So anders und mir doch so nah

Schon seit Tagen schüttele ich ständig den Kopf und denke: „Das gibt´s doch gar nicht!““ Manchmal denke ich auch: „Wow!“ Oder: „Krass!“, aber jedenfalls komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus.

Heute ist der dritte Geburtstag meines Sohnes. Es ist so ein Eltern-Ding, dass man an diesen Tagen denkt, die Kinder würden ja so schnell groß werden und sich fragt, wo denn nur die Zeit geblieben ist. Ich staune aber nicht nur deswegen, da ist noch mehr. Ich staune über dieses Kind- und das eigentlich schon seit drei Jahren.

Vielleicht liegt es daran, dass vom ersten Tag an alles ganz anders war, als erwartet.

Ich hatte die Geburt wirklich gut geplant. Ich hatte mir (ja, lacht nur) für die verschiedenen Möglichkeiten einen Plan gemacht. Was machen wir, wenn die Geburt a) morgens b) mittags c) abends oder d) nachts los geht? Wie lösen wir die unterschiedlichen Betreuungssituationen, wer kümmert sich (vorübergehend) um den Maxi- ich hatte tatsächlich eine Tabelle gemacht. Und dann kam alles so….anders!

Es ging mitten in der Nacht los und zwar mit aller Macht. Ich rief meine Mutter an, so wie es auf der Tabelle stand, aber der Mini kam so schnell zur Welt, dass meine Eltern erst im Krankenhaus auftauchten,, als der Mini schon in meinen Armen lag. Maxis Geburt hat 18 Stunden gedauert, Minis nur zwei und ich konnte es nicht fassen. Ich sah dieses Kind in meinem Arm an und sagte in Endlosschleife: „Wie schön, dass Du da bist, oh, ist das schön, dass Du bei uns bist, oh mein Gott, Du bist da, Du bist schon da, oh wie schön, dass Du bei uns bist…“ Ich konnte es einfach nicht so schnell fassen wie er plötzlich bei uns war.

Babyblog

Manchmal sehe ich ihn heute noch an und denke: „Oh, wie schön, dass Du bei uns bist!“ Und so richtig fassen kann ich es eigentlich noch immer nicht. Vielleicht liegt es daran, dass diese Geburt für mein Hirn einfach zu schnell verlaufen ist und ich es bis heute nicht geschafft habe, es so richtig zu begreifen. Ich müsste nochmal die Zeitlupe sehen, bitte!

Vielleicht liegt es auch daran, dass der Mini so anders ist, als der Maxi. Der Mann und ich sind optisch sehr unterschiedlich, noch unterschiedlicher geht nicht! Groß-klein, hell-dunkel, dickes, wildes Haar-fast gar kein Haar, große Augen-kleine Augen, volle Lippen-schmale Lippen, ich könnte ewig so weiter machen. Als der Maxi in meinem Bauch war, war alles denkbar, ich erwartete irgendeine Mischung aus dem Mann und mir. Maxi kam und sah aus wie ich. Ach so sieht der aus. Wunderschön. Alles klar. Dann kam der Mini und sah so irgendwie so …anders aus.

Nach dem Maxi hatte ich eine Vorstellung davon, wie das Baby in meinem Bauch aussehen würde. Jedenfalls so ungefähr müsste es doch sein. Der Mini ist aber blond. Ich habe ein blondes, blauäugiges Kind. Nicht nur, dass mich der große Unterschied zum Maxi so erstaunt, es wirft auch alles über den Haufen, was ich in der Schule im Biounterricht über Genetik gelernt habe.

Blonde Haare haben mich schon immer fasziniert, ich musste mich manchmal sogar auf der Straße nach blonden Menschen (okay Männern) umgucken, weil ich nicht anders konnte. Jetzt habe ich ein blondes Kind! Mein Goldjunge. Nein, ich komme aus dem Staunen nicht heraus.

Und dann ist da noch seine extrovertierte Art. Der Mini singt und lacht und tanzt den ganzen Tag. Er bewegt sich hüpfend durchs Leben und findet überall innerhalb von 2 Minuten Freunde, weil er jedem sofort sein ganzes Leben erzählt. Wie begreift man etwas, das einem selber so fremd ist?

Was mich nach alledem wirklich bewegt ist, dass mir der Mini so nah ist, in mancher Hinsicht sogar näher als alle anderen Menschen, die ich liebe. Vielleicht ist es deshalb, weil der Mini so viel mehr körperliche Nähe einfordert, als es der Maxi jemals getan hat. Der Mini kommt zu mir, legt mir seine Arme um den Hals und lächelt glücklich. Er sitzt gerne auf meinem Schoß und schmiegt sich manchmal so an mich, als wäre er ein Neugeborener und wollte zurück in meinen Bauch. Er schläft immer noch gerne in unserem Bett und robbt sich dann ganz nahe an mich heran und hält dabei Papas Hand.

Vielleicht liegt es aber auch gerade daran, dass wir so unterschiedlich sind. Ist der Mini möglicherweise gerade in diesem Gegensatz zu mir wie eine andere Seite von mir, die in ihm   lebendig wurde?

Er ist mir so vertraut, wie einem nur das eigene Kind vertraut sein kann. Jeder Millimeter seines Körpers ist mir vertraut, jede Geste, jede Bewegung ist wie ein Teil von mir und gleichzeitig betrachte ich ihn immer staunend, immer bewundert, immer noch ein bißchen ungläubig.

Hört dieses Staunen jemals auf? Werde ich es jemals fassen können, dass der Mini zu uns gekommen ist?

Vielleicht, aber es wäre schade. Denn er IST ein Wunder- wie jedes Kind. Wenn man auch nur mehr als eine Sekunde darüber nachdenkt, ist es so unfassbar, dass man ein Kind zur Welt bringen kann und dass dann ein neuer, ganz eigener Mensch zu einem gehört, der ein Teil von einem ist, und doch so anders sein kann, als man selber.

Ich staune seit drei Jahren. Heute feiern wir das. Happy Birthday, Mini!

Mamablog Mama Mia

 

 

 

6 Kommentare

  1. Melanie A.

    Liebe Mia,

    dieser schöne Post erinnert mich total an meine Zwerge 😉 Mein Mann kommt aus Italien und hat seine kompletten Gene unserem Sohn mitgegeben. Er hat dunkle Haare, dunkle Augen und seine Haut ist eben auch ein wenig dunkler. Vom Charakter kommt er komplett nach mir. Unsere Tochter allerdings hat optisch so gar nichts italienisches. Sie ist hellblond, hat helle Haut und grüne Augen. Bei ihr merkt man nur am Charakter, wo sie ihre Wurzeln hat!!!

    Liebe Grüße,
    Melanie

  2. Geli Reiser

    So wunderschön geschrieben, voller tiefer Liebe!! So geht es mir mit meiner zweitgeborenen Tochter. Sie war nach einer Stunde auf der Welt, ist blond und blauäugig. Sie ist so anders als ihr großer Bruder, so anders als ich, nicht nur optisch. Sie geht viel leichter durchs Leben, stärker und einfach frei. Ich wäre oft gerne wie sie und kann nicht glauben dass ich ihre Mama sein darf 🙂 Alles alles Gute für dein Geburtstagskind!! Geli

  3. Happy Birthday an den Mini. Mein zweiter Sohn kommt in wenigen Wochen auf die Welt. Ich bin so gespannt,was er für ein Charakter sein wird. Viel Spaß weiterhin mit dem Mini. Viele Grüße Nina

  4. Liebe Mia,

    es ist, also ob du mich und meine Gedanken bzgl. unseres Mini-Mädchens beschreibst…
    Auch hier lässt das Staunen nicht nach 😉

    Liebe Grüße
    Julia

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