Mein größter Luxus? Zeit vertrödeln!

Mir fehlt nichts. Ehrlich. Alles ist gut, so wie es ist. Aber manchmal ist so eine kleine Auszeit von meinem Leben einfach himmlisch!

Natürlich breche ich nicht mit Juppeidi zu so einem Ausflug auf. Als ich am Samstag Abend meinen Koffer packte, war die ganze Vorfreude der vergangenen Tage komplett verschwunden. Zwei Tage ohne meine Kinder? Wie schrecklich!
Warum habe ich den Flug nach Berlin bloß auf den Sonntagmorgen gelegt? Ich hätte doch noch den ganzen Tag mit den Kindern verbringen können! Statt dessen ging der Flieger schon am Vormittag, weil ich in Berlin meine Freundin treffen wollte.

Ich knutschte die Kinder abwechselnd mehrere Minuten lang ab. Dann trug ich mein zentnerschweres Herz zur Haustür hinaus.

Es wäre gelogen, zu behaupten, aller Abschiedsschmerz sei verschwunden, sobald ich an der nächsten Kreuzung angekommen war. Dass der Maxi mich gefragt hatte: „Kann ich mit Dir kommen?“, hatte meine Reiselust auch nicht beflügelt.

Erst als mir in Berlin am verabredeten Treffpunkt meine Freundin entgegenkam, fing die Sache an, mir Spaß zu machen.

Vor ein paar Jahren hatten wir unsere Wohnungen beinahe gegenüber voneinander und fast jeden Abend verbrachten wir gemeinsam. Wir trainierten gemeinsam für unseren ersten Halbmarathon, wir gingen oft ins Kino oder schauten uns Trash-TV an und wenn uns der Sinn einfach nach nichts stand, tranken wir einen Sundowner auf ihrem riesigen Balkon in der fünften Etage. Wir hatten beide keine Kinder und Zeit im Überfluss (wenngleich uns das damals nicht bewusst war).

Im Sommer nach dem wir Hand in Hand die Ziellinie beim Halbmarathon überschritten hatten, zog sie nach Berlin. Ich bekam zwei Kinder und langsam aber stetig nahm unser Kontakt ab. Einmal habe ich sie in Berlin besucht und sie kommt einmal im Jahr auf einen Kaffee vorbei, wenn sie bei ihren Eltern ist. Ich gucke jetzt alleine Trash TV, aber ich laufe keine Halbmarathons mehr und gehe auch nur selten ins Kino, denn so weit reicht das Babyfon nicht und die Zeit tut es erst recht nicht.

Da stand sie nun also an der Tram Haltestelle und wir fielen uns in die Arme und wir fingen sofort an, ein bisschen Zeit zu vertrödeln, genau so wie früher.

Ich glaube, Zeit zu vertrödeln ist der größte Luxus, den ich mir momentan vorstellen kann. Freie Zeit ist zwischen Job und Kindern so rar geworden, dass ich eigentlich immer irgendetwas vernachlässige, wenn ich mal nichts mache: Die Wäsche, die Rechnungen, den Blog, meine Freunde, meinen Mann, meine Fingernägel…Am Sonntag in Berlin waren die Kinder nicht dabei, der Mann auch nicht und mein Zuhause mit dem großen Ablagefach und der langen ToDo Liste waren weit weg. Mir blieb also gar nichts anderes übrig, als mich von meiner Freundin an die Hand nehmen zu lassen und guten Gewissens den Tag zu genießen.

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Wir haben uns von Cafe zu Cafe, von Mahlzeit zu Mahlzeit und von Bistro zu Bistro gehangelt, jeweils unterbrochen von ein bisschen Schlendern durch Berlin. Und dann sind wir einfach so, mitten am Tag ins Kino gegangen. Klingt nicht sehr spektakulär? Stimmt! Es ist schließlich nicht so, als hätte ich seit Jahren kein Cafe und kein Kino mehr von innen gesehen. Das Besondere und für mich geradezu Spektakuläre war, dass ich kein einziges Mal an diesem Tag auf die Uhr geschaut habe. Ich habe an nichts anderes gedacht, als an mich und das, worauf ich gerade Lust habe. Das hat wunderbar gut getan. Ich glaube, das ist nur möglich, wenn ich weit weg von zu Hause bin und wahrscheinlich brauchte ich dazu auch meine Freundin, die noch weiß, wie man sich um sich selber kümmert.

In der Nacht schlief ich in meinem Hotelzimmer durch (!) und den nächsten Tag verbrachte ich beim Videodreh mit zwei Lieblingskolleginnen: Berlinmittemom und Frau Mutter. Das alles hat so gut getan, dass es den Abschiedsschmerz wert war.
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Die Kinder waren längst im Bett, als ich am Montagabend nach Hause kam. Es ist vielleicht nicht sehr schlau gewesen, aber den Mini habe ich mir einfach in mein Bett geholt. Musste sein. Am nächsten Morgen stand ich im Bad, da ging ganz langsam die Tür auf und herein kam ein kleiner Maxi im Superman-Schlafanzug und sagte strahlend: „Mamaaaa!“

Was für eine Freude, unterwegs zu sein- und was für ein Glück, nach Hause zu kommen!

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Verratet Ihr mir, wann Ihr zuletzt Zeit vertrödelt habt? Könnt Ihr das noch? Und könnt Ihr Ruh von Euren Kindern trennen?

6 Kommentare

  1. Uuih, schon viel zu lange her. Ein Wochenende (bzw. ein wundervoller sehr langer Samstag) mit meinen Mädels aus der Heimat im November. Die erste Nacht ohne den Kleinen und nein – ich habe weder durch- noch ausgeschlafen und bin am nächsten Tag sehr früh und voller Vorfreude zurück gefahren… Und das nächste Mal? Vermutlich werde ich mir auf den demnächst anstehenden Konferenzreisen nach Berlin und Prag geweils einen halben Tag Stadtspaziergang gönnen.

  2. Ohh, einfach mal Zeit vertrödeln, was für eine schöne Vorstellung! Ich tröste mich meistens damit, dass ich früher so viel Zeit vertrödelt habe, dass es für den Rest des Lebens reichen muss…;-). Lg, Anne

  3. Oh ja, das ist toll! Ich habe das sogar jedes zweite Wochenende – ich bin getrennt erziehend mit Wechselmodell, die Kleene ist also 50% der Zeit beim Papa. Die Trennungen bin ich daher auch gewohnt, das macht es bestimmt unproblematischer, wenn auch nicht einfacher.
    Manchmal erscheint es mir wie ein sehr großer Luxus, manchmal wie eine sehr große Last. Das Leben mit einem „Vollzeitkind“ ist da einfach anders, und ich freue mich schon drauf, das irgendwann mit Job, Mann und Hobbys zu vereinbaren.

    Und im selben Atemzug freue ich mich schon drauf, wenn sie ausziehen und man sein Leben wieder komplett vertrödeln kann! Also: auch du musst nur noch knapp 17 Jahre warten 🙂

    Allerdings beobachte ich das auch bei Eltern mit Kindern ab etwa 12 Jahren. Die trödeln meinem Empfinden nach meistens recht entspannt durch die Gegend, so lange die Aufteilung zwischen Mama und Papa einigermaßen gerecht ist.

  4. Dein Eintrag passt wunderbar zu meiner heutigen Enttäuschung die aber irgendwie auch erleichternd war.
    Ich bin nun seit 8,5 Monaten Mama und war in dieser Zeit vielleicht 5 x länger als 3 Stunden von meinem Sohn getrennt…Letzte Woche kommt aufeinmal der Papa und meint das er am kommenden Dienstag Ware bestellen muss, Händler besuchen muss usw. und den kleinen Mann mitnimmt…das hätte bedeuteet ein ganzer Tag nur für mich… Kopfkino an…was mache ich zuerst? Nur um 2 Minuten später zu denken…das geht doch nicht!

    Heute hat sich herrausgestellt das es zu 95% nix wird, da geschäftlich hier vor Ort einfach zu viel zu tun ist..ich hätte weinen und jubeln zur gleichen Zeit können 🙂

    So hab ich noch etwas Zeit mich mental auf die erste „Trennung“ vorzubereiten

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