Das gäb´s ja bei mir nicht? Von Konsequenz in der Kindererziehung

Die besten Erziehungstipps kommen ja immer von Menschen, die keine Kinder haben. Prägnant und klar fassen sie die Grundregeln der Kindererziehung in so einfache Worte, man fühlt sich da immer schnell gedemütigt, weil man selber so wenig Ahnung hat.

Ich habe das große Glück, einen dieser Menschen zur Kollegin zu haben und will ihr Wissen gerne mit Euch teilen.

Den Ausführungen meiner Kollegin zu Folge liegt das Problem vor allem bei den Eltern. Denen fehlt es nämlich an Konsequenz in der Kindererziehung. Ganz schlimm sei das heute mit den Eltern, meint sie. Sie hat das nämlich schon mehrfach im Supermarkt beobachtet, deswegen weiß sie das so genau.

Auch die 25jährige Dame, die mir immer die Nägel macht, hat da schon echt viel erlebt. Die erzählte mir kürzlich von einer Kundin, die ihren dreijährigen Sohn zum Termin mitbrachte und der hätte dann die ganze Zeit rumgeqängelt. „Das gäb´s ja bei mir nicht,“ hat sie kopfschüttelnd gesagt.

Endlich weiß ich, warum meine Söhne manchmal so furchtbar störrisch sind. Dieses ständige Kuscheln, Abknutschen und diese ewigen Liebeserklärungen an meine Söhne, das kann ja zu nichts führen. Zum Glück gibt es Menschen mit ungetrübtem Blick von außen, die einem die Augen öffnen.

Konsequenz! Dass ich da nicht von alleine drauf gekommen bin!

Ein paar Mal habe ich ja bereits versucht, konsequent zu sein. Ich mag es zum Beispiel nicht, wenn die Kinder auf dem Sofa herumhüpfen, aber sie machen es trotzdem immer. Eine Zeitlang habe ich dann jedes Mal geschimpft, aber gebracht hat es eigentlich nichts. Meistens endete mein Rügen damit, dass die Jungs und ich uns auf dem Sofa gegenseitig durchkitzelten. Ich hatte aber eigentlich nicht das Gefühl, dass das erzieherisch gesehen ein Moment des Versagens gewesen ist.

Konsequenz in der kindererziehung

Von außen betrachtet und für Menschen, die ohne Kinder leben, mag es manchmal nicht klar sein, wie man seinem zeternden Kind auch noch gut zureden kann. „Das gäb´s bei mir nicht!“- vielleicht habe ich so etwas früher auch mal gedacht.  Aber das brüllende Kind im Supermarkt hat vielleicht einen langen Kita-Tag hinter sich und möchte nach Hause, statt dessen muss es einen langweiligen Einkauf hinter sich bringen. Das quängelnde Kind im Nagelstudio möchte einfach nur mit seiner Mama spielen, aber die hat schon den ganzen Tag andere Termine. Mama weiß das und sie weiß, dass lautstarkes Schimpfen gerade mal so gar nichts bringt. Ihr liebevolles Trösten entspricht ihrer liebevollen Beziehung, das IST konsequent.

Manchmal kann man auch einfach nicht so konsequent sein, wie es andere von uns erwarten. Wenn ich einen anstrengenden Tag im Büro hatte und mich erstmal an meiner Kaffeetasse festhalten muss, während ich mit einer Freundin quatsche, dann lasse ich zu, dass die Kinder sich wie die Räuber aufführen. Solange keiner verletzt wird, blende ich alles aus. Geht manchmal nicht anders. Aber ich kann mir vorstellen, wie andere Menschen vor lauter „Das-gäb´s-bei-mir-nicht“ nahezu platzen.

Ehrlich gesagt habe ich mir meine Kinder früher auch anders ausgemalt, als sie heute manchmal sind. Und ich habe auch gedacht, dass man sie nur „erziehen“ muss, dann werden sie logischerweise zu gut erzogenen Kindern. Heute ist mein Glaube an Erziehung stark erschüttert. Die Kinder sind, wie sie sind. Ich lenke sie ein winziges bißchen hier und da, aber der Hauptbestandteil der sogenannten Erziehung liegt darin, dass ich mit den Kindern lebe, so wie ich bin. Und ich bin übrigens so inkonsequent, dass ich mir manchmal inkonsequenterweise vornehme, konsequent zu sein und dann fehlt mir wieder die Konsequenz dazu.

Wir sind hier eine Knutsch- und Kuschelfamilie. Wir sagen uns ständig, wie lieb wir uns haben und wie süß wir uns finden. Wenn meine Söhne auf dem Sofa herumhüpfen, obwohl sie wissen, dass ich das nicht möchte, und sie dabei aber so herrlich lachen, dann muss ich einfach zu ihnen sagen, dass sie die süßesten Rabauken der Welt sind, anstatt zu brüllen „Das habe ich verboten! Geht in Euer Zimmer!“ Mit Konsequenz hat das nichts zu tun, aber die wäre in dem Fall auch nicht authentisch.

Und genau das ist der Punkt: Es gibt ein paar Dinge, die sind wirklich verboten. Im Wohnzimmer steht eine Lampe, die darf auf keinen Fall kaputt gehen und deshalb darf kein Kind sie anfassen. Das habe ich, weil es mir wichtig ist, immer so konsequent verboten, dass ich den Eindruck habe, die Kinder nehmen diese Lampe gar nicht mehr wahr. Zähneputzen mag vor allem der Mini gar nicht. Trotzdem muss er da jeden Abend durch, das geht nicht anders. Und der Maxi darf mit seinem Fahrrad immer nur so weit fahren, wie ich ihn noch sehen kann, bevor er um eine Ecke biegt, muss er anhalten und auf mich warten.

Solche Regeln sind bei mir nicht verhandelbar. In allen anderen Fällen finde ich „Konsequenz“ ehrlich gesagt ziemlich sinnlos. Und abgesehen davon ist vor allem der Mini noch viel zu klein, um einen nennenswerten Lerneffekt aus „Konsequenz“ zu ziehen.

Von Jesper Juul liest man immer wieder Sätze wie den, dass es darauf ankommt, wie wir mit unseren Kindern umgehen, und wie sie uns im Umgang miteinander und mit anderen Menschen erleben. Solche Sätze klingen so einfach wie die meiner Kollegin, aber sie sind viel einleuchtender. Ich glaube daran, dass ein Kind, das seinen Eltern vertrauen darf und das eine liebevolle Beziehung zu ihnen hat, zu einem netten Menschen wird, der die vorgelebten Werte in sich trägt und diese auch entfaltet. Zu einem gegebenen Zeitpunkt halt. Ein Kind, dessen Willen ständig von seinen Eltern gebrochen wird, und das nur, weil sie finden, man muss seinen Teller leer essen, beim Essen stillsitzen oder immer seine Jacke aufhängen hat dann weniger schöne Dinge, die es an seine Mitmenschen weitergeben kann.

Mir gefällt es, dass meine Kinder einen eigenen Willen haben und wissen, wie sie ihn durchsetzen. Und es gefällt mir, dass sie irgendjemand zu so freundlichen Menschen erzogen haben muss, dass sie ihrer Mutter ihre dummen Ideen immer wieder verzeihen. Wenn ich mir manchmal vornehme, konsequent zu sein und plötzlich neue Regeln aufstelle, an die ich mich selbst nie halte, dann schauen sie mich mitleidig an und hüpfen weiter auf dem Sofa herum, aber sie schimpfen nie mit mir. Und ich? Ich kitzele sie dann umgehend durch und knutsche sie ausgiebig ab. Ja, immer.

Meine Kollegin wäre stolz auf mich!

Mamablog Mama Mia

 

 

36 Kommentare

  1. Hallo,
    ich kann gar nicht oft genug „Danke!!!“ sagen für Deinen wunderschönen und mir aus dem Herzen sprechenden Beitrag. Kein Wort in diesem Text hätte besser und treffender beschrieben, was ich so oft denke und fühle.
    Dein Text ist Balsam für meine Mama-Seele

    • Danke Jule, das ist wiederum Balsam für meine Mama-Blogger-Seele!Liebste Grüße
      Mia

  2. Liebe Mama Mia, gerade heute und gestern, wo ich versuche, wahnsinnig konsequent zu sein (weil wir Schnuller-Abgewöhnung machen), kommt dieser Text so so perfekt…wie gerufen!! 😉
    Bei dem herzzerreißenden Weinen beim Einschlafen habe ich kurz überlegt, ob ich den Schnuller wieder rauskrame…
    Aber ich bin (noch) standhaft geblieben…
    Ansonsten frage ich mich auch immer wieder, ob meine Inkonsequenz mal schlimme Folgen haben wird…in Situationen wie „Du hattest heute schon Eis und kriegst jetzt nicht auch noch Gummibärchen“ oder wenn ich mir zum 10. Mal vornehme, Kind 1 nicht vor „Trotro“ zu parken, während ich Kind 2 zum Einschlafen bringe..oder dass Kind 1 jetzt wieder im Gitterbett bei uns im Zimmer schläft, obwohl er schon 1 Monat in seinem (wunderschönen neuen) Bett in seinem Zimmer geschlafen hat…oder Kind 2 mit 12 Monaten immer noch einschlafgestillt wird…dabei wollte ich das schon abgewöhnen…etc.etc.pp. 😉
    Aber, ich hoffe, dass sie auch (und erst recht!) so zu glücklichen Kindern und Erwachsenen werden, die wissen, dass ihr Fels in der Brandung ihre Eltern sind…. 🙂
    Danke für Deine tollen Posts, in denen ich mich so oft wiederfinde..
    Schöne Ostertage und liebe Grüße,

    Julia

    • Hallo Julia, hier auch gerade kalter Entzug:) meine Tochter ist seid 3 Tagen unausstehlich und ich bin fast stündlich bereit, den Nuckel wieder auszupacken, aber bisher war ich auch konsequent….
      Wir schaffen das:)

      Gruß Simone

  3. Hallo Mia! Wieder mal ein so anrührender Blogpost von dir! Es kommt wirklich öfter vor, dass man sich von Außenstehenden sagen lassen muss „Sie ist ja wirklich laut/wild/launisch/bockig/sonstigeschlechteeigenschaft“, die nur diese eine Situation miterleben,in der das Kind gerade zickt und all die anderen, tollen Momente eben nicht. Leider erwische ich mich ab und an dabei, wie ich meine kleine Tochter ermahne, wenn wir unterwegs sind, nur damit sich fremde Leute nicht aufregen bzw. weil die das er warten. Dann bin ich hinterher immer sauer auf mich selbst. Meine kleine Tochter ist einfach so wie sie ist: eine neugierige Zweijährige, ja, manchmal zu laut und wild. Wie kleine Kinder eben nun mal sind. Sonst wären es Erwachsene :-).

  4. Wie toll, daß das mal jemand sagt.
    Meine Theorie: Kinder merken sehr schnell, was uns wichtig ist. Weil wir das eben konsequent durchsetzen.
    Zweifeln wir nur minimal, durchschauen sie das sofort und nehmen uns nicht mehr ernst.
    Liebe Grüße
    Suse

  5. Super geschrieben!
    Es gibt einzelne Dinge, die mir wirklich wichtig sind und da bin ich auch sehr konsequent. Ich denke, wenn Kinder sich in Gefahr begeben, die sie noch nicht einschätzen können, ist das auch ganz normal, das man konsequent ist.
    Aber vieles wird heute verboten, weil „man“ es so macht oder von Kindern erwartet, es sind nun mal keine kleinen Erwachsenen, das wollen einige leider nicht sehen!

    Ich wünsche euch wunderschöne Ostern
    Simone

  6. Ich finde, hier werden viele Begriffe durcheinander gebracht. Die Autorin hat hier offenbar „konsequent sein“ mit „bestrafen“, „rügen“ oder auch „anbrüllen“ gleich gesetzt. Aber das ist nicht konsequent. Konsequent sein heiß auch nicht, nicht emphatisch zu sein oder Verständnis für sein Kind zu haben. Konsequenzen sind nicht unbedingt Strafen. Und konsequent zu sein bedeutet auch nicht, keine Ausnahmen zuzulassen. Konsequentes Erziehungsverhaltem bedeutet, eine Verlässlichkeit für das Kind zu schaffen. Wenn jemand konsequent ist, bedeutet das, er schafft einen verlässlichen Rahmen in dem es auch Freiräume geben darf. Konsequent zu sein heißt, zu seinem Wort zu stehen. Das kann auch heißen, dass ich verlässlich belohne, wenn ich eine Belohnung versprochen habe. Menschen müssen wissen, dass ihr Handeln Einfluss auf andere Menschen haben kann. Und das lernen Sie auch (nicht ausschließlich!) durch eine konsequente Erziehung.
    Und wenn es um Konsequenzen für einen Regelbruch oder dergleichen geht, ist eine gute Konsequenz eine, die etwas mit dem Regelbruch zu tun hat. Wenn Sie Kinder zum Beispiel verbotenerweie auf dem Sofa toben, müssen sie das Sofa wieder aufräumen. Gute Konsequenzen sind kausal, also logisch, und keine dummen Strafen wie Hausarrest.

    • Das ist eine schöne Definition von „Konsequenz“, die ich in dieser Ausführung teile. Konsequenz im Sinne von „ein totes Pferd zu Ende reiten“, wie sie von vielen Eltern und nicht-Eltern vor allem älterer Generation eingefordert wird, ist sehr wohl mit „bestrafen“ gleichzusetzen, weil Dinge einfach „aus Prinzip“ geschehen und in dieser Form ist es erwiesenermaßen Unsinn.

  7. Jennifer Müller

    Danke für diesen wundervollen Text! Ich wünsche uns allen, dass wir auch stark genug sind, genau diese schöne Sichtweise auszuleben – ganz ohne das doofe Gefühl sich an der Kasse oder vor der Kollegin rechtfertigen zu müssen.

  8. Vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag!
    Und als ich den Namen Jesper Juul las, hat mein
    Herz einen richtigen Hüpfer gemacht! Diesen Namen
    und die damit verbundenen Erkenntnisse sollte
    Man viel öfter lesen!!!!!!
    Alles Liebe und frohe Ostern!

  9. Hallo,

    ich schließe mich Michael an. „Konsequent“ wird heute häufig als Gegenteil von „liebevoll“ betrachtet, was ich völlig unsinnig finde. Beides geht doch Hand in Hand! 🙂

  10. Dir ist dein Sofa nicht wichtig genug… Mein Sohn musste vom Sofa fallen, damit er es endlich kapierte warum man darauf nicht herumspringt. Viel blöder ist es, wenn dich dein Kind aus der Wohnung aussperrt oder wenn es sich selbstständig macht. Manchmal denke ich, ich hab nen Michel oder einen Krawallstoppel. Und er ist aus Prinzip auf Krawall gebürstet… das absolute Oma Kind. Doch was Solls? Da müss ma durch, es kann nur besser werden.

    • Nicht mehr 🙂 Es war mal wirklich schön, aber es ist längst nicht mehr zu retten.

  11. Hallo,
    erstmal vielen Dank für diesen tollen Text.
    Erst gestern hatte ich wieder so eine Situation, in der ich über eine „Kleinigkeit“ (für mich war es eine) meines Sohnes (5) hinweg gesehen und sie nicht stur durchgesetzt habe, was mir böse Blicke und absolutes Unverständnis eingebracht hat.
    Dennoch gehe ich meinen eigenen Weg was Erziehung angeht, auch wenn ich damit sehr oft anecke, leider auch im engeren Kreis meiner Familie.
    Doch weil mein kleiner Engel mir jeden Abend vorm schlafen gehen sagt, wie lieb er mich hat und das ich die beste Mama auf der Welt bin, bin ich davon überzeugt, dass ich wohl nicht nur Fehler mache……..zumindest aus den Augen meines Kindes gesehen 🙂
    Deshalb nochmal vielen Dank für diese Geschichte, die mir zeigt, das ich nicht die Einzige bin.

  12. Großartiger Text, vielen Dank! Und das Foto, einfach herrlich!!!
    Eine Bekannte, die immer alles besser wusste, was die Erziehung fremder Kinder angeht hat nun eine 9 Monate alte Tochter und ich musste mir schon manches Lachen verkneifen, nun da sie an den selben Dingen „scheitert“, wie alle Eltern vor ihr, die sie immer belehrt hat.

    Schöne Ostertage und liebe Grüße
    Nina

  13. Ich unterschreibe alles, was du sagst. Menschen, die keine Kinder haben, denken, man kann Kinder wie Hunde abrichten. Sie wissen nicht, dass die Beziehung zu eigenen Kindern nicht geplant und vorhergesagt werden kann. Der Unterschied zwischen Mutter-sein und Keine-Mutter-sein ist so riesengroß, dass man ihn sich nicht wirklich vorstellen kann, bis man ihn erfährt.
    Ich habe die Erziehung aufgegeben. Die Beziehung zu meinen Kindern ist meist auf Augenhöhe. Und anders funktioniert es mit selbstbewussten Teenies auch gar nicht.
    Tochter 1 rülpst z.B. oft sehr laut, aber nicht mal ihre beste Freundin schafft es, ihr das abzugewöhnen – ich habe daher längst kapituliert.

  14. Hallo Mia,
    ein toller Post.
    Ja, die Kinderlosen. Wie oft habe ich es erlebt, dass die Kinderlosen alles besser wussten und konnten, bis dann selbst Kinder anstanden und plötzlich alles anders ist.
    Das fing mit der Schwangerschaft an, die ja „Keine Krankheit ist“, aber ausgerechnet die, die das am lautesten verkündet haben, haben stündlich Alarm ausgelöst, wenn ein Pups quer hing, waren ja sooo müde und als erste krank geschrieben. Natürlich sind auch nur deren Kinder total süß und deswegen muss man jedem die Handybilder zeigen. Und was die eigenen Kinder nicht alles können, im Gegensatz zu anderen Kindern, dann wird am längsten Elternzeit gemacht, obwohl es doch „so wichtig ist, schnell wieder in den BEruf einzusteigen, man ist ja mehr als nur Mutter,…“
    Schön sind auch Tipps, von Eltern mit jüngeren Kindern, zum Umgang mit anderen, älteren Kindern. Besonders gelacht habe ich, als mir erklärt wurde, wie wichtig Krabbeln ist (ein selbstbestimmtes Leben ist als Nichtkrabbler scheinbar nicht möglich) und dann das Kind der selbsternannten Kleinkindexperten nicht krabbelt,…

    Frohe Ostern!
    Kristin

  15. Liebe Mia,
    das erinnert mich sehr an das Buch von Alfie Kohn, das ich gerade gelesen habe. Er sagt, dass man ganz ohne Bestrafen und Belohnen erziehen soll. Ich finde das sehr einleuchtend und versuche auch, mich mehr oder weniger daran zu halten, aber gerade in solchen Gefahrensituationen geht es oft nicht anders.
    Aber ich habe auch gelernt, dass man nicht die ganze Zeit rummeckern muss, nur weil das Kind nicht genau das macht, was man gerade gerne hätte.
    Ich lebe meinem Sohn vor, danke und bitte zu sagen sowie sich zu entschuldigen, aber wenn er es gerade nicht machen will, dann zwinge ich ihn nicht dazu. Was bringt das? Ich wurde da schon manchmal komisch angeschaut, aber mir ist es egal.
    LG Steffi

  16. Ich glaube, dass jeder Elternteil seine teure Lampe hat. Bei mir ist es z.b. das Verhalten bei Tisch. Ich lege einfach Wert drauf, das wir als Familie zusammen essen, da muss weder auf dem Stuhl geturnt werden, noch muss man sich da so schief hinsetzen das man bei der kleinsten Gelegenheit runterfällt.
    Meine Kinder müssen nicht aufessen, aber sie müssen sitzen bleiben bis wir fertig sind mit dem Essen. Gut, meistens zumindest. So richtig konsequent sind wir auch da nicht. Aber sobald mit dem Essen gespielt oder rumgematscht wird, dann wird Papa sauer – da geht’s auch mal eine Stufe lauter zu. Natürlich mit dem dazugehörigen schlechten Gewissen danach.
    Es kommt auch immer auf die eigene Tagesform an, hatte ich selbst einen Sch**sstag im Büro, dann fällt es mir zunehmend schwer, abends locker zu sein, auch wenn ich das mit allen Mitteln versuche. An der Reaktion der Kinder merke ich, wenn ich mal unfair war – dann bin ich aber auch in der Pflicht, mich zu entschuldigen und meinen Kindern zu zeigen, das auch Papa Fehler macht. Spätestens beim zu Bett gehen sollte wieder heile Welt sein, und das klappt auch (meistens) … 😉

  17. liebe mia,

    Ich bin noch nicht ganz vier Monate Mama und schon jetzt kann ich nur ‚danke‘ rufen. Bei mir funken vor allem Leute aus älteren Generationen dazwischen mit Sprüchen wie ‚du musst sie jetzt auch mal schreien lassen..lass sie noch bei Minusgraden im Wagen draußen schlafen’…warum sollte sie? Sie war doch schon eine Std in der Kälte mit mir draußen etc…da kann man auch gar nicht gegen anreden…auch dieses zwanghafte alle vier Std stillen, obwohl sie bitterlich weint vor HungeR. Liebe und Vertrauen sind wichtig, also was soll das? Danke für diesen Artikel. Glg

  18. Pingback: Das Bloggen der Anderen (33) | Familie Rockt

  19. Hallo Mia.
    Ich habe erst vor kurzem Deinen Blog entdeckt bzw. überhaupt erst erfahren, was Blogs sind, weil ich nie Zeit habe, im Netz zu surfen. Seit dem schwirren bei mir unterschiedlichste Gedanken und Gefühle im Kopf und Herz herum:
    Einerseits finde ich es die Vorstellung seltsam, so viel Privates öffentlich zu machen und frage mich, was Blogger dazu bewegt… Als berufstätige Mutter zweier Kinder in Alter Deiner Kinder würde mir außerdem wie gesagt schlicht die Zeit dafür fehlen …ich frage mich also: wie macht sie das bloß und fühle mich selbst dann ein kleines bisschen schlecht, weil ich das so nicht könnte und auch viele andere Dinge, die ich gerne tun würde ( zum Beispiel Fotobücher gestalten, die seit 2010 brach liegen), nicht schaffe.
    Ich gestehe, dass ich Deine Leistung hier und die vieler anderer Mamablogger aus diesem Grunde wirklich sehr bewundere !
    Deine Texte und Bilder sind so schön, inspierend und sie wirken authentisch. Ich glaube, Deine Männer können sich freuen, dass sie so eine tolle Mama und Frau haben!! Alles Gute Euch!

    • Liebe Eva, um Deine Frage zu beantworten, was Blogger zum Bloggen bewegt: Bei mir ist es die Leidenschaft, zu schreiben. Ich schreibe gerne Geschichten auf und genau das mache ich hier. Das ist zwar zum Teil sehr privat, aber das ist trotzdem nur ein klitzekleiner Ausschnitt meines Privatlebens. Der Mensch hinter Mama Mia geht hinter dem Blog noch weiter und es gibt so viele Dinge, von denen würde ich niemals im Blog berichten. Woher ich die Zeit nehme? Auch das regelt die Leidenschaft. Für Dinge, die man wirklich gerne tut, hat man auch Zeit. Ich habe dafür kaum Zeit für Sport 🙂
      Liebe Grüße
      Mia

  20. Ich hätte da eine Verfahrensfrage: Wie bringst du dein Kind dazu, nicht weiter als bis zur Ecke zu fahren? (Dass ich dem Rest des Textes still anerkennend zunicke, kannst du zwar grad nicht sehen, ist aber so.)

  21. Gesunder Menschenverstand

    Danke für den schönen Beitrag!

    Zum Thema gibt es ein tolles Buch, das dir bestimmt gefallen wird. (Ist auf der Linie respektvolle und liebevolle Erziehung à la Jesper Jus und Alfie Kohn)

    Auszug daraus: „Eltern glauben oft, sie müssten .. konsequent sein..bei dem Versuch tun sie manchmal Dinge, die ein Kind verletzen oder Wut und Enttäuschung hervorrufen, weil sie befürchten, Inkonsequenz könne es verwirren. Doch das einzige feste Prinzip auf das es ankommt ist die Liebe. Wenn Ihr Handeln nicht mit dem Prinzip der Liebe übereinstimmt, ist das Kind nicht nur verwirrt, sondern auch verletzt und irregeleitet. In dem Augenblick handeln Sie nicht mit Ihrem eigenen liebenden Ich. Änderung Sie die Regeln, nicht die Liebe. “

    Weiter oben hat jemand geschrieben, er sei konsequent, wenn das Kind sich im Strassenverkehr in Gefahr begibt. Das ist meiner Meinung nach falsch verstandene Konsequenz. Das ist schlicht und einfach Verantwortung übernehmen als Eltern, und zum Kind schauen. Und wenn meine beste Freundin oder auch ein Unbekannter in der Stadt , in Gedanken versunken auf die Strasse laufen würde, dann würde ich sie/ihn auch am Arm wegreissen bevor er gerade überfahren wird. Es geht ja um Leben und Tod. Das hat nichts mit „Erziehung“ zu tun, sondern mit Leben retten.

    Aus „Von der Erziehung zur Einfühlung“ von Naomi Alfort, S.112

  22. Hallo Mama Mia,

    leider lese ich deinen Beitrag gerade zwischen lauter Koffern, die gepackt werden müssen und habe deshalb nicht die Zeit so ausführlich zu antworten, wie ich gerne
    würde.

    Ich möchte aber kurz sagen, dass konsequent sein nichts mit schimpfen zu tun hat, sondern viel mehr damit authentisch zu sein und zu handeln.
    Und dann ist es äußerst sinnvoll und helfend für Kinder, wenn sie mit konsequenten Erwachsenen zu tun haben, die trotzdem liebevoll sind, denn das schließt sich nicht aus, im Gegenteil.

    Ein interessantes Thema, was ich gerne nach meinem Urlaub auf meinem Kanal
    https://www.youtube.com/channel/UC8KQYD8jD7vHlLa80eZDiSQ
    aufgreifen werde.
    Danke für die Inspiration!

    Liebe Grüße,
    Britta

  23. Wow….
    ich bin zwar über ein Jahr verspätet mit meinem Kommentar, aber ich kann nur jubelnd zustimmen und stolz nickend verkünden, dass es bei uns exakt so läuft…
    Wir haben eine kleine Rabaukentochter von 15 Monaten und ich bin in den meisten Dingen auch eher unkonsequent, bei uns ist auch eher kuscheln und Quatsch machen, statt schimpfen und ermahnen an der Tagesordnung.
    Wie bei euch auch, gibt es bestimmte Dinge die nicht zur Diskussion stehen, die werden durchgezogen, aber im generellen sind wir sehr locker und sehen zumindest bist jetzt (so viel man halt nach 15 Monaten erst sagen kann), das diese Art und Weise unserem Liebling mehr als gut tut.
    Sie ist offen, freundlich, emphatisch, sozial, mag alle Menschen und ist sooooo schnell in den Herzen der anderen Leute, das ist einfach unglaublich.
    Bis jetzt finden wir, haben wir alles richtig gemacht und sind einfach super stolz und zufrieden mit unserem Werdegang als kleine Familie.
    Wobei ich auch immer glaube, dass der Charakter ein Stück weit einfach so ist, wie er ist und da haben wir einfach auch riesig Glück gehabt, das wir ein so herrlich unkompliziertes Kind unser eigen nennen dürfen 🙂

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, der einfach toll ist

  24. Ja ich denke es ist ganz wichtig konsequent in der Erziehung zu sein, aber gleichzeitig dem Kind auch genug Freiheit einzuräumen, das meiste lernen die Kinder von alleine, bis auf die Sprache und die sozialen Aspekte. Deshalb muss man das oder darf man das, was das Kind sich nicht selbst beibringen kann, diesem mit einer liebevollen Art beibringen, dabei sollte man jedoch definitiv auch konsequent sein 🙂

  25. Liebe Mia,
    ich bin auch totaler Fan von Jesper Juul: „Faule Eltern, sind gute Eltern“. Das ist erstens total wahr und ich interpretiere es im Sinne von KEIN Helikoptertum und zweitens ist es doch einfach sehr beruhigend und entschuldigend und … passend!
    Danke für den tollen Post! Ich empfinde und mache das genauso, wie du 😉

    Viele Grüße,
    MamaVe

  26. Der Beitrag ist zwar schon ein wenig älter, aber ich konnte mich darin fast 1:1 wieder finden. Vielen Dank für diese tollen Zeilen. Konsequent bin ich bei wenigen Dingen, die ich aber dafür umso wichtiger finde. Z. B. dass Steckdosen oder der Herd in der Küche tabu sind. Das wird aber nicht „bestraft“ sondern kurz erklärt warum das absolut nicht geht. Ja und das Sofa ist eben auch so ein Thema 😉 Mir wäre es schon lieber wenn Junior, grad 2 geworden, der da grad so allein hoch klettern kann, nicht rum hüpft…aber er liebt es und dazu sieht er auch noch wie Mama und Papa und vor allem Oma und Opa so oft darauf sitzen…es muss ja also einfach ein toller Ort sein. So what…kampeln und kitzeln wir uns wie verrückt und bauen Buden aus Kissen und Decken auf dem doofen Sofa 🙂
    Wenn Junior an 4 von 6 Tagen braf seine Jacke selber aufhängt, bin ich schon zufrieden und wenn an Tag 5 und 6 eben das Spielzeug zu verlockend ist oder die Freude den Papa zu sehen, dann ist es eben so. Es sind Kinder so unbeschwert und frei wie jetzt können sie ihr Leben nie wieder sein.

    Ich hatte das Glück in einem sehr sehr liebevollen Eltenhaus mit viel Freiräumen und nur wenigen nicht verhandelbaren Regeln aufzuwachsen. Und jetzt im Berufsleben kommt es mir manchmal so vor als ob ich trotzdem der Mensch mit besseren Umgangsformen, mehr Höflichkeit und mehr „Anstand“ bin als manch streng erzogener Mensch älterer Generationen.

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