Läuse auf der Leber

Vielleicht reduziere ich meine Wochenarbeitszeit. Ich bin 24 Stunden pro Woche im Büro, das klappt meistens ganz gut, aber manchmal klappt gar nichts.

Wenn das Unternehmen die Grundvoraussetzungen für Vereinbarkeit geschaffen hat, ist das eine sehr gute Ausgangslage. Ich habe flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten. Die Kinder sind in einer Betriebskita und wenn mal gar nichts geht, gibt es ein Eltern-Kind-Büro, in dem man arbeiten kann, während das Kind spielt- wenn nötig sogar betreut.

Zusätzlich muss man sich zu Hause gut organisieren. Dafür ist ein Partner hilfreich, der sich die anstehenden Arbeiten mit einem teilt. Wir haben uns für das Modell Morgens-Abends entschieden, das bedeutet, der Mann ist morgens für die Kinder zuständig, damit ich früh im Büro sein kann, ich übernehme die Kinder ab dem Nachmittag. Am Wochenende wird fair geteilt (Putzen, Einkaufen, Rasenmähen, Wäsche machen= Mann; Kochen, Aufräumen DM-Einkäufe= ich).

Das System funktioniert spitze. Wir sind inzwischen alle so super eingespielt, dass wir durch nichts aus der Ruhe zu bringen sind.
Fast nichts!

Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die bringen das ganze System zum Einsturz. Winzig kleine Kleinigkeiten. Mikroskopisch klein, aber so fies:

„14 Kinder haben Magen-Darm“ steht da auf dem Zettel im Eingang der Kita. Und schon sehe ich unser „Mama-und-Papa-arbeiten-und-haben-alles-im-Griff-happy-Family-Konstrukt“ zusammenbrechen.

Es wird uns alle erwischen. Wenn schon 14 Kinder betroffen sind, ist es wieder so eine aggressive Variante, da hat man ja keine Chance, denke ich.

Ich sehe mich nachts Kinder abduschen, Betten neu beziehen und endlose Berge von Wäsche waschen. Ich werde meinen Chef anrufen und mich abmelden müssen und kaum ist das erste Kind wieder gesund, werde ich ihn wieder anrufen und die Notwendigkeit der Betreuung von Kind 2 anzeigen. Ich werde viele Male den Boden wischen und das Klo putzen und mir 100 Mal am Tag die Hände waschen, bis sie aussehen, als hätte ich seit meinem 10. Lebensjahr auf dem Feld gearbeitet- und wäre jetzt 74 Jahre alt.

Alle meine Befürchtungen sind dieses Mal unbegründet: Die Kinder sind inzwischen sehr robust, sie haben jeden Virus schon zigfach gehabt. Und so sagen sie einmal: „Ich habe Bauchschmerzen“, dann sind sie mit dem Thema durch. Nur den Mann und mich trifft es, aber wir schaffen es, die Wäsche zu verschonen und so starten wir mit einem verhältnismäßig kleinen Berg Wäsche in die neue Woche.

Am Montag kommt eine Mail von der Kita: Läusealarm! Bei mir fängt es automatisch an zu jucken, während ich die Anweisungen lese: Alle Textilien müssen mit nach Hause genommen werden. Waschbare Textilien bei 60 Grad waschen, nicht waschbare Textilien für ein paar Tage in Plastiksäcke packen.

Als ich am Nachmittag in die Kita komme, ist bereits alles für die Eltern verpackt: Ich schleppe die Turnsachen, die Schlafsachen, Wechselklamoten, Matschhosen, Hausschuhe beider Kinder ins Auto. Auf dem Parkplatz und in den Fluren kommen mir Eltern wie Packesel beladen mit den Textilien ihrer Kinder entgegen. Weil ich Läuse so ekelig finde, fahre ich in die Apotheke. „Sie können das Zeug entweder sofort einmal auftragen, oder sie warten, bis sie die erste Laus entdecken,“ sagt der Apotheker. Ich entscheide mich für a.

Zu Hause kommt zu dem Berg Wäsche aus der Kita die gesamte Bettwäsche, Schlafanzüge, Kuscheltiere, Kissen und der Wäscheberg ist so groß wie nie, aber sicher ist eben sicher.

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Am nächsten Morgen schleppt der Mann die frisch gewaschenen Klamotten der Kinder zurück in die Kita. Er kommt an diesem Abend erst spät nach Hause und findet mich im Keller bei der Waschmaschine.

„Ich kann keine Wäsche mehr sehen“, begrüße ich ihn motzend. „Ich habe das Gefühl, ich wasche jeden Tag drei Mal so viel, wie wir tragen, das kann doch alles nicht sein, ich flipp hier irgendwann noch aus!“

„Ist Dir ´ne Laus über die Leber gelaufen?“ fragt der Mann.

„Nein,“ antworte ich, „das war gestern! Aber der Mini hat eben ins Bett gekotzt!“

Mein Chef hat zum Glück wieder kein Problem damit gehabt, dass ich mich für den nächsten Tag abmelden musste. Aber ich überlege trotzdem, meine Arbeitszeit zu reduzieren. Das wäre besser für die Wäsche-Life-Balance.

Mamablog Mama Mia

 

 

10 Kommentare

  1. Ab April werde ich auch wieder arbeiten gehn (29 Std) Ich freue mich richtig und doch habe ich dieses ungute Gefühl ob ich das alles so geregelt bekomme mit meinen Beiden (7&1) und dem Haushalt. So einen Betriebskiga stell ich mir echt genial vor. Meine Große geht ja schon in die Schule und danach in die Betreuung und das Baby dann ab Mai zur Tagesmutter. Ich bin echt gespannt wie sich alles fügen wird …

  2. Oh nein, der Alptraum… Ich hoffe, es war eine einmalige Übelkeit. Toitoitoi.

    Ich kann die Problematik ansatzweise – aber sehr gut – nachvollziehen. Ich gehe erst seit November wieder arbeiten, allerdings in Vollzeit. Und da wir gerade ein Phase haben, in der alle gesund sind *hörthört* und somit tagsüber ausgeflogen, komme ich mit der Wäsche auch nicht hinterher. Und wir hatten noch keine Läusephrophylaxe oder Magen-Darm und trotzdem ist es viel.

    Aber solange für alle saubere Unterwäsche da ist, mache ich mir keine Sorgen.

  3. Ja, die liebe Wäsche-Life-Balance *lol* Hab ich auch nicht und dabei schon so oft gefordert, aber irgendwie wollen meine Arbeitgeber (Kind1,2,3 + Mann) nicht darauf eingehen. Die Performance in Schule und Kita auf dem Spielplatz oder beim Fußball ist einfach wichtiger…
    Na ja ich kämpfe weiter und bis dahin freue ich mich, dass es nicht nur mir mit all den Krankheitsbedingten Wäschebergen und Sonstigem so geht.

    Liebe Grüße & danke für den schönen Text.
    Stephi

  4. Es gibt ein eltern-kind-büro?! Wie toll ist das denn? Das es wirklich möglich ist im home Office zu arbeiten habe ich schon geglaubt…aber eltern-kind-büro hört sich an, als ob du ein Einhorn im Garten hättest 🙂
    Ich sitze auch wieder auf der Couch und gucke eis königin anstatt im büro zu sein :/ ich bin auf 20std und das reicht meiner Wäsche Balance auch vollkommen!

    • Haha, ein Einhorn im Garten… Ja, das ist ein tolles Angebot, aber ich persönlich kann nicht besonders gut arbeiten, wenn ein Kind krank ist, weil die dann immer ganz viel Mama brauchen, was ich ja auch sehr genieße. Aber für Notfälle ist das eine ganz tolle Lösung!

  5. Jungsmama

    Ich gesetehe: Wir leben auch aus dem Wäschekorb! Es sei denn meine Mutter ist gerade zu Besuch oder ich ertrage es, die Wäsche zusammenzulegen, wenn die Kinder dabei sind: Dass der Große seine Sachen selber „faltet“ und in seinen Schrank bringt, wo es dann aussieht wie im Wäschekorb, ist ok, nur wenn der Kleine dann auch anfängt mitzumischen und alles wieder durcheinanderwuselt, landet das meiste dann halt für die nächsten Tage wieder im Korb und ich denke mir, dass nächste Mal kannst du die Zeit, die du mit Wäschefalten verbringst auch sinnvoller nutzen 😉

  6. Müllerin BW

    Hach, ich erkenne mich darin so sehr! Ich arbeite 20 Std./ Woche , wir haben 3 kids (7,3,2) und mein Mann hilft am Wochenende im Haushalt mit. Und kommt mittwochs früher heim damit ich da immer im Büro sein kann. Den Rest mache ich über Homeoffice und versuche. Alles unter einen Hit zu bringen. Aber die Wäsche…. Da bin ich manchmal echt so kurz vor dem verzweifeln. NeverendingStory …. Ein ewige Kreis! Und trotzdem bügle ich manchmal geschirrhandtücher… Weil sie sich dann so schön anfühlen. 🙂 Danke für deine Zeilen!

  7. Ich kann das gut verstehen – wenn ich mir ein zweites Kind vorstelle, stelle ich mir auch erst einmal die Reduzierung der Arbeitszeit auf 20 Stunden vor, zumindest für eine Weile. Aber irgendwie hadere ich immer mit kleinerer Teilzeit. Die schönen Rentenpunkte und so…
    Da ihr beide verdient, wäre es vielleicht noch möglich, dass dein Mann auch mal die Kind-krank-Tage nimmt oder seine Arbeitszeit reduziert. Und wenn das so gar nicht in die Tüte kommt, könntet ihr eine bezahlte Kraft für die Wäsche einstellen. Viellieicht gibt es ja bei euch vor Ort eine Art Wäscheservice, der abends die dreckigen Sachen abholt und morgens sauber liefert… oder eine Hilfe auf Minijob-Basis, die zweimal pro Woche kommt und das Gröbste wegschafft. Das wäre zumindest meine persönliche Lieblingsvariante vor Reduzierung der Arbeitszeit.
    Und ansonsten: Augen zu und durch! Wenn du in einem solch familienfreundlichen Unternehmen arbeitest, kennen die so etwas. Vielleicht seufzen die Kollegen heimlich, aber in zwei Wochen haben die das auch vergessen. Junge Mütter (oder auch Väter) muss man phasenweise im Team mitschleppen, das ist einfach so. Damit muss die Arbeitswelt klar kommen, denke ich mir immer beim 8. Krankentag meines Kindes. Und solche Hammer-Zeiten wie du gerade hat man ja zum Glück nicht so arg oft.

  8. Ich verstehe was Du meinst! Ich war auch lange unzufrieden. Wenn ich sauer war und mir alles zu viel war, habe ich sogar über Kündigung nachgedacht. Dabei mach ich meinen Beruf gerne. Lange hat es gedauert; mein Mann geht auch in TZ. Ich arbeite weiterhin 70Prozent; bei ihm werden es 80Prozent. Denn Stundeb zu reduzieren um dann mehr Zeit für den Haushalt zu haben, das macht mich erst recht unzufrieden. Noch ist es nicht so weit; aber ich glaube, bei uns wird es bald viel entspannter und entzerrter.
    LG von Anni.

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