Familienbett durch die Hintertür

Im Grunde ist es ein Wunder, dass ich noch nicht von einem Löwen gefressen wurde.

Oder abgebrannt bin. Oder von einem Einbrecher abgemurkst wurde.

Denn selbst wenn man allen Dingen, vor denen ich mich in dunklen Nächten schon gefürchtet habe, unterstellt, dass sie auch nur mit 5%iger Wahrscheinlichkeit eine reale Bedrohung waren, so waren es doch so viele Ängste, dass mindestens eine sich eigentlich verwirklicht haben müsste.

Als Kind habe ich nachts mit weit geöffneter Zimmertür geschlafen und im Badezimmer brannte die ganze Nacht Licht. Es war taghell in meinem Zimmer, aber anders konnte ich nicht schlafen. In einer späteren Phase hatten wir folgendes Ritual: Meine Mutter öffnete das Fenster in meinem Kinderzimmer, um die Wölfe (!) rauszulassen. Dann schloss sie es und ging zur Haustür, um diese für mich hörbar abzuschließen, damit die Wölfe (!) auch nicht wieder hinein kommen konnten.

Und sogar im Alter 15 Jahren habe ich wochenlang bei meinen Eltern im Schlafzimmer auf dem Fußboden geschlafen, weil ich unter den Nachwirkungen eines Filmes litt, den ich besser nicht geschaut hätte. Jetzt bin ich 37 Jahre alt Mitte 30 und mag es noch immer nicht, wenn ich mal nachts alleine zu Hause bin.

Mein Bett habe ich allerdings am liebsten für mich ganz alleine. Ich konnte mich lange Zeit nicht daran gewöhnen, mit einem Mann neben mir einzuschlafen. Das Thema Familienbett hatte ich daher eher nicht auf der Agenda.

Als ich Mutter wurde, habe ich also kein Bett für die ganze Familie gebaut und der Maxi schlief von Anfang an im eigenen Bett in unserem Schlafzimmer. Nach ein paar Monaten schlief er nachts so zuverlässig durch, dass er ins eigene Zimmer ausquartiert wurde.

Dann kam der Mini.

Dem Mini hat es von Anfang an nicht gereicht, nur neben mir zu liegen, der musste wirklich in meinem Arm liegen. Heute ist er 2,5 Jahre alt und schläft zwar im eigenen Bett in Maxis und seinem gemeinsamen Zimmer ein, aber er wacht jede Nacht auf und will in mein Bett. Und bis heute braucht er dann Körperkontakt und legt sich halb auf mich drauf.

Weil es in unserem 160cm Bett also jede Nacht einen kleinen Besucher gibt, hat der Mann bis vor kurzem im Gästezimmer geschlafen. So hatte er nachts Ruhe und Platz, der Maxi schlief zufrieden in seinem Zimmer und ich hatte immerhin die Hälfte der Nacht ebenfalls ein ruhiges Plätzchen für mich alleine.

Bis jetzt! Denn neuerdings haben wir doch ein Familienbett.

Es begann damit, dass die Kinder übers Wochenende bei meinen Eltern waren. An diesem Wochenende schlief der Mann wieder im Schlafzimmer und irgendwie fanden wir das jetzt plötzlich so schön, dass wir es dabei beließen. Der Mini war natürlich begeistert, als er in der ersten Nacht entdeckte, dass er sich jetzt wahlweise an Mama oder Papa ankuscheln kann.

Als der Maxi herausfand, dass er als einziger morgens alleine aufwachte, protestierte er. Ich sagte zu ihm, dass er gerne jederzeit auch in unser Bett dürfe, wenn er nachts aufwacht. Aber der Maxi wacht ja nachts nie auf. Oder?

In letzter Zeit meldet der Maxi sich nachts regelmäßig, weil er schlecht geträumt hat. Dann gehe ich zu ihm, um ihn zu beruhigen, aber meistens kann er nicht mehr einschlafen und kommt mit ins Schlafzimmer. Und da liegen wir nun immer öfter zu viert.

Familienbett

Das alles wäre eigentlich keinen Blogpost wert, hätte ich nicht den Fehler gemacht, darüber zu sprechen. „Bist Du wahnsinnig? Weißt Du, was Du Dir da antust?“ „Oh, das solltest Du aber besser nicht einreißen lassen, das kannst Du denen nie wieder abgewöhnen!“ Solche Kommentare ließen nicht lange auf sich warten.

Vielleicht haben die Leute Recht. Vielleicht stimmt das alles sogar. Mir ist das aber gerade egal.

Manche finden, Kinder gehören zu ihren Eltern ins Bett. Andere finden, Kinder müssen lernen, alleine zu schlafen. Ich finde , das kann man alles so nicht sagen.

Ich weiß nur, dass mein Kleiner nachts aufwacht und nach mir ruft und dass mein Großer neuerdings schlecht träumt. Und ich weiß, wie sich das anfühlt, weil ich früher nachts so oft Angst vor Wölfen hatte. Und Tigern. Und Löwen. Und Einbrechern. Und überhaupt.

Das Entscheidende ist: Wir genießen das gerade sehr! Wir haben in den letzten Jahren alle sehr gut in unseren eigenen Betten geschlafen (außer Mini), aber jetzt genießen wir die Nähe auf 160cm. Wir finden es einfach jetzt im Moment alle vier schön so, und das ist für mich der Kern der Idee vom Familienbett: Bedürfnisorientiertheit.

Für uns bedeutet das, dass wir uns nach fünf Jahren Familie plötzlich alle in einem Bett wiederfinden. Sozusagen Familienbett durch die Hintertür.

Warum eigentlich nicht?

9 Gedanken zu “Familienbett durch die Hintertür

  1. Hallo Mia!
    Du findest einfach immer die richtigen Worte.
    Wir haben hier gerade wieder Einschlafbegleitung.
    Die kleine Große schläft im eigenen Bett bei uns im Zimmer, manchmal dort die ganze Nacht, wenn sie zB schlecht träumt, kommt sie zu uns und braucht einfach viel Nähe und Körperkontakt.
    Irgendwann schlafen sie alle nicht mehr bei Mama und Papa und bis dahin genießen wir es.

  2. Finde ich sehr gut, wie du das machst! Man muss flexibel bleiben. Das Wichtigste ist doch einfach, dass alle genug Schlaf finden. Mehr oder weniger ausgeruht kann man die Tage am Besten genießen.

  3. Aber hallo! Genau so sollte es sein. Alles kann, nichts muss und wenn alle beteiligten zufrieden (oder sogar glücklich) sind ist es richtig so.

    Müde aber zufriedene Grüße aus unserem Teilzeit-Familienbetrieb. (zeitweise 5 auf 1,40m plus Katze *g*)

  4. Bedürfnisorientiertheit ist das Stichwort, danke! Hier ist die Konstante, dass der Kleine (2 1/4) zum Einschlafen immer noch Körperkontakt braucht und auch mind. die halbe Nacht im „großen MamaPapa-Bett“ (Wortschöpfung des Großen zu der Zeit als er nicht im Kinderzimmer schlafen wollte) schläft, während der Große (4 1/4) – nach einer langen Phase, in der er auf einer Matratze im Schlafzimmer geschlafen hat – nun auf eigenen Wunsch alleine im Kinderzimmer einschläft. Gegegen 5 kommt auch eher dann meist zu uns gekuschelt. Mein Bedürfnis ist es hingegen, dass beide Kinder mit mir in einem Bett schlafen, wenn mein Mann auf Dienstreise ist.

    So, nun muss ich aber schnell ins Bett, bevor da kein Platz mehr für mich ist 😉

    1. Hihi, genau das mit den Dienstreisen ist hier auch so. Der Mann kommt heute nach drei Tagen aus Berlin zurück, und in der Zeit habe ich zwischen meinen Mäusen geschlafen. Win win!

  5. Hallo Mia,

    mach Dir da überhaupt keine Gedanken. Wir haben 3 Kinder, und 6 von 7 Nächten haben wir unser Bett nicht für uns alleine. Unsere große ist gerade in die Schule gekommen, was dafür gesorgt hat, dass Sie seit dem ersten Schultag wieder in unserem Bett schläft. Die kleinste kommt noch nicht selbst aus dem Gitterbett, aber ich bin mir sicher, sobald Sie das kann, ist auch Sie in unserem Bett. Ich finde persönlich, man soll den Kindern die Nähe geben, die Sie brauchen. Ich habe noch kein Kinde gesehen, das mit 18 noch im Bett der Eltern schläft, und bin deshalb ganz guter Dinge 🙂

  6. Hallo Mia, ich schlaf ja am liebsten einfach mit dem Mann im Bett und gut ist. Natürlich bekommen wir auch fast jede Nacht Besuch und ich liebe diese harmonischen Nächte zu viert in unserem Bett. Das ist so schön. Nur das mit den 1,60m würde ich mir nochmals überlegen 😉
    LG von Anni.

  7. 1,60 m ist wirklich sehr schmal für 3 Personen. Wenn das Kind noch klein ist mag es vielleicht noch gehen und es sogar sehr schön wenn man zusammen kuscheln kann, aber bei größeren Kindern wird es zur Last, wenn der eigene Schlaf daran leidet.

  8. Die Erfahrung habe ich selber gemacht. Mein Sohn kommt hin und wieder zu uns ins Bett. Wenn man ein Großes Bett hat, dann ist es okay. Da jetzt ein kleiner Nachschub gekommen ist haben wir zum Glück noch ein Beistellbett 🙂 Ich wünsche allen ein weiteres Kuscheln mit den Kids…. sollten sie aber noch mit 16 mit im Elternbett liegen, dann würde ich mir aber Gedanken machen 😀 LG Roland

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