Ein ganz normales Weihnachtsfest. Nur anders.

Ju ist eine Mutter wie ich. Wie wir alle. Aber etwas ist anders: Ju sitzt im Rollstuhl. Auf ihrem Blog Wheelymum schreibt Ju aus ihrem Leben als Mutter im Rollstuhl und macht damit anderen Müttern (oder solchen die es werden wollen) im Rollstuhl Mut. Gleichzeitig  ist Wheelymum ein ganz normaler Mamablog. Weil mir dieses Konzept gut gefällt, habe ich die Wheelymum heute zu einem Gastbeitrag eingeladen. Hier kommt ihr Bericht über ein ganz normales Weihnachtsfest. Nur anders:

Weihnachten 2015 war es ein Fest der Liebe? Oder war Weihnachten 2015 geprägt von Stress, Hektik, dem falschen Essen, Streit und Enttäuschung?

Bei uns war es recht gemütlich, die warmen Temperaturen haben mich überhaupt nicht gestört, sondern taten mir und meinem Körper sehr gut.

Am Abend vor Weihnachten, als Junior im Bett lag, habe ich mich nochmals aufgerafft und bin ins Wohnzimmer. Mein Mann hat den Christbaum aufgestellt und wir schmücken ihn gemeinsam. Ich unten und er oben. Der Mann holt die Geschenke und verteilt sie liebevoll unter dem Baum. Natürlich haben wir vergessen ein Bild davon zu machen. Danach gehen wir zusammen aus dem Wohnzimmer und verschließen die Tür bis wir am nächsten Tag das Glöckchen hören.

Am 24.12 gehen wir nach dem Frühstück gemeinsam in den Wald. Junior fährt mit dem Kinderwagen und läuft, je nach Laune, ich fahre und nehme unseren vollen Picknickkorb auf den Schoß und unser Papa schiebt, eo gerade Hilfe benötigt wird. An der Hütte angekommen, schmücken wir einen Weihnachtsbaum für die Tiere mit Äpfel, Karotten und Nüssen. Wir machen eine kleine Pause und stärken uns, bevor dann der Morgen schon fast wieder vorbei ist und wir nach Hause gehen.

Dort richte ich den Kaffeetisch für uns, meine Eltern und meine Schwester. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen und der Mann badet Junior. Ich lege mich mit ihm zum Mittagsschlaf hin, denn ich muss mich auch noch etwas ausruhen. Beide schlafen wir gleich ein. Junior weckt mich ganz aufgeregt nach einer Stunde: „Mama, jetzt dommen die vielen Gäste.“ Mein Mann hilft uns beiden aus dem Bett und wir machen uns hübsch für den besonderen Tag.

Unser hl. Abend beginnt bereits um 15 Uhr. Es gibt eine große Kaffeetafel und viele kleine Leckereien, die ich in den letzten Tagen vorbereitet habe. Wir trinken Kaffee, Tee und Junior kann es kaum noch erwarten: „Wo bleibt des diskindel (Christkindel) denn“.

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Plötzlich hört man ein leises Klingeln. Große Augen und ein: „Papa, bitte Arm will ich“ hört man in der Wohnung. Alle rennen Richtung Wohnzimmer. Ich rolle zum Schluss hinterher. Im Wohnzimmer leuchten der Weihnachtsbaum und die Augen von Junior um die Wette. Die Küche sieht aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, aber wen interessiert das im Moment schon. Wir singen zwei Weihnachtslieder – ja, wir singen hier noch – und dann folgt die Bescherung. Junior nimmt alle in den Arm und kuschelt sich an sie um Frohe Weihnachten zu sagen. Jetzt leuchten auch meine Augen und haben ein paar Tränen. Es gibt einen Kaufladen und einen Spielteppich vom Christkind. Beide müssen natürlich gleich bespielt werden, das Geschenkpapier verteilt sich unter dem Baum, hinter dem Sofa und unter dem Teppich. Kurz nach 17 Uhr müssen wir los. Wir hinterlassen im Wohnzimmer und in der Küche ein Chaos und schließen einfach die Tür hinter uns ab. Während mein <3 Mann mit meinen Eltern die Adventsspirale mit 24 Kerzen entzündet, gehe ich mit meiner Schwester die Treppe herunter und setzte mich draußen in meinen Porsche. Junior läuft mit dem Laufrad. So machen wir einen kleinen Spaziergang zu meiner Tante. Dort wird sich die ganze Großfamilie – 4 Generationen zum Abendessen treffen. Bis 20 Menschen sich frohe Weihnachten gewünscht, gegessen und getrunken haben, ist der kleine Wirbelwind kaum noch zu halten. Denn auch hier war das Diskindel wohl da. Am späten Abend machen wir uns auf den Heimweg und genießen die Stille in den Straßen. Junior betrachtet die Lichter und staunt. Total erschlagen werden Junior und ich vom Mann ins Bett gebracht. Ich liebe diesen Mann.

Am nächsten Morgen machen die beiden einen Männermorgen und ich werde von meiner Schwester zum Gottesdienst abgeholt. Danach ist großes Mittagessen mit Onkeln und Tanten, an dem wir aber nur kurz teilnehmen. Zumindest die Küche müsste noch etwas aufgeräumt werden. Das Geschenkpapier im Wohnzimmer wird ja nicht schlecht. Wir genießen etwas Familienzeit und dann folgt schon wieder der Mittagsschlaf. Nach dem Mittagsschlaf, könnte man meinen wir haben schon lange nichts mehr gegessen. So kommen die Schwiegereltern zum Kaffeetrinken und zum Abendessen. Die Familie meines Mannes wohnt ca. 70 km entfernt und lange Autofahrten bekommen mir einfach nicht. Gerade an solchen Festtagen wo viel los ist, muss ich mit meinen Kräften haushalten. Deswegen gibt es zum Kaffee heute auch nur die Reste von gestern. Aber immerhin in einer aufgeräumten Küche. Man muss sich das Leben ja nicht stressiger als nötig machen. Selbstverständlich gibt es auch von den Großeltern noch Geschenke im Wohnzimmer. Noch mehr Papier liegt herum und sucht sich einen gemütlichen Platz im Wohnzimmer. Um auch am 1. Weihnachtsfeiertag genügend Bewegung und Frischluft haben, ziehen wir uns an, gehen in den Hof und richten den Ferrari, sowie den Kinderwagen und laufen los. Zuvor werden auch heute wieder die Kerzen an der Spirale angezündet. Wir lassen es uns gutgehen und gehen gemeinsam Essen. Auch der Rückweg bei klarer Luft und vielen beleuchteten Fenstern ist wirklich angenehm. Bei der Adventsspirale gibt es noch Glühwein und einen Punsch. Meine Kräfte lassen nach am liebsten würde ich die Treppe nach oben getragen werden.

Es kommt wie es kommen muss. Die Nacht ist eine Katastrophe und ich kann vor Schmerzen kaum ein Auge zumachen. Ich habe vom Herzmann aber Karten für ein Handballspiel am frühen Abend geschenkt bekommen. So beschließen wir im Familienrat, dass die beiden Männer alleine zum Cousinenbrunch des Mannes fahren. Ich erhole mich in der Zeit, schlafe noch eine Runde, lese ein wenig und warte dann darauf, dass mir der Herzmann nach seiner Rückkehr beim Duschen hilft. Dann legen sich Junior und Papa zum Mittagsschlaf hin und ich versuche meine Augenränder wegzuschminken. Sobald die Ruhe vorbei ist, geht es ins Wohnzimmer, denn Junior hat noch mehr Geschenke bekommen und die muss er mir natürlich unbedingt zeigen. Wir gehen nochmals eine Runde an die frische Luft und genießen den Sonnenschein. Der Herzmann ladet das Auto und holt mich dann ab. Wir Eltern schleichen und davon und feiern unseren 8 Jahrestag. Wie vor 8 Jahren in einem Handballpiel. Dieses Mal weder aktiv noch im Stehplatz, sondern ganz gemütliche Sitzplätze nebeneinander, in der Geraden. Anstatt Hand in Hand, schiebt man Hermann man mich in die Halle, setzt sich neben mich und hält stolz meine Hand. Junior hat in der Zwischenzeit Besuch von Oma und Opa. Auch das ist bei uns Weihnachten. Wir verbringen einen schönen Abend zu zweit und lassen unser Weihnachtsfest gemütlich ausklingen.

Als ich heute mit dem Rollstuhl ins Wohnzimmer fahre und mich umsetzten möchte, rutsche ich aus. Auf einem Stück Geschenkpapier. Weihnachten nur besinnlich und so ganz ohne Drama geht also dann doch nicht. Und genauso soll es wohl auch sein.

Ich bin wheelymum und erzähle von meinem Leben als Mama im Rollstuhl. Aber eben auch genau von diesem normalen Leben. Unser Weihnachtsfest hat sich bestimmt nur in Einzelheiten von Eurem unterscheiden. Ok, der Ablauf war wohl in jeder Familie ein eigener, aber ihr merkt: In einigen Dingen unterscheiden wir uns, in den meisten, bin ich aber genauso Mama wie ihr alle. (oder natürlich Papa)

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