Lieblingskinder

„Immer nur süßer Mini, süßer Mini! Mich findest Du überhaupt nicht süß!“ Maxi schmollt.

„So ein Quatsch! Du bist mein süßer Mausemax und das habe ich Dir heute schon 100 Mal gesagt!“ Ich ziehe meinen Großen auf meinen Schoß und knutsche ihn ganz besonders gründlich ab. Thema erledigt.

Naja, nicht ganz! Am Abend beschäftigen mich Maxis Worte. Ist der Mini mein Lieblingskind?

Meine Kinder sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Der eine redet wie ein Wasserfall, der andere schweigt sich gründlich aus. Der eine sitzt stundenlang über einem Buch, der andere hüpft in derselben Zeit jauchzend auf dem Bett herum und stößt dabei mit dem Kopf bis fast an die Decke. Mini und Maxi sind so unterschiedlich, wie sie aussehen: Schokolade und Vanille. Aber welche Sorte mag ich lieber?

Nun sind Kinder ja keine Eissorten, trotzdem stellt sich die Frage Eltern von mehreren Kindern häufig- oder besser: Sie wird einem gestellt: Kann man alle seine Kinder gleichermaßen lieben?

„Ja natürlich!“ will man sofort entrüstet rufen, weil schließlich jede andere Antwort einer Bankrotterklärung an die Mutterliebe gleichkäme. Aber so einfach will ich es mir nicht machen. Habe ich ein Lieblingskind?

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Weil Kinder nicht wie Maschinen funktionieren, habe ich als Mutter große Probleme damit, meine Aufmerksamkeit zu gleichen Teilen auf die zwei Jungs zu verteilen. Sie verbringen ihre Tage nicht ruhig vor sich hin spielend neben mir, und ich kann mich deshalb nicht immer im Wechsel 10 Minuten um das eine und dann 10 Minuten um das andere Kind kümmern. Meistens ist ein Kind besonders müde und kuschelbedürftig, oder kränkelt, oder bekommt Zähne, oder hatte einfach einen besonders anstrengenden Tag. Dieses Kind holt sich dann meine ganze Aufmerksamkeit, indem es viel weint und viel auf den Arm möchte. Das ist nicht immer positive Aufmerksamkeit, denn für mich ist das anstrengend, aber das jeweils andere Kind nimmt ja nur die Tatsache wahr, dass ich seinem Bruder mehr Aufmerksamkeit widme.

In Maxis Fall kommt momentan noch etwas hinzu: Der Mini ist ein so putziger kleiner Kerl, dass er überall Aufmerksamkeit auch von Fremden auf sich zieht. Der quasselt ohne Pause und spricht Menschen auf der Straße an, um ihnen Geschichten zu erzählen. Zu so einem plappernden kleinen Menschen mit goldenen Locken sagen natürlich viele Leute: „Ist der aber süß!“ Und auch der Mann und ich sagen das vielleicht ein bißchen zu häufig in Maxis Beisein. Der Mini entzückt uns aber momentan ständig und bringt uns dauernd zum Dahinschmelzen.

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Maxi zählt hauptsächlich die wahrgenommene Aufmerksamkeit, aber die allein macht ja nicht die Liebe aus. Was der Maxi vielleicht noch nicht so wahrnehmen kann, ist dass ich mich auf der anderen Seite in ihn viel besser hineinversetzen kann und mich ihm dadurch eigentlich näher fühle.

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Mehreren Kindern gerecht zu werden ist eine so schwierige Aufgabe. Ich befürchte, ich meistere diese Aufgabe nicht immer so gut, wie ich sollte. Manchmal bin ich unfair, ungeduldig und manchmal werde ich dabei nur einem Kind gerecht. Mit meiner Liebe hat das nichts zu tun.

Trotzdem werde ich meine unterschiedlichen Söhne vielleicht immer unterschiedlich behandeln, weil sie von mir eben unterschiedliche Dinge einfordern. Vielleicht werden sie deshalb gelegentlich das Gefühl haben, der andere Bruder würde mehr geliebt, weil er mehr Aufmerksamkeit bekommt, oder weil er eine andere Art Aufmerksamkeit bekommt. Die wird der jeweils andere vielleicht gar nicht brauchen, aber weil die Kirschen in Bruders Garten immer besonders rot aussehen, wird er sich trotzdem benachteiligt fühlen.

Wenn sie älter werden, werden sie aber hoffentlich erkennen, dass ich sie beide jeden Tag unendlich liebe und zwar jeden so, wie er ist. Ich bin je nach Bedürfnissen und Phasen der Kinder mal dem einen und mal dem anderen näher, aber ich kann wirklich nicht sagen, dass ich einen mehr liebe als den anderen. Ich würde jederzeit für jede von beiden alles geben, was ich habe.

Weil Mütter ebensowenig wie Kinder funktionieren als wären sie Maschinen, glaube ich aber, dass es auch möglich ist, dass man sich dauerhaft einem Kind mehr verbunden fühlt. Ich denke, das ist okay- Gefühle kann man nicht steuern. Nur die Kinder sollten das nicht spüren.

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Als der Mini geboren wurde, habe ich gesagt, das Herz baut bei jedem weiteren Kind einfach an. Das glaube ich auch heute noch. Mutterliebe ist eine unendliche Resource. Aber ich habe gelernt, dass sie sich bewegt und mal mehr das eine Kind, mal mehr das andere Kind im Fokus hat.

Das gilt im Übrigen auch für die Kinder: Am Wochenende war ich beim Mini komplett abgemeldet. Ich durfte ihm noch nicht einmal die Windel wechseln. Alles musste der Papa machen. Zum Glück weiß ich, dass er mich genauso sehr liebt, wie seinen Vater!

Wie ist das bei Euch? Ist es klarer, wenn man zwei sehr ähnliche Kinder hat? Oder empfindet Ihr tatsächlich unterschiedlich für Eure Kinder?

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15 Kommentare

  1. Liebe Mia, ein wunderschöner, ehrlicher und vor allem authentischer Post, der es sich nicht so einfach macht und einfach sagt: natürlich liebe ich beide gleich. Denn genau dieses „Aber“ ist so wichtig, das sollte man wissen, erkennen und sich nicht schlecht fühlen, wenn eben mal das eine und mal das andere Kind im Fokus steht. Grundsätzlich bist du für sie die schönste Frau der Welt und sie werden immer die wichtigsten Männer in deinem Leben bleiben <3

  2. Christine Slamnig

    Ich sehe das so:

    Jedes Kind ist anders, jedes Kind hat andere Bedürfnisse, weil ich (in meinem Fall) 2 Kinder unterschiedlich behandle, liebe ich nicht das eine Kind mehr als das andere.
    Ich richte mich einfach nach dem was ich für das Beste für das jeweilige Kind halte.

    Man kann 10 Kinder unterschiedlichst behandeln und muss es auch…

    Meine Ältere wollte zum Beispiel nie viel kuscheln, wir als Eltern hätten es gerne gemacht, aber gezwungen haben wir sie nie. Die Jüngere war und ist das genaue Gegenteil, und auch wenn es teilweise schon nervt, immer und überall dabei sein zu müssen, werden wir ihr die Nähe nicht verwehren – sie braucht es halt.

    Wichtig ist, dass unsere Kinder merken, dass wir sie lieben und wir immer für die da sein werden.

  3. Den ersten Satz sagt mein Sohn (5) in letzter Zeit auch häufig. Und er hat damit nicht unrecht, ich sag ihm tatsächlich viel weniger er sei ’süß‘ als seinem kleinen Bruder (2), der genauso putzig wie euer Mini durchs Leben wuselt. Er interpretiert das dann aber genau so wie Maxi, dass ich ihn dann auch weniger lieb hab. 🙁 Da reicht es auch nicht, dass ich ihm mehrmals am Tag sage, dass ich ihn lieb habe.
    Auch die Teilung der Aufmerksamkeit funktioniert nicht immer 50:50, einfach auch deshalb weil man auf den kleinen Zwerg noch viel mehr achten muss bzw. bei vielen Dingen mehr helfen muss – wo der Große schon sehr viel selbständiger ist.
    Schwierige Situation… Immer gut zu lesen, dass es nicht nur bei uns so ist!

  4. Du sprichst mir wirklich aus der Seele und es ist sehr interessant, dass Du Dich Deinem Maxi ähnlicher fühlst und trotzdem die Beziehung zum Mini vielleicht „einfacher“ ist.
    Ich bin froh über jeden Text, der das Thema ehrlich aufgreift und nicht einfach so dahinsagt, ich liebe jedes Kind gleich.
    In meinem Beitrag
    http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2015/08/liebe-fuhlt-sich-sehr-verschieden-an.html
    habe ich selbst auch über das Thema geschrieben, durch ihn wurde ich übrigens als einer der Scoyo-Bloggerlieblinge für August ausgewählt.
    Danke für Deinen Text!
    Liebe Grüße!

  5. Das Thema beschäftigt mich momentan auch ganz stark. Die Große ist 4, die Kleine 17 Monate alt. Die Kleine ist auch unheimlich niedlich und ich zerfließe immer vor Liebe wenn sie mal wieder was besonders niedliches oder lustiges macht und sage auch oft „Ach wie süß. Ach wie niedlich“. Die Große ruft dann prompt „GAR NICHT NIEDLICH“.
    Ich rede leider auch oft nicht im gleichen Ton mit beiden. Beim Schuhe anziehen sag ich zur Großen genervt „Nun mach doch mal mit“ und zur Kleinen sag ich liebevoll säuselnd „Sooo, nun ziehen wir die Schühchen an“. Die Große sagt oft „Mama, warum redest du mit N. schön und mit mir nicht?“ Das trifft mich jedes mal weil sie meist recht hat und mir das dann schlagartig bewusst wird. Sie will auch oft getragen werden weil die Kleine ja auch getragen wird……ich versuche ganz oft der Großen den Vorzug zu lassen, z.Bsp gebe ihr immer zuerst wenn Essen verteilt wird, lasse sie Entscheidungen treffen usw. Trotzdem nagt das schlechte Gefühl momentan sehr an mir, der Großen nicht gerecht zu werden. Ich werde versuchen, in Zukunft exklusiv Zeit nur mit ihr zu verbringen. Sie soll wissen, dass ich sie genauso liebe wie die Kleine!

    Viele Grüße
    Nadja

  6. schön geschrieben – du bist mir sozusagen etwas „voraus“, meine beiden jungs sind etwas jünger als deine (aber anscheinend auch charakterlich ähnlich) – erlebe in deinem blog sozusagen, was bei uns als nächstes kommen wird, immer mit sehr viel gefühl geschrieben.

    danke, ich lese deine texte und gedanken gerne!

  7. Liebe Mia,

    ich kann dich gut verstehen. Es ist schwierig zwei Kinder unterschiedlichen Alters, Charakters etc. gleich zu behandeln und 100% gleich zu lieben.
    Ich denke, man sollte sich bewusst machen, dass man das nicht kann.

    Man liebt beide bedingungslos. JA. Aber eben doch unterschiedlich.

    Großkind und Minikind haben bei uns einen Altersabstand von 3 1/2 Jahren. Und vom Charakter her, finde ich meine beiden etwas bei deine wieder. Mini ist der Clown, der süße Kleine. Mittlerweile weiß er aber mit seinen vier Jahren genau das bewusst einzusetzen und findet es doof, dass wir das Ganze etwas durchschauen.
    Großkind ist ein Schulkind. Und per se ist es ja völlig uncool in der Öffentlichkeit mit mir zu kuscheln, mich „körperlich“ zu begrüßen usw. Endet dann bspw. in solchen Situationen.

    Minikind und ich holen Großkind nach der Theater-AG ab. Mini sitzt auf dem Schoß, kuschelt. Großkind kommt, ich setze Mini auf dem Boden, um den großen Bruder zu drücken. „Hey Mama…..!“ Abstand.. nein nicht umarmen…. gut. Okay. Ich nehme Minkind an die Hand, er schmiegt sich an mich… Großkind poltert los „Immer kuschelst du nur mit Mini!“

    Zuhause, kuschelt Großkind gern. Will aber auch oft seine Ruhe. Also gebe ich ihm die auf seinen Wunsch. Beschäftige den Mini, damit er den Großen in Ruhe lässt. „Immer spielst du nur mit Minikind!“ NIE hat jemand Zeit für mich!

    Nur zwei Beispiele aus dem Alltag bei uns.

    Es ist schwierig. Immer. Aber ich denke wichtig ist, dass man im Herzen weiß, dass man beide unendlich liebt. Und ihnen das auch immer wieder sagt.

  8. Glück mal 3

    Wir haben drei Kinder. Und so wie die drei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sind, so ist auch meine Liebe zu jedem Einzelnen unterschiedlich. Jedes Kind hat Stärken und Seiten die ich ganz besonders an ihm liebe. Aber das ändert ja nichts an der Tatsache das ich alle drei unendlich liebe. Jedes auf seine Art und Weise und nach seinen individuellen Bedürfnissen.

  9. Danke für den tollen Artikel.
    Ich beobachte bei vielen Freundinnen, dass ihnen das zweite Kind irgendwie leichter fällt- vielleicht, weil man selbst routinierter und souveräner ist und man die Situation oft schon durchdacht hat. Ich habe vorm zweiten Kind gedacht, dass das erste es besser hat, weil es so eine Exklusivzeit allein hatte… inzwischen denke ich, dass das zweite es irgendwie schöner hat, leichter…
    Auf jeden Fall ist es emotional herausfordernd, mehr als ein Kind zu haben 🙂 wie machen das Mütter von 5?

  10. Interessantes Thema. Ich habe nur eine kleine Tochter und habe mich schon öfter gefragt, ob es wohl möglich wäre, ein zweites Kind genauso zu lieben wie sie.
    Wirklich toll deinen ehrlichen Beitrag dazu zu lesen und auch die Kommentare dazu.
    LG, Nätty

  11. Bislang habe ich nur einen Sohn. Aber ich glaube, dass ich mich auch damit schwertun würde, zwei Kindern immer dieselbe Aufmerksamkeit zu widmen. Da gibt es für alle Mütter wahrscheinlich einen Spagat, den sie bewältigen müssen, ohne dass die Kinder dies mitbekommen.
    Viele Grüße Bianca

    http://ladyandmum.blogspot.de

  12. Ich liebe alle drei. Unfassbar sehr. Aber extrem unterschiedlich. Den Großen verstehe ich genau, auch wenn er manchmal schwierig ist. Ich verstehe den Antrieb für sein Handeln oder weiß intuitiv, wieso ihm etwas so schwer fällt. Die Liebe zu ihm ist stark, überfällt mich mit Wucht. Gleichzeitig kann er mich so wütend machen, wie sonst keiner 🙂
    Nummer zwei liebe ich sanfter, gleichförmiger, stetig. Die Emotionen sind vorhersehbar und sicher. Ein wundervolles Kind. Gründe für sein Verhalten sind mir jedoch nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich.
    Unser Kleiner ist total süß. Fast noch ein Baby, allerdings auch mit ausgeprägtem Charakter.. Ich liebe sein Lachen, seinen Stolz, die Art, wie er “Mama“ sagt.. Nun haben wir fünf Alphatiere an einem Tisch. Es ist laut, turbulent, nicht immer friedlich. Aber voller Liebe.. wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

    Ich wünsche mir sehr, dass die Kinder sich niemals ungeliebt fühlen.

  13. „Mama, das ist unfair, dass…“ (sie immer getragen wird / sie noch nicht ins Bett muss / …) höre ich jetzt öfter.

    Damit daraus kein „dass du sie mehr liebst als mich!“ wird, versuche ich ihm zu erklären, dass fair nicht heißt, jeden GLEICH zu behandeln. Je nach Alter und Vorlieben und Situation.

    Und wir reden manchmal über Liebe und Lieblingsmenschen. Reden über all die Menschen, die ihn lieben (Eltern, Schwester, Omas, Opas, Tanten…) und die er liebt. Und obwohl er alle liebt, merkt er glaub schon, wie unterschiedlich sich das anfühlen kann. Und je nach Situation sind unterschiedliche Menschen dann mal „passender“. Weil er mit manchen lieber liest / lieber kuschelt / lieber tobt / lieber was spielt / lieber Lego baut etc.

    Wir alle sind anders und individuell liebenswert – und das ist gut so.

  14. Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich doch die Kleinen sind…manchmal frage ich mich, ob sie alle vom Gleichen Papa sind… 😉

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