Angekommen

Ich könnte glatt neidisch auf die heilige Familie sein. Als wir Weihnachten in der Kirche saßen und ich auf diese Szene blickte, wie sie (von hinreißend aufgeregten Kindern gespielt) im Stall knieten, da dachte ich: „Diese Familie ist angekommen.“

Okay, sie mussten später nochmals los, aber in dem Moment, als sie ihr Kind in der Krippe betrachteten, da war für sie alles super. Dach überm Kopf, Kind da und dann erschienen Engel und über dem Stall leuchtete der hellste Stern von allen.

Als der Mann und ich Eltern wurden, hatte ich ehrlich gesagt in der ersten Zeit eher das Gefühl, unser Stern sei im Sinken begriffen. Die Umstellung von Paar auf Familie fiel uns schwer, wir brauchten einige Wochen, um uns in unseren neuen Rollen zurecht zu finden. Wir stritten uns oft, wir waren müde und angespannt, und in den dunkelsten Momenten zweifelten wir sogar daran, ob die Entscheidung für uns als Familie die richtige war.

Ich war am Ende meiner Kräfte. „Ich brauche eine Nanny!“, habe ich immer wieder zum Mann gesagt. Ich begriff nicht, wie andere Mütter das schafften, ich würde es jedenfalls alleine nicht packen, das war vielleicht die einzige Sache, in der ich mir sicher war.

Aber ich fand meine Sicherheit zurück. Ich setzte einen Fuß vor den anderen und genau das taten auch mein Mann und mein Sohn, bis wir irgendwann wie fast von alleine durch dieses neue Leben liefen.

Ich haderte trotzdem immer wieder mit diesem neuen Leben. Es ist nicht so, dass ich nicht glücklich war, oder dass ich lieber wieder zurück tauschen wollte, aber mir fehlte vieles aus meinem alten Leben. Das Schlimmste aber waren all diese ungeschriebenen Regeln, die ich nicht kannte. Fettnäpfe, in die man treten konnte, Ansichten, die man besser nicht vertrat. Das kannte ich bisher weder aus dem Beruf noch aus irgendeinem anderen Thema im Privatleben. Zu jeder Frage rund um die Kindererziehung hatte jemand anderes eine andere Meinung. Weil die Sätze, die ich auf dem Spielplatz oder beim Pekip hörte, alle mit: „Man soll ja nicht…“ oder „Man soll ja…“ begannen, war ich schnell verunsichert.

Was soll ich denn nun tun? So oft habe ich es nicht gewusst und so oft habe ich mich dann an jemandem orientiert, der es irgendwie besser zu wissen schien als ich. Auf diese  Weise folgte ich vielen Vorbildern, immer auf der Suche nach dem Schlüssel zum Tor in das Leben als gute Mutter.

Ich glaube gar nicht, dass das der falsche Weg war, aber falsch daran war, wie ich mich dabei manchmal gefühlt habe: Verunsichert. Es ist gut, dass wir mit dem Internet so viele Informationen zu jedem Thema auf Knopfdruck parat haben. Es ist gut, dass wir alle unsere Meinungen in Foren und Blogs und sozialen Medien äußern dürfen. Es ist gut, dass es so viele Stimmen gibt. Nicht gut ist, zu denken, die wüssten es alle besser.

Wenn ich Euch eine Sache mit ins neue Jahr geben möchte, dann die: Ihr macht das gut!

Es wird immer andere geben, die Euch verunsichern. Die haben aber auch nicht Euren Partner, nicht Euren Job, nicht Eure Betreuungsstruktur und vor allem: nicht Euer Kind! IHR seid die Experten für Euer Kind und für Euer Seelenheil. Ihr wisst schon, was das Richtige für Euch ist.

Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Zu keinem Thema. Manchmal muss man schwierige Entscheidungen treffen und gerade die Entscheidungen, die unsere geliebten, wertvollen Kinder betreffen, fallen uns oft so schwer, weil wir unbedingt alles richtig machen wollen. Ich  erlebe das gerade ganz deutlich in der Frage, ob wir den Maxi früher einschulen oder nicht. Je mehr Leute ihren Senf dazu geben, umso verunsicherter bin ich. Dabei weiß ich eigentlich längst, wie wir uns entscheiden müssen.

Mamablog

Medien (wie dieses hier) zeichnen Bilder von schönem Familienleben und suggerieren, dass es wenn auch nicht das ideale Familienbild, so doch zumindest eine Art Main Stream gibt. Aber ganz ehrlich: Wenn ich mit den Kindern einmal im Jahr etwas kreatives bastle, poste ich das natürlich als Anregung im Blog, aber wisst Ihr, ob meine Kinder nicht an allen anderen Tagen viel zu viel fernsehen? Alle Bilder, alle Meinungen können immer nur Anregungen sein. Euer Weg hat vielleicht ein bisschen Mama Mia, ein bisschen Mamanotes, eine Prise Berlinmittemom und einen Klecks Geborgen Wachsen, er wird eingefärbt von dem, was Eure Oma schon immer sagte und dem, was Perfektemama12345 neulich in diesem Forum gepostet hat. Aber aus alledem formt Euer Herz und Euer Verstand ein eigenes Bild, weil Eure Familie anders ist, als alle anderen Familien.

Deswegen muss jede Familie ihren eigenen Weg gehen. Das ist mir schon lange klar, aber erst jetzt ist mir klar, dass wir diesen Weg nicht erst finden müssen, sondern dass wir schon vom ersten Tag auf diesem Weg unterwegs sind.

Wir sind die Familie, die wir sind, seit dem Tag, an dem wir eine Familie wurden. Wir sind längst angekommen. Und Ihr seid es auch.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

 

26 Kommentare

    • Hallo Mia, ich lese deinen Blog sehr gerne und ich möchte dir und deinen liebe alles gute für 2016 wünschen.
      Ich finde du hast es total schön geschrieben und ich werde es mir für so manch eine Diskussion im Hinterkopf behalten.
      Ich habe mir erst vor kurzer zeit mal von verwandten anhören müssen, aber wenn wir bei anderen Kindern sind, dann dürfen wir mit denen alles spielen und die Mama überlässt uns die Kinder. – ja, vielleicht behüte ich meine Kinder sehr und vielleicht würde es auch anders gehen, doch mein Mann und ich kennen unsere Kinder am besten und wir machen es so, weil wir der Meinung sind, dass es so am besten ist.
      Danke für deine Gedanken und Inputs. Ich freu mich schon auf viele interessante blogbeiträge im 2016er Jahr!

      Alles liebe, Pia

  1. Liebe Mia, das hast du so schön geschrieben. Auch ich ertappe mich immer wieder, dass ich gewisse Sachen einfach nicht erzähle, damit ich Diskussionen aus dem Weg gehe, die eigentlich gar nicht statt finden sollten. Nur man selbst weiß, ob das eigene Kind reif für die Schule ist, es Zeit für das Ende der Windel- oder Schnullerära ist oder ob ich als Mama Zuhause bleibe, in Teilzeit arbeite oder in Vollzeit. Niemand anderes kann so gut beurteilen wie die Eltern, wie es dem Kind dabei geht und vor allem Mama und Papa. Denn es gibt auch Entscheidungen, die ich zu meinem Gunsten fälle und nicht dem Kind zuliebe. Aber es sollte sich jeder gewiss sein, dass ich mir vorher dazu Gedanken gemacht habe. LG, Christiane

  2. Hallo!
    Wunderbarer Artikel, der es exakt auf den Punkt bringt, dafür danke ich Dir. Mir geht es nämlich oft ganz genauso.
    Darf ich fragen, wie Ihr Euch zwecks Schule entschieden habt? Bei uns steht diese Entscheidung ebenfalls an und wir fühlen uns so, als würde uns jeder in eine andere Richtung zu zerren versuchen… es ist total anstrengend und macht die Entscheidung schwerer, auch wenn man eigentlich im Bauch genau weiß, was richtig wäre…

    Liebe Grüße von Katrin

    • Wir werden wohl einschulen. Kita, Schule, Schularzt haben keine Bedenken, aber wir werden es endgültig im Frühjahr nach Bauchgefühl entscheiden. Mal sehen, was für ein Kind wir dann haben 🙂

      • Find ich super. Unser Sohn ist im August geboren, war aber ein Frühchen. Schule, Schularzt, Kinderärztin, Psychologe und Sozialarbeiterin sind pro Einschulung, allerdings die Kita nicht. Unser Kind spielt nicht sehr viel mit den anderen Kindern, deswegen halten sie ihn für sozial nicht kompetent genug. Meine Theorie ist eher, dass er die Kinder nicht so mag, er kam erst später in diese Gruppe hinein und hat viele Freunde außerhalb. Andererseits ist unser Kind ja die meiste Zeit in der Kita und sie kennen ihn dort gut. Es ist schwierig. Auf der anderen Seite beginnt er schon zu lesen und zu rechnen und würde bei einer Späteinschulung vllt erst recht zum Außenseiter werden, wenn er schon so vieles kann, befürchten Ärzte und der Psychologe, mit dem wir geredet haben. Keine Ahnung, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass er gehen sollte…ein komplett neuer Anfang hilft ihm evtl. auch…

        Alles Gute für Deinen Großen 🙂

  3. Hallo.
    Vielen Dank für den Text. Er tut Gut und gibt Mut. Der letzte Satz gefällt mir sehr Gut. Danke.

    Viele liebe Grüße. Paula

  4. Danke für diese ehrlichen Worte!! Mein Sohn wird morgen 2 und ich habe immernoch manchmal das Gefuhl meinen Weg noch suchen zu müssen. Auch mit der Kraft bin ich noch oft am Limit, vor allem nach schwierigen Nächten. Hoffe ich finde auch diesen Punkt an dem ich das Gefühl habe „fast wie alleine durch dieses neue Leben zu laufen“.

  5. Liebe Mia,

    ich bin schon seit längerem stille Leserin deines tollen Blogs.
    So oft habe ich schon gedacht “ Das hat sie wieder toll geschrieben“ oder „Jaa, genau endlich sieht das auch mal einer so wie ich“ !
    Kommentiert habe ich trotzdem noch nie… Da bin ich leider etwas faul :-).
    Heute ist es aber mal soweit und ich äußere mich.
    Danke, für die Art wie du schreibst und Danke für die Themen die du ansprichst.
    Dieses Thema trifft bei mir gerade einen Nerv, denn in weniger als 3 Monaten werde ich selbst das erste Mal Mutter ( das ist irgendwie immer noch unglaublich für mich…). Ich hadere seit einiger Zeit mit der Verantwortung und der großen Veränderung die auf mich und meinen Mann zu kommt.
    Er sieht alles immer zu 100 % positiv und ist meiner Meinung nach manchmal einfach blauäugig und etwas naiv.
    Ich bin absolut kein Schwarzmaler und freue mich selbst wie ein Schnitzel auf unsere kleine Maus….aber.
    Ich habe ein bisschen Angst.
    Schaffen wir das? Wir streiten jetzt schon manchmal zu viel.
    Kriege ich das alleine gebacken, wenn er zur Arbeit geht?
    Was mache ich denn den ganzen Tag mit so einem kleinen Menschen?
    Ich habe bis jetzt nicht mal auf ein Kind aufgepasst.
    Kommt irgendwann der Punkt an dem ich mir wünschte, dass ich die zeit zurückdrehen kann?
    Das sind sicherlich relativ normale, realistische Gedanken vor einer Geburt.
    Dein Post hat mir gerade wieder ein bisschen Selbstsicherheit zurückgegeben.
    Und eigentlich ist es das was mein Mann so oft sagt : “ Wir machen das schon, Miri. Irgendwie kriegen wir das hin. So wie wir das wollen. “

    Also…Danke noch mal.

    LG Miriam

    • Liebe Miriam, ich wünsche Euch alles Gute. Und ich bin sicher, Ihr werdet das toll machen. Die Verantwortung ist natürlich groß, da kann man vorher schonmal unsicher sein, aber Du wirst ganz bestimmt überwältigt von dieser Liebe sein. Es wird manchmal anstrengend, aber wunderschön! Liebe Grüße. Mia

  6. Danke, endlich bringt es jemand auf den Punkt! Sonst sind wir doch auch so stolz auf die Individualität von uns und unseren Kids 😉

  7. Liebe Mia,

    Das ist wirklich ein super Artikel und bringt es absolut auf den Punkt: So wie wir alle unterschiedlich sind sind es auch unsere Kinder – und dementsprechend kann es für jede Familie nur ihren eigenen Weg geben und nicht den von xy als richtig empfundenen. Leider habe ich mich damit am Anfang sehr schwer getan: Zu mir und meiner Tochter zu stehen, so wie wir eben sind – aber mittlerweile gelingt es mir zum Glück ganz gut.

    Danke für diese tollen Worte und Liebe Grüße,
    Nadine

  8. Hallo Mia,

    Danke, für den tollen Post. Das ist auch meine Meinung. Den Post würde ich direkt so unterschreiben. Jeder Mensch und jede Familie ist einzigartig und wird intuitiv den besten Weg finden und gehen.

    LG,
    Sunev

  9. Schön geschriebener Artikel! Diese Ehrlichen Worte liest man sonst nur selten, Danke dafür. Hoffe ich lese weitere solche Artikel bei dir.
    Liebe Grüße!

  10. HI,
    Danke für deinen schönen, ehrlichen und mutmachenden Bericht! Für dich und deine Familie ALLES GUTE!
    Viele Grüße Bille und die kleine Emma!

  11. Liebe Mia,

    vielen Dank für diesen schönen und wahren post, dieser kam für mich genau zum richtigen Zeitpunkt. Meine süße Tochter wird im Januar 1 Jahr. Ein anstrengendes und zugleich wunderschönes Jahr liegt hinter uns und auch ein Jahr voller emotionaler Achterbahnfahrten. Ich liebe es Mama zu sein und ich bin unsagbar dankbar und glücklich über dieses wundervolle Geschenk und doch habe ich manchmal das Gefühl nicht genug Kraft zu haben. Mama sein ist eben auch sehr anstrengend und das sage ich obwohl ich ein extrem braves und gut gelauntes Kind habe, das schon nach ein paar Wochen durchgeschlafen hat.
    Obwohl ich früher immer dachte, dass ich auf jeden Fall 2 Kinder möchte, merke ich immer mehr, dass es sich für mich nicht mehr richtig anfühlt. Ich denke ich bleibe Einzelkind-Mama. Mein Mann arbeitet sehr viel und lang und ist mind. alle 2 Monate für mind. 1 Woche im fernen Ausland. Da komme ich schon manchmal mit einem Kind an meine Grenzen. Wenn ich in der Familie und im Freundeskreis sage, dass wir es wohl bei einem belassen werden (mein Mann möchte das auch), kommt immer ein „nein wieso denn?“ als müssten deswegen alle Mitleid mit meiner Tochter haben. Dieser Kommentar kommt übrigens fast nur von denen die noch keine Kinder haben.
    Ich fühle mich daher oft richtig mies mit meiner Entscheidung und frage mich ob ich als Mutter versagt habe. Besonders diesen Absatz „Es wird immer andere geben, die Euch verunsichern. Die haben aber auch nicht Euren Partner, nicht Euren Job, nicht Eure Betreuungsstruktur und vor allem: nicht Euer Kind! IHR seid die Experten für Euer Kind und für Euer Seelenheil. Ihr wisst schon, was das Richtige für Euch ist“ sollte ich mir ausdrucken und am besten übers Bett hängen! 🙂
    Vielen Dank dafür und für die vielen schönen posts und Deinen tollen Blog den ich schon so lange still begleite.

    Martina

  12. Wunderschön geschrieben, liebe Mia! Ich verfolge deinen Blog regelmäßig, habe mich bisher mit dem Kommentieren aber zurückgehalten. Jetzt möchte ich dir gerne ein erfolgreiches und wunderschönes Jahr 2016 für deine ganze Familie wünschen!

  13. Genau dafür liebe ich Dich! Dein Blog war einer der ersten, die ich gelesen habe und einer der wenigen, die ich immer noch regelmäßig lese. Weil Du Du bist und Dich zeigst in Deinen Texten. Und weil Du bestärkst statt zu verunsichern.
    Ziemlich genau diese Sätze schrieb ich gerade in einer Mail an meine Schwägerin, deren Baby noch klein ist, um sie zu bestärken. Genau das ist so wichtig.
    Du bist toll und voller Liebe. Sicher pflanzte Deine Urgroßmutter die schon in eure Familie. Ich hoffe, dass ich sie in meine Kinder genauso pflanzen kann.
    Liebe Grüße!
    Julia

  14. So ein schöner Text! Erinnert mich sehr an unser zurückliegendes erstes Jahr mit Kind – und an meine Gefühle dabei. Ich hab diesen Beitrag ja jetzt erst dank FB entdeckt aber lese schon eine ganze Weile mit. 😉

    Meine Gedanken dazu habe ich auch in einem Blogbeitrag vom letzten Nov zusammengefasst: http://www.the-blog-with-b.com/news/picture-perfect-unser-newborn-shooting/

    Ich würde mich wirklich – ehrlich!! – freuen, wenn du mal vorbeischaust!

    Einen guten Rutsch euch!
    Kristina

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