Den Nikolaus gibt es nämlich doch!

Mein Plan war folgender: Die Jungs würden nicht eines Tages von mir hören: „Ach , übrigens, Ihr seid ja jetzt groß: Den Nikolaus und das Christkind die gibt´s alle gar nicht. So, wollt Ihr lieber Brot oder lieber Nudeln zum Abendessen?“

So eine Aufklärung würde gar nicht nötig sein, sie würden es nämlich einfach irgendwann wissen. Denn meinen Söhnen würde kein Papa im Nikolaus-Kostüm vorgesetzt werden und ich würde ihnen auch keine Geschichten davon erzählen, wie er durch den Briefkastenschlitz oder unter der Haustür oder etwa durch den Kamin in unser Haus käme. Ich wollte meinen Kindern Nikolaus und das Christkind als ein Gefühl vermitteln, das sich ihrem Alter anpasst. Ich wollte ihre Fragen so beantworten, wie es ihrem Alter entsprach, ohne ihnen eine erfundene Geschichte aufzutischen. Und so würden sie immer mehr verstehen und eines Tages einfach wissen, wie es ist.

Soweit mein Plan. Es wäre der erste Plan gewesen, an den sich meine Kinder gehalten hätten…

Der Nikolaus oder der Weihnachtsmann sitzt ja in diesen Tagen überall herum und meine Kinder stehen davor und staunen. Da sehe ich mit meinem „Gefühl“ von Nikolaus alt gegen aus, und der Verzicht auf einen Papa im Nikolauskostüm bringt da auch nix! Und dann gibt es natürlich in jeder Kita einen, der schreit: „Den Nikolaus gibt es gar nicht!“

Nikolaus15_2

Logisch also, dass der Maxi sich diese Woche plötzlich ins Wohnzimmer stellte und verkündete: „Den Nikolaus gibt es überhaupt gar nicht!“ Der Mini blickte auf. Seine Unterlippe zitterte und ich legte einige Empörung in meine Stimme als ich schnell antwortete: „Wer sagt denn sowas?“

„Sagt denn sowas?!“ echote der Mini mit nicht weniger Empörung und spielte dann zufrieden weiter.

Nikolaus15_3

Ich will ja nicht, dass meine Kinder an einen Nikolaus als lebendige Person glauben, aber ich wollte eben auch nicht, dass das, was sie noch mit glänzenden Augen genießen, mit einem Schlag als nicht existent zerstört wird. Deswegen habe ich mich ja dagegen entscheiden, etwas aufzubauen, das ich irgendwann wieder einreißen muss und das sich für die Kinder dann als Lüge entpuppen muss, wie ein als Nikolaus verkleideter Papa.

Der Mini stellt noch keine Fragen, der freut sich einfach und erlebt Feste wie St.Martin, Nikolaus und Weihnachten als das Gefühl, das ich mir wünsche, das sie ihr Leben lang mit sich tragen sollen.

Nikolaus15_1

Maxi schien mir plötzlich so desillusioniert und das fand ich unendlich schade. Sollten Nikolaus und Weihnachten schon mit 5 Jahren für ihn allen Zauber verloren haben? Später am Abend nahm ich ihn mir in Ruhe auf den Schoß.

„Du sagst, den Nikolaus gibt es gar nicht?“

„Nee, der ist schon lange tot!“

„Das stimmt, aber er hat tatsächlich gelebt.“

Und dann erzählte ich dem Maxi, was ich über den Nikolaus weiß. Dass er ein Mensch war, der anderen Menschen gerne half, und dass er so viel Gutes getan hat, dass wir heute noch jedes Jahr an ihn denken und ihn feiern.  Und jemand, der so viele Jahre, nachdem er gar nicht mehr auf der Welt ist und den die Menschen, die heute leben gar nicht mehr kennengelernt haben, den wir aber trotzdem feiern, in dem wir den Kindern Süßigkeiten schenken, über so jemanden kann man doch wohl nicht sagen, den gäbe es nicht!

Da musste der Maxi mir Recht geben. „Ja, in unseren Gedanken gibt´s den ja auch noch“, sagte er. Damit war ich sehr zufrieden. Wir beide waren sehr zufrieden. Die Weihnachtszeit kann jetzt kommen.

Mamablog Mama Mia

7 Gedanken zu “Den Nikolaus gibt es nämlich doch!

  1. Was für ein schöner Beitrag… Da wird mir gleich ganz warm ums Herz! Ich hoffe, dass ich das meinem Sohn auch mal so gut erklären kann, wie du dem Maxi.

  2. Schön gelöst. Hach, ich finde das so schwer. Die Weihnachtszeit mit all ihren Geschichten, Mythen und dergleichen…ich hab es als KInd so sehr geliebt und fand es gar nicht schlimm, als ich irgendwann die Geschenke in Mamas Schrank versteckt fand…

  3. Tolle Erklaerung – diese Vorgehensweise werde ich mir merken und versuchen zu uebernehmen. Eine richtig runde Sache.

    Ich weiss gar nicht mehr, wann es war, als ich gemerkt habe, wie es wirklich ist, aber ich weiss, dass es kein traumatisches Erleben gewesen ist.

  4. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich meine Schnuller für den Nikolaus in Papas Schrank wiederfand. Dann war das Geheimnis, warum Papa an Nikolaus nie mit zur Kirche kam, gelüftet. Er war jahrelang der Nikolaus bei uns im Dorf.
    Heute freue ich mich schon darauf, die strahlenden Augen meiner Mädels zu sehen, wenn der Nikolaus und Knecht Rupprecht uns besucht. Irgendwann werde ich dann wohl auch deine Erklärung brauchen … jetzt sind sie noch beide unter drei ….. und ich kann hoffentlich noch ein bisschen den Zauber der Weihnachtszeit mit ihnen genießen.

  5. Huhu Mia,
    ich finde das auch alles sehr schwer. Nikolaus, Weihnachtsmann, Christkind. Da kommen die Kids doch total durcheinander. Vor allem gibt es dann einen Nikolaus im Kindergarten und plötzlich steht der bei den Freunden schon wieder vor der Tür. Ohne ein bisschen flunkern geht es halt leider nicht.
    LG Steffi

  6. Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen.Vielen Dank für die tollen Informationen.

    Gruß Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.