Wie man zwei Kindern gerecht wird

Maxis Freundin hat einen Basteltisch. Darauf befinden sich Stifte, Schere, Kleber, Bügelperlen, Aufkleber und was man halt so zum Basteln braucht. Und der steht einfach so in ihrem Zimmer herum. Maxi hat nicht so einen Tisch. Maxi hat einen kleinen Bruder.

Um es gleich vorwegzunehmen: Maxi braucht keinen Basteltisch, der bastelt sowieso nie länger als eine Minute. Trotzdem hat mich der Anblick dieses Basteltisches irgendwie betrübt. Anders als seine Freundin kann der Maxi nämlich nicht jederzeit nach Lust und Laune an einem Basteltisch kreativ sein. Hätten wir einen Basteltisch, würde sich der Mini vermutlich schneller ein Ohr abschneiden, als ich „Fensterbild“ sagen könnte.

Das Problem zieht sich wie ein roter Faden durch unseren Alltag. Zwei Kinder mit altersbedingt ganz unterschiedlichen Bedürfnissen müssen irgendwie unter einen Hut gebracht werden. Zwei Kindern gerecht werden- wie soll das gehen?

Manchmal glaube ich, diese Aufgabe ist nicht lösbar. Wenn der Maxi mit Legos die tollsten „Schtar Wors“- Gebilde baut und sich der Mini sofort begeistert und mit etwas zu viel Leidenschaft darauf stürzt. Oder wenn der Mini mit mir ein Bilderbuch angucken möchte aber der Maxi lieber eine Geschichte vorgelesen bekommen möchte. Wenn der Mini abends einfach nicht einschlafen möchte und der Maxi ewig darauf wartet, dass ich mich auch zu ihm nochmal dazulege.

Im jungen Theater läuft „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“, das wäre toll für den Maxi. Leider kann in der Zeit aber niemand auf den Mini aufpassen und mitnehmen kann ich ihn auch schlecht. Ein Nachmittag mit anderen Kleinkindern aus Minis Pekip-Gruppe ist ein Highlight für ihn, aber der Maxi langweilt sich dann immer zu Tode.

Ich könnte noch hunderte Situationen aufzählen, in denen ich das Gefühl habe, ich müsste mich klonen, dann wär´s gut. Jedes meiner Kinder kann sich nur eingeschränkt altersgerecht beschäftigen und muss einen großen Teil seines Alltags den Bedürfnissen seines Bruders unterordnen und seine Mama mit ihm teilen.

Und dann fällt mein Blick auf den Basteltisch eines Einzelkindes und ich werde traurig, weil sich dieses Kind anscheinend viel besser und altersgerechter beschäftigen darf. Und Mama sitzt wahrscheinlich ständig daneben und spielt mit.

Mal abgesehen von den Bedürfnissen meiner Söhne fällt es übrigens auch mir manchmal schwer, mich ständig aufteilen zu müssen. Ich wünsche mir manchmal mehr Zeit mit einem von beiden und bin ein bißchen traurig, wenn ich mich nicht so auf ein Kind einlassen kann, wie ich gerne möchte.

Wir haben inzwischen ein paar Lösungen gefunden, wie zum Beispiel die Aufteilung der Kinder am Wochenende, meine Max-Mama-Tage oder Unternehmungen mit Mama und Papa, die nur etwas für Große sind.

Trotzdem bleibt das Problem bestehen, dass es täglich mehrere Situationen gibt, in denen es schwierig ist, auf beide Kinder so einzugehen, wie sie sich das wünschen.

Es ist eines dieser Probleme, mit denen Eltern zu kämpfen haben und für die es keine richtig gute Lösung gibt. Wir können uns nur bemühen, es so gut wie möglich zu machen. Denn ich denke, es ist wichtig, dass unsere Kinder in uns einen Vermittler und einen Verbündeten haben, der sich in Auseinandersetzungen mit dem Geschwisterkind mal mehr auf die eigene Seite schlägt und mal dabei unterstützt, die Bedürfnisse des Geschwisterkindes zu sehen und die eigenen auch mal unterzuordnen.

Die Verantwortung ist groß und ich möchte meine Kinder nicht in ihren Streitigkeiten und den unterschiedlichen Bedürfnissen alleine lassen, aber wie so oft kann ich meinen Kindern auch in dieser Sache eine ganze Menge zutrauen. Denn wenn ich mal wieder verzweifelt denke, wo denn bloß die Verstärkung bleibt, lösen die Kinder das Problem einfach auf ihre Art:

Manchmal reicht es ihnen nämlich nicht, wenn Mama nur als vermittelndes Bindeglied zwischen ihnen steht. Manchmal sind sie nicht zufrieden mit einem: „Na komm, Du kannst Dich doch auf mein anderes Knie setzen“ und manchmal akzeptieren sie kein: „Ich komme gleich auch noch zu Dir!“
Manchmal wollen sie die ganze Mama, sofort und nur für sich alleine. Und die bekommen sie auch.

Sie fordern sie dann nämlich so vehement ein, dass ein Aufschub überhaupt nicht möglich ist. Sie werden laut und fordernd, sie drängeln und lassen einfach nicht von ihrem Vorhaben ab, bis sie ihren Willen durchgesetzt haben.

Es sind genau diese Situationen, in denen ich denke, ich schaffe es nicht, beiden Kindern gerecht zu werden, aber eigentlich sollte ich gerade an diesen Tagen abends zufrieden die Füße hochlegen und mich freuen. Darüber, dass meine Kinder jeden Tag so viele „Praxisübungen Sozialverhalten“ bei mir absolvieren dürfen. Und darüber, dass sie am Ende immer bekommen, was sie brauchen, weil Sie wissen, wie man es sich nimmt.

Mamablog Mama Mia

 

 

17 Kommentare

  1. Das Problem oder dieses Gefühl als Mutter kenn ich und bei mir ist vor 10 Monaten noch ein Kind mehr dazu gekommen! Ich habe immer noch ganz oft das Gefühl, an Spitzentagen keinem richtig gerecht geworden zu sein vergesse dabei, dass nicht nur meine Hände sie halten, sondern auch die des grossen Bruders, dass nicht nur ich mit ihnen Lache oder nur ich mit ihnen rede, dass nicht nur ich sie küsse oder ich ihnene Bücher vorlese, dass nicht nur ich sie halte oder tröste sondern immer noch drei andere! Wenn die 10 Monate alte Tochter dem fast dreijährigen über den Kopf streichelt weil er traurig ist oder ich höre wie der grosse Bruder dem kleinen eine Geschichte vorliest und wenn ich sie alle drei zusammen lachen höre, oder der grosse sich beim kleinen entschuldigt, oder ich höre wie sie zusammen verhandeln, wer wie lange ein Spielzeug brauchen darf, dann weiss ich, dass ich diese Ansprüche an mich als Mutter gar nicht mehr alleine ausfüllen muss! Aber dein zweiter ist ja noch klein und da bist du echt gefordert, ist aber wohl jede und ihr löst das ja spitzenmässig!

    • Geschwisterplüsch <3 <3 <3 Das klingt toll! Und ja, ich sehe das wie Du: Wir sind schon gefordert, aber sogar kleine Kinder verfügen über einige Problemlösungs-Kompetenz!

  2. MartinTriker

    Und da denken viele Leute immer, Zwillinge seien schwieriger. Ja, schwieriger als ein Kind. Aber noch schwieriger sind zwei (oder mehr) Kinder in verschiedenem Alter. Das halte ich für viel problematischer, beiden gerecht zu werden.

    • Stimmt, in diesem Punkt hat man es mit Zwillingen bestimmt leichter- das habe ich so noch nie gesehen! LG Mia

      • 🙂 nicht unbedingt….bei eineiigen Zwillingen, die das gleiche Interesse haben mag das ja sein, aber ich habe zweieiige, die totaal verschieden sind….da würde der eine viel lieber das machen als der andere und oft denke ich, wie ungerechnet, jetzt müssen beide das gleiche machen, obwohl es zum einen gar nicht so passt, aber ich kann mich eben auch nicht teilen….(noch dazu hab ich einen großen Bruder daz :-)!)

        • MartinTriker

          Ich habe auch zweieiige. Natürlich gibt es auch Streit. Aber nicht wegen großen Entwicklungsunterschieden wie bei den Zwei von Mia.

  3. Das Gefühl mich klonen zu müssen, kenne ich auch. Ich denke, dass beiden Kindern gerecht werden auch viel mit Kompromissen zu tun hat. Eine Lernerfahrung für alle. Bei uns gibt es einen Basteltisch, obwohl der 1.5jährige da auch viel ran geht. Meine Große stellt dann ihren Tesaabroller, Schere und Kleber auf einen höheren Schrank, damit der Kleine nicht hinkommt. Und ich lernte damit zu leben, dass auch mal der Boden bemalt wurde vom Kleinen.

    So gibt es viele Kompromisse im Alltag. Die Große muss gerade länger warten bis der Kleine eingeschlafen ist, dafür können wir dann in Ruhe über den Tag reden und ein Buch anschauen.

    Manchmal bastel ich was mit der Großen, dann muss sich der Kleine alleine beschäftigen oder zuschauen oder was malen.

    So habe ich das Problem für mich gelöst, weil ich mich nicht klonen kann.

  4. Auch diesen Post kann ich nur unterschreiben. Ich kann im Moment die Uhr danach stellen, dass sich nach dem Abendessen der Große in ein Baby verwandelt, das nicht laufen kann und bei Mama auf den Arm möchte, wärend der Kleine sich laut protestierend an mein Bein krallt. Aber das Schöne ist, dass das „nicht beiden gerecht werden“- Problem mit der Zeit immer kleiner wird: Noch hat der Große zwar keinen Basteltisch (und aus gewissen Gründen spielt er auch immer noch mit Duplo…), dafür aber einen Bruder der nicht mal halb so alt ist, wie er, und mit allen Dingen Weitwurf übt. Aber schon in ein paar Jahren wird der Alterabstand keine Rolle mehr spielen und beide werden auf ewig einen Spielkameraden und Verbündeten haben, währen das Einzelkind sich am Basteltisch minütlich mach der Mama ruft, da ihm langweilig ist 😉

  5. Ich unterschreibe diesen Artikel zu 100% Es geht mir oft genauso. Ich versuche zu erklären , zu vermitteln oder zu schlichten. Manchmal hab ich eben auch das Gefühl jeder allein ist voll easy aber zu zweit sind sie wie ein dynamisches Duo. Aber ich sage mir dann auch, dass sie zwar teilen und sich arrangieren müssen aber eben auch immer einen besten Freund einen Spielkamerad und Verbündeten an ihrer Seite haben. Der immer bleibt. Und das ist dann immer bissel mein Trost.

    • Claudsch, so empfinden wir es auch. Unsere sind 1 Jahr auseinander und mittlerweile spielen sie super süß zusammen. Doch mal braucht jeder seine Exklusivzeit, und die ist dann besonders wertvoll und viel toller als wenn es immer so wäre. Die Kleinen lernen viel vom zurückstecken und vom selber Probleme lösen, da bekommen sie ganz viele Kompetenzen. Frusttolleranz hochsetzen, das schafft Selbständigkeit. Und dann dürfen die Kleinsten schon früh die großen Dinge. Doch richtig süß ist es, wenn der Große das Bilderbuch erklärt oder der Kleine beim basteln die Schnipselbilder klebt oder nur die Schnipsel macht. Ich hätte auch gerne einen Maltisch für die Kinder, doch meine weißen Wände gefallen mir besser. Trotzdem malen sie jeden Tag… auf Papier.

  6. Hallo! Ich habe ein größeres Kind und Zwillinge, die 3,5 Jahre jünger als er sind. Und ja, für den großen war es SEHR hart, besonders die erste Zeit, in der ich wirklich fast garkeine Zeit mehr für ihn hatte :-(. Und das tat mir auch sehr oft extrem in der Seele weh! Aber naja, Zwillinge sind nun auch nicht der Normalfall, ansonsten sage ich mir immer: es ist von der Natur so gedacht, dass die Kinder Geschwister bekommen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen und auch die Eltern mit ihnen teilen. Das ist wichtig und gut für ihre Persönlichkeitsentwicklung! Da braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben. Wie schlimm für das Kind, wenn es nie lernt, auch mal Interessen von anderen zu berücksichtigen, wenn es seine Wünsche immer uneingeschränkt erfüllt bekommt.

  7. Ich verstehe dich sooooooo gut! Ich habe einen morgen Dreijährigen und zwei 15 Minate Monate alte Zwillinge. Es ist nicht lösbar. Wir können uns nur anstrengen und vor Augen halten, dass es wunderbar für unsere Kinder ist, dass sie Geschwister haben.

  8. Als Mama von 6 Kindern (inkl Zwillingen) denke ich wird man jedem Kind auf seine Art gerecht …. man kann 1 Kind nicht mit 2 oder mehr Kindern vergleichen, z.B. daß was Geschwisterkinder untereinander haben wird ein Einzelkind so nicht erfahren …. da könnte ich jetzt noch viele andere Beispiele aufführen (Positives und Negatives) …. aber für mich zählen immer nur die glücklichen Augen meiner Kinder …. und die kann man auf unterschiedlichste Art und Weise erreichen :-)))))

    • Danke für diesen Kommentar! Genau das meine ich: Wenn Du sogar als sechsfache Mutter allen Kindern gerecht werden kannst, dann weil sie nicht 24/7 unsere 100 prozentige Aufmerksamkeit brauchen. Liebe Grüße (und viel Spaß mit Deinen Kindern ;-)) Mia

  9. Liebe Mia,
    ich kenne Dein Gefühl sehr gut. Ich beruhige mich dann immer mit der Erinnerung an die vier Jahre, in denen mein Großer der Einzige bei uns war und in denen ich ihm sehr oft wünschte, dass er auch mal unter dem Radar der vollen elterlichen und großelterlichen Aufmerksamkeit abtauchen könne. Dieses Problem hat sich mittlerweile erledigt. Für keinen Basteltisch der Welt würde er seine kleine aufmerksamkeitsraubende Schwester hergeben… hoffe ich zumindest 😉

  10. Ich muss leider sagen, das Problem kenn ich eigentlich nur, wenn die Kleine sehr krank ist und dann permanent auf meinem Arm. Aber ansonsten hab ich den Damen einfach keine Wahl gelassen und es wird alles zusammen gemacht. Und daran haben sie sich gewöhnt. Wir haben auch einen Bastle/Maltisch. Die Stifte sind in Kleinkindreichweite. Der Rest auf einem kleinen Regal etwas höher. Bei Büchern ist das kein Problem. Die Kleine ist von Anfang an gewöhnt Geschichten vorgelesen zu bekommen und die Große ist gewöhnt, dass es dazu noch ein Babybuch gibt.
    Die Kinder schlafen zusammen in einem Bett, schon immer. Geschenke sind grundsätzlich für beide zusammen, was meist bedeutet, die Kleine spielt mit der elektrischen Eisenbahn, muss sich aber gefallen lassen lassen, dass die Große aufpasst dass sie nix kaputt macht. Oder jeder hat vor sich einen Legohaufen liegen und baut, was meist damit endet, dass sie das Erbaute dann zusammenstellen und gemeinsam weiter bauen.
    Vielleicht liegt es daran, dass es 2 Mädchen sind, oder dass ich auch im Alltag klar sage ‚Jetzt ist zuerst die Große/Kleine dran und danach wechseln wir.‘ Ich hab auch immer darauf bestanden, dass beide Spielsachen teilen müssen und eben auch meine Aufmerksamkeit. Zudem sind meine Mädels nicht so sehr auf mich fixiert – zum Glück. Ich jedenfalls hoffe sehr, dass sie sich auch in Zukunft so gut verstehen und nie ernsthaft auseinander gehen.
    Ich wuchs als Einzelkind auf und bin froh, dass meine Eltern mich viel allein ließen und ich oft machen konnte, was ich wollte. Die volle Aufmerksamkeit meiner Mutter wäre uns beiden nicht gut bekommen.

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