Abends, wenn es dunkel wird

Die meisten Geschichten für einen Post fallen mir im Dunklen ein.

Jeden Abend sitze ich etwa eine dreiviertel Stunde bei heruntergelassenen Rolläden auf dem Fußboden und sofort habe ich super Ideen.

„Yoga wollte ich auch unbedingt mal ausprobieren“, denkt Ihr jetzt? Ich mache gar kein Yoga, ich bringe bloß die Kinder ins Bett.

Dunkel

Mini und Maxi haben theoretisch jeder ein eigenes Zimmer, aber im Moment schlafen sie noch gemeinsam in einem Zimmer. Jeden Abend, wenn nach mehr oder weniger großen Kämpfen alle Zähne geputzt sind, sucht sich jedes Kind ein Buch aus. Wir kuscheln uns in Maxis Bett und streiten uns eine Weile darüber, welches Buch zuerst vorgelesen wird. Ein Kind liegt dann in meinem Arm und das andere Kind schreit und tobt so lange und man versteht sein eigenes Wort beim Vorlesen nicht schmollt inzwischen mit seinem Buch auf dem Schoß.

Schließlich machen wir das Licht aus. Jedes Kind geht in sein Bett und ich auf den Boden. Da warte ich darauf, dass die Kinder einschlafen. Anfangs ist das sehr entspannend. Ich liege dann erschöpft auf dem Teppich, strecke alle viere von mir und denke: „Puh! Geschafft!“ Während ich warte, erlebe ich nochmal die vielen lustigen und schrecklichen und aufregenden und ärgerlichen und süßen Momente des Tages und denke: Darüber kannste mal schreiben! Schon habe ich im Kopf die Einleitung fertig formuliert.

„Mama“, flüstert der Maxi (flüstern Eure Vierjährigen auch so wahnsinnig laut?) „ich muss Pipi!“
„Dann geh schnell!“
„Du sollst mitkommen!“
Maxi und ich schleichen Richtung Zimmertür. Da springt der Mini aus dem Bett. „Iss tomm auch mit!“

Ein paar Minuten später sind alle wieder zurück auf ihrem Posten. Ich arbeite gedanklich weiter an meinem Text. Das ist nicht so leicht, wenn der Mini sich wie verrückt im Bett hin und her wälzt. Aber wie soll man auch einschlafen, wenn der große Bruder „flüsternd“ bis 100 zählt?

„Kinder, jetzt ist mal Ruhe! Der Tag ist zu Ende, jetzt wird geschlafen!“ Keine Ahnung, warum ich das jeden Abend wieder sage. Aber wer weiß? Vielleicht werden sie ja eines Tages tatsächlich auf diese Erklärung hin die Augen schließen und auf der Stelle einschlafen? Man darf die Hoffnung nicht aufgeben!

Ein paar Minuten wildes Schnaufen in Stereo. Bald wird der Atem ruhiger, dann kann ich mich rausschleichen und meinen Post schreiben.

Ein Kopf erhebt sich im Halbdunkeln: „Mama, iss hab noch gar niss getrunken!“ Ich könnte jetzt ungeduldig werden und schimpfen. Aber wenn der echt Durst hat? Ich stehe auf, laufe in die Küche und hole ein Glas Wasser für den Mini. Trinken ist schließlich wichtig, das predige ich selber den ganzen Tag. Ganz schön clever, der Mini. Mit Durst kriegt er mich. Ich fühle mich ein klitzekleines bißchen veräppelt, als ich mit dem Glas in der Hand die Treppe hoch gehe.

Zurück auf dem Fußboden in der Dunkelheit denke ich weiter über meine Blogpost-Idee nach. Blöderweise ist die vorformulierte Einleitung wieder weg, und ich fange nochmal von vorne an.

In den nächsten 15 Minuten muss ich noch 2x „Der Mond ist aufgegangen“ singen und 1x „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“. Der Maxi muss nochmal zugedeckt werden, weil seine Füße rausgucken und er wohl befürchtet, zu erfrieren. Der Mini stellt fest, dass er den falschen Schnuller erwischt hat. Den richtigen finde ich nach kurzer Suche in der Badewanne. Der Maxi zählt noch einige Male bis 100- bis 17 ganz leise und danach immer lauter werdend, bis ich ihn bei ungefähr 48 schimpfend unterbreche und er leise wieder von vorne anfängt.

So geht es beinahe jeden Abend. Irgendwann schlafen alle ein. Ich auch.

Gegen 21 Uhr wache ich auf. Ich stehe vom Teppich auf und schleiche mich aus dem Zimmer.

Worüber ich schreiben wollte, habe ich leider vergessen.

Mamablog Mama Mia

 

 

7 Gedanken zu “Abends, wenn es dunkel wird

  1. So herrlich ehrlich!! So ähnlich kenne ich das von meinen beiden Mäusen auch. Aber im Moment freue ich mich über die Phase, dass sie schnell einschlafen. Schreib weiter so und einen schönen Tag. Meike

  2. Moin Moin Mia,
    ein so wunderbarer Post, der mich zum Schmunzeln gebracht hat.
    Herrlich schreibst Du.
    Ich kann mich so gut an diese Zeit erinnern und wir haben nur einen Sohn. 🙂
    Liebe Grüße
    Sylke

  3. Wow… super ehrlich und toll geschrieben. Ich komme aus dem Schmunzeln gar nicht wieder raus.
    Bei uns ist es ähnlich. Ich lese meiner Maus vor und dann schlafe meist erst ich ein, bevor sie dann auch schlät. Bei mir ist es auch meist 21 Uhr, wenn ich aus dem Kinderzimmer komme. Noch haben wir nur eine Maus, aber das ändert sich hoffentlich bald.
    Mach weiter so!
    Viele Grüße
    Saskia

  4. Also wir haben uns ja eine kuschelecke (Matratze) im Kinderzimmer zugelegt. Ist deutlich bequemer als der Teppich;-);-)
    Hier ist es nicht anders. Hoffe es klappt auch noch wenn das kleine geschwisterchen landet. LG

  5. Super geschrieben! Bei uns liegt zwar nur einer in seinem Bett und das steht noch bei uns im Schlafzimmer aber auch da geht der Tag getreu dem Motto „Psst die Mama schläft“ zu Ende.

    Lg Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.