Nicht nur kleiner Bruder

Ohne den Mini wäre unsere Familie nicht dieselbe. Das klingt selbstverständlich, denn welche Familie könnte schon dieselbe sein, wenn eines ihrer Mitglieder fehlte, aber mit dem Mini ist es doch etwas Besonders.

Mein Jüngster ist nämlich anders. Er ist anders als ich, anders als mein Mann und anders als der Maxi. Natürlich hat jeder von uns seine Eigenheiten, aber uns drei eint unsere Introvertiertheit, unsere Zurückhaltung, mit der wir neuen Situationen begegnen und unsere eher beobachtende Rolle, die wir in größeren Menschenansammlungen einnehmen.

Nun waren wir vor Minis Geburt wirklich kein trauriger Haufen, im Gegenteil, aber der Mini trägt eine so wilde, offene Fröhlichkeit in sich, die wir so nicht kannten und mit der er unsere Familie jeden Tag aufmischt, von dem Moment, in dem er morgens die Augen aufschlägt und strahlend „Hallo Mama“ ruft, bis zu der Minute, in der er kichernd einschläft. Ja, wirklich, er kichert noch beim Einschlafen! Vermutlich geht er den Schandtaten-Plan für den nächsten Tag gedanklich durch.

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Der Mini reißt Menschen mit seiner guten Laune mit. In der Kita (im Supermarkt, auf der Straße…) fängt er manchmal einfach so an zu lachen, und nach ein paar Minuten lachen alle Kinder und alle Erzieherinnen mit, und sie schütten sich aus vor Lachen, ohne zu wissen warum. „Das ist eine unübliche Beschreibung für einen 1,5 jährigen“ haben sie im Elterngespräch zu uns gesagt, „aber: er hat Humor. Der Mini hat Humor!“

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Zu Hause legt der Mini ständig  mit Schwung los- er tanzt oder singt oder lacht- und dann machen wir alle mit. Obwohl also er es oft ist, der hier den Ton angibt, ist er für uns doch vor allem eines: Der Kleine. Unser Nesthäkchen, der kleine Bruder, das Baby.

Ich bin selber die große Schwester. Ich habe zwei kleine Schwestern. Sie sind wie ich längst erwachsen, aber ich bin für sie noch immer die Große. Ich wundere mich manchmal, wie wichtig ihnen meine Meinung ist, wie glücklich sie ein Lob von mir macht und wie schwer meine Kritik wiegt. Das gilt umgekehrt natürlich auch, aber sie werden für mich auch immer die Kleinen sein. Es hat Jahre gedauert, bis ich mich an den Anblick meiner jüngsten Schwester hinter dem Steuer eines Autos gewöhnt habe.

Ich habe mich für meine Schwestern immer verantwortlich gefühlt. Das verdeutlicht diese Geschichte ganz gut: Ich war etwa  fünf Jahre alt, meine jüngere Schwester 3 und wir spielten mit anderen Kindern in einem der Nachbarsgärten. Plötzlich stand ich schreiend vor unserer Haustür: „Mama, ich habe Pipi in die Hose gemacht!“ Meine Mutter war verwundert, das war mir noch nie passiert  und sie sagte: „Aber Du warst doch ganz nah an zu Hause, warum bist Du nicht einfach aufs Klo geflitzt?“ Da antwortete ich ganz erbost: „Ja denkst Du vielleicht, dass ich keine kleine Schwester habe?! Ich habe M. an die Hand genommen und versucht, sie schnell mit nach Hause zu nehmen, aber das ging nicht, die läuft nicht so schnell!“ Bis heute würde ich mich erst um meine Schwestern kümmern, und erst danach um mein eigenes Geschäft.

So wachsen wir wohl alle in unsere Geschwister-Rollen hinein und das ist gut so, nur eines wäre wohl nicht in Ordnung: Wenn wir Eltern unseren Kindern diese Rollen überstülpen. Ich selber erwische mich manchmal dabei, dass ich den Mini kleiner mache, als er eigentlich ist. „Kannst Du Deinem Bruder mal kurz helfen?“ sage ich zum Maxi. „Kannst Du ihm die Schuhe ausziehen? Kannst Du schonmal seine Jacke holen…?“ Ich glaube, dass die ganze Familie sich manchmal zu viel um den kleinen Bruder kümmert.

Dabei sind Zweijährige doch eigentlich ganz groß: Sie sind große Entdecker! So vieles kann Mini schon alleine machen, so vieles möchte er schon alleine machen und so viele Dinge will er jeden Tag erkunden. Ja, eigentlich ist er schon ganz schön groß, und niemand ist schließlich nur der kleine Bruder, aber um das zu erkennen, müssen wir manchmal die Perspektive wechseln. Neben dem Maxi wird der Mini immer der Kleine sein, deshalb muss ich als Mutter darauf achten, dass er genügend Raum bekommt, in dem er losgelöst von jedem Vergleich er selber sein kann.

Am Montag hat der kleine Große Geburtstag. „13 Kilo Lebensfreude“, wie der Mann ihn oft nennt, werden in wenigen Tagen zwei Jahre alt. Bestimmt wird er den Dirigenten spielen, wenn wir ihm sein Geburtstagsständchen singen und am Ende wird er sich seine Kuchengabel schnappen, sie als Mikrofon benutzen und selber am lautesten „Happy Birthday“ singen.

Und dann starten wir in ein neues Lebensjahr mit diesem besonderen Menschen, der unsere Familie so sehr auf den Kopf gestellt hat, der eigentlich ständig singt oder lacht oder hüpft und die pure Lebensfreude auf zwei Beinen ist. Ich bin so gespannt, was sich mein wildes, fröhliches, lustiges Kind in den nächsten 12 Monaten alles einfallen lässt. Es wird lustig, so viel steht schon fest.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

 

7 Kommentare

  1. Ich habe mich schon immer wieder gefragt, woran es legt, dass ich Deine Texte sooo gerne lese. Jetzt weiss ich mehr dazu: nicht nur schreibst Du wunderschön, inteligent und charmant, sondern hast Du auch einen fröhlichen Sonnenschein zu Hause, genau so wie ich! Wir habe eine ähnliche Familienkonstelation 🙂
    Schöne Zeit für Euch und geniess die fröhlichen Momente!
    Viele Grüße aus München, Dominika

  2. Ich bin selbst große Schwester, eher „introvertiert, vernünftig, ernst“ – so zumindest werde ich durch die Familie beschrieben. Dass meinem kleinen Bruder (mittlerweile Mitte 20) seit jeher alle Herzen zufliegen, weil er (wohl wie dein Mini) einen so fröhlichen, gewinnenden Charakter zeigt, ist nicht immer einfach. Ich stehe dann oft daneben und fühle mich wie ein Spielverderber/Miesepeter, wenn seine Art – für mich gefühlt – „mal wieder“ in den Himmel gehoben wird. Aus meiner Haut kann ich aber nicht raus.

  3. Thi Huong

    Vielen Dank für diesen schönen Eintrag.
    Erst gestern wurde ich etwas wehmütig und habe an meinen Kleinen gedacht, der ja noch nicht all das machen darf, was die große Schwester macht. Dass er sich benachteiligt fühlt und uns immer wieder beschwichtigt, dass er schon ein großer Junge ist. Deine Beschreibung zu deinem Mini könnte glatt meinen kleinen Mister beschreiben. Es tat mir gut, deine Worte zu lesen, was mir nicht mehr das Gefühl gibt, ihn zu benachteiligen.

  4. Sehr schöner Artikel, kann ich voll nachempfinden.
    Wir haben auch 2 Sonnenscheine, Mia 4 Jahre und Pepe 2 Jahre.
    Deine Beschreibung hat mich an meinen Pepe erinnert. Er singt und tanzt durchs
    Haus, ist ein Chameur. Er liebt es einkaufen zu gehen. Schon als Baby hat er im Supermarkt gesungen. Und die Leute amüsieren sich heute noch, wenn er versucht, Schokolade hinter der Kasse zu stibitzen und damit durchzukommen. Er hat selten schlechte Laune, nur ab und zu altersbedingten Bock. Ansonsten heitert er uns mit seiner ausgeglichenen und fröhlichen Art immer wieder auf.

    Liebe Grüße Jana
    http://www.jewomax.de

  5. Was für ein schöner Text ♥ !
    Es berüht mich, was für einen liebevollen Blick du auf deine Kinder hast.
    Wie oft habe ich gejammert und gehadert, weil wir gerade beim vierten Kind so einen kleinen Wirbelwind bekommen haben … wie angstrengend! Doch dein Text hat mich zum Nachdenken gebracht. Es kommt doch immer auf die Sichtweise an ☺.
    Wenn mal wieder so ein Tag ist, an dem ich das Gefühl habe, hier gegen das pure Chaos zu arbeiten, werde ich mir deinen tollen Text durchlesen und versuchen, dankbar zu sein für meinen gesunden, fröhlichen und wissendurstigen Nachzügler!
    Danke!

    Liebe Grüße
    Anja

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