Herr, schmeiß Au Pair vom Himmel

Wir suchen ein Au Pair. „Wie lange dauert denn das?“ hat mich meine Mutter gefragt, als ich ihr unsere Entscheidung mitteilte.

„Och,“ habe ich geantwortet, „das kann ganz schnell gehen!“

Schließlich gibt es einen riesigen Markt, wie ich schon am ersten Tag der Suche feststellte. Da gibt es Plattformen wie AuPairworld.com oder AuPair.com. Für amerikanische Au Pairs ist auch GreatAuPair.com eine gute Plattform und das sind nur die ersten drei, bei denen ich uns anmeldete. Dazu gibt es noch jede Menge Agenturen. Die Auswahl ist also groß.

Wir haben uns zusätzlich zu den genannten Plattformen bei einer Agentur angemeldet. Nach dem bißchen Erfahrung, was wir nun haben, würde ich sagen, dass Agenturen und Plattformen beide ihre Vor- und Nachteile haben.

Bei einer Plattform ist man schnell angemeldet und hat sofort Zugriff auf alle Bewerberinnen, die sich dort tummeln. Man kann seine Suchkriterien, wie z.B. die gewünschten Herkunftsländer, dass es ein Nichtraucher sein soll, mit Führerschein etc eingeben und bekommt rucki zucki die passenden Damen angeboten. In der Regel kann man diese dann mit einer Standardnachricht per Mausklick darüber informieren, dass man interessiert ist. Das Au Pair kann dann ebenfalls Interesse bekunden- und das war´s erstmal. Damit man sich individuelle Nachrichten senden kann, muss eine der Parteien  (in der Regel die Au Pair Familie) eine Premium Mitgliedschaft abschließen, Diese Premium Mitgliedschaft kostet auf den meisten Plattformen ca. 40 Euro im Monat.

Der große Vorteil dieser Plattformen ist, dass keine Agenturchefin die Bewerbung noch mehrfach nachgebessert hat, bevor sie an die Gastfamilie gehen konnte. Man bekommt daher einen sehr authentischen ersten Eindruck. Ich habe Bilder von Menschen gesehen, die sich um meine Kinder kümmern möchten und denken, man könne dazu nicht genügend Busen zeigen. Eine Kandidatin zeigte sich im Brautkleid, eine andere mit Kampfhund im Arm. Dazu kommen Sätze im Anschreiben wie: „Ich werde immer gut zu ihren Kindern sein, aber ich lass ihnen nicht alles durchgehen, zum Beispiel, dass sie grundlos weinen.“

Bei einer Agentur wird man mit so einem Anschreiben erstmal wieder an den Schreibtisch verwiesen. Das kann man schließlich so nicht schreiben! Und vernünftige Fotos braucht die Agentur natürlich auch. Das ist gut, weil man als Gastfamilie von der Agentur wirklich ordentliche Bewerbungen bekommt, aber der Nachteil ist, dass viel Aufschlussreiches über das Au Pair dann schon rausgefiltert ist. Die Agentur möchte andererseits auch eine Charakterreferenz haben und eine Art Gesundheitszeugnis. Wer über eine Agentur kommt, hat sich also nicht bloß spontan an den Rechner gesetzt, um sich ein Profil einzurichten und mal zu schauen, wo man eventuell den Sommer nach dem Schulabschluss verbringen könnte. Diejenigen, die über die Agentur kommen, die wollen es in der Regel wirklich und hören nicht einfach nach der zweiten Mail auf, zurückzuschreiben oder antworten: „Sorry, aber ich möchte doch lieber nach Australien!“

Wir sind also zweigleisig gefahren. Ich musste meiner Mutter trotzdem sehr schnell mitteilen, dass ich mich geirrt hatte. Die Suche nach einem geeigneten Au Pair ist so einfach auch wieder nicht.

Viele schreiben mir gar nicht zurück. Sie bekunden Interesse, ich freue mich wie wahnsinnig, schreibe einen total netten Text zurück und stelle mir schonmal vor, wie es mit dem Mädel wohl sein wird. Dann höre ich nie wieder von ihr. Manche schreiben total wirres Zeug und wissen offenbar gar nicht, was sie wollen. Zu wieder anderen findet man einfach keinen Draht, auch wenn die Bewerbung auf den ersten Blick so ansprechend wirkte.

Ich habe deswegen jeden Tag mindestens 10 Bewerberinnen über die Plattformen angeschrieben. Die Rücklaufquote war lächerlich gering, aber immerhin fand auf diese Weise wenigstens hin und wieder eine Mail von einem Au Pair in mein Postfach. Manchmal hatte ich 5 Gespräche gleichzeitig am Laufen, und daher große Hoffnung, dass unser zukünftiges Au Pair so gut wie gefunden ist, aber ein paar Tage später hatte sich alles zerschlagen und ich fing wieder bei Null an.

Au Pair

Dann endlich fand ich ein Mädchen, das mir auf den ersten Blick sympathisch war. Die Mails, die wir uns hin und her schrieben, waren sehr herzlich und nach ein paar Tagen hatte ich das Gefühl, dass dieses Au Pair super in unsere Familie passen würde. Wir luden sie daher zu eine Telefonat via Skype ein.

Der erste Eindruck bestätigte sich sofort. Sie war so perfekt und der Mann, die Kinder und ich hatten direkt einen guten Draht zu ihr. Dann stellte ich ihr die Frage: „Wie lange würdest Du bleiben?“ Die Antwort war ernüchternd. Sie hat leider nur ein paar Wochen Zeit. Wir waren enttäuscht.

Nachdem wir das Gespräch beendet hatten, sahen der Mann und ich uns an und sagten: „Lass es uns einfach machen!“ Und Tadaaa! Jetzt ist alles geritzt. Sie kommt Ende Juni und ist Ende Juli wieder weg. Wir betrachten es als Probelauf. Vielleicht wird es eine Katastrophe, vielleicht passt sie nicht so gut zu uns, wie wir denken, aber wir freuen uns tierisch auf dieses Abenteuer. Und auch, wenn der kurze Zeitrahmen blöd ist, der Mann und ich werden im Sommer zumindest fünf Wochen Gang die Gelegenheit haben, abends mal in Biergärten zu gehen, oder ins Kino, oder zum Essen. Das ist doch schonmal etwas.

Da unser ursprüngliches Problem nun aber nur sehr vorübergehend gelöst ist, suche ich weiter nach einem Au Pair für den Anschluss. Stunde um Stunde sitze ich am Rechner. Täglich gibt es neue Anmeldungen in den Portalen. Wo bitte ist unser Au Pair? Ich hätte nie gedacht, dass die Suche zwischendurch so frustrierend sein könnte.

Momentan haben wir wieder einen kleinen Hoffnungsschimmer, aber da ist längst noch nichts klar. Also entschuldigt mich bitte. Ich muss Bewerbungen lesen. Herr, schmeiß Au Pair vom Himmel!

Mamablog Mama Mia

 

 

6 Kommentare

  1. Ach, liebe Mia, da kann ich ein Lied von singen als Au pair- Expertin 😉
    Wir haben gerade eine Amerikanerin über Aupairworld gefunden, die im Juli kommen und ein Jahr bleiben will. Ob das dann auch so kommt, werden wir sehen. Wir hatten auch schon ein Mädels, die nach ein paar Wochen Berlin cooler fand als Dortmund und uns dann verlassen hat… (aber der Freud von der „Neuen“ wohnt in der Nachbarstadt, das ist günstig). Zum Glück bin ich nicht mehr 100%ig drauf angewiesen und komme zur Not auch ohne klar.
    Ich hab auch mal darüber geschrieben, vielleicht magst du mal schauen:
    http://www.engelundbanditen.de/blog/nicht-ohne-mein-aupair/

    Viel Glück bei der Suche! LG, Yvette

  2. Kristina

    „eine andere mit Kampfhund im Arm.“ – 1. gibt es keine „Kampfhunde“ und 2. werden diese Hunde z.B. in den USA gerne in Kindergärten, Einrichtungen für Behinderte und Senioren und generell als Therapiehunde eingesetzt. Was spricht also gegen ein Foto mit einem solchen Hund?

    • Ich würde auch kein Au Pair mit Kampfhund zu mir einladen (und ich finde, dass man bestimmte Hunderassen zusammenfassend sehr wohl als solche bezeichnen kann, denn sie wurden schließlich ursprünglich für solche Zwecke gezüchtet) – zumindest nicht, wenn der Hund mit von der Partie ist 😉 Und ob das besonders günstig ist, diese Hunde als Therapiehunde einzusetzen, kann man sicher auch kontrovers diskutieren…

  3. Hi,
    auch ich kann ein Lied davon singen, wie mühsam die Au-pair Suche sein kann, aber es lohnt sich lieber etwas länger zu suchen. Wenn es passt, wird es super, wenn nicht dann eine Katastrophe. Ich wünsche Dir viel Glück bei der Suche.
    Alles Liebe Heike aupairgastmutter.blogspot.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.