Gibt es eine Trotzphase?

Viele Menschen behaupten, es gibt gar keine Trotzphase. Sie sagen, die Kinder würden nur ihren eigenen Willen entdecken und dass andere einen anderen Willen haben  und mit diesem Widerspruch zwischen eigenem und fremden Willen könnten sie noch nicht umgehen.

Sie kennen den Mini nicht!

Spaß beiseite- ich weiß natürlich, dass das was wir „Trotz“ nennen, kein Tick und keine Charaktereigenschaft des Kindes ist. Schon gar nicht ist es eine absichtliche Oppositionshaltung gegen uns Eltern. Es geht um die Loslösung von den Eltern und all diese Situationen, die uns das Leben mit Kindern in dieser Phase so schwer machen, sind entwicklungsbedingt notwendige Phänomene der Persönlichkeitsbildung. Aber meine Herren, kann der Mini wütend sein!

Gerade noch bester Laune...

Gerade noch bester Laune…

Der Mini ist momentan so sehr auf „Nein“ gepolt, dass er sogar nachts im Schlaf gegen das Bett tritt und „Nein! Nein!!!“, motzt. Wirklich! Und wenn seinem Willen irgendetwas im Wege steht, dann haut und tritt und spuckt er . Dabei ist es relativ egal, worum es eigentlich geht, der Anlass für die Trotzanfälle ist austauschbar: Was heute kein Problem ist, kann morgen den größten Tobsuchtsanfall auslösen. Daran wird deutlich, dass der Anlass meist nur Mittel zum Zweck ist, worum es eigentlich geht ist die eigene Selbstbestimmung und Verteidigung des eigenen Willens.

Ich finde es wichtig, zu wissen, dass es nicht um willentlich oppositionelles oder sogar aggressives Verhalten geht, aber auch in Kenntnis der  entwicklungspsychologischen Hintergründe gibt in meinen Augen kein besseres Wort als „Trotzphase“ um die teils heftigen plötzlichen Ausraster meines Sohnes zu beschreiben.

... im nächsten Moment so wütend.

… im nächsten Moment wütend.

Die Wutanfälle meines Sohnes sind heftig, viel ausgeprägter und langanhaltender, als ich das  vom Großen kenne. Ich bleibe dabei meistens die Ruhe selbst, aber es wäre gelogen, zu behaupten, dass es mich nicht an meine Grenzen bringt. Manchmal koche ich innerlich und möchte gerne wenigstens einmal auch so ausflippen dürfen, wie der Mini und oft macht es mich einfach traurig, dass mein Baby und ich gerade so oft verzweifelt voreinander stehen und nur schwer wieder zueinander finden.

Auch wenn die Nerven manchmal blank liegen, verstehe ich sehr gut, warum die Trotzanfälle meines Jüngsten sich so heftig zeigen: Als Kita-Kind ist die Ausprägung und Verteidigung des eigenen Willens ganz besonders schwierig. Wir haben eine durch und durch phantastische Kita, aber es lässt sich auch in so einer Kita nicht vermeiden, dass die Kinder sich in einen Tagesablauf fügen müssen. Wenn ich den Mini abhole, sitzt er meistens gerade mit seinen „Kollegen“ beim Kaffeeklatsch, und ich wundere mich dann häufig darüber, wie brav die kleinen Mäuse alle ganz still am Tisch sitzen. Sosehr die wirklich wunderbaren Erzieherinnen auf jedes einzelne Kind und seine Bedürfnisse eingehen- der eigene Wille der Kinder wird dort doch gezwungenermaßen deutlich mehr eingeschränkt, als zu Hause.

Trotzphase

„Ich bin sauer auf Dich!“

 

Zu Hause ist die größte Bedrohung der eigene Bruder. Das ist nicht unlogisch, auch wenn er sich von seinem Bruder nicht loslösen muss, wie von seinen Eltern, aber natürlich wird die  Entdeckung und Platzierung des eigenen Selbst auch durch die Rivalität mit dem Bruder „bedroht“, oder einfach dadurch, dass der Bruder einen anderen Rhythmus und einen eigenen Kopf hat, und ich als Mutter muss beide irgendwie unter einend Hut bringen.

Was Mini und mir deshalb gerade wirklich gut tut, ist Zeit zu zweit. Am Wochenende teilen der Mann und ich uns daher stundenweise die Kinder auf, so dass wir uns mal nur auf ein Kind konzentrieren können.

Wenn ich dann mit dem Mini alle Zeit der Welt habe und es wirklich nur darum geht, was der kleine Kopf gerade möchte, ist das wunderschön und entspannend für uns beide-denn, das darf man ja nicht vergessen, für den Mini ist diese Phase auch und vor allem sehr anstrengend.

Letzte Woche wollte ich mit dem Mini auf den Spielplatz gehen. Doch schon wenige Meter von der Haustür entfernt hat er die ersten Kastanien entdeckt und er wollte sie alle mitnehmen. Er hat erst sich selber und dann mir die Taschen vollgestopft und sich so völlig in dieser Aufgabe vergessen, weil ihn niemand gestört hat. Oder neulich, als der Maxi noch länger in der Kita bleiben wollte und ich mit dem Mini die Wartezeit im Supermarkt verbrachte. Der Mini durfte den Wagen schieben und alles hineinpacken, was er wollte. Was hatte der kleine Kerl für ein Vergnügen! Etwas ganz alleine und in aller Ruhe einfach tun zu dürfen, das ist das beste Mittel in dieser Phase- für Eltern und Kinder.

Mit dem Maxi mache ich schon lange regelmäßig Maxi-Mama-Tage. Nun ist es wohl an der Zeit, auch Mini-Mama-Tage einzuführen. Gleiches Recht für alle- obwohl der Mini ja seit über zwei Jahren jede Nacht Mama-Mini-Nächte hat 😉

Mamablog Mama Mia

 

 

 

13 Kommentare

  1. Ich glaube am Schwersten ist tatsächlich die eigene Verzweiflung, dass man merkt, was es mit einem selber anstellt und dabei immer zu versuchen ruhig zu bleiben,sich ins Gedächnis zu rufen, dass es nicht böse gemeint ist. Wie du sagst, man möchte gerne einfach mal selber so austicken…nun ja…wie sagt man so schön: Es sind Phasen ^^

  2. Danke für diesen Artikel von Dir! Und den damit verbundenen Hinweis auf Mini-Mama-Tage. Es gibt hier zwar (noch ;)) keine/n Maxi (und unsere Mini heißt Rübe *hihi*), aber ich denke, dass es bei uns trotzdem auch an der Zeit wäre, ganz spezielle Rübe-Mama-Tage einzuführen, an denen wir uns ganz viel Zeit füreinander nehmen. In letzter Zeit gab es häufig Wutanfälle und ich habe das Gefühl, sie muss und will sich auch zu Hause gegenüber Irgendjemanden behaupten – so wie sie es im Kindergarten tut/tun muss, vermutlich dort gegenüber größeren Kindern. Das kommt zu Hause auch von jetzt auf gleich und ich kenne Gedanken wie: „Warum darf ICH jetzt nicht so ausflippen?“ oder „Ich raste gleich aus!“ oder „Wann hört sie endlich auf damit?“ … Es zehrt ganz oft an den Nerven, weil ich auch oft nicht weiß, wie ich an sie herankomme. Ganz gut klappt bei uns (aber auch nicht immer), wenn ich ihr anbiete, die Wut mal richtig rauszulassen, z.B. kräftig auf den Tisch hauen, ins Kissen boxen o.ä. Manchmal biete ich ihr an, ob ich MIT ihr wütend sein soll und gucke määäächtig böse – das sieht dann wohl so komisch aus, dass Rübi anfängt zu lachen … und *puff* ist die Wut auf einmal weg. Es gibt aber kein Patentrezept, wie man damit umgeht … Danke nochmal und liebe Grüße von Rübchen’s Mama

  3. Dein Mini und mein Krümel sind ja fast gleich alt…so schlimm ist es aber bei uns glücklicherweise nicht (mehr). Das kann aber auch einfach daran liegen, dass das Kind spricht wie ne 4-Jährige 😀 – sie kann halt schon oft sagen, was ihr nicht passt! Z.B. was sie alles alleine machen wollte (was der häufigste Grund für Wutausbrüche ist) oder dass ihr meine Pläne gerade nicht in den Kram passen 😉

    Ich lasse sie auch wüten, bleibe bei ihr und sag ihr, dass es okay ist wütend zu sein und das sie das auch sein darf. Das hat die Wutzeit um einiges verkürzt. Ich bin schließlich auch manchmal wütend und darf das ja auch sein (auch wenn meine eigene Erziehung dazu führt, dass ich meinen Ärger als zu oft ungesund unterdrücke und dann eher latent fies und gereizt bin).

    Sie haut mich auch oft dabei oder wirft irgendwas durch die Gegend – eigentlich ein altersgerechtes Ventil. Wobei ich schon versuche ihr zu verstehen zu geben, dass vor allem jemanden hauen oder Dinge zerstören nicht okay ist.

    LG
    Julia

  4. Das kenne ich alles nur zu gut. Allerdings war bei uns der Große das wütendere Kind, auch ohne Geschwisterbedrohung und mit voller Aufmerksamkeit der Eltern. Ich denke, es ist einfach eine Typsache. Manche oberflächliche Menschen sagen zu uns, dass wir den „Trotz“ unserer Kleinen vielleicht weniger stark empfinden, weil wir es eben schon einmal durch haben und gelassener sind. Gelassener sind wir etwas, aber ihre Wut hat eine ganz andere, mildere Dimension als es bei unserem Großen der Fall war. Sie lässt sich auch relativ schnell beruhigen und ablenken, was bei ihm gar nicht ging.
    Habe auch mal über die interessanten Unterschiede gebloggt und lasse den Link mal hier, wenn es okay ist:

    http://fruehlingskindermama.blogspot.de/2015/04/die-autonomiephase-meiner-beiden-kinder.html

    Liebe Grüße und gute Nerven!

  5. Liebe Mia, das kenn ich so gut, meine Kleine ist anderthalb und „trotzt“ jetzt schon ausgiebig (erschwert durch den Zustand, dass sie das meiste noch nicht sprachlich ausdrücken kann und dadurch noch mehr ausflippt, wenn man nicht versteht, was sie will)…Das empfinde ich auch sehr anstrengend, auch weil ich es vom Großen so in dem Alter überhaupt nicht kenne (der fing erst so ca. mit 2 damit an)…
    Wenn man mit ihr alleine ist, ist es auch definitiv leichter!
    Durchhalten..ich hoffe, das wird irgendwann besser 😉
    Liebe Grüße, Julia

  6. Liebe Mia, vielen Dank für den Beitrag! Ich glaube auch, dass bei Kita-Kindern die Trotzattacken geballter auftreten. Bei uns ist es noch der Große, dem ich nachmittags nach der (wunderbaren!) Kita meist erst mal 1 Stunde gar nichts recht machen kann. der Kleine, erst gerade im „terrible two“-Alter, ist eher noch in einer „süße Zicke“-Phase. Passt ihm etwas nicht oder sage ich bestimmt “ nein“ schaltet er in den Krokodilstränenmodus und verlangt seinen „nunu“ (Schnuller) aus seinem Bett, lässt sich aber auch genauso schnell wieder ablenken. Befürchtete aber, dass diese süße Phase bald in die aggressive übergeht… Und auch die wird irgendwann vorrüber sein!

  7. Hallo liebe Mia,

    bei uns sind die heftigen Wutanfälle zum Glück mittlerweile gaaaaanz selten. Wenn es aber doch dazu kommt, sagt mir meine kleine (5jährige) Maus eindeutig, dass sie meine Nähe braucht („Mama, ich kann nicht alleine aufhören“) Ich singe dann für sie ihr eigenes, von mir erfundenes „Wutmonsterlied“. Das hilft uns beiden. Ihr um ruhiger zu werden und mir um ruhig zu bleiben. Dabei kann man nämlich immer näher an Mama heranrutschen und sich dann in die Arme kuscheln;)

    Herzliche Grüße von Stine

  8. Auch mein kleiner Sohn hat ab und zu solche Wutanfälle, vor allem, wenn es mal nicht nach seinem Kopf geht oder ihm die von mir aufgestellten Regeln nicht gefallen. Aber auch bei uns ist der Anlass oft austauschbar. Glücklicherweise dauern diese Trotzreaktionen meist nicht lange und dann kann ausgiebig gekuschelt werden.
    Ich denke, dass diese Phase für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig ist und einfach sein muss.
    Viele Grüße Bianca

    http://ladyandmum.blogspot.de

  9. Die Trotzanfälle meines Zweijährigen haben mich dazu gebracht, meinen ersten (und hoffentlich einzigen…) Erziehungsratgeber zu lesen. Grundsätzlich vertraue ich sehr stark auf mein Bauchgefühl, aber diese von uns Eltern als so schwierig empfundenen Phasen haben ja nunmal tiefere psychologische Hintergründe, die wir als Eltern uns auch mal bewusst machen sollten. Ich rede hier nicht davon, wer „Schuld“ hat oder so, aber vieles beruht auch einfach auf Sender-Empfänger-Problemen. Da gibt es wirklich gute Bücher, die einem das verständlich machen und ein paar Änderungen an meinem eigenen Verhalten haben bei meinem Junior wirklich Erstaunliches bewirkt!

  10. Ich kenne jedes Wort von dem was Du sagst. Bei mir ist es die mittlere meiner 3 Töchter. Die „Sandwichkinder“ (Nummer 2 von 3) sollen es ja bekanntlich am schwersten haben, was das durchsetzen in der Familie angeht. Da ist bestimmt auch was dran. Auf jeden Fall hat unsere „große“ die meiste Aufmerksamkeit bekommen, und ist bei weitem nicht so Wutanfällig wir Nummer 2 :-). Ich wünsche Dir, dass es sich schnell gibt. Bei uns nimmt auf jeden Fall die Häufigkeit der Wutanfälle inzwischen wieder ab.

    LG
    Jeanette

  11. Schöner Artikel über die Autonomiephase 🙂
    Auch interessant, dass an KiTa-Tagen mehr „Wutanfälle“ erlebt werden.
    Habe keine KiTa-Erfahrung, aber unser Kind ist abends viel ausgeglichener, wenn ich tagsüber zu Hause war, ols wenn ich arbeiten war und Grosseltern oder Papa zum Kind geschaut hatten. Ich hätte mir das früher nie vorstellen können… Aber die ersten Jahre scheint die Trennung von der Mutter schon ein Stress zu sein.
    Das erinnert mich gerade daran, dass ich im Wahlmaterial noch nachschauen wollte, welche Politiker sich für eine bezahlte Elternzeit einsetzten 🙂

    Am liebsten 3 Jahre Elternzeit – für einen sanften Start ins Leben ohne Doppelbelastung. Damit unsere Kinder und Grosskinder es später besser haben.

    Zur Autonomiephase: Kann allen, die sich dafür interessieren die beiden Wirbelwindausgaben („Trotz und Trost“, Februar 2015) zu dem Thema empfehlen. Mir persönlich gefällt die ältere Ausgabe („Trotzdem liebenswert“, Mai 2007) besser. Dort ist auch ein tolles Interview mit Jesper Juul zum Thema Autonomiephase Man kann die Hefte einzeln nachbestellen auf http://www.elternzeitschrift.org

  12. Ja, Trotzanfälle sehe bei kleineren Kindern tatsächlich so aus, wie z.B. sich vor der Kasse auf den Boden werfen, aber da sollte man nicht darauf reagieren. In späteren Jahren kommen die Phasen leicht abgewandelt immer wieder vor um einfach die eigenen Grenzen auszuloten, ich lasse dies gerne immer wieder abprallen. Das Kind muss einfach verstehen, das jedes Mitglied der Familie gleichberechtigt seine Bedürfnisse hat, es kann sich niemand immer wieder so dermaßen nach vorne stellen, dass alle anderen nach deren Pfeife tanzen müssen. Viele Grüße.

  13. Ich, Mutter von 4 Kindern kann da nur den guten Tipp geben, einfach ruhig bleiben, immer auf Augenhöhe mit dem Kind sprechen. Nicht werten, nur zuhören.

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