Warum ich noch ans Christkind glaube

Kleine Kinderhände entreißen mir jeden Morgen die Tageszeitung, denn neuerdings gibt es darin auch einen Teil für Kinder: Prospekte voller Spielzeug flattern uns da ins Haus und es heißt, das Christkind sei bereit, allen Kindern solche Schätze zu bringen.

Die Jungs stürzen sich gleich nach dem Aufstehen auf ihre Adventskalender. Der Mini versteht noch nicht, dass er jeden Tag nur ein Türchen öffnen darf, und  sein Protest dagegen ist oft nicht sehr weihnachtlich,  aber gemeinsam mit dem Maxi spürt auch er schon, dass der große Tag immer näher rückt.

Meine Söhne sind in Weihnachtsstimmung. Sie sind gespannt und voller Vorfreude. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eins zu ihrem Glück: Schnee!

Christkind

Vor Eurem geistigen Auge seht Ihr jetzt meine Söhne heilig und Arm in Arm am Fenster stehen? Weit gefehlt! Was so idyllisch klingt, ist natürlich in Wahrheit der ganz normale Wahnsinn. Und weil Mama dem Wahnsinn mal mehr und mal weniger gelassen entgegensieht, ist mir neulich etwas herausgerutscht: „Wenn DAS das Christkind sieht!“, habe ich geschimpft.

Ein grauenvoller Satz! Das Christkind als Chef-Erzieher? Wer will daran schon glauben?

Kinderseelen sind unendlich empfänglich für den Zauber der Weihnacht. „Das Christkind kommt“- darin steckt  so viel Kindheitsglück, so viel Spannung und glückliche Ahnung. Noch nie hat ein Kind das Christkind gesehen und keiner weiß genau, wie es überhaupt aussieht. Allein deshalb gefällt mir das Christkind übrigens viel besser als der Weihnachtsmann, der jetzt in jedem Schaufenster sitzt und mit vorgefertigten Bildern von einem alten Mann, der mit einem Rentierschlitten und viel blingbling durch die Luft jagt, viel weniger Raum für kindliche Fantasien bietet.

Meiner Mutter ist das Kunststück gelungen, mir den Zauber der Weihnacht so tief ins Herz zu pflanzen, dass ich bis heute an das Christkind glaube. Sie hat nie gedroht: „Das Christkind sieht alles“, obwohl meine Schwestern und ich keine Heiligen waren.

Meine Mutter hat mir keine Bilder in den Kopf gesetzt, sondern mir eine Idee, eine Ahnung mit auf den Weg gegeben. Als ich älter wurde und anfing Fragen zu stellen, hat sie meine Fragen behutsam beantwortet, ohne die Magie zu zerstören. Sie hat mir weder Geschichten erzählt, in denen das Christkind durch den Briefkasten kommt noch dass es lange goldene Haare hat. Sie wußte selber nicht, wie genau das Christkind ins Haus kommt, aber es sei eben einfach da, hat sie mir gesagt. Mit Antworten wie dieser gab sie mir die Chance, meine kindliche Vorstellung über die Jahre erwachsen werden zu lassen. Und so gab es nicht den einen Tag, an dem ich erfuhr, dass es das Christkind gar nicht gibt und dass meine Eltern die Geschenke kaufen. Ich habe das einfach irgendwann verstanden und weil das ein langsamer Prozess war, blieb der Zauber auch nach dieser Erkenntnis.

Genau diesen Zauber wünsche ich mir für meine Jungs auch. Weihnachten soll für sie ein Gefühl sein, das sie auch noch spüren, wenn sie längst abgeklärt durch die Welt gehen.

Wie meine Mutter verzichte ich daher darauf, ihre Vorstellung vom Christkind für sie zu konkretisieren. Ich beantworte ihre Fragen, aber ohne ihre Phantasie festzulegen. Vor allem aber male ich kein Christkind mit erhobenem Zeigefinger.  Schließlich kann man schlecht mit einem Christkind drohen, das jeden Streit zwischen den Söhnen mit weniger Geschenken quittiert und gleichzeitig versuchen, ihnen ein Gefühl von Weihnachten zu vermitteln, das sie in sich tragen und bewahren wollen.

Ich halte das Christkind aus meinen Erziehungsversuchen heraus.  Mit Trotzanfällen und Fäkalsprachen-Eskalationen muss ich alleine klarkommen.

Wenn meine Söhne dann eines Tages erkennen, dass man das Christkind auch in dem Zauber einer Weihnacht sehen kann, dann werde sie bestimmt wie ich gerne weiter daran glauben.  Alle Jahre wieder.

Mamablog Mama Mia

 

 

 

Einen sehr schönen Text zum Thema findet Ihr auch bei Mama Notes.

 

 

3 Gedanken zu “Warum ich noch ans Christkind glaube

  1. Das ist schön. Aber nicht zu schön, um wahr zu sein. Bei uns wie wihl bei vielen kam eher Knecht Ruprecht als Erzieher hinzu. Hab da noch so einen alten, abgegriffenen Adventskalender aus den 1960zigern, denk ich mal. Lauter kleine Geschichten um Michl auf der Suche nach dem Weihnachtsstern. Tag für Rag wächst beim Umblättern der geschmückte Weihnachtsbaum. Das ist mein Weihnachtszauber. Und meine Jungs kesen nun ahch schon im dritten Jagr verzaubert mit…

  2. Was das wieder für ein schöner Beitrag ist 🙂 Wir hatten eben Besuch und da habe ich das Thema gleich mal ins Rennen geworfen! Verrückt, wie unterschiedlich aber doch gleich die Nikolaus- und Christkind-Erfahrungen von allen sind.

    Ich freue mich schon riesig, BabyBB im nächsten Jahr auch in den Zauber der Weihnacht „zu entführen“. Dieses Jahr interessieren ihn nur die Lichter 🙂 oder die rote Mütze vom Nikolaus.

    Liebe Grüße & bis hoffentlich bald mal wieder!!!
    Jana

  3. Liebe Mia,
    ich selbst bin ohne Geschichten vom Christkind aufgewachsen und gebe diese auch nicht an meine beiden kleinen Töchter weiter. Trotzdem glaube auch ich ans Christkind. Jedoch nicht an eine märchenhafte un-begreifliche Gestalt, die am Heiligen Abend die Geschenke bringt. Für mich ist das Christkind das wahrhaft zur Erde gekommene Jesuskind, das vor über 2000 Jahren in einem kargen Stall geboren wurde, um uns durch seinen Tod gut drei Jahrzehnte später mit Gott zu versöhnen und zu erlösen. Das klingt wahrlich nicht nach „Weihnachtszauber“. Jedoch werden für mich Geschichten von einer fabelhaften Figur, die sich einmal im Jahr in unser Haus schleicht, um uns zu beschenken, diesem großartigen Kind und Menschen nicht gerecht.
    Unseren Kindern erkläre ich, dass wir an Weihnachten Jesu Geburtstag feiern. Und weil wir uns so darüber freuen, dass er für uns zur Erde gekommen ist, und weil wir uns lieb haben, schenken wir uns etwas. Dieser (Kinder)glaube ist nicht zauberhaft und mystisch, aber ich bin davon überzeugt, dass ich meinen Töchtern etwas sehr Nachhaltiges und Wertvolles mit auf den Weg gebe, wenn ich sie mit dem wahren und immer noch wunderbar persönlich erfahrbaren „Christkind“ bekannt mache. Jede Menge Weihnachtsstimmung gibt es bei uns trotzdem, weil wir uns eben so auf diesen besonderen Geburtstag freuen und vorbereiten.
    Liebe Grüße
    Corinna

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