Andere Leute haben viel nettere Kinder

Es war ein anstrengender Tag! Am Abend sagte ich zum Mann:

„Wir brauchen ne Nanny! Die Kinder sind so anstrengend. Ich kann nicht mehr!“

Die Jungs schliefen seit 10 Minuten und der Mann hing noch völlig geschafft von den letzten 45 Minuten auf dem Sofa.  „Aber wie machen das denn andere Leute mit kleinen Kindern?“ wollte er wissen.

Andere Leute“ antwortete ich total überzeugt, „andere Leute haben einfach nicht so schreckliche Kinder wie wir!“

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Hinter mir lag einer dieser Tage, an denen mir die Kinder den letzten Nerv rauben! Sie waren wilder als wild und lauter als laut. Immer wenn ich das Chaos vor meiner Nase beseitigte, führten sie hinter meinem Rücken die nächste Katastrophe herbei. So drehte ich mich den ganzen Tag um meine eigene Achse und kam immer 10 Sekunden zu spät am „Tatort“ an. Die Jungs stritten sich wegen nichts und gönnten einander nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Ich wußte nicht, wie ich sie auch nur für fünf Minuten vom Streiten abhalten sollte. Wenn in der „Sendung mit der Maus“ mal der Begriff „Verzweiflung“ erklärt wird, können sie einfach mein Gesicht an so einem Tag einblenden.

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Ich fluchte an diesem Abend noch eine ganze Weile über meine Kinder, die schrecklichen Biester und der Mann stimmte mit ein!  Was macht man bloß mit solchen Rabauken? Wo soll das hinführen? Ach, haben wir es schwer! (->Profitipp: Wenn man sich bei einer schönen Flasche Wein mit dem Partner über die Kinder aufregt, macht es eigentlich ziemlichen Spaß!)

Am darauffolgenden Wochenende waren wir zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Eine Nanny hatten wir immer noch nicht, aber der Babysitter hütete die Jungs. Wir kannten kaum einen der anderen Gäste, trotzdem standen wir nach kurzer Zeit ins Gespräch vertieft mit einigen anderen zusammen, denn wir hatten schnell gemerkt, dass wir alle eines gemeinsam hatten: Kinder.

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Und da standen wir Eltern nun mit unseren Drinks in einer großen Runde und hatten nichts Besseres im Sinn, als uns an unserem kinderfreien Abend über unsere Kinder zu unterhalten.

Dabei erzählten wir uns aber nicht gegenseitig, wie toll unsere Kinder sind. „Der Tom ist ja schon so weit!“ „Ja! Meine Emma auch! Die kann schon mit der linken Hand rückwärts Gedichte schreiben!“- Solche Themen sind wohl anderen Runden vorbehalten. Wir gaben lieber gegenseitig die Schandtaten unseres Nachwuchses zum Besten

Wir schüttelten die Köpfe. Wir wirkten verzweifelt. Wir verzogen ein bißchen gespielt unsere Mundwinkel. Und wir genossen es.

Mit den einleitenden Worten: „oh ja, das machen unsere ja auch gerne…“ reihte sich eine Geschichte an die andere. Der Mann und ich erzählten davon, wie unsere Jungs den abnehmbaren Drehknopf unseres Küchenherdes versteckt hatten und wir so lange nicht kochen konnten, bis wir einen neuen geliefert bekamen. Am nächsten Tag fanden wir ihn in der Ritze vom Sofa. Und wie ich mit dem Maxi bei der U8 war und sich die beiden Kinder im Behandlungszimmer wartend um drei Bücher gestritten haben. Drei Bücher, zwei Kinder- man könnte meinen, das funktioniert… Und wie der Mini neuerdings alles mit einer beeindruckenden Entschlossenheit in den Mülleimer wirft. Manches haben wir wieder herausgeholt, vieles wird noch vermisst. Vermutlich gehen auch der fehlende Schlüssel vom Gartentor und mein Fahrzeugschein auf dieses Konto (aber vielleicht habe ich beides auch selber verlegt…).Und wir beschrieben, wie die beiden jeden Tag schwerterschwingend das Haus unsicher machen.

Eine Frau wollte sich zu uns gesellen, drehte dann aber wieder ab. Wahrscheinlich haben wir sie erschreckt.

Wenn sie genau hingehört hätte, hätte sie sicher gehört, wie viel Liebe aus den Worten der Eltern triefte. Stolz beschrieben wir unsere geliebten Kinder mit ihren witzigen Eigenheiten und durchaus anstrengenden aber sehr unterhaltsamen Marotten. Diese putzigen, kleinen Terroristen, die bei uns wohnen, die unser Leben sowas von auf den Kopf stellen und die wir eigentlich in diesem Moment gerne mal kurz abknutschen würden, auch wenn sie uns noch bis vor zwei Stunden den letzten Nerv geraubt hatten.

Eltern, die Spaß daran haben, sich darüber zu unterhalten, was ihre Kinder so alles anstellen. Das muss diese Liebe sein.

Als wir nach Hause gingen waren wir sehr glücklich, weil wir mit den Geschichten unserer Jungs für so viel Erheiterung gesorgt hatten. Und anscheinend haben gar nicht nur wir so schreckliche Kinder. Wie beruhigend!

Zufrieden schliefen wir ein. Einem neuen, anstrengenden Tag entgegen.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17 Kommentare

  1. Das ist ja beruhigend und gerade genau mein Thema! Ich fühle mich manchmal, als hätte ich eine Fehlbildung, weil ich mein Kind nicht immer nur ausschließlich toll finde.

  2. Was für eine schöne Geschichte <333 Das macht den ganzen Ärger des Alltags wieder wett. Es ist schon ein komisches Phänomen, dass wir die ganze Zeit nur eine (wenigstens EINE) Stunde weg von unseren Kids wollen. Und wenn wir es dann sind, vermissen wir sie wie die Hölle. Verrückte Liebe <333!

  3. Statt „Fishing for compliments“ macht Ihr „Fishing for compassion“. Muss ich auch mal ausprobieren.

    Und sag bitte, dass das nur so eine Phase ist! Ich finde es gerade auch ziemlich anstrengend mit meinen beiden Süßen. Und ich bin sooo müde…

    LG Jasmin

  4. Das gut geschrieben.
    Es fällt mir auch immer wieder auf, sobald mein Mann und ich alleine irgendwo sind reden wir von oder über die Kinder. Oder ich denke an meine beiden weil ich in dem moment dran denke das es ihnen auch gut gefallen könnte.
    Sie sind einfach unsere Kinder, und später wenn sie selber kinder haben dann lassen wir umso mehr über damals!!!

  5. Oh jaa.. das kenne ich.. und dabei ist es bisher nur ein Kind 🙂 Mir graut es ein bisschen vor der jetzt kommenden Zeit, wenn Kind 2 da ist

    Selbst mein Vater sagte, das er mit dem Mini-Göörl mehr zu tun hat als mit meinem Neffen (wo man doch immer sagt, Jungs sind viel schlimmer)..

    Deswegen musste ich letzten Dienstag so lachen, als mein Kind als Beispiel für Gute Führung herhielt: Zoe, guck dir J. an, die ist immer ruhig und lieb und so gut erzogen. Ich versuchte noch zu intervenieren, aber man glaubte mir nicht :))

    Auch in der Familie hat meine Erzählung der Ereignisse zu großer Erheiterung geführt, da sie ja den Wirbelwind kennen 🙂

    Aber das erzählen der Schandtaten ist hier auch immer groß im Kurs, da kommen schöne Geschichten beisammen.

    LG Nicola

  6. Mia, ich will ja nicht streiten…. Aber MEINE Kinder laufen deinen aber ganz sicher den Rang ab. Und damit meine ich nicht, beim rückwärts schreiben oder stillsitzen… ;)))))

    Wünsche dir eine tolle Woche! <3

    Nur eine Phase…!!! Ommmmmm!!!

    Anja

  7. Solche Abende mit Gleichleidenden sparen den teuren Therapeuten und Alkohol hilft auch hin und wieder 🙂

    Ansonsten kann ich auch empfehlen, kurz den Raum verlassen, in ein Kissen beißen und danach entspannt an den „Tatort“ zurückkehren.

    LG Bine

    • Auch gut. Vor allem weil Siedlung ja viel besser verstehen, wenn Mama nicht dabei ist. Aber dann stellen sie wieder irgendwas an…

  8. Hey Mia, wir reihen uns auch in die Liga der Eltern ein, die sich abends verzweifelt anschauen und fragen: Was machen wir nur falsch? Wir haben ein Mädchen (7 J.) und einen Jungen (wird im April 3 J.) und man möchte meinen, die sind ja jetzt schon grösser, das wird jetzt langsam besser….aber weit gefehlt…Sie können keine 5 Minuten ruhig miteinander spielen….Unsere Nachbarn haben uns auch schon wiederholt gefragt, ob wir da nicht mal was machen können, da wir sie (Familie mit nur einem Kind) offensichtlich mit unserem Geräusch-etc.Pegel stören….achja.

    • Oh je! Solche Nachbarn haben wir zum Glück nicht- die würden bestimmt täglich bei uns klingeln 🙂 Mich ermutigt immer meine Mutter, die erzählt, meine Schwestern und ich hätten und täglich erbittert gezankt und bei uns hätten die Wände gewackelt. Ich kann mich ehrlich nicht erinnern! Und heute sind wir alle eigentlich ganz brav 😉

  9. Jungsmama

    Du hast mir mal wieder meine Mittagspause versüßt. Vor allem der Tiptoi-Stift auf dem Bild wahlweise als Objekt der Begierde oder Waffe hat mich einem lauten erleichterten Lachen veranlasst. Diese Bild kenne ich nur zu gut!

  10. Hallo Mia,

    wieder ein ganz toller Post, der mir den Tag versüßt hat. Danke!
    Ich habe zwei „große“ und zwei „kleine“ Söhne und weiß daher, dass diese wilde Phase WIRKLICH vorbei geht. Ich sag nicht, dass die Phase danach besser wird *zwinker*. Aber auf jedem Fall ruhiger.
    Und das Tolle an dem geringen Altersabstand ist, dass sie nicht nur super zoffen, sondern auch super zusammen spielen können. Und je älter sie werden, desto mehr wird ohne Streitereien zusammen gespielt.

    Liebe Grüße,
    Anja

  11. Was für ein schöner, ehrlicher Post! Ich sitze hier gerade beim 1. Kaffee allein seit Langem u freue mich,heute vor der Arbeit nur mal Zeit für micn zu haben, anstatt die zwei Minimänner mit fertig machen zu müssen 😉
    Hab einen schönen Tag liebe Mia

  12. Es freut mich ja insgeheim ein kleines bisschen, dass es bei anderen auch so „zugeht“ 😉
    Ich wünsch mir öfter mal, dass unser Mädel als zweites und nicht als drittes gekommen wär… Möglicherweise würden sie dann nicht so viel kämpfen, brüllen, streiten, wild sein, etc…..
    Und ich bin mir ja trotzdem nach wie vor sicher, dass meine zwei Kerle die allerlautesten von allen sind ;))

  13. Sehr schöner Artikel, wie gut zu lesen, das es überall gleich ist. ( bei uns hält diese Phase schon seit 8 Jahren an, ohne jetzt demotivierend Wirken zu wollen) meine Kids sind zwar größer (16&10) aber das mit dem nicht gönnen können ist auch hier an der Tagesordnung
    Viel Glück und gute Nerven weiterhin

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