Sommergefühle

Eigentlich war ja Sommer, aber draußen regnete es Bindfäden und das schon seit Wochen.
Wir saßen mit der ganzen Familie beim Abendessen und schauten hinaus in den Regen. Da schlug meine Mutter plötzlich auf den Tisch und sagte: „Jetzt reicht´s! Ich will Sommer. Ich rufe meine Schwester an!“ Sie stand auf und als sie nach fünf Minuten zurückkam, trug sie ein  glückliches Strahlen im  Gesicht: „Wir fahren nach Italien!“

Es war der Sommer 1985. Der Sommer, bevor ich in die Schule kam.

Abgesehen vom Regenwetter trug ich gerade eine andere, viel größere Enttäuschung mit mir herum: In einem Schreibwarenladen hatte ich die schönste Schultüte der Welt entdeckt. Sie war blau mit einem Baum drauf, in dem ganz viele Kinder herumturnten. Das war meine Schultüte, das wusste ich sofort. Aber an dem Tag, an dem wir beschlossen nach Italien zu fahren, war die Schultüte aus dem Schaufenster verschwunden. Ohne diese Schultüte machte es für mich wenig Sinn, in die Schule zu kommen, aber meine Mutter hatte gesagt, ich müsste mir keine Sorgen machen, ich würde auf jeden Fall eine wunderschöne Schultüte bekommen.

Zwei Tage später fuhren wir mit dem Auto an die Riviera in das Ferienhaus meiner Tante. 1200 km mit dem Auto, meine Eltern, meine beiden Schwestern und ich. Und wir blieben einen ganzen Monat lang.

Sommer! Wenn mich heute der erste Sonnenstrahl des Jahres kitzelt, dann kommt ein Sommergefühl in mir auf, und das ist bis heute mit all den Eindrücken verbunden die ich in diesen Wochen vor meiner Einschulung in Italien aufgenommen habe.

Es war so heiß, dass der Asphalt schmolz und während die Sonne auf dem Meer glitzerte, lernte ich im Mittelmeer das Schwimmen und meine kleine, damals einjährige Schwester lernte am Strand das Laufen.

Sommerliebe

Wir haben uns von Melonen und frischer Pasta mit viel Knoblauch ernährt, und in der Küche roch es immer nach Melone und Knoblauch. Wenn mir heute manchmal diese Kombination aus dem Mülleimer in der Küche entgegenströmt, rufe ich begeistert: „Ohhh, das riecht so schön nach Sommer!“, und mein Mann denkt, jetzt drehe ich völlig durch.

In einer Nacht gab es ein Gewitter . Meine Schwestern und ich krochen in das Bett meiner Eltern und meine Mutter sah uns drei Mädels aneinander gekuschelt dort liegen: Braun gebrannt, mit nackten Ärmchen und Beinchen und sie lachte und sagte: „Ihr seht aus wie geschmolzene Schokolade!“

Meine mittlere Schwester und ich hatten jede einen Bikini bekommen, aber wir trugen nicht jede ihren, sondern wir teilten uns mal den einen und mal den anderen: Sie trug das Oberteil und ich das Unterteil (Glück gehabt ;-))

Sand unter den Füßen, Salz auf der Haut, Überraschungseier zum Frühstück, sengende Hitze, quakende Frösche und zirpende Grillen in der Nacht, Pfefferminzeis, Melonen, Pfirsiche, Meeresrauschen, Knoblauch, ganz stolz „Quattro Panini“ im Supermarkt sagen- all das und noch viel mehr hat mein Sommergefühl geprägt.

Vier Wochen lang genoss ich einen wundervollen Sommer. Ich war aufgeregt, weil ich ein Schulkind werden würde, aber zwei Eis am Tag machten die Aufregung sehr erträglich.

Am 05. August 1985 saß ich in der Aula meiner Grundschule. Sonnengebräunt, mit italienischen Schuhen, Sommer im Kopf und in den Armen MEINE Schultüte! Ach, deswegen war sie aus dem Schaufenster verschwunden gewesen!

Wenn ich das Foto von mir 1985 am Strand von Italien sehe, dann finde ich mal wieder, ich sehe genau so aus, wie der Maxi. Und genau wie 1985 sind wir hier neulich im strömenden Regen in Richtung Italien aufgebrochen. Aber dieses Mal war ich die Mutter und hinten auf der Rückbank im Auto saß mein Sohn, mein Großer, der in ein paar Wochen in die Schule kommt. Wir hatten einen tollen Urlaub und ich bin sicher, er wird diesen Sommer nicht vergessen.

Sommer mit Kindern

Ich wünsche Euch allen einen wundervollen Sommer. Ganz besonders den neuen Schulkindern! Habt eine unvergessliche Zeit mit ihnen!

Mamablog Mama Mia

 

 

6 Gedanken zu “Sommergefühle

  1. … und mal wieder kullern bei mir die Tränen.
    Bis es bei uns soweit ist, dauert es noch. Meine Tochter ist erst 3,5 Jahre alt.
    Ich wünsche euch und vorallem deinem Großen eine tolle Einschulung!

  2. Oh Elba…
    Wir packten jedes Jahr zu Pfingsten unsere Koffer und verbrachten 2 unvergessliche Wochen dort. Meine schönsten Kindheitserinnerungen.
    Und nun bin ich die Mama, die jedes Jahr mit ihren Kindern dort hin aufbricht, und so sehr hofft, ihnen ebenfalls unvergessliche Erinnerungen zu schenken.
    (Nur dieses Jahr schweren Herzens nicht, da unsere Nummer 3 sich den Mai als Geburtsmonat ausgesucht hatte…)

  3. Liebe Mia, das ist mal wieder so ein wunderschöner Text von Dir der mir nach einem langen (nicht ganz einfachen Tag) das Gemüt erhellt. Hättest Du nicht Lust ein Buch zu schreiben? Mit noch so ein paar Geschichten aus Deiner Kindheit? Ich würde es sofort kaufen!

    Liebe Grüße von einer treuen Leserin

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