Was ich alles NICHT schaffe. Und warum.

Auf der Geburtstagsparty einer Freundin am Samstag konnte ich viele Freundinnen mit einer lustigen Geschichte unterhalten: Die Geschichte meiner vergangenen Woche. Das war nämlich so: 

Am Dienstag kam ich früher als geplant in die Kita, holte zuerst den Maxi und dann den Mini aus seiner Gruppe und traf dann im Flur kurz vorm Rausgehen einen Vater: „Na?“ sagt der zum Maxi, „Kommst Du mit?“

Maxi guckte verständnislos und ich erschrak plötzlich: „Heute???“
„Ja“ sagte der Vater,  „ist das ein Problem?“
„Nein. Ich habe jetzt nur kein Geschenk. Ich dachte, das wäre übermorgen!“

Ich hatte vergessen, das Maxi eine Geburtstagseinladung für diesen Tag hatte. Also, eigentlich hatte ich es nicht komplett vergessen, aber ich hatte es gedanklich an einen anderen Tag gepackt. An dem anderen Tag war tatsächlich auch ein Termin: Weiberfastnacht. Keine Ahnung, wohin ich den gedanklich verschieben wollte…

Extrem peinlich berührt schickte ich den Maxi ohne Geschenk mit zu der Geburtstagsparty. Das Geschenk würden wir dann nachliefern, versprach ich. Wäre ich nicht zufällig früher als sonst an der Kita gewesen, hätte mein Sohn die Party verpasst.

 

Am Mittwoch war ich morgens noch mehr im Stress als gewöhnlich. Der Stress ist natürlich hausgemacht, denn ich beginne ja jeden Morgen mit Kaffee und Kinder-Kuscheln im Bett, aber das muss halt so. Ich hatte wie üblich nichts zum Anziehen und bügelte mir schnell eine Bluse. Gegen 8:30 verließen alle das Haus.

Um 16:30 waren wir wieder zu Hause und ich denke bei mir: „Was macht da so komische Geräusche?“ Es war das Bügeleisen, das seit 8:00 an war! Ich habe mich fast zu Tode erschrocken, was für ein Glück, dass das Haus nicht abgebrannt ist! Also, falls Ihr auch so Bügeleisen-Aus-Paniker seid: Keine Sorge, da passiert nichts!

Am Donnerstag kam es noch schlimmer: Ich habe vergessen, mein Deo zu benutzen. Den Satz habe ich gerade 3 Mal wieder gelöscht und neu geschrieben, weil es mir einfach so peinlich ist! Zum Glück sind es zwischen Büro und zu Hause nur 10 Minuten, so konnte ich eine Terminpause nutzen, um noch nochmal nach Hause zu fahren und mich…äh… frisch zu machen.

Alle haben sich köstlich amüsiert, als ich meine Geschichte erzählte, aber für mich war es eigentlich schrecklich. Ich habe mir echte Sorgen gemacht, nun vollends wahnsinnig zu werden. Denn gerade das Bügeleisen kontrolliere ich immer noch drei Mal, nachdem ich es benutzt habe, und die Deo-Sache ist auch so eine Panik-Geschichte bei mir, das vergesse ich nie! Nie! Nie!

Was war los? Ganz einfach: Ich habe zu viel um die Ohren. Da sind die Termine von vier Personen, die ich im Kopf behalten muss (Hockey, Schwimmen, Klavier, Ausflugstage, Frühstückstage, Deadlines für Abschnitte, die abgegeben werden müssen, Geburtstage, die Hochzeit meiner Schwester, für die ich Trauzeugin war, Blogtermine, Mails, Rechnungen, Einkäufe, Arzttermine für mich, Arzttermine für die Kinder, Elternrat…) Es ist verdammt viel. Und da ich mich bei der Arbeit konzentrieren muss, schmeißt mein Gehirn wohl im Moment alles andere raus.

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„Ja, als Mutter hat man schon viel um die Ohren“, fanden auch die Freundinnen am Samstag. Recht haben sie. Aber dann ging das Gespräch stetig in eine bestimmte Richtung: Jede klagte, was sie alles nicht mehr schafft, seit sie Kinder hat: Keine Zeit mehr für Sport, keine Zeit mehr für Freunde, Kino, Ausgehen… Ich gebe zu, ich beteiligte mich an dem Gejammer Gespräch, aber später dachte ich darüber nach und fand uns sehr unfair.

Die Kinder sind eine große und zeitintensive Aufgabe, aber die Kinder als Ausrede für all das herhalten zu lassen, das ich nicht auf die Reihe kriege, ist einfach nicht richtig.

Nehmen wir den Sport: Ich mache nur noch wenig Sport, seit ich die Kinder habe, das stimmt. Und es stimmt auch, dass ich insgesamt mehr Sport gemacht habe, als ich noch keine Kinder hatte. Aaaber: Es gab auch damals immer Zeiten, in denen ich keinen Sport gemacht habe, und immer gab es dafür eine mehr oder weniger gute Ausreden: Ich muss für Klausuren lernen. Ich muss fürs Examen lernen. Ich habe dieses große Projekt in der Firma… Ich hab´s mir halt gern bequem gemacht und jede gute Ausrede war willkommen. Heute habe ich die Kinder als Dauerausrede. Wie praktisch.

Der Gegenbeweis: Im vergangenen Sommer hatte ich plötzlich ganz viel Lust auf Sport. 4 Monate lang bin ich 3-4 pro Woche joggen gegangen. Das ging plötzlich- ohne, dass ich dafür etwas anderes sausen lassen musste. Ich musste ein bißchen organisieren, das ja, aber es hat problemlos funktioniert.

Wer im Alltag mit Kindern Hobbys unterbringen möchte, der muss natürlich Prioritäten setzen, denn klar ist, dass kleine Kinder sich nicht selbst versorgen und einen Großteil unserer Zeit in Anspruch nehmen.  Was wir neben dem Muttersein aber sonst noch so machen, das entscheidet jede für sich. Wir entscheiden, was uns wichtig ist, wofür wir kostbare Zeit investieren und was wir an den Nagel hängen. Und selbst wenn wir manche Sachen schweren Herzens aus dem Terminkalender streichen müssen, weil die Zeit tatsächlich nicht reicht: Die Kinder haben uns das ja nicht weggenommen. Wir haben die Kinder schließlich selber in die Welt gesetzt- dass das nicht zeitneutral geht, ist ja wohl klar.

In meinem Fall ist die richtige Antwort auf die Frage nach dem Sport deshalb nicht: „Ich habe keine Zeit, wegen der Kinder“, sondern eigentlich: „Das ist mir unter all den Dingen, die ich zu tun habe, nicht wichtig genug!“ Denn immerhin habe ich mehrere Stunden pro Woche Zeit zum Bloggen und auch zum Fernsehen.

Ich glaube, so ist das mit allem: Wenn ich wirklich Interesse an etwas habe, dann organisiere ich meinen Alltag so, dass ich das unterbringe.

Apropos organisieren: Damit ich nicht wieder komplett untergehe, habe ich jetzt endlich angefangen, mich besser zu organisieren (das war bei uns zu Hause ja bislang nicht der Fall):

Ich habe mir einen Familienplaner ausgedruckt und weiß jetzt nicht erst im Nachhinein, woran ich hätte denken müssen
Ich habe mir meine Outfits für die ganze Woche schon am Sonntagabend zusammen in den Schrank gehängt
Ich lege die Klamotten der Kinder schon am Vorabend raus.

Auf diese Weise kann ich entspannter in den Tag starten so dass ich nicht mehr das Bügeleisen vergessen muss. Die Vorarbeit spart mir nämlich täglich 15 Minuten. Theoretisch. Heute Morgen habe ich die gesparten 15 Minuten länger mit den Kindern und dem Kaffee im Bett verbracht. Das Ende vom Lied: ich habe schließlich das Haus genauso gehetzt verlassen, wie immer. Eigentlich sogar noch zwei Minuten später. In denen habe ich die Kinder eine Runde extra umarmt und abgeknutscht. Die können nämlich nichts dafür.

Mamablog Mama Mia

10 Kommentare

  1. Ich kann dich total verstehen! Gerade heute ging es mir genauso, hab auch was vergessen. Ich denke auch, dass man mit Kind immer noch Freiräume hat. Sicher weniger als vorher, und nicht in den ersten ein-zwei Jahren. Doch mit der Zeit pendelt sich alles wieder ein, und dass ist ein recht kleiner Preis für das, was man im Gegenzug bekommt 🙂

  2. Hallo Liebe Mia,

    ich halte mich für einigermaßen organisiert. Allerdings ist alles, was nicht in meinem Kalender steht für mich sozusagen nicht existent.

    Kein Mensch kann alles im Kopf behalten und wenn doch, dann kostet das irre viel Energie. Da hilft: aufschreiben. Alles was auf Papier ist, darf raus aus dem Kopf und macht Platz für Wichtigeres.

    Zum Thema, was nicht im Kalender steht: Mein Sohn hat Dank mir bereits einen Ausflug mit dem Kindergarten verpasst. Ich hatte die Anmeldung dazu sogar im Kindergarten abgegeben, aber aus mir unerklärlichen Gründen hat es der Termin nicht bis in den Kalender geschafft. Und ich habe ihn an dem Tag völlig entspannt in den Kindergarten gebracht um zu erfahren, dass die anderen Großen bereits seit ner halben Stunde weg waren. Zum Glück hat es ihm nichts ausgemacht (hat er mir zumindest auf tausend besorgte Nachfragen versichert).

    Was ich damit sagen will: Selbst die beste Organisation kann einen nicht vor gelegentlichen Black Outs schützen, aber hilfreich ist sie trotzdem sehr. 😉

    Liebe Grüße,

    Nicole

  3. Herrlich, das mit dem Deo. Bei uns steht eins im Laden auf der Toilette. Für alle Fälle… Ansonsten ist das für mich auch alles normal: ich komme immer last minute- aber immerhin meistens noch pünktlich. Es gibt Phasen, da klappt es besser und da klappt es schlechter.
    Aber: ich muss mir ALLLES aufschreiben, sonst geht gar nichts!!!
    Kuschelt schön morgen früh!
    LG, Yvette

  4. Ich habe mich sooo wiedererkannt… inklusive der Frage, ob man jetzt endgültig wahnsinnig geworden ist (meine skurrilste Entgleisung der letzten Zeit ist, dass ich die noch recht neuen knallblauen Lederkrabbelpuschen des Jüngsten in die Kochwäsche gepackt habe…). Aber auf den Kindern rumzuhacken ist natürlich Quatsch, warum hackt ihr denn nicht auf den Männern herum? So sehr wir sie lieben und so sexy wir sie damals fanden, sie sind mit dafür verantwortlich, wenn wir „versagen“. Und zwar in dem Umfang, in dem sie uns alles allein machen lassen. Mein Mann ist also an meinen Verfehlungen mit ziemlich genau 89% beteiligt.

  5. Du hast vollkommen recht damit, dass es nicht immer richtig ist, die Kinder als Ausrede vor sich herzuschieben und viele Dinge einfach eine Sache der Organisation und des Prioritäten Setzens sind. Ich für meinen Teil schiebe auch immer das Nicht-mehr-Joggen gehen auf die Kinder, obwohl das Quatsch ist. Nun habe ich mich selbst unter Druck gesetzt und beim womens Run angemeldet, denn eigentlich liebe ich es zu Joggen.
    Alles Liebe und viel Freude beim Organisieren, Anne

  6. Ich denke so oft wie toll du das alles wuppst, soweit ich das hier via Blog nachvollziehen kann. Nur keine Sorge! Ich denke jetzt schon manches Mal darüber nach, wie das werden wird wenn im Sommer unsere Nummer 2 kommt, wo ich manchmal mit der kleinen Lady schon das Gefühl habe nix mehr zu schaffen. Und dann gibt es wieder solche Tage, an denen staune ich wirklich was ich alles geschafft habe und nebenher sogar das Kind bespaßt, bzw. geduldig eingebunden. Nicht alle Tage sind gleich, aber es stimmt schon, ganz und gar den Kindern die „Schuld“ in die Schuhe schieben kann man auch nicht.

  7. Danke Mia,
    ich freue ich, dass dein Schamgefühl verloren hat, weil das wirklich sehr unterhaltsam war.
    Ich finde mich da auch drin wieder, lässig ist cool, organisieren ist so anstrengend und spießig, aber seit ich Ordner für die Mitteilungszettel eingeführt habe, haben meine Kinder wirklich fast immer Vesper und 2€ am richtigen Tag dabei.
    Das ist irgendwie auch lässig:)
    viele Grüße
    Amy

  8. Der Artikel ist herrlich – sowohl der erste „Ich erkenne mich wieder“-Teil als auch der zweite. Man verliert sich ja gerne mal im Gejammer, aber es ist tatsächlich wichtig, da immer mal wieder die Perspektive zu wechseln. Außerdem macht es Mut, dass die Sachen, auf die man wirklich Lust hat, auch bei gefühlt vollem Kalender oft machbar sind. Das hat mich gerade richtig positiv gestimmt, Dankeschön!!

  9. Du hattest vorher keinen Planer?? Wie hast du das denn gemacht? Alles im Kopf behalten? Na dann verstehe ich, dass du einiges vergisst, ich glaube, das kann keine Mama alles im Kopf behalten 🙂

    Schreib doch mal über ein paar Tipps, wie man sich besser organisieren kann als Mama, wenn du die Dinge selbst getestet hast 😉 Das würde mich sehr interessieren.

    Ganz liebe Grüße und wie immer, danke für deine Ehrlichkeit :-*

    Janina

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