Wenn sie nicht so süß wären

„Wenn Ihr nicht so süß wärt“, habe ich vor einiger Zeit mal zum Maxi gesagt, „dann hätte ich Euch längst verkauft!“ Maxi antwortete : „Ach Mama, das ist doch Quatsch!“

Natürlich war das Quatsch, aber es war eben einer dieser Tage! Ich musste halbfertige Arbeit im Büro liegen lassen, um die Jungs abzuholen. Die waren schon im Auto kurz vorm Durchdrehen- wären sie nicht angeschnallt gewesen, hätten sie ganz sicher auf der Rückbank getanzt. Als sie abends endlich in ihren Betten lagen, war ich so erschöpft, dass ich auf dem Sofa einschlief, bevor mich der Mann um 0:00 Uhr ins Bett scheuchte.

Am nächsten Morgen um 6:30 klingelte mein Wecker.
Mein Augen waren gerade so weit geöffnet, dass ich nicht die Treppe herunterfallen musste. Ich öffnete die Haustür und angelte die Zeitung aus dem Briefkasten.

„Neue EU-Richtlinie. Eltern können Kinder verkaufen“, stand da auf der ersten Seite. Meine Augen waren nun ganz weit geöffnet, ebenso wie mein Mund. Das kam ja wie gerufen!

Der Mann war auf Geschäftsreise und ich überlegte kurz, ob ich den Verkauf vorher mit ihm abstimmen müsste, aber ich war mir sicher, für die Jungs einen guten Preis erzielen zu können und gegen ein bisschen zusätzliches Geld würde der Mann ja wohl nichts einzuwenden haben. Ich beschloss also, sofort zu handeln, denn schon in wenigen Tagen würde der Markt mit kleinen Kindern überschwemmt sein, so viel stand fest.

Ich zog den Jungs einen akkuraten Scheitel, putzte ihnen die Zähne, bis blinkende Sternchen erschienen und fand sogar saubere Klamotten für beide im Wäschekorb. Dann brachte ich sie in die Kita.
Am Nachmittag wollte ich mich nach geeigneten Käufern umsehen, falls bis dahin nicht schon ein Interessent in der Kita angefragt hätte.

Es waren schon einige Kinder in der Kita. Viele von ihnen trugen Schilder um den Hals. „Zu verkaufen!“ stand da oder „In liebevolle Hände günstig abzugeben!“ Schnell klebte ich den Mini und Maxi noch Post Its auf den Rücken („Kauf mich“) und fuhr ins Büro.

Auf dem Weg konnte ich sehen, dass die neue EU Richtlinie beim Volk sehr gut ankam. Überall sah man übermüdete Eltern, die ihre herausgeputzten Kinder vor die Haustüren schoben.

Ich blieb an diesem Tag länger als sonst im Büro, denn ich wollte den Jungs die Chance geben, neue Eltern zu finden. Der fehlende Zeitdruck machte mich extrem unproduktiv. Keine Ahnung, wie Menschen ohne Kinder das machen, ich finde, man kann so überhaupt nicht effektiv arbeiten. Da müsste ich mich in Zukunft besser organisieren, stellte ich fest.

Auf dem Weg nach Hause hörte ich im Auto eine Kinderlieder-CD. Die klingt allerdings sehr langweilig, wenn die zweite und dritte Stimme vom Rücksitz wegfallen. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Radio einzuschalten, aber das war auch kein Vergnügen. Ohne Musik und überhaupt von vollkommener Stille umgeben fuhr ich weiter. Dieses Trauerzug-Feeling gefiel mir nicht, da müsste ich mir in Zukunft irgendetwas überlegen.

Zu Hause angekommen genehmigte ich mir erstmal ein Stück Schokolade, um mir die Umstellung ein bisschen zu versüßen. Weil niemand angerannt kam und „Auch Lade ham“ schrie, obwohl ich mich nicht im Spülschrank versteckt hatte, aß ich die ganze Tafel auf. Auf Dauer dürfte es relativ schwierig werden, mein Gewicht zu halten, stellte ich fest und setzte auch das Thema Ernährung auf meine Liste der Dinge, um die ich mich in Zukunft kümmern musste.

Langsam bekam ich eine Ahnung davon, dass mir dieses kinderlose Leben viel zu stressig werden würde! Viele zusätzliche Stunden am Tag würden sinnvoll gefüllt werden müssen. Liebgewonnene Ausreden würden ersatzlos entfallen. Sicher würde mein Umfeld Verspätungen zu Verabredungen nicht mehr so gnädig hinnehmen, wenn die Kinder nicht mehr bei mir wären. Und wie erkläre ich die unaufgeräumte Küche? Vielleicht würde ich mir die Nächte wieder in Clubs um die Ohren schlagen müssen und danach bis mittags im Bett liegen. Wie schade um die schönen Tage! Am Ende würde ich sogar wieder Sport machen müssen!

„Ich bin für ein so anstrengendes Leben nicht geschaffen!“, schrie ich und sprang auf. ICH BRAUCHE KINDER! Mindestens eins, besser zwei! Zwei Jungs fände ich schön und wenn sie ganz unterschiedlich wären, das wäre bestimmt süß.

In der Kita würde ich bestimmt fündig werden, also sprang ich ins Auto und sauste los. „Sind noch Kinder da?“ rief ich, als ich in die Kita stürmte und die Erzieherin nickte und lächelte wissend.

Ich suchte mir die süßesten aus, die ich finden konnte. Glücklich fuhr ich mit Mini und Maxi nach Hause.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

6 Gedanken zu “Wenn sie nicht so süß wären

  1. Besser kann man es nicht ausdrücken – eigentlich will man sie ja einfach nur wieder loswerden, aber ein Leben ohne sie ist so unvorstellbar schrecklich…nennt man wohl Eltern-sein…müssen wir durch…ist ja alles nur eine Phase und ruckzuck sind sie 18, ziehen aus und dann müssen wir den Tag erstmal wieder vollkriegen…;-). Lg, Anne

  2. so eine süße Geschichte…mein Mann ist heute Morgen das erste Mal mit MiniFlo alleine zur Oma gefahren und ich habe bis heute Nachmittag kindfrei…. mal schauen wie groß das Vermissen mit jeder Stunde wächst.

    LG verena

  3. Hallo,

    Woooow….Sehr interessanter Artikel, schöne Geschichte !

    Genauso schlimm würde es sicherlich werden wenn sie mal irgendwann ausziehen…hihi…

    Lg Marc

  4. 😀
    Kurz gezittert und dann das Ende erwartet! Sehr süß und jede Mama denkt so „rein theoretisch“ sicher früher oder später mal drüber nach…und kommt dann zu einem ähnlichen Schluß: ohne geht es nicht!

    Viele Grüße
    Alex

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