Leben mit Kindern- meine bislang beste Party

Falls sich einer von Euch mal mit mir auf einen Kaffee treffen möchte, sollte derjenige mir bald bescheid sagen, damit es noch in diesem Jahr klappen kann. Ich habe nämlich nicht viel Zeit. Vormittags bin ich ja immer im Büro- außer freitags, aber da muss ich mich um die Wäsche kümmern und Rechnungen bezahlen oder zum Arzt- Ihr kennt das. An den Nachmittagen bin ich mit den Kindern unterwegs- auf Kindergeburtstagen, auf dem Spielplatz, bei Freunden oder sonstigen Terminen, irgendwas ist ja immer. Und am Wochenende sind wir auch meistens verplant.

Ups, jetzt beschwere ich mich ja schon wieder. Das mache ich gelegentlich. Genau gesagt, stöhne ich viel zu häufig über meine- wie nennt man das?-Doppelbelastung. Weil ich ein Mensch bin, der Worte mag und sie viel benutzt, erzähle ich anderen Menschen oft davon, auch Menschen ohne Kinder. Und meine wirklich lieben Kollegen und Freunde sagen dann Dinge wie: „Ich weiß sowieso nicht, wie Du das schaffst!“, oder „Ich wäre schon längst zusammengeklappt!“ „Könnt Ihr nicht vielleicht ein Kindermädchen engagieren? Ihr braucht doch auch mal eine Auszeit.“ Alle wollen helfen.

Meistens mag ich diese Kommentare. Weil sie nach Wertschätzung klingen und Wertschätzung ist gut, die brauche ich. Ich habe auch Wertschätzung verdient, für alles, was ich jeden Tag leiste, seit ich Mutter bin.

Aber nicht nur ich beschwere mich. Auch meine Freunde beschweren sich oft bei mir, jedenfalls die, ohne Kinder. „Ich möchte Dich mal wieder für mich haben- und zwar ohne, dass Du nach einer Stunde anfängst, auf die Uhr zu gucken!“, hat sich eine meiner besten Freundinnen neulich beschwert. „Aber ich…“ wollte ich gerade ansetzen, da unterbrach sie mich schon: „Ja, ich weiß, Du hast halt die Kinder. Ist ja für Dich auch nicht leicht.“

Da musste ich dann doch schlucken. Sieht mein Leben von außen betrachtet denn so bemitleidenswert aus?

Liebe Freunde und vor allem liebe Freunde ohne Kinder: Es stimmt, ich jammere Euch gelegentlich etwas vor und ich wirke oft gestresst, deswegen ist es an der Zeit, eine Sache klarzustellen:

Es sieht vielleicht nicht immer so aus, aber ich lebe genau das Leben, das ich mir gewünscht habe.

Und dieses Leben ist immer noch eine Party, nur eben anders als früher. Mir fällt übrigens keine einzige Party von früher ein, die so geil war, wie das Leben mit meiner Familie.

Mamablog

Gerade in diesem Moment liegen meine Söhne schlafend in ihren Betten. Wie jeden Abend werde ich mich gleich noch einmal kurz in ihr Zimmer schleichen und den Anblick genießen. In diesen Momenten bin ich so eins mit mir und meinem Leben, dass ich mir nicht vorstellen kann, ich hätte in irgendetwas anderem jemals ein größeres Glück finden können.

Es bringt mich zum Lächeln, in einem Haus zu leben, in dessen Flur kleine, bunte Gummistiefel stehen. Immer wenn ich an den Gummistiefeln im Flur vorbei gehe, kann ich meine Kinder geradezu lachen hören. Diese Gummistiefel sind für mich ein Sinnbild purer Lebensfreude. Und diese Lebensfreude wohnt in meinem Haus, und sie wächst täglich, seit hier zwei süße, unternehmungslustige Jungs wohnen.

Kleine Menschen in bunten Schlafanzügen, die nachts Zuflucht vor Monstern und schlechten Träumen in meinem Bett suchen, unzählige Tannenzapfen und Steine, die mir als wertvolle Geschenke überreicht werden,  kleine Hände, die sich in meine schieben, großen Augen in lieben kleinen Gesichtern, die mich ansehen- unvorstellbar, das alles vielleicht nicht gehabt zu haben.

Ich schlafe zu wenig, ich habe zu wenig Zeit für Sex und gutes Essen und ich kümmere mich zu wenig um Euch, meine Freunde. Aber ich habe mir das so ausgesucht und ihr müsst mich nicht bemitleiden! Auch nicht, wenn der Babysitter wieder abgesagt hat. Kommt doch einfach vorbei, dann machen wir es uns nett und feiern hier bei uns ein bißchen. Hier bei uns in dem Haus mit den kleinen bunten Gummistiefeln im Flur.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Ach ja, und wenn Ihr kommt, bringt etwas zu trinken mit! Wir haben meistens nichts im Haus. Außer Milch vielleicht. Oder Apfelsaft. Ich schaffe es nämlich so selten, einkaufen zu gehen…

23 Kommentare

  1. Frau B aus M an der E

    Und wieder einmal habe ich Tränen in den Augen….. es ist so wahr

    Vielen Dank für deine ehrlichen Worte.

    Ich finde im Alltag ist man schnell am meckern, aber eigendlich haben wir es doch wirklich gut. Durch deine Worte wird mir das immer mehr bewusst. Danke

  2. Du schreibst so toll, Mia. Es ist wirklich eine Gabe, Dinge so klar auf den Punkt zu bringen. Du hörst das wahrscheinlich ständig, aber Du sprichst mir wirklich häufig aus der Seele.
    Zum Thema oben: Wie langweilig wäre es denn bitte, wenn man nicht über den ganzen wunderbaren Stress mit Kindern und Job und allem drum und dran meckern könnte?
    Danke und liebe Grüße

    • Nee, das höre ich überhaupt nicht ständig und ich freue mich riesig über Deine Worte! Danke!

      • Sehr gerne!
        Was mir gerade noch zum Thema einfällt: ich persönlich finde Mamas, die mal meckern, stöhnen und sich beschweren viel authentischer und symphatischer.
        Meine Freundinnen und ich können abendfüllend gleichzeitig Dampf ablassen und uns darüber austauschen wie abgöttisch wir unsere Kinder und das Leben mit ihnen lieben. Das gehört doch irgendwie zusammen. Wenn ich eine Mama treffe, die wie ich mit Maxi cosi unterm Arm und großen Kind an der Hand in den Kindergarten kommt, und mir dann erzählt, wie leicht alles ist mit zwei Kindern und sie überhaupt keinen Stress hat, dann klingeln bei mir alle Alarmglocken.

  3. Ich lese mit seit mein großer 2013 geboren wurde. In der Zwischenzeit habe ich -im übrigen auch zwei Jungs – noch einen kleinen Engel. Deine Beiträge zu lesen sprechen mir oft direkt aus der Seele. Dieses Glück erfahren zu dürfen , seine Grenzen so abartig aufgezeigt zu bekommen und mit dieser liebe mitwachsen zu können erfüllt mein Leben und diese Party darf Bitte noch ganz lange andauern
    Alles liebe

  4. Einfach schööööön geschrieben. Du hast in Worte gefasst, was mir soooo häufig im Kopf rumspukt. Danke, danke, danke.

  5. Das kommt mir doch auch so sehr bekannt vor. Und dann habe ich da so eine Freundin, die sich bei aller Welt beschwert, dass ich mich nicht melde und dabei, meldet die sich auch nie und hat nur halb so viele Kinder, wie ich. O:-)
    Sei lieb gegrüßt!

  6. Das ist so wunderschön und liebevoll geschrieben!
    Ich saß beim Lesen dir ganze Zeit nickend vor dem Handy. *lach*

    Sehr schön!

    Sonnige Grüße.

  7. Motherofthree

    So so großartige Worte von Dir! Ich empfinde ebenso. Unser Leben gleicht einer Endlosparty mit Aufs und Abs und Ringen unter den Augen, nie genug Kaffee, Unmengen an dreckiger Wäsche, Krümeln, leeren Kühlschränken, triefenden Nasen, Fieber, Kotzeimern, ständigen Arztterminen, Gehetze von A nach B, unglaublichen Dauerlärm und einer Fülle an übermenschlicher Liebe, Wärme, Nähe, mit feuchten Küssen und Augen und Stolz und kleinen Händen in großen und ganz viel Geborgenheit! Ich stoße sinnbildlich darauf an mit Dir! Prost und auf eine niemals endende Party fürs Leben!

  8. 🙂 sooo schön und treffend geschrieben. TOLL!

    Und genau solche Worte sollten (ICH) wir uns doch täglich vor Augen führen.
    Findest Du oder ihr das auch so schwierig, dies in JEDEM (noch so trotzenden, anhänglichen, nörgelndem) Moment sich bewusst zu machen? Das könnt ihr auch nicht oder!?

    Liebe Grüsse von einer viellesenden wenigschreibenden Mama von einem wunderbaren 2,5 jährigen energiebündel 🙂

  9. Liebe Mia, toller Artikel, der mich zu Tränen rührt. Genauso ist es! Ich sitze gerade mit einem fieberigen Kind auf dem Sofa und gucke Wicki, alles andere bleibt liegen und das schon seit Tagen. Aber wenn sich eine heiße Hand in meine schiebt, gibt es nichts Schöneres auf der Welt!
    Lieben Gruß, Tina

  10. Der Text ist wundervoll geschrieben. Vieles kann ich bestätigen, und doch kommt die Zeit, in der man wieder viiiiel mehr Zeit hat und fast kein Kind mehr etwas von einem wissen möchte…auch nicht immer soo schön. Und trotzdem klingt es manchmal komisch, wenn man einem anderen sagt, dass man genau diese Zeit genießen muss.
    Ganz liebe Grüße
    Katharina

  11. Wunderschöner Artikel, der voll in mein Mutterherz trifft 🙂

    Wie oft denke ich an meine damalige Freiheit ohne Kinder und was ich spontan alles machen konnte. Manchmal möchte ich ungebunden eine Entscheidung treffen aber man steckt doch ständig zurück.
    Doch wenn ich in die Augen meiner Kinder schauen, dann würde ich für nichts in der Welt tauschen wollen.

    Mit jedem Schritt, den unsere Kinder alleine lernen zu bestreiten, erlangen wir ein Stück Freiraum zurück:)

    Alles Liebe Sina

  12. Claudia

    Aber es ist doch genau dass, was die Freundin eben nicht will: Zu Ihnen und Ihrer Familie nach Hause gehen. Die Freundin möchte Sie treffen, nicht Sie und die Kinder und auch nicht die bunten Gummistiefel.
    Es ist toll, diese Party, die Sie feiern. Aber es ist eben Ihre Party, die kein anderer außerhalb ihrer Familie so mitfeiern kann und auch so mitfeiern will, wie Sie das tun.

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