Welchen Weg du wählst

Kinder sind das, was wir aus ihnen machen. Natürlich kommen sie schon als kleine Individuen auf die Welt, sind vom Tag ihrer Geburt an fertige kleine Wunder, und jedes von ihnen ist einzigartig.

Ihre Eltern sind bemüht, sie behütet aufwachsen zu lassen und jede Mutter und jeder Vater macht seinem Kind auf eigene Weise den Weg frei. Nur manchmal vergessen wir, dass es wichtig ist, mehr als nur einen Weg frei zu machen.

In der letzten Woche saß der Mini beim Schwimmkurs seines Bruders am Beckenrand und sinnierte: „Ich möchte so gerne auch mal schwimmen gehen.“

Das arme Kind, dachten der Mann und ich sofort schuldbewusst. Immer muss er am Beckenrand sitzen und darf nur zuschauen. Und beim Hockeytraining seines Bruders steht er auch immer nur am Spielfeldrand und wird von seinen Eltern vom Platz getragen, sobald er versucht, sich unter die großen Jungs zu mischen. Es wird Zeit, dass wir mal etwas nur für ihn machen. Also sind wir ins Schwimmbad gefahren. Und was passiert? Der Maxi lernt ausgerechnet an diesem Tag schwimmen- unter großem Lobgesang und Begeisterungsrufen seiner Eltern.

Am Abend, als der Mini in sein Bettchen kroch und ich ihn zudeckte, sagte er mit seiner zuckersüßen Stimme: „Ich war heute richtig gut beim Schwimmen, oder?“

Da erst wurde mir klar, worum es ihm eigentlich ging. Der Mini wollte gar nicht nur ausprobieren, was sein Bruder immer macht. Er wollte die gleiche Anerkennung von seinen Eltern, die sein Bruder bekommt. Er möchte auch mal, dass seine Eltern staunen, was er schon kann.

Kleiner Bruder

Nun ist es nicht so, dass wir nicht auch über unseren Jüngsten staunen, aber wir haben das alles schonmal erlebt. Der Große dringt immer als Erster in neue Welten ein und lässt uns Eltern staunen, wie groß unser Baby schon ist. Wenn der Mini so weit ist, kennen wir das alles schon und finden hauptsächlich alles süß, was er macht. .Der Mini hört bei uns von morgens bis abends, wie süß er ist und wie lieb wir ihn haben. Er wird mehr durchgeknutscht und mit ihm kuscheln wir mehr als mit dem Maxi. Er ist unser kleiner Süßer und ich bin sicher, das ist eine schöne Rolle. Aber sein großer Bruder, bekommt  Dinge zu hören wie: „Du warst super heute beim Hockey! Du hast ja drei Tore geschossen!“ „Wow, Du bist ja eine ganze Bahn geschwommen, das hast Du super gemacht!“ Der Maxi kann schnell rennen, er kann lesen, er kann kann so viele Dinge, die ihn in unseren Augen zu einem großen Jungen machen, den wir sehr bewundern. Und es ist dieser Stolz und die Bewunderung in den Worten seiner Eltern, die der Mini auch mal hören möchte.

Umgekehrt tut es sicher auch dem Maxi gut, mal wieder zu hören, dass er mein süßes kleines  Mäuschen ist. Welcher Fünfjährige ist schließlich gerne immer nur der Superheld?

Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns immer mal wieder bewußt machen, welches Bild wir schon sehr früh von unseren Kindern haben. Wir haben einen „Wildfang“ , einen „Hans-Dampf-in-allen-Gassen“, einen „Künstler“, eine „Prinzessin“, eine „Mimose“ einen „kleinen Clown“ oder einen „Faulpelz“. Wenn dann noch ein Geschwisterkind da ist, das eine andere Rolle einnimmt (und es wird vermutlich genau die gegenteilige Rolle übernehmen), dann haben wir unserem Kind schon viele andere Entwicklungsmöglichkeiten zumindest ein bißchen abgeschnitten. Dabei sind kleine Kinder eigentlich alle noch unbeschriebene Dateien. Alles ist möglich, wir müssen sie nur in allem bestärken, was sie ausprobieren wollen, anstatt auch nur zu denken. „Das ist nichts für Dich!“

In die Rolle der großen Schwester oder des kleinen Bruders wird man hineingeboren, daran ist nicht zu rütteln. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn zum einen nimmt man ja in anderen Bereichen andere Rollen ein und so ist der kleine Bruder in der Kita vielleicht der große Held. Zum anderen gehören diese Rollen zu uns dazu und bilden unsere Identität. Nur wir Eltern sollten unsere Kinder nicht auf eine Rolle festlegen, weil uns diese Rolle an dem Kind (unbewusst) so gut gefällt.

Der Mini darf ab dem Winter auch mit dem Hockeytraining anfangen. Das war bislang für mich selbstverständlich, allein schon deshalb, weil ich es logistisch kaum schaffen kann, mit jedem Kind an mehreren Tagen in der Woche zu unterschiedlichen Vereinen zu fahren. Der Mini will auch Hockey spielen, also ist alles geritzt, oder?

Doch bevor wir uns entscheiden, lassen wir den Mini lieber auch andere Dinge ausprobieren. Vielleicht ist der Mini ein begeisterter Fußballer? Handballer? Schachspieler? Vielleicht will er lieber gar keinen Sport machen und nur Gitarre spielen? Oder Geige? Der Mini soll selber wählen.

Ich werde ihm viele Wege öffnen. Und dann finden wir gemeinsam heraus, was da so alles in ihm steckt. Ich bin so gespannt.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

 

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