Hat jemand die Aufbauanleitung gesehen?

Meine liebe Freundin Katharina schreibt auf Ihrem Blog „Sonea Sonnenschein“ über das Leben mit ihren beiden Kindern Vincent und Sonea. Sonea ist ein Kind mit Sonderausstattung, wie Katharina immer sagt. Vor einiger Zeit durfte ich einen Gastbeitrag für Katharina schreiben, denn die steckte da mitten im Umzugsstreß.

Heute, am 21.3. ist Welt-Down Syndrom Tag und aus diesem Anlass möchte ich meinen Post heute hier noch einmal mit Katharinas Einverständnis für Euch posten:

 

Familie Sonnenschein zieht um! Ich freue mich mit Euch, und wünsche Euch eine wunderschöne Zeit im neuen Zuhause!! Umzüge sind etwas Feines, denn in der Regel zieht man ja in ein neues Zuhause, das den Bedürfnissen seiner Bewohner besser entspricht, als das alte. Wer umzieht, hat aber auch eine große Challenge zu meistern, und die heißt: Ikea Möbel zusammenbauen.

Ich fluche ja nicht oft, aber wenn es um das Zusammenbauen von Ikea-Möbeln geht, Junge, Junge, da könnte ich ausflippen! Dauernd fehlt irgendwo ein Teil, oder diese Anleitungen sind total missverständlich.
Andererseits: Irgendwie habe ich bislang noch jeden Aufbau von Ikea-Möbeln gemeistert. Zur Not baut man eben alles nochmal auseinander, dreht die Teile um und setzt sie andersherum wieder zusammen. Was nicht passt, wird passend gemacht! Eigentlich wär´s doch schön, alles im Leben wäre so einfach.

Eine weitaus kompliziertere Challenge ist die Erziehung unserer Kinder. Meine beiden Söhne sind fünf Monate und knapp drei Jahre alt. Leider gab es für keinen von beiden eine Aufbauanleitung, ich muss mir das hier alles so zusammenfrickeln. Ganz selbständig! Jeden Tag!

Das Problem dabei ist: woher soll ich bitte wissen, was ich tun muss, wenn ich noch nicht einmal ein Bild vom fertigen Produkt kenne? Vielleicht habe ich ja die Teile für einen großen PAX hier liegen. Wenn ich allerdings nicht aufpasse, und die Teile falsch zusammensetze, könnte es dann sein, dass am Ende bloß ein Billy dabei rauskommt??

Wir gehen heute davon aus, dass das Wesen eines Kindes zu maximal 50 % von seinen Genen ausgemacht wird. Die Übrigen 50% eröffnen einen gewaltigen Spielraum für uns als Eltern. Und das alles ohne Anleitung!

Ohne Anleitung begleiten wir unsere Kinder auf ihrem Weg zum Erwachsensein. Jeden Tag setzen wir gemeinsam einen Fuß vor den anderen, und anfangs geben wir Eltern die Richtung vor. Ob wir immer den richtigen Weg gewählt haben, wissen wir vermutlich erst dann, wenn wir nicht mehr zurück können.
Um den richtigen Weg zu finden, lesen wir uns durch Erziehungsratgeber, Elternmagazine, Blogs und Foren, und finden statt Antworten nur noch mehr Fragen: Musikalische Früherziehung? Englischkurse für Kleinkinder? Und überhaupt: WELCHE Sportart soll mein Kind denn machen, WELCHES Instrument lernen? Vielleicht ist der Maxi der nächste Mesut Özil, und ich Idiot schicke den zum Tennis! Oder der Mini hat das Zeug ein neuer Til Schwieger zu werden, aber ich verhindere das, weil ich mich weigere, die Schauspielschule zu bezahlen und statt dessen befehle, er soll gefälligst einen anständigen Beruf lernen.

Ähnlich blöd wie nicht zu wissen, wie der Bauplan der Kinder aussieht ist, wenn man ein bestimmtes Bild im Kopf hat, aber das Kind will sich so gar nicht danach richten. Statt des Medizinstudiums macht die Tochter ein Nagelstudio auf und der Sohn übernimmt nicht den elterlichen Betrieb sondern baut sich was eigenes in Australien auf. Pax gewünscht, Lack bekommen! Eltern haben es schwer!

So oft sehe ich meine Jungs an und denke mir, was für kleine Wundertüten das doch sind. Es ist so spannend zu erfahren, was in ihnen steckt. Natürlich wünsche ich mir, dass aus ihnen nette und wohlerzogene junge Männer werden. Ich fände es schön, wenn sie erfolgreich im Leben sind, solide Berufe erlernen, eines Tages tolle Frauen heiraten und mir zuckersüße Enkel schenken. Ich hoffe, dass ich ein Leben lang eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen darf und dass sie oft und gerne in ihr Elternhaus zurückkehren. Meine Söhne glücklich zu sehen ist für mich ein Lebensziel. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mir wünschen, dass sie in meiner Nähe glücklich werden und mich teilhaben lassen.

Was in meinen Söhnen steckt, werde ich im Laufe der Jahre erfahren. Ich kann ihren Weg mit meinem Erziehungsanteil von 50% beeinflussen, trotzdem werde ich mich auch von manchen Vorstellungen verabschieden müssen. Aber da ist es mit den Kindern doch wie mit den Ikea Möbeln: Am Ende stehen sie da und wir sind ganz stolz- auch auf ihre kleinen Macken. Bei dem ein oder anderen fehlt vielleicht irgendwo ein klitzekleines Teilchen. Und manche haben sogar eins mehr 😉

Mamablog Mama Mia

 

 

1 Kommentare

  1. Limmaland

    Mia, dass hast du mal wieder toll geschrieben …
    Manchmal ist so ein IKEA-Möbelstück trotz fehlendem Teil recht stabil. Wollte ich dir zum Mut nur kurz schreiben … 🙂

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