“ und ich antwortete: „ Du hattest gerade Schokolade, mein Schatz, Du kaust ja noch!“ „Ach so. Danke Mama!“ Und weiter ging die Fahrt.

Wenn der Mann und ich an einer Raststätte etwas essen wollten, stellten wir kurz sicher, dass die DVD noch entsprechend lange lief oder legten eine neue DVD ein. Dann aßen wir gemütlich und tranken noch einen Kaffee, bevor wir uns eine Stunde später wieder zu den Kindern ins Auto setzten und weiter fuhren.

Wir fuhren und fuhren und die Kinder saßen mit offenen Mündern bewegungslos vor den Bildschirmen. Etwas problematisch wurde es auf der Fähre auf die Insel. Eigentlich sollten alle Passagiere ihre Autos während der Überfahrt verlassen, aber die Jungs stiegen nicht aus. Der Mann und ich haben uns dann aber einfach unauffällig entfernt und ich schätze, das Fährpersonal hat schließlich gedacht, das seien nur Schaufensterpuppen. Die bewegten sich ja nicht.

Der Urlaub selber war herrlich entspannt. Wir sind einfach überall mit dem Auto hingefahren. Wir parkten das Auto am Strand, legten den Kindern eine neue DVD ein und gingen baden. Das war sehr praktisch, auch weil der Mini so gar keinen Sonnenbrand bekam. Abends parkten wir das Auto neben einer Bar oder einem Restaurant, und genossen in Ruhe ein 4-Gänge-Menü. Manchmal hörten wir zwischendurch die Kinder schreien, dann ging einer von uns raus und legte ihnen eine neue DVD ein. Das war etwas ärgerlich, aber wenn sie mit uns am Tisch sitzen ist es meist deutlich unruhiger, also beklagten wir uns nicht.

Kurz haben wir noch überlegt, ob wir die Gelegenheit nutzen und endlich unsere Weltreise machen sollten. Aber wir hatten nur zwei Wochen Urlaub eingereicht und mussten zurück.

Am Ende eines herrlichen Urlaubs fuhren wir zu Hause wieder in unsere Einfahrt ein. Genau in diesem Moment gab der Akku des DVD Players seinen Geist auf und die Bildschirme wurden schwarz.

„Wo sind wir Mama?“, fragte der Mini und rieb sich die Augen. „Zu Hause, mein Schatz“ antwortete ich und trug ihn ins Haus. „Das war schön“, fand der Maxi. „Können wir bald wieder nach Italien fahren?“ Ich versprach es ihm.

Ob ich diese Auto-Fernseher empfehlen kann? Naja, irgendwie schon. Aber Vorsicht! Die Kinder steigen nicht mehr aus!

Mamablog Mama Mia

8 Kommentare

  1. Toll geschrieben 🙂

    Mich würd interessieren, was so ein ding kostet – wobei wir nur einen Bildschirm bräuchten. Wenn dadurch wirklich so viel Entspannung einkehrt, darf das auf längeren Fahrten auch mal sein, finde ich!

    Danke und liebe Grüße, Katrin

    • Unserer hat so 200 Euro gekostet. Ein paar Tage später habe ich einen Testbericht gelesen und der Testsieger war deutlich günstiger (130?)

  2. Liebe Mia,

    diese Situation kenne ich auch 😉
    Wir haben im letzen Sommer für unsere lange Fahrt an die Ostsee (nur 6 Std.) auch einen tragbaren DVD-Player gekauft und für die Jungs ins Auto eingebaut.
    Zum Anfang war es noch ganz wie Du es beschreibst, himmlische Ruhe und weitoffene Augen, die nur auf den Bildschirm gerichtet waren.
    Aber nach der ersten größeren Pause, kam es dann zum Gerangel. Der bis dahin gut als Fahrer funktionierende Papa wollte nun auch nach hinten um sich einen Trickfilm ansehen zu können. Also sollte ich, die ich eigentlich entspannt „beifahren“ wollte, den Fahrer geben.
    Kurzerhand habe ich für diesen Sommer beschlossen, den Akku ganz unauffällig verschwinden zu lassen und dafür lieber ein paar CD’s für die Kleinen einzupacken. Ich hoffe mal, dass meine Idee auch klappt.

    Es ist immer wieder schön von Dir zu hören bzw. zu lesen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sommer und für Deinen „Großen“ einen tollen Schulanfang

    Liebe Grüße

    Petra

  3. Großartig – ich habe sehr gelacht, danke für diesen Text!

    Seitdem wir auch mal längere Autoreisen machen, habe ich auch das Modell DVD-Player und zwei Bildschirme angeschafft (um dann festzustellen, dass Bildschirm und Reisekrankheit keine sehr gute Kombination sind).

    Aber zum Glück scheint die Aufnahmefähigkeit begrenzt, denn raus haben wir sie immer noch bekommen.

    Herzliche Grüße
    Danielle

  4. Hihi, lustig geschrieben & klingt nach einem entspannten Urlaub für die Eltern. 😉
    Und wie war´s wirklich?

    • Also, ich musste mich schon sehr über die aufgerissenen Augen und Münder kaputtlachen. Die waren wie versteinert. Sie sind dann aber doch ausgestiegen und wir hatten einen traumhaften Urlaub- komplett ohne Fernseher 🙂

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