Mini Me- von meinem jüngeren ich, das seinen eigenen Weg geht

Der typische Farbstich alter Fotos liegt auf dem Bild. Ein bisschen so, als hätte jemand versehentlich seinen Kaffee darüber verschüttet. Zwei dunkle Knopfaugen schauen mich aus dem Foto heraus an und sehen direkt in mein Herz. Ein kleines Mädchen auf spindeldürren Beinchen, das über einen Strand an der Riviera hüpft.

„Wahnsinn!“ staunt meine Freundin Julia. „Du siehst genauso aus wie der Maxi!“

Es ist ein Foto von 1985 und ich bin 6 Jahre alt, etwas älter, als der Maxi jetzt. Es ist schon immer offensichtlich, dass mein Sohn mir sehr ähnlich sieht, aber es ist dieses alte Foto, das mir das in einer ganz anderen Intensität vor Augen führt.

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„Mini-Me“- mit diesem Ausdruck konnte ich nie viel anfangen. Meine Kinder sind keine Mini-mes, dachte ich. Weder kleide ich mich mit ihnen im Partnerlook, noch sind sie kleine Mädchen. Außerdem sind sie eigenständige Persönlichkeiten und nicht nur kleinere Versionen ihrer Mutter.

Als ich aber mit meiner Freundin durch das alte Fotoalbum blättere und mein Blick auf dieses Bild fällt, von dem ohne den Farbschleier niemand sagen könnte, ob es den Maxi oder mich abbildet, da kann ich gar nicht anders, als in dem Maxi mein jüngeres Ich zu erkennen. Mein Mini-Me.

Das Mädchen, das ich vor vielen Jahren war, lacht auf dem Foto unbeschwert. Es war der Sommer, bevor ich in die Schule kam und ich sah nicht nur aus wie der Maxi, ich war ihm auch charakterlich so verdammt ähnlich. Ich stand mir mit meiner Schüchternheit und meinem Perfektionismus oft selbst im Weg. Heute ärgere ich manchmal darüber. Hätte ich mich ein bisschen anders verhalten und hätte ich mich manchmal einfach angepasst, wäre vieles besser gelaufen. Ich hätte es einfacher gehabt.

Und dann sehe ich meinen Sohn und ahne, dass er sein unbeschwertes Lachen an die gleichen Erfahrungen verlieren wird, wie ich. Ich weiß genau, was auf ihn zukommt und ich weiß genau, wie die wunderbare Person, die er ist, sich selber das Leben schwer machen wird.

Kann ich dagegen etwas tun? Muss ich dagegen etwas tun? Darf ich? Eigentlich muss ja jedes Kind seinen eigenen Weg finden. Wenn ich aber weiß, wo die größten Hürden für ihn sind, sollte ich ihn dann nicht hier ein bisschen schieben, da ein bisschen ziehen? Und wie könnte ich mit meiner eigenen Erfahrung zusehen, wie sich Jahre später mein Mini-Me mit den selben Dingen quält?

An Mamas Hand durchs Leben? Schön wär´s!

An Mamas Hand durchs Leben? Schön wär´s!

Ich zu sein war manchmal doof. Mein heutiges Ich zu sein ist schön. Ich weiß heute, wann es okay ist, ich selbst zu sein, und wann es besser ist, sich eine Fassade aufzusetzen und eine Rolle nach den Spielregeln zu spielen, die das Leben manchmal von mir verlangt. Als Kind wusste ich das nicht und selbst wenn ich es durchschaut hätte, ich hätte es nicht gekonnt. Ich musste meine Erfahrungen machen und davor kann ich auch meine Kinder nicht bewahren.

Ich kann sie nicht vor allem beschützen, ich weiß ja nicht einmal, vor was ich sie beschützen muss. Vielleicht entwickelt sich der Maxi ja ganz anders als ich. Vielleicht reagiert sein Umfeld anders auf ihn, als ich es erfahren habe. Vielleicht werden seine vermeintlichen Schwächen dann sein größtes Potential?

Natürlich mache ich mir hin und wieder Sorgen, das ist eine meiner Kernkompetenzen als Mutter. Ich weiß ja nicht, ob das Leben immer gut zu meinen Kindern sein wird. Wenn man irgendwo ein Rundum-sorglos-Paket kaufen könnte- ich würd´s tun. Ich wünsche mir so sehr, dass meine Kinder im Leben immer an die richtigen Mitmenschen geraten werden. Ich wünsche mir, dass ihre Persönlichkeiten nicht an äußeren Gegebenheiten zerbrechen werden. Sie sollen sich nicht verbiegen müssen und schließlich ihren Platz in dieser Welt finden. Dem Mini wird das sicher leichter fallen, als dem Maxi- so wie es meiner kleinen Schwester leichter gefallen ist als mir.

Einmal mehr muss ich als Mutter den Kopf ausschalten, tief durchatmen und loslassen. Jedes Kind hat seine Besonderheiten und sie müssen alle ihren eigenen Weg finden- Eure genauso wie der Maxi. Und wir werden ihnen dabei helfen, weil wir da sind und weil wir ihre Mütter sind, die sie verstehen.
Mamablog Mama Mia

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Mia, was für eine schöne Geschichte mit so wundervollen Gedanken. Du sprichst mir aus der Seele!
    VG Desi

  2. Spricht mir aus der Seele. Nur beim letzten Satz musste ich schlucken. Ich verstehe meine Tochter nicht immer gleich, weil sie ganz anders ist als ich es als Kind war. Sie kommt in vielem eher nach meinem Mann und ich muss manchmal lange grübeln.

  3. Die neue Friseur steht Dir ausgesprochen gut!! Ist sie denn auch praktisch mit zwei kleinen Kids? Meine ist gerade 6 Monate alt, aber ich hätte auch so große Lust auf Veränderung meiner Frisur 🙂

  4. <3 Wunderschön geschrieben!
    Wahrscheinlich ist es gut, dass wir unseren Kindern kein Rundum-Sorglos-Paket kaufen können – es sind sicher die Ecken und Kanten des Lebens und die Auseinandersetzung mit selbst, die uns (auch) Persönlichkeit geben. Aber trotzdem graut es mir vor der Pubertät, in der sie sich so schrecklich unsicher fühlen werden, vor dem ersten gebrochenen Herzen und anderen schlimmen Zeiten.

    Mir ist übrigens gerade aufgefallen, dass ich den Mini-Me Moment noch nie erlebt habe. Das liegt sicher daran, dass meine Kinder ungefähr sieben Mal so braun sind wie ich 😉

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