Und bald ein Schulkind

Weisst Du, was ich wirklich gerne wissen würde, Maxi? Ob Du Dich eigentlich noch so sehr auf die Schule freust, wie vor ein paar Monaten. Aber jedes mal, wenn ich Dich das frage, sagst Du nur „ja“ und damit ist das Thema für Dich erledigt. Du erzählst mir nichts von Deiner Aufregung oder von eventuellen Ängsten. Du fragst auch nichts mehr über die Schule. Du gehst da jetzt halt einfach hin.

Falls es Dich interessiert: Ich bin aufgeregt! Die Sommerferien haben schon begonnen und wenn sie zu Ende sind, dann bist Du ein Schulkind. Ein Schulkind! Natürlich muss ich als Mutter an der Stelle wieder sagen, dass Du doch gerade erst geboren bist. An Dir geht dieser Spruch einfach vorbei, ohne dass Du verstehst, warum ich das immer wieder an Geburtstagen erwähne, oder wenn Du Fahrradfahren lernst, oder eben in die Schule kommst. Immer kommt Manna mit diesem Satz um die Ecke! Aber mir erscheint nunmal bei jedem Meilenstein im Leben mit Dir der Moment vor meinem inneren Auge, in dem ich Dich das erste Mal sah.

Das ist also der Sohn, den ich mir immer gewünscht habe, habe ich gedacht! Ja, wirklich immer. Ich habe nie gerne mit Puppen gespielt, aber wenn ich ausnahmsweise mal eine Puppe in den Arm genommen habe, dann habe ich gespielt, dass sie mein Baby ist und ich die Mama. Eine Mama zu sein, das war das, was ich schon immer wollte. Und ich wollte tatsächlich genau Dich! Lange bevor der Papa und ich heirateten, stand fest, dass wir einen Sohn bekommen würden und sogar Deinen Namen wussten wir schon. Nur wie das s ist mit Kind, das wußten wir nicht und auch nicht, was für einer Du sein würdest. Und als Du nach dieser einen, besonderen, langen Nacht das erste Mal in meinem Arm lagst, sah ich Dich an und dachte: Das ist er nun also, mein Maxi, auf den ich immer gewartet habe. Wie wunderschön er ist! Niemals wird dieser Moment in meiner Erinnerung verblassen, niemals wird der Gedanke daran mich weniger rühren.

Schulkind16

Anfangs war es leicht mit uns. Dich zu tragen, zu stillen, zu lieben, das geschah so instinktiv und ich hatte nie das Gefühl, etwas nicht richtig gemacht zu haben.
Nach einer Weile wurde es schwieriger; ich musste die ersten Entscheidungen für Dich treffen: ich habe Dich impfen und taufen lassen und ich habe dich in einer Kita angemeldet. Immer war ich dabei mit mir im Reinen. Erst als Du zu sprechen anfingst, wurde die Sache  langsam komplizierter. Da stellte ich fest, dass das Mama-Sein gar nicht immer so rosig ist, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es sollte doch meine Parade Rolle sein, aber leider war ich nicht immer gut darin.

Ich bin ja so ein ungeduldiger Mensch und manchmal so aufbrausend. Je besser Du Deine eigenen Vorstellungen artikulieren konntest, umso mehr kitzeltest Du diesen aufbrausenden Teil von mir auch Dir gegenüber wach. Irgendwann schrie ich das erste Mal zurück. Ich weiß nicht mehr wann oder warum, aber ich weiß, dass ich mich danach so mies gefühlt habe. Solche Tage gibt es gelegentlich und es tut mir Leid.
Es ist nicht Deine Schuld, wenn ich manchmal zu ungeduldig bin. Oder doch, ein bisschen ist es schon auch Deine Schuld, denn hey, man sagt auch nicht „Du doofe Kackmama“ zu seiner Mutter! Aber egal wie laut ich schreie oder auch mal eine Tür knalle, das ist ein Fehler von mir! Du bist immer noch an jedem Tag der perfekte, großartige Sohn, den ich mir gewünscht habe.

Und Du wirst immer großartiger! Hin und wieder gelingt es mir in unserem turbulenten Alltag, innezuhalten und eine Momentaufnahme zu machen. Dann sehe ich Dich und was für eine bemerkenswerte Persönlichkeit Du bist. Ich reihe die Momentaufnahme ein in meine Galerie und ich sehe immer wieder meinen ersten Blick auf Dich. Dann sehe ich Dich vor mir, wie Du das erste Mal gerobbt bist, weil ich Dir eine kleine Dose vor die Nase gelegt habe, die Dich so brennend interessiert hat, dass Du alle Deine Kraft zusammengenommen hast und Dich vorwärtsbewegt hast Ich sehe Deine ersten Schritte, Dein erstes blutiges Knie und all die Dinge, die wir bis hierher erlebt haben. Und während ich so zurückblicke denke ich, dass Du eigentlich schon immer der warst, der Du bist. Ich kannte Dich nur noch nicht immer so gut, ich habe Dich Stück für Stück besser kennengelernt. Heute kann ich sagen, dass die Grundzüge deines Wesens schon immer dieselben waren. Eigentlich bewundernswert, wie Du Deinen Weg gehst. Ich hoffe, dass Du auch während Deiner Schuljahre auf Menschen stösst, die Dich deinen Weg weiter gehen lassen, damit Du weiter der werden kannst, der Du bist. Mögen sie Dich munteren, lustigen, wissbegierigen, sensiblen kleinen Menschen nicht verbiegen!

Schulkind16

Ja, ich bin aufgeregt, weil ich weiß, dass Du von Deinem ersten Schultag an nicht mehr so frei sein wirst, wie jetzt. Dann gibt es keine Max-Mama-Tage mehr, diese Tage, an denen Du einfach die Kita sausen lässt und mit mir alleine den Vormittag verbringst und nur wir beide machen, worauf Du Lust hast.

Ich bin nicht sicher, wie Du das packen wirst. Wird es ein Selbstläufer, so wie bis hierhin das ganze Leben mit Dir war? Der erste Schnuppertag in der Schule deutet ja darauf hin. Du hast einfach mit den anderen Kindern Fußball gespielt und schon war die Sache geritzt. Als ich Dich wieder abholen wollte, zogst Du gerade einen anderen Jungen an der Hand durch den Raum, und als Du mich sahst, schütteltest Du nur den Kopf. Nein, Mama, ich will noch nicht gehen, hieß das. Ich weiß, wie selbstbewusst Du bist. Eine Zeitlang dachte ich, Du wärst so introvertiert wie ich, aber in den letzen Monaten musste ich feststellen, dass das nicht mehr stimmt. Du wirst vermutlich keine Startschwierigkeiten haben, aber Schule ist leider kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf (ein Marathon, ach was, ein Iron-Man, wenn man mich fragt). Wie lange wird Deine Euphorie und Deine Entdeckerlust anhalten. Und was kommt danach?

Schulkind16

Von solchen Gedanken erzähle ich Dir natürlich nichts. Nein, Du weißt nicht, wie es ist, sein Kind in diese große Welt und ihren viel zitierten Ernst des Lebens zu führen. Das sollst Du auch gar nicht wissen, Du sollst Dich nur freuen. Ich freue mich mit Dir, aber tief in mir drinnen, ist mir das Herz schwer. Besonders deswegen, weil ich das Gefühl nicht ganz los werde, Dir etwas anzutun. Du hättest nämlich noch ein Jahr in der Kita bleiben können. Aber Du gehörst in die Schule, das ist offensichtlich, mein Mutterherz dreht nur gerne noch ein paar Runden um alle denkbaren Zweifel.

Schulkind

Ich bin sehr aufgeregt vor Deiner Einschulung. Ich bin auf alles gefasst: Ich bin darauf vorbereitet, mich mit Dir über neue Freunde und eine nette Klassenlehrerin zu freuen und ich bin bereit, auszuhalten, wenn Dir die Umstellung auf das neue Leben anfangs doch zu groß sein sollte. Ich werde alles aushalten, mit Dir zusammen. So wie wir immer zusammen waren.

Deine Mama

 

15 Kommentare

  1. Hallo Mia,

    so wir dir geht es jetzt sicherlich vielen Eltern! Und ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie es mir ging.
    Das lustige ist, dass es oft genau so ist, wie du beschrieben hast, für die Kinder ist die Sache geritzt, die gehen zur Schule- fertig.

    Wir Eltern malen uns die schrecklisten Dinge aus.
    Was, wenn das Kind keine Freunde findet? Ist die Schule nicht viel zu groß und unübersichtlich?
    Die Kinder packen das meistens ziemlich gut, die sind einfach „reif“ für die Schule.
    Wir Eltern aber oft noch nicht 😉

    Vielleicht hast du Lust mal in mein Video “ Den Übergang zur Schule gut begleiten“ zu schauen?
    https://youtu.be/xXIznbpjHEo

    Lass auch gerne einen Kommentar da, ich freu mich.

    Liebe Grüße,
    Britta

  2. Wieder mal ein wunderbarer Text von dir. So schön und treffend. Du hast eine Gabe, Muttergefühle in Worte zu packen. Alles Gute für Euren Schulstart. Liebe Grüße, Christina

  3. Dieser Text ist so fantastisch! Ein riesen Kompliment. Da bekommt man sogar als Noch-Nicht-Mama einen ganz dicken Kloß im Hals! Dein Maxi und dein Mini können sich sehr glücklich schätzen, eine so liebende Mama zu haben. Ungeduldig und aufbrausend hin oder her! Hoffentlich finde ich meinen Weg als Mama später einmal auch so gut wie du. Alles Glück der Welt für euch, noch tolle, spannende Restferien und für den Maxi einen super Start in das Schulleben! Viele Grüße

  4. Wunderwunderwundervoll geschrieben.♡ Wie so bei deinen Texten musste ich vor Rührung weinen.

  5. Toller Beitrag! Ich kann Mitempfinden wie du dich vor der Geburt, danach und jetzt fühlst! Ich bin beeindruckt, wie klar und stolz du deine Worte ausdrücken kannst. Es ist nicht immer leicht Mama zu sein und wir machen auch nicht immer alles richtig- aber wir geben immer unser bestens. Mach weiter so :-)! Alles Liebe Nina

  6. Jungsmama

    Ein wundevoller (!!!) Text genau zum richtigen Moment: heute war hier letzter Kita-Tag vor den Ferien und ich habe den Kleinen das letzte Mal aus der U3-Gruppe abgeholt und der Große ist nun „ein Maxi“. Da habe ich heute auch so einiges gedankluch Revue passieren lassen. Euch einen schönen Sommer und dem Maxi vor allem viel Spaß und tolle Erlebnisse in der Schule!

  7. Hallo Mama Mia!

    Mein Großer wird am Freitag 7 und ich kann jedes Deiner Worte absolut nachvollziehen! 🙂

    Letztes Jahr um diese Zeit erging es mir mit dem Gedanken an die Schule genauso und schwubs nun ist er schon bald Zweitklässler! Ja die Verantwortung steigt bei der Hilfe den Weg zu gehen, aber in vielen Dingen läuft es auch noch mehr von selbst und sie gehen ihn in vielen Dingen ganz selbstverständlich selber!

    Meine Kleine wird nun bald Maxi-Kind und ich bin mir sicher trotz aller Erfahrungen werde ich mir nächstes Jahr wieder Gedanken machen!

    Mein Großer brüllte letztens von einem hohen Klettergerüst meinem bangen Blick entgegen: Mama Du bist ein Angsthase! 😉 Er hat recht – Angsthase aus Liebe habe ich versucht ihm zu erklären da hat er gelächelt… und ich bin stolz das er in vielem immer mutiger wird und seine Stärken immer besser einschätzen kann! 🙂

    Viel Freude, Wissensdurst und Geduld bei Eurem Schulstart

    • Danke! Und ich bin auch ein meeega Angsthase, wenn es um meine kostbaren Kinder geht!

  8. Oh, jetzt muss ich weinen. Mein Sohn und ich haben das erste Schuljahr gerade geschafft, mit vielen Höhen und Tiefen. Aber mir erging es letztes Jahr um die Zeit ganz genau so. Danke für diese Worte. So toll geschrieben. Ich wünsche Euch einen tollen Start, und viel Ausdauer, und Gelassenheit!

  9. Liebe Mia,
    Du bist eine tolle Schreiberin und noch eine viel tollere Mama! Ich würde dich so gerne einmal kennenlernen und mit dir einen Kaffee trinken, deine Gedanken sind auch die meinen.
    Ganz viel Liebe und Kraft für den ersten Schultag, der auch für uns ansteht.

    Christina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.