Wer hat Angst vor Monstern?

Pssssst! Bitte leise! Der Maxi schläft!

Ooorr, ich liege hier so unbequem, aber ich traue mich nicht, die Position zu verändern, sonst wacht er am Ende wieder auf! Er braucht neuerdings etwas länger zum Einschlafen- er hat Angst vor Monstern! Über Weihnachten ist nämlich das Ohrenmonster hier eingezogen.

Ich weiß nicht genau, was ein Ohrenmonster ist, aber nach allem, was mir so zu Ohren gekommen ist (haha!) muss es ein schreckliches Biest sein. Mein Schwager hat dem Maxi bei seinem Weihnachtsbesuch davon erzählt, und seitdem muss ich mich abends zum Einschlafen neben den Maxi legen.

Einschlafprobleme kannte ich vom Maxi überhaupt nicht aber am Abend des 26. Dezember war da nichts zu machen, der Maxi schlief erst ein, als ich mich neben ihn legte. Seitdem muss ich das jeden Abend machen.

Angst vor Monstern

Anfangs habe ich das Ohrenmonster verflucht, aber inzwischen hoffe ich, dass es noch lange bei uns bleibt. Ich verdanke ihm nämlich sehr viel.

Mit ein bißchen Glück ist der Maxi kurz vorm Einschlafen in Plauderlaune. So wie Anfang der Woche, als er von mir wissen wollte, ob man ins Kinderheim kommt, wenn man nicht brav ist. „Natürlich nicht, Maxi! Im Kinderheim wohnen Kinder, die keine Eltern mehr haben, oder deren Eltern sich nicht um sie kümmern können.“ Ob es da dunkel ist, will er wissen. „Und sind da Gitter?“ Ich bin erschrocken und erkläre ihm dass es die Kinder dort gut haben und ganz normal dort wohnen, nur dass sich statt Eltern Erzieher um sie kümmern. „Und haben die Erzieherinnen Waffen?“

Was da wohl in ihm vorging? Vielleicht hat im das jemand erzählt? Manchmal vermischt er auch ganz viele Eindrücke , die er in den letzten Wochen aufgeschnappt hat, in seinem Kopf zu einer Geschichte.  Ich verspreche ihm, dass Papa und Mama immer für ihn da sein werden und wir dafür sorgen werden, dass er immer alles hat, was er braucht. „Ich brauche ja immer Äpfel“, sagt er nickend und schläft ein.

Liebe gießt sich in mein Herz!  Mein Kind liegt neben mir, die Augen geschlossen und sein Atem wird ganz ruhig.Wenn ich mal jemandem den Begriff Unschuld erklären muss, werde ich ein Bild von meinem schlafenden Kind zeigen.

Er rollt sich zur Seite, mit dem Gesicht zu mir. Jackpot! Ich betrachte sein liebes Kindergesichtchen. Wie klein er noch ist! Während ich ihm ganz vorsichtig die Haare aus dem Gesicht streiche und seine Fragen über Kinderheime in mir nachwirken, wird mir wieder klar:

Kinder sind der Welt so schutzlos ausgeliefert. So viele Einflüsse prassen täglich auf sie ein und weil Kinder unendlich wissbegierig sind, saugen sie alle diese Eindrücke in sich auf- die guten und die schlechten. Eine ganze Welt muss in den Kopf unserer Kinder passen und wir Eltern können nicht alles für sie filtern. So gelangen leider auch viele Dinge in ihre unvoreingenommenen Seelen, für die sie noch gar nicht bereit sind. Wie sollen sie die alleine verpacken? Dafür brauchen sie unsere Hilfe.

Leider fehlt mir manchmal die Zeit und manchmal auch einfach die Geduld, mich aufmerksam und einfühlsam der spannenden Erlebniswelt meines Sohnes zuzuwenden. Gerade abends rutscht schon mal ein: „Nein, nein mein Schatz, und jetzt schlaf schön!“ als Antwort auf eine Frage heraus. Dabei sind genau diese Momente so wertvoll, weil mein Großer mir dann in seiner noch ganz unverdeckten Sprache hilft, zu verstehen, wie die Welt eines Vierjährigen aussieht.

Ein Vierjähriger ist kein Baby mehr, so viel steht fest. Vierjährige sind wild, laut, halbstark und haben keine Angst! Tagsüber! Wenn so ein Vierjähriger aber abends im Dunklen in seinem Bett liegt, dann kann man sehen, wie klein er noch ist. Und sich ganz in Ruhe auf das einlassen, was er von seinem Gefühlsleben preisgibt!

So ein Glück, dass wir jetzt ein Ohrenmonster haben!

P.S. Gestern Abend  hatte ich eigentlich keine Zeit, mich zum Maxi zu legen, weil der Mini mich sehr gebraucht hat. „Aber Du liebst das doch, Mama!“, hat der Maxi da gesagt. Hat er etwa gar keine Angst mehr vorm Ohrenmonster? Ich denke, über diese Frage werden sich sowohl der Maxi als auch ich noch eine Weile ausschweigen.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

 

 

 

 

 

8 Kommentare

  1. Tagsüber sind sie schon und nachts sind sie erst vier Jahre alt…
    Die abendlichen Gespräche finde ich auch am schönsten. Mittlerweile ist unser Großer wieder bei uns im Bett eingezogen. Zu viert auf ca. 4qm. Das muss so eine Phase sein, oder?
    LG Jasmin

  2. Großartig!
    Auch hier wird das abendliche „im dunkeln mit der Mama noch quatschen“ total geliebt. Da kommen die besten, wichtigsten und ideenreichsten Gespräche bei raus!
    So wichtig <3

  3. Wunderbar hast du das geschrieben! Ich lese immer sehr gerne von deinen Erlebnissen mit den Söhnen – dann kann ich mich schon drauf freuen, wie meiner (jetzt neun Monate alt und noch keine Angst vorm Ohrenmonster) in einiger Zeit wohl mal sein wird.

  4. Meine Tochter ist auch 4 Jahre alt und abends in bester Erzähllaune – um die Bettgehzeit hinauszuzögern :-). Aber auch ich genieße diese Zeit (normalerweise-wenn nicht gerade der Kleine im Bett zu weinen beginnt), denn soviel erzählt sie sonst den ganzen Tag nicht! Sie redet zwar den ganzen Tag 🙂 aber am Abend erzählt sie Dinge, die sie beschäftigen oder die sie erlebt hat…da entwickeln sich richtig gute Gespräche!

  5. Solche Gespräche im Dunkeln fand ich früher auch ganz toll. Ich habe das immer mit meiner Schwester gemacht weil wir im selben Zimmer schliefen. Bis heute erinnern wir uns gerne an die Gespräche. So etwas verbindet einfach unheimlich.

    Grüße Miezl

  6. Ich kenne die Monster aus dem Schrank. Bei uns hat eine Reihe von Kuscheltieren und der Kater geholfen. Die Kuscheltiere wurden vor den Schrank gesetzt (als Wache) und der Kater hat jedes Monster bekämpft was sich an den Kuscheltieren vorbeischleichen konnte. So haben wir die Phase 2 mal gut überstanden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.