Berufstätigkeit: Sind mein Mann und ich noch auf Augenhöhe?

Es war einer jener Morgende, an denen ich schon beim Aufwachen feststelle, dass ich so müde bin, als hätte ich überhaupt nicht geschlafen.

Tatsächlich hatte ich auch nicht viel geschlafen. Mitten in der Nacht weinte der Mini und ich merkte, dass er hohes Fieber hatte. Die Nacht blieb unruhig und am Morgen stand fest, der Mini kann nicht in die Kita.

Das Blöde an der Sache war, dass ich einen wirklich wichtigen Termin in der Firma hatte. Ich hatte schon lange keine wichtigen Termine mehr in der Firma, ich hatte mich wirklich auf den Termin gefreut- und jetzt das!

Es war also an diesem Morgen, an dem ich so schrecklich müde war, als hätte ich gar nicht geschlafen, an dem ich nach 5 Jahren Elternschaft zu meinem Mann sagte: „Schatz, wir müssen reden!“  Unser Betreuungsmodell funktionierte nicht mehr. Es war Zeit, neu zu verhandeln.

Natürlich hatten wir an diesem Morgen keine Zeit, die Kinderbetreuung neu zu verhandeln. Der Mann ging ins Büro, ich ging zum Kinderarzt und saß, nachdem ich meinen wichtigen Termin abgesagt hatte, mit dem Kleinen zu Hause. Genügend Zeit, über unser Familienmodell nachzudenken.

Ich bin kein Vertreter der 50/50 Elternschaft. Das ist zwar ein toller Ansatz, aber Gleichmacherei ist nur selten ein passendes Mittel. Viel wichtiger ist, dass das Modell für die jeweiligen Partner (und Kinder) passt. Unseres passte mir plötzlich nicht mehr, aber die letzten fünf Jahre war es gut.

IMG_8481

Wir haben uns nie hingesetzt und über die Aufgabenverteilung gesprochen. Das ist alles einfach beim Machen so geworden. Es war für mich irgendwie logisch, dass ich die Elternzeit mache und es war für den Mann logisch, dass er keine Elternzeit nimmt, was für mich wiederum vollkommen okay war. Das war eine Gefühlsentscheidung und sie war richtig für uns.

Meine erste Elternzeit dauerte 8 Monate. Kurz nach meiner Rückkehr in den Job ergab sich die Situation, dass mein Mann mein Chef geworden wäre, was in der Firma ein no go ist. Ich musste deshalb den Bereich wechseln. Zunächst war das okay für mich, ich freute mich auf die Erweiterung meiner beruflichen Erfahrung. In dem neuen Bereich bin ich nur leider nie glücklich geworden. Er war eine berufliche Sackgasse und machte mir keinerlei Freude. So war es für mich nie ein Thema, dass ich diejenige war, die mit kranken Kindern zu Hause blieb- im Büro verpasste ich ja nichts. An der Stelle hätte 50/50 für uns also überhaupt keinen Sinn gemacht. Kinderbetreuung wurde deshalb zu meinem Zuständigkeitsbereich.

Zu Hause darf der Mann die meisten Zuständigkeitspunkte für sich verbuchen. Ich bin hier eigentlich nur für die Deko zuständig, die restlichen Aufgaben teilen sich der Mann und die Putzfrau. Waschen, Bügeln, Spülmaschine ein- und ausräumen, Küche aufräumen, Einkaufen- der Mann macht das alles. Er ist derjenige, der im Blick hat, ob wir noch genügend Spülmittel, Waschmittel, Klopapier haben und wann die Mülltonnen geleert werden. Und den Garten macht er auch. Er macht die Brote für die Kinder und bringt sie in die Kita. Ich habe mal diese Liste von das Nuf angeschaut und mir danach Gedanken über weitere Aufgaben gemacht, die wir hier so haben und komme zu dem Ergebnis, dass wir wirklich fair geteilt haben. Ich habe fast die gesamte Kinderbetreuung mit allem drum und dran als Aufgabe, der Mann schmeißt den Haushalt (natürlich ist das keine strikte Trennung, jeder macht auch ein bißchen von allem anderen).

Das alles war fünf Jahre lang gut für uns. Aber jetzt ist es an der Zeit, neu zu verhandeln. Ich habe nämlich jetzt wieder einen neuen Job und der macht mir nicht nur große Freude, der ist auch verantwortungsvoll und verlangt von mir Zuverlässigkeit. Wenn ich z.B. Verhandlungen habe, für die die Betriebsräte aus ganz Deutschland anreisen, ist es schlecht, die alle wieder nach Hause schicken zu müssen, weil mein Kind krank ist.

Für mich passt unser Betreuungsmodell jetzt nicht mehr. Es hatte sich immer richtig angefühlt und der Mann und ich waren immer auf Augenhöhe. Das Gefühl hatte ich jetzt nicht mehr. Es hat eine Weile gedauert, bis mir das klar geworden ist. Und es hat noch länger gedauert, bis mir klar wurde, dass wir uns jetzt hinsetzen und darüber sprechen müssen. Dabei ist das eigentlich selbstverständlich:  Die Kinder werden größer, oder es werden mehr und gleichzeitig ändert sich vielleicht etwas im Job. Das Modell, das die frischgebackenen Eltern damals für sich gefunden haben, muss sich gemeinsam mit der Familie entwickeln. Aber es ist nie zu spät, neue Vereinbarungen zu treffen.

Eine Woche lang waren die Kinder nacheinander krank. Der Mann und ich wechselten uns in Schichten  mit der Betreuung ab. Zum Glück haben wir es nicht weit bis zum Büro, und so konnten die Nachbarn beobachten, wie in dieser Woche ständig der Mann und ich vor dem Haus vor und wieder abfuhren- je nachdem, wer gerade welchen Termin hatte. Am Ende stellten wir vor allem zwei Dinge fest:

1. Der Mann hat meistens einfach die wichtigeren Termine, mit den wichtigeren, beschäftigteren Menschen. Absagen kommen nicht wirklich in Frage, verschieben ist fast unmöglich. Blöd für mich! (Und ja, das ist wirklich so und wird nicht nur vom Mann behauptet)

2. Es funktioniert so nicht. Ich kann und will meine (selteneren) wichtigen Termine nicht absagen müssen, weil der Mann im Zweifel einen noch wichtigeren Termin hat.

50/50 ist weiterhin nicht unser Modell. Auch viele andere denkbare Modelle passen für uns nicht. Die Arbeitszeiten und die Aufgabenteilung sind gut, so wie sie sind, aber wir brauchen Hilfe. Und deswegen suchen wir jetzt ein Au Pair Mädchen.

Fortsetzung folgt.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

21 Gedanken zu “Berufstätigkeit: Sind mein Mann und ich noch auf Augenhöhe?

  1. Liebe MIa,
    du sprichst mir aus der Seele! Ich gehe mit Leib und Seele gerne arbeiten und möchte meine Ambitionen auch auf keinen Fall zurückschrauben. Aber irgendetwas kommt dabei immer zu kurz – die Kinder, der Haushalt, der Job vom Mann, ich… Und deshlab freue ich mich schon ganz doll auf deine Erfahrungsberichte! Wir sind nämlich auch zu dem Entschluss gekommen, dass es so nciht weiter geht und suchen uns auch gerade ein Au-Pair Mädchen (oder einen Au-Pair Jungen). Ich bin ganz gespannt! Alles Gute für Euch weiterhin!

  2. Hallo Mia,
    ich bin eigentlich eine stille und kinderlose Leserin aber, dass du ein Au Pair suchst finde ich klasse! Ich selber war vor 2 Jahren für ein halbes Jahr eins und es war die beste Erfahrung für mich, wie auch die Familie. Ich wünsche Euch viel Glück bei der Suche!

  3. Ich kenne die Situation sehr gut. Bei uns gab es dann immer die Diskussion wer den wichtigeren Termin hat.
    Einer fühlt sich immer benachteiligt! Zu uns kommt jetzt eine Tagesmutter bzw. Studentin in diesen Situationen das klappt sehr gut.

    1. Das klingt gut. Wir haben uns für das Au Pair entschieden, weil das auch in spontanen „Notsituationen“ da ist. Ich hoffe, wir finden jemanden!

  4. Schöner Artikel! Und ich finde, er enthält so ein bisschen das „Heilmittel“ gegen #regrettingmotherhood: Immer wieder neu aushandeln und drüber sprechen. Das Problem vieler Frauen ist vielleicht, dass sie sich irgendwann in der Mutter/Teilzeit/was-auch-immer-Falle befinden und es nicht mal ansprechen. Dabei wären viele Männer bestimmt total bereit auch eingefahrene Modelle neu zu verhandeln und neue Lösungen zu finden. So wie deiner! 🙂

    1. Danke für diesen Kommentar!! Und es stimmt, wir probieren jetzt neue Wege aus, und alles was notwendig war, war darüber zu sprechen.

  5. Wirklich spannend! Hier in der Großstadt macht das kaum jemand, in Hamburg hat man meist nicht ausreichend große Wohnungen für ein Extra-Familienmitglied auf Zeit.
    50:50 wurde ich übrigens nicht als Gleichmacherei bezeichnen (das klingt so abwertend), sondern als genau das, was du beschreibst: ausgehandelte Aufgabenteilung, in der jeder seine Schwerpunkte hat. Der einzige klare Unterschied zu eurem Modell ist, dass jeder ungefähr gleich viel arbeitet und sich so zwangsläufig die Aufgaben etwas anders verteilen. Denn im Haushalt kann man zur Not einiges schieben, die Bedürfnisse der Kinder nicht.
    Eure Lösung finde ich jedenfalls super.

  6. Liebe Mia,

    ich bin ehrlich gesagt ein Fan des – nicht immer strengen – 50/50-Modells. Bei der klassischen Rollenverteilung bekommt man häufig doch mit, dass sich die Aufgabenbereich so zementieren, dass immer der Selbe beruflich zurücksteckt – auch wenn es anfangs vielleicht gar nicht so geplant war.
    Umso mehr freue ich mich zu lesen, dass es so nicht sein muss. Es andere Wege gibt. Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass ihr möglichst bald ein tolles AuPair findet.

    Außerdem: Danke für diese Idee!
    Momentan bin ich noch im Ref, so dass bei uns die Notfallsituationen idR recht einfach gehandhabt werden können (was nicht heißt, dass immer ich zu Hause bleibe, wenn der Kleine krank ist).
    Nur ist das Ref irgendwann vorbei & wir grübeln nun seit einiger Zeit, wie wir dann mit solchen Situationen umgehen können. Und just in dem Moment, kommt dein Beitrag.

    Liebe Grüße,
    Anna Philippa

  7. Wir haetten auch gerne ein AuPair, nur leider fehlt uns dafuer der Platz, also das zusaetzliche Zimmer und ein eigenes Bad waere ja auch nett.

    Allerdings waere ich mir auch nicht sicher, ob das AuPair im Krankheitsfall dann in der Lage waere, die Situation zu wuppen und solche Sachen wie Arztbesuche zu uebernehmen.

  8. Liebe Mia, ich finde die Idee Großartig! Ich habe letztens auch schon daran gedacht… Wir haben keine (Groß-) eltern vor Ort die in diesen Situationen einspringen könnten und so muss doch einer immer zurück stecken. Mein Mann konnte das dank seines tollen Arbeitgebers auch oft, aber „ausnutzen“ wollten wir das ganze ja auch nucht. Deswegen finde ich die Idee eines Au-pairs super! Wobei ich eine „leihomi“ oder sowas auch toll fände!
    Viel Erfolg beim Suchen und gerichte mal – auch die Formalitäten und wie ihr vorgeht würde mich interessieren 🙂
    Lg julia

  9. Für mich klingt das, was ihr macht/gemacht habt nach 50/50. Ich glaube auch nicht, dass man 50/50 immer parallel oder immer machen kann (wenn damit gemeint ist, dass jede_r 50% lohnarbeitet und 50% Sorgearbeit übernimmt. Aushandeln ist tatsächlich immer an den Punkten nötig, wo es sich nicht mehr stimmig anfühlt. Hier haben wir uns aus diversen Gründen auch nie alles 50/50 geteilt, aber es besteht immer Redebereitschaft auf beiden Seiten. Viel Erfolg Euch bei der Suche nach der passenden Person!

  10. Ach meine Liebe! Du sprichst mir aus dem Herzen… Ich finde Eure Au Pair Entscheidung super… ich steh hier ständig vor der selben Situration… nur vergisst mein Umfeld oft das Selbstständigkeit auch eine Vollzeitberufstätigkeit beinhaltete und ich nicht nur Latte Macchiato mit Freundinnen trinke.
    Aber so ist es dann… Der Mann wurde Professor und nun leitet er auch noch ne Hochschule. Da ist mein Job „im Semester“ an eine nicht so wichtige Stelle gerutscht – mal sehen wie das dann mit Kind Nummer 2 wird!
    Liebste Grüsse an Dich
    <3

  11. Wow, ich bin beeindruckt. Da hast du wirklich einen super Mann erwischt, der neben seinem fordernden Job noch den Haushalt managt. Ich bin in einer völlig anderen Situation, kann mir aber nicht vorstellen, dass mein Mann dazu bereit wäre.

    Es freut mich für euch, dass ihr eine gute Lösung gefunden habt. Ein AuPair kann eine große Bereichung sein. Ich wünsche Euch viel Erfolg und Glück bei der Suche!

  12. Hallo Mia,
    ich finde es auch sehr wichtig, hin und wieder eine Bestandsaufnahme zu machen. Will ich so noch leben? Soll was anders laufen? Mein Mann und ich haben uns die Fragen ebenfalls kürzlich gestellt und steuern jetzt 50/50 an. Ganz geht es (noch?) nicht auf, aber momentan arbeite ich Vollzeit und er ist zu Hause. Ab Mitte April reduziere ich auf 30 Stunden, dann steigt er mit 20 Stunden ein und wir versuchen die Arbeit so zu legen, dass immer einer für die Kinderbetreuung zu Hause sein kann. Die Knirpse sind fast 3 Jahre und 1,5 Jahre alt. Vielleicht stockt mein Mann ab Sommer dann auch auf 25 Stunden auf.
    Ich bin gespannt, wie eure Lösung funktioniert. Das klingt durchaus spannend. Viel Erfolg!

    LG Schokominza

  13. Hallo Mia, ich finde es sehr schade, dass viele Männer beuflich unentbehrlich sind und ihre Frauen sie dabei unterstützen. So werden Frauen immer die schlechteren und schlechterbezahlten Jobs bekommen, weil sie ja die Elternzeit allein nehmen, die Kindkranktage allein stemmen, Teilzeit arbeiten etc. Das alles müsste für viele Väter (und Mütter) selbstverständlicher werden. Ich hab da echt einen tollen Mann. Wir arbeiten beide aktuell Teilzeit. Der Rest ergibt sich so. Es passt.
    Ich drück euch die Daumrn für ein AuPair. Hoffentlich findet ihr jemanden passendes. Meine Freundin hat so eine Art Kinderfrau, die nachmittags die Zeit überbrückt bis die Eltern da sind. Das ist auch eine gute Sache finde ich.
    LG von Anni

    1. Das klingt toll! Wenn beide ähnliche Jobs haben, ist das wahrscheinlich die beste Lösung. Aber es gibt eben auch Familien, da verdient einer 3x so viel, wie der andere, oder die Interessen sind einfach auch so verteilt, dass einer mit den Kindern glücklich ist und einer mit der Arbeit und was es sonst noch so für Konstellationen gibt. Deswegen finde ich, dass es das Wichtigste ist, dass das Modell für alle Beteiligten (Eltern und Kinder) passt. LG Mia

  14. Liebe Mia,
    ich finde die Idee mit dem Au-Pair super. Bin gespannt, wie es bei Euch weitergeht. Ein Au-Pair fände ich für meine 3 Monster auch absolut spitzenmäßig, doch leider fehlt uns dafür der Platz. Wir denken daher gerade über eine Leihoma nach.
    Liebe Grüße aus München

  15. Das steht uns auch noch bevor, wenn die Babyzeit von Nr 2 zuende geht. Meine Eltern hatten damals eine Kinderfrau, die unsere dritte Oma wurde. Das war genau für solche Situationen toll. Da sie ehemalige Krankenschwester war, konnten meine Eltern uns auch im kranken Zustand mit gutem Gefühl daheim lassen. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.