Pros und Cons der Kann-Kind-Einschulung

Als ich den Maxi aus der Kita hole, herrscht dort Ausnahmezustand. Glückliche, aufgeregte Kinder rennen in ihren Badeklamotten über den Flur und freuen sich offensichtlich riesig darüber, dass wir in diesem Jahr tatsächlich einen echten Sommer erleben. „Wir haben Eis ge-esst!“ ruft mir ein kleiner Junge zu.

Maxi ist wie immer eher wortkarg. Ohne ein Wort geht er mit mir in die Gruppe vom Mini, schweigend läuft er neben uns über den Parkplatz. Erst als ich losfahre sagt der Maxi kopfschüttelnd: „Der X hat ge-esst gesagt!“

Mein Mutterherz schwillt vor Stolz ein wenig an- was habe ich doch für ein schlaues Kind. Gedanklich mache ich wieder einen Strich auf meiner „Pro“ Liste für die frühere Einschulung.

Klingt albern? Na gut, ein bißchen! Aber die Sache ist die:

Der Maxi ist ein Kann-Kind, das heißt, er muss im nächsten Jahr noch nicht in die Schule, aber er kann. Diese Entscheidung müssen seine Eltern für ihn treffen und ich finde das sehr schwierig.

Maxi als frischgebackenes Kita-Kind
Maxi als frischgebackenes Kita-Kind

Wenn ich andere Eltern nach ihrer Meinung frage, bekomme ich als Antwort in 80% der Fälle zu hören: „Ich würde das nicht machen! Lass ihn so lange Kind sein, wie möglich!“

Ganz so einfach ist die Sache für mich nicht. Für mich ist entscheidend, dass mein Kind da wo es ist auch hinpasst. Vielleicht ist der beste Platz für ihn im nächsten Jahr in der Kita, vielleicht aber auch in der Schule. Das kann man nicht pauschal beantworten, weil jedes Kind anders ist. Deswegen ist es gut, dass es zwar eine Stichtagsregelung gibt, diese aber durch die Kann-Kind-Einschulung (und die Möglichkeit der Zurückstellung auf der anderen Seite) aufgeweicht wird.

Zwei Dinge gibt es dabei vor allem zu berücksichtigen: Den intellektuellen Entwicklungsstand und den sozialen.
Was den intellektuellen Teil betrifft, mache ich mir keine Sorgen- und das nicht nur, weil er in der Lage ist, den korrekten Perfekt unregelmäßiger Verben zu bilden.

Viel entscheidender ist für mich die sozial-emotionale Seite. Wenn an dieser Stelle keine „Schulreife“ besteht, gibt es auch schnell Probleme auf der intellektuellen Ebene, und damit ist sie in meinen Augen entscheidend.

Hinzu kommt, dass man nicht bei einer Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Einschulung stehen bleiben sollte. Man muss auch ein paar Jahre weiter denken:

Wenn mein Kind ein Jahr jünger ist, als der Rest seiner Klasse, mag das in den ersten Jahren nicht auffallen. Wenn die Klassenkameraden aber in die Pubertät kommen, kann ein Kind, das ein Jahr jünger ist, die fehlenden Monate nicht mehr kompensieren. Ich kann meinem Sohn die Hormone ja nicht in der Butterbrotdose für die Pause mitgeben. Ausgehen, Sex, Rauchen- es ist nicht unbedingt mein Wunsch, dass der Maxi mit diesen Themen ein Jahr früher in Berührung kommt, und auch er selber kann vielleicht noch gar nichts mit diesen Themen anfangen, wenn sie in seiner Klasse plötzlich auftauchen. Wird er dann zum Außenseiter?

Ich selber war ein Kann-Kind und wurde später eingeschult. Ich habe damit immer gehadert und auch meine Eltern denken heute, sie hätten sich besser anders entschieden. Mit meiner eigenen Erfahrung im Rücken, mache ich mir die Entscheidung nicht leicht.

Unsere Kita plant grundsätzlich alle Kann-Kinder für das Vorschul-Programm ein. Dafür bin ich sehr dankbar, denn dadurch erspare ich mir an dieser Stelle den Makel der übermotivierten, ehrgeizigen Tigermutter, denn die bin ich nicht! Es wird einfach so gemacht (es sei denn, die Eltern möchten das nicht, z.B. weil sie sich schon für eine spätere Einschulung entschieden haben).

Die Vorschulkinder haben ein tolles Programm, aus dem sie Kurse wählen können- und ja, sie dürfen (und sollen) selber wählen: Verkehrs-AG, Tanz-AG, Theater-AG und einige mehr. Sie genießen außerdem ein paar zusätzliche Freiheiten. Da die Altersstruktur dort die gleiche sein wird, wie später in der Schule, ist das doch ein ganz guter Testlauf.

Und so wird mein Großer also im August ein Vorschulkind. Dabei habe ich ihn doch gerade erst an seinem ersten Kita-Tag auf die Krabbeldecke gelegt. Ach, ich weiß noch, wie er eines Tages aus der Kita kam und plötzlich Krabbeln konnte…wo ist dieses Baby nur hin?

Im November müssten wir ihn für die Schule anmelden. Ich werde berichten.

35 Gedanken zu “Pros und Cons der Kann-Kind-Einschulung

  1. Liebe Mia,
    ich habe mich auch umgehört, da mein Sohn auch ein Kann-Kind ist. In Berlin hätte ich aber aktiv auf die Schule zugehen müssen, um ihn dieses Jahr einschulen zu lassen.
    Niemand hat mir in meinem Umfeld gesagt, ich solle das in Erwägung ziehen. Ich befragte 4 Lehrerinnen, die sofort sagten: mach es nicht.
    Ich bin sehr glücklich, dass auch mein Sohn nun ein Vorschulkind wird und er ist es auch! Er ist stolz, dass er nun zu den Großen gehört und ebenso die Übungen mitmachen darf, die vorher die anderen Großen machten.
    Das finde ich sehr wichtig für ihn und sein Selbstbewusstsein. Das nützt ihm sicher für die Schule viel.
    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Alle sagen zuerst: Mach es nicht. Aber kaum jemand kommt auf die Idee, dass man das so pauschal nicht sagen kann. Das können vielleicht nur Mütter nachvollziehen, die ein Kann-Kind haben, bei dem sich die Frage eben aufdrängt, was wohl das Richtige für es ist.

  2. Auch bei uns im Familien- und Freundeskreis immer wieder Thema. Und ich denke auch, dass die ersten Jahre in der Grundschule gar nicht so entscheidend sind. Da ist der Unterschied oft gar nicht so gravierend. Aber ich denke oft daran, dass je nach Schulabschluss die Kinder mit 17 Abitur machen. Ob sie dann schon bereit für Uni sind? Aber wer weiß das schon jetzt? Meine Tochter ist nur ein Darf-Kind, da Anfang Januar geboren. Wenn sie ihre Bilder malt, Buchstaben schreibt, sich Geschichten ausdenkt, konzentriert am Schreibtisch sitzt.. Sie würde gerne nach den Ferien in die Schule. Aber sie geht auch gerne in den Kindergarten, schläft morgens länger, bleibt auch einfach gerne mal Zuhause… Ich freue mich jetzt mit ihr auf das letzte Kindergartenjahr und wenn sie will, fördern oder fordern wir sie auch Zuhause… Wie ihr euch auch entscheidet, es ist dann euer Weg und den wird der Maxi auch gehen.

  3. Ich habe zwei Kann-Kinder eingeschult und war selbst auch ein Kann-Kind.
    Man muß sehr genau hinsehen und sich nicht durch willkürlich festgelegte Termine kirre machen lassen.
    Falls später doch Schwierigkeiten auftreten, müssen die nichts mit der früheren Einschulung zu tun haben.
    Ich wünsche Maxi ein wunderbares Vorschuljahr!

  4. Mein Großer war auch ein kann-kind, er kommt jetzt in die 10. Klasse, wir haben es keinen Tag bereut! Er hätte sich im Kindergarten wahrscheinlich gelangweilt ohne Ende! Wenn alles passt, Sozialverhalten etc., warum nicht den Schritt gehen?!

  5. Wir steckten in einer ähnlichen Situation. Die Große konnte schon lesen, in Lautschrift schreiben und probierte sich am Rechnen bis 20. Alle sagten: mach es! Bis auf die Erzieher im Kindergarten. Sie war emotional einfach noch nicht soweit. Ich entschied mich gegen die frühe Einschulung und bereue es bis heute nicht.
    Sie hat im nächsten Jahr dann doch die 1. Klasse übersprungen und ist im 2. Halbjahr in die 2. gewechselt.
    Ich hab gesehen, wie sie sich im Kindergarten gelangweilt hat. Und hab es mir ehrlich gesagt vorher schlimmer vorgestellt. Sie hat halt ihr Wissen bei den anderen Kindern einsetzen und ihnen helfen können – was ihrem Selbstbewusstsein einen ordentlichen Sprung verschafft hat.

    Jetzt ist sie in der 5. … äh pardon, nach den Ferien in der 6. Klasse. Wie Du schon schreibst, die späte Sicht: Sie ist die jüngste in ihrer Klasse. Während die anderen alle schon 11 sind, wird sie es erst nach den Ferien. Die meisten Kinder sind in der Pubertät, das sieht und hört man halt. Und meine Große? Sie kommt klar und ist so weit hinterher gar nicht. Körperlich, ja, definitiv, geistig kann sie aber immer mithalten. Einzig ihre geringe Größe und „die kleine Süße“, wie sie immer genannt wird, stören sie.

    Du liest vielleicht heraus, auf die Frage „Wie würdest Du es machen“ könnte ich nur mit „Warten!“ antworten. Aber eben nur, weil ich es so gemacht habe und es bei >>uns<< richtig war. Bei einem anderen Kind sieht das schon ganz anders aus.
    Wie Eure KiTa das handhabt, finde ich total super. Das nimmt den Druck und man kann nochmal ein paar Monate lang beobachten, wie der richtige Weg für das eigene Kind ist.
    Ich bin gespannt, wie Ihr Euch für Maxi entscheiden! Alles Gute! ♥

  6. Liebe Mia, ich kann deine Verunsicherung so so gut verstehen, ich selbst hatte ein Kann Kind und zwei muss Kinder die im Mai und Juni geboren wurden (also auch eher jünger in die Schule gekommen sind bzw. noch kommen) Meine Älteste ist vom 25.august und wird dieses Jahr 15, alle meine Freundinnen, die Kinder im gleichen Alter hatten haben ihre Kinder eingeschult, auch mein Bruder dessen Tochter am gleichen Tag Geburtstag hat, hat sein Kind eingeschult. natürlich ist es sehr individuell unterschiedlich und sollte je nach Kind entschieden werden , für manche Kinder ist das Vierte Kindergartenjahr die absolute Katastrophe, da sie einfach uuuunbedingt in die Schule möchten, andere möchten mit all ihren Freunden gehen und auch das kann ich gut verstehen. Meine mittlere hätte ich vermutlich als kann Kind eingeschult, aber bei meiner großen war die soziale Komponente einfach noch nicht gut genug ausgeprägt, die Konzentrationsfähigkeit und auch das Interesse fehlte. Sie wollte auch gar nicht eingeschult werden. Was ich nun im direkten Vergleich zu meiner Nichte sehe ist, dass meiner Tochter alles recht leicht viel und sie sich nicht für die Schule umbringen musste, meine Nichte musste von Anfang an kämpfen, sie war einfach noch nicht so weit. Wichtig ist auch wie du schon sagst, der Blick in die Zukunft. Es gibt nur noch 12 Jahre wenn man auf das Gymnasium geht, der Druck wird größer (z.b. Gibt es schon in der 6ten die zweite Fremdsprache) dieTage viel länger und die Zeit zu spielen viel kürzer. Außerdem muss man sich eher für einen Beruf entscheiden, was ich sehr schwierig finde. Man kann das natürlich auch wieder als Chance sehen. Vielleicht in dem Jahr das man gewonnen hat mehrer Praktika machen um herauszufinden was man möchte oder einfach mal ein Jahr lang durch die Welt reisen, oder sich sozial engagieren. Ach es gibt so viele Wege. Ich verstehe deinen inneren Disput wirklich sehr und wünsche dir, dass du einfach für dich eüund Maxi eine klare Lösung findest 🙂 alles Liebe Steffi

  7. Hallo Mia !

    Das stelle ich mir alles andere als leicht vor.

    Ich wurde begründet damals zurück gestellt und kam spät in die Schule / älter zu sein als die anderen ist auch kein Vergnügen – gerade in der Pupertät –

    Liebe Grüße

  8. Ich finde, es hängt neben dem Kind auch viel vom Stichtag ab. Hier in Hessen ist noch klassisch der 30.6. Stichtag. Und ich habe zwei befreundeten Müttern, deren Kinder 2 bzw. 3 Wochen über Stichtag liegen dazu geraten. Ich würde auch jedem, dessen Kind bis zur Einschlung 6 wird, dazu raten – vorausgesetzt, das Kind gibt es her 🙂
    Der NRW-Stichtag ist aber schon deutlich später als der Hessische und auch deutlich nach der Einschulung. Da würde ich dann gucken, ob viele seiner Freunde eingeschult werden. Bliebe der Maxi „allein“ bei den Kleinen? Während alle seine Freunde das neue Abenteuer erleben dürfen? Wenn Du ihn bis November immer noch für reif genug hältst (und bis dahin gibt es ja auch die ersten Erfahrungen aus der Vorschulgruppe), dann würde ich ihn als Kann-Kind anmelden (einschulen).

  9. guten morgen 🙂

    welch ein glück für euch, dass ihr euch im november entscheiden müsst. meine älteren kids waren auch kann-kinder und gerade bei der ältesten haben wir lange überlegen müssen.
    nun ist es aber hier so, dass die kinder schon im frühjahr des vorjahres (der einschulung) angemeldet werden. d.h. man kann versuchen die eventuelle(!!) entwicklung für die nächsten 15 monate vorherzusagen…. o_O

    bei beiden haben wir uns gegen die frühere einschulung (mit den freunden -auch ein aspekt!) entschieden (für die mittlere war das von vornherein klar) und gerade jetzt an der weiterführenden schule macht sich das bemerkbar.
    wie du schon geschrieben hast, in dem alter fallen die jahre schon ins gewicht.
    wobei es 12 jährige gibt, die reifer sind als manch 14 jähriger…… ausnahmen bestätigen die regel 😉
    in unserer klasse gibt es ein mädel als kann-kind eingeschult, grundschule super, 5te klasse nicht schlecht: aber die emotionale anbindung zu den klassenkameraden war nicht besonders und auch die zukünftigen prüfungssituationen haben mutter + kind dazu bewogen sich ein jahr zurückstellen zu lassen.

    jetzt hat sie wieder alte und neue freunde in der klasse 🙂

    welche entscheidung für euch die richtige ist, kann euch leider keiner abnehmen, aber: bitte nicht hadern, egal wie ihr euch entscheidet. jede entscheidung, die man trifft, trifft nach bestem wissen und gewissen. und eben nach dem wissen, welches man am tag der entscheidung hat….

    das ist vielleicht nicht „hilfreich“ für eure entscheidung, aber für euer wissen, nicht allein zu sein <3

    liebe grüße
    tina

  10. Uuih, was für eine schwere Entscheidung. Mir würden noch hunderte weitere Pros und Cons einfallen, aber am Ende zählt wohl euer Bauchgefühl im November! Meine Eltern haben sich damals dagegen entschieden, mich als Kann-Kind einzuschulen, da ich ihnen zu klein und zart erschien. Meine zwei Wochen jüngere Cousine, der ich als Kind interlektuell immer überlegen war, sie mir dafür körperlich und sozial, ist hingegen frühzeitig eingeschult worden. Selbst im Nachhinein kann man nicht sagen, ob der jeweilige Weg nun wirklich der Richtige war. Zumindest bei mir fühlt er sich aber auch nicht falsch an – das Baugefühl meiner Eltern hat damit wohl gestimmt.

  11. Ich finde auch, dass man das so pauschal nicht sagen kann. Ich bin selber ein Kann-Kind und ein Jahr früher eingeschult worden. Mir war es im Kindergarten absolut zu langweilig und ich wollte gerne lernen. Dass ich in der Schule immer die Jüngste war hat mir nichts ausgemacht (außer als „alle“ schon den Führerschein hatten) und da würde ich mir auch keine Gedanken drüber machen, da es ja nicht so ist, dass alle anderen beispielsweise 15 sind und der Maxi dann 14, sondern es sind die Geburtstage ja kontinuierlich über das Jahr verteilt und somit wird es auch Mitschüler geben, die nur Tage oder Wochen älter sind (ich hoffe, es ist verständlich, was ich meine).

    Der Sohn meines Mannes (6,5) kommt im Sommer in die Schule und ist jetzt auch so weit. Vor einem Jahr wäre er das aber wirklich noch nicht gewesen. Ich finde es spannend, wie sich die Kinder in dieser Zeit entwickeln und wie unterschiedlich sie auch sind. Von daher würde ich im Laufe des Jahres schauen, wie er sich entwickelt und dann auf den Bauch hören (und nicht auf die anderen).

    LG Stephi

  12. Huhu!
    Ich war ein Kann-Kind und es war genau richtig dass ich in die Schule kam. Ein Jahr mehr Kindergarten wollte ich selbst auch nicht. Noch heute bin ich von der schnellen Sorte, alles früher als „normal“. Und ich bin stolz drauf. Sozial hat da meiner Meinung nach nix gelitten 😉 hatte und habe immer viele Freunde. Ältere, gleich alte und jüngere. Also so pauschal „machs nicht“ zu sagen finde ich komplett daneben. 😉
    LG
    Katja

  13. Hallo Mia,
    ich kann dich gut verstehen: Ich war selber ein Kann-Kind und wurde später eingeschult. Ich habe es gehasst immer die Älteste zu sein.
    Meine Tochter kam zwar als „Regelkind“, aber halt mit gerade 6 in die Schule gekommen (in Bayern ist der Stichtag 30.9.) und ich denke mittlerweile, dass sie es mit ihren Kindern wieder anders machen würde, weil sie wohl gerne noch im Kindergarten geblieben wäre.
    (Wir sind zu dem Zeitpunkt gerade umgezogen, so dass ein weiteres KiGa Jahr eher nicht in Frage kam. Und Lehrerinnen haben zum Einschulen geraten.)
    Also: Sehr schwierig und auch danach bleibt wohl die Frage, ob es richtig ist – so oder so.
    LG Chris

  14. Ich wüsste auch nicht, wie ich da entscheiden würde. Spontan würde ich auch immer „Lass das Kind so lange wie möglich Kind sein“ sagen und dass folgender Satz einer Lehrerin erstaunlich gut zutrifft, wenn ich alle Leute, die ich kenne, so durchgehe. Der lautet nämlich: Die Kinder, die früh eingeschult werden, bleiben irgendwann in der Pubertät mal sitzen und letzten Endes ist das alles Jacke wie Hose.

    Eben aus den schon von dir benannten Gründen. Andererseits kann es auch gut sein, dass das Kind sich einfach furchtbar langweilt und unterfordert ist. Und dann sacken die Leistungen auch ab. Oder es eine Klasse überspringen soll und das ist auch ganz schön blöd, vom sozialen Aspekt her.

    So einfach ist es alles nicht. Ich kann dir da leider nicht helfen und du wirst auch erst hinterher beurteilen können, ob es die richtige Entscheidung war. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

    Zum Glück ist bis November noch etwas Zeit und bis dahin wirst du (beziehungsweise werdet ihr) sicher die richtige Bauchentscheidung treffen, da bin ich mir sicher!

  15. Liebe Mia,

    ich finde, du machst es genau richtig. Das Kind beobachten und auch aufs Bauchgefühl hören … dann kann man mit einem guten Gefühl eine Entscheidung treffen.

    Ich habe meinen älteren Sohn ein weiteres Jahr im Kindergarten gelassen, weil er eher schüchtern und unsicher war. Es war die richtige Entscheidung, er „spaziert“ relativ sorglos durch die Schulzeit, ist jetzt schon in der 9. Klasse und ein selbstgewußter, offener Teenager.

    Mein jüngerer Sohn ist knapp an der „Kann-Kind-Regelung“ vorbeigeschlittert, eine Rückstellung wurde nicht genehmigt. Und tatsächlich hat es fast ein halbes Jahr gedauert, bis er wirklich in der Schule „angekommen“ war, weil er noch so verspielt war. Schade, dass die Entscheidung des Zeitpunkts der Einschulung nicht immer bei den Eltern liegt, denn bis heute habe ich das Gefühl, dass ihm einfach ein wenig Zeit fehlt. Und mein Sohn vergleicht sich eben auch mit den Mitschülern, die teilweise fast ein Jahr älter sind.

    Ich denke, dass ihr als Eltern ein ganz gutes Gespür dafür habt, was ihr eurem Kind zutrauen könnt. Und wenn es doch die „falsche“ Entscheidung war, sind es doch letztendlich die Eltern (mit dem Kind), die die Konsequenzen tragen müssen.

    Liebe Grüße,

  16. Hallo Mia,

    so häufig wollte ich schon mal einen Kommentar hinterlassen, da ich deinen Blog sehr gerne lese…bisher habe ich mich zurückgehalten…aber bei diesem Thema möchte ich gerne etwas dazu sagen:
    Als Kannkind wurde ich selbst mit 5 eingeschult und bin bis heute sehr zufrieden mit der Entscheidung meiner Eltern (wobei ich wohl meine Eltern gebeten haben soll, mich früher einzuschulen…) Bis auf die paar Male als ich mich noch in die Disco schmuggeln musste, während meine Klassenkameraden schon stolz ihren Ausweis vorzeigten ( während sie mich deckten), ist es mir nicht mal richtig aufgefallen…meine ältere Schwester hingegen ist der Meinung, dass ihre eigene Einschulung mit 5 in der Pubertät eine Qual war.
    Mein Eindruck ist daher, dass man es vorher eigentlich nicht wissen kann. Viele Dinge kann man einfach nicht absehen. Es kann zum Beispiel einen Unterschied machen, wenn zur Zeit der Trend dahin geht, die Kinder mit 7 einzuschulen. Wenn die gesamte Klasse jünger ist, wie bei mir damals, ist kaum ein Unterschied zu merken. Weiß man sowas vorab?
    Mein Sohn, zwar noch nicht mal ein Jahr alt, wäre auch ein Kannkind. Ich bin der frühen Einschulung sehr positiv gesinnt, werde mir aber den Zwerg und auch seine Zwergenkollegen in ein paar Jahren genau ansehen…
    Ach ja, zu dem Punkt „so lange Kind bleiben wie möglich“: das gewonnene Jahr kann man wunderbar später im Ausland „verplempern“…

    Beste Grüße
    salllllllly

  17. Liebe Mia,

    Was sagt denn eigentlich der Maxi dazu? Ist Schule und “wann lerne ich denn endlich lesen“ etc für ihn ein reizvolles Thema?

    Viele Grüße von Britta,
    die glaubt dass so aufmerksame Mütter da ein gutes Bauchgefühl haben 🙂

    1. Danke Dir <3
      Der Maxi möchte natürlich mit seinen Best Buddies in die Schule, aber er kann ja nicht einschätzen, was das bedeutet. LG

  18. Liebe Mia, ich kann Dich gut verstehen. Ich bin mit fast sieben eingeschult worden, habe mich immer gelangweilt und meinen Eltern „vorgeworfen,“ dass sie mich nicht früher eingeschult haben. Dadurch kam in der Grundschule das Thema Klasse überspringen auf (was sie auch abgelehnt haben). Bei meinen eigenen Kindern musste ich mir gsd keine Gedanken machen, da hier in Berlin ja eh sehr jung eingeschult wird.
    Ein Aspekt, der bisher noch nicht genannt wurde: heutzutage ist der Unterricht viel differenzierter als früher. Dh auch fitte Kinder langweilen sich nicht so schnell. Springen ist einfacher, bei Bedarf konnten die Kinder eine Klasse höher schnuppern und dann bleiben oder ohne Gesichtsverlust zurückkehren. Ein Freund meines Großen durfte den Matheunterricht der nächsthöheren Klasse besuchen.
    Da würde ich mir an Eurer Stelle mal die Schulen ansehen und fragen, was es da für Möglichkeiten gibt. Gerade falls Ihr Euch im November immer noch unsicher seid.
    Alles Gute für Eure Entscheidung! Julia

  19. Also ich würde es machen, bei uns ist sie frist bis 30.9. ich kenne nun viele die also mit 5 eingeschult werden, das ist hier so üblich. Es gibt vorher einige Tests die von der Schule aus gemacht werden und auch der Kindergarten arbeitet sehr stark mit der Schule zusammen. Und wenn es da keine Einwände gibt dann wird das so gemacht. Gerade bei Mädchen finde ich es etwas schwerer zu entscheiden. Meine Kleine wird mit 6,5 jahren zur Schule vorher macht es auch keinen Sinn bei ihr. Sie ist sehr klein und wiegt nur knapp 16 kg, da wiegt ja der Schulranzen schon mehr 😉
    Ich sehe da kein Problem drin, ihn zur Schule zu schicken.
    Meine große wurde Ende Juni 6 und kam im August zur Schule. Ihr war vorher auch schon langweilig im Kiga. Also was solls.
    und zur not könnte man immer noch die erste Klasse wiederholen.

  20. Du Liebe… Ich lese grade deine Zeilen und habe Pipi in den Augen- wir waren in derselben Situation- es wäre aber für Lilly schlimmer gewesen noch im Kiga zu bleiben- bei uns waren es die Erzieher die uns angesprochen haben- erst dann gibt es Vorschule- nun wohnen wir ja in derselben Stadt und ich kann dir sagen ihr werdet geprüft- er muss ein halbes Jahr eher ins Gesundheitsamt als die Muss Kinder- die Schule schaut mehr und lädt ein etc etc. ich fand es heftig für Lilly als Jüngste schon kurz nach der Anmeldung ins Gesundheitsamt zu müssen aber es war super! Die helfen dir schon bei der Entscheidung- achten viel mehr auf Reife als auf Wissen-es gibt viele die da schon rauffallen was gut ist.. Nicht das du ihn in der Kita lässt und er eingeht vor Langeweile- Liebe Grüße aus Buschdorf Nathalie

  21. Hallo Mia,

    meinte Tochter ist genau 1 Jahr älter als der Maxi. Anfangs dachte ich immer, ich müsste mir viele Gedanken über die frühe Einschulung machen, da sie kongitiv und sprachlich immer sehr weit war. Aber als es dann so weit war, war eigentlich klar, dass wir sie nicht in die Schule schicken. Da gab es mehrere Gründe. Für sie ist nächstes Jahr einfach der richtige Zeitpunkt.
    Ich hoffe, dass es für dich, wenn der Zeitpunkt genommen ist, an dem du dann die endgültige Entscheidung treffen musst, dann auch recht klar ist und du dich fragst, warum du dir vorher so viele Gedanken gemacht hast. Kinder entwickeln sich manchmal unglaublich schnell. Und man kann nie sagen, wo man in einem Jahr genau steht. Wenn es so weit ist, wirst du schon die richtige Entscheidung treffen.
    LG, Sunev

  22. Tut was ihr fürs Kind das beste findet. Die Verunsicherung ist normal und zeigt auch wider das euch sehr sehr viel am Kind und desen Zukunft liegt! Und das ist doch letztendlich wichtig.

  23. Liebe Mia,
    ich bin auch Mama eines Kann-Kindes und Grundschullehrerin. Ich kenne also beide Seiten. Und ich würde es nur machen, wenn dein Kind außerordentlich voraus ist. In der Schule sehe ich, dass es den wenigsten gut tut, so jung zu kommen. In Bezug auf meine Tochter, denke ich, dass es besser ist, sich ein Jahr im kiga zu langweilen und dann stabil zu starten, als einen unsicheren Start zu haben. Ich glaube, der Start ist wichtig. Natürlich hoffe ich, dass sie sich nicht langweilt im kiga und die sich Mühe geben mit dem Programm 🙂
    Die Bloggerin vom berliner-Kinderzimmer.de hat übrigens gerade einen ziemlich neutralen und gelungenen Gastbeitrag einer Schulleiterin zum Thema veröffentlicht- mit Checkliste. Vielleicht hilft dir der.
    Lg berta
    P.S. Ich war übrigens auch ein kann-kind. Meine erzieherin wollte unbedingt, dass ich früher gehe… meine mutter (auch grundschullehrerin) hat es nicht getan und mir gefiel es immer gut, dass ich mich nicht furchtbar anstrengen musste für alles. Was verliert man?

    1. Da hier und auch schonmal in früheren Kommentaren der Punkt mit dem Anstrengen kam: Ich glaube, das ist von Mensch zu Mensch verschieden und hat nicht unbedingt etwas mit dem Alter bei der Einschulung zu tun. Ich war, wie oben schon gesagt, ein Kann-Kind, das früh zur Schule gekommen ist, und mußte mich auch nie wirklich anstrengen. Also, das ist ein Argument, dass man m. Meinung nach nicht anführen sollte.

      1. Haste Recht… das gibt es wahrscheinlich auch 🙂 Ich wollte eigentlich nur entkräften, dass man sich dann zwangsläufig in der Schule langweilt… also mir ist eigentlich die ganze Grundschule alles zugeflogen und ich hätte es sicher auch ein Jahr vorher gepackt, aber ich habe mich trotzdem nicht gelangweilt.
        Ich möchte auch wirklich gar nicht sagen, dass es immer falsch ist, ein Kind früher einzuschulen – habe nur irgendwie so ein bisschen die Einstellung, dass man im Prinzip weniger zu verlieren bzw. riskieren hat, wenn man es lässt. Einfach auch, weil ich viele Kinder in der Schule sehe, denen ein Jahr Kindergarten sicher gut getan hätten und die ziemlich überfordert sind, nicht mal fachlich, sondern einfach mit dem ganzen Schulalltag (in Berlin schulen sie z.Z. sehr früh ein – Stichtag ist erst der 31.12. Das wird aber gerade rückgängig gemacht). Aber ich weiß auch, wie schwierig die Entscheidung ist, wenn z.B. alle Freunde gehen etc.
        Und dann hängt es eben auch maßgeblich von der Kita und der Schule ab… wenn du eine Lehrerin vom alten Zopp hast, die alle im Gleichschritt durch die Fibel treibt, wird es sicher schneller langweilig, als wenn sie jedes Kind im Blick hat und individueller arbeitet.
        Wollte keinen angreifen – einfach nur meinen Eindruck schildern.

  24. P.P.S. also lesen und schreiben und rechnen lernen sie alle.. mir geht es eher um die seelische Entwicklung, Konzentrationsfähigkeit etc.

  25. Liebe Mia,
    ich habe gerade auf deinem facebookprofil gelesen, dass du den Maxi nun angemeldet hast und da hast du auch geschrieben, dass du darübe schonmal geblogt hast und einige Kommentare nicht mochtest… daraufhin habe ich hier nochmal gelesen und fand die Kommentare eigentlich alle ziemlich nett und zugewandt… alle schildern halt so ihre Erfahrung und da sieht man ja schon wie schwierig das ist und wie wenig man es pauschal beantworten kann 🙂
    ich hoffe so sehr, dass es nicht meine waren, die du blöd fandest, nur weil wir anderer Meinung sind – ich kenne ja dein Kind auch überhaupt nicht. Und bei all den Gedanken, die du dir zu deinen Kindern machst, sind sie ganz sicher in Expertenhänden 🙂

    1. Nein, nein, alles gut 🙂 Die ganz fiesen Kommentare kommen ja immer per Mail! Andere Meinungen sind vollkommen okay und sogar gewünscht! Liebe Gtüße. Mia

  26. Unser Sohn war letztes Jahr auch Kann-Kind hier in Bayern. Der Kindergarten hatte uns dringend geraten ihn in die Vorschule zu schicken und bei der Schule einen Antrag auf vorzeitige Einschulung zu stellen… Das Ende vom Lied? Tja, hier in Bayern hat leider die Schulleitung das letzte Wort und die hatte keine Lust auf ein Kann-Kind und hat ihn als sozial nicht schulreif eingestuft (übrigens ohne fachliche Begründung – wir haben extra nachgefragt, um zu erfahren in welchen Bereichen sich unser Sohn noch entwickeln soll und wie wir und der Kindergarten dies unterstützen können). Jetzt haben wir hier einen 6-Jährigen, der inzwischen lesen und rechnen kann (auf eigenen Wunsch hin) und der es nicht erwarten kann dieses Jahr endlich in die Schule zu kommen. Es bleibt spannend…
    Ich drücke euch die Daumen, dass die Einschulung für euren Sohn glatt geht und es ihm (mit Sicherheit) gut gefallen wird.

  27. Vielen Dank für diesen schönen und informativen Artikel!
    Wir stehen bald vor der selben Entscheidung – jetzt bin ich mir schon deutlich sicherer auf meinen Bauch und nicht die anderen zu hören!

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