Sonst lade ich Dich nicht ein!

Die Verhandlungen verliefen zäh.

Schon seit Wochen lagen die Forderungen beider Seiten auf dem Tisch, aber keiner der Verhandlungspartner war bereit, sich zu bewegen. Die Situation drohte zu eskalieren; schon munkelte man, es sei das Wort „Streik“ gefallen.

Nein, ich bin nicht neuerdings Chef-Verhandlerin bei der Lufthansa,  das wäre im Vergleich wahrscheinlich ein Kindergeburtstag! Nein, Kinderspiel! Ich meinte Kinderspiel.  Aber ich rede von einem Kindergeburtstag. Es geht um Maxis 4. Geburtstag. Genauer gesagt: um die Gästeliste.

Anfangs fand ich es noch witzig, dass er jeden Tag aufzählte, wen er alles zu seinem 4. Geburtstag einladen möchte. Das war im August. Je näher der Geburtstag aber rückte, umso nervöser wurde ich. Einmal mehr lagen nämlich Maxis und meine Vorstellungen ähnlich weit auseinander wie es eben diejenigen bei Tarifverhandlungen zu Beginn sind.

Maxi  hatte keines der Kinder auf seiner Gästeliste, auf deren Geburtstagen er in den letzten Monaten eingeladen war. Er plante auch nicht diejenigen Kinder einzuladen, die ich als seine besten Freunde bezeichnen würde. Maxi hatte nur die Vorschulkinder im Sinn, und von denen hauptsächlich die Mädchen. Ein Junge war auch dabei, aber nur, weil angeblich eines der Vorschulmädchen mit ihm befreundet sei und ihn sicher gerne dabei hätte. So der Maxi.

Ich versuchte den Maxi vorsichtig in Richtung meiner Vorstellungen zu bewegen. Die Karla wäre schließlich bestimmt sehr traurig, wenn sie keine Einladung bekäme. „Dann kannst Du sie ja zu Deinem Geburtstag einladen“, war Maxis zugegebenermaßen sehr pragmatischer Lösungsvorschlag.

„Aber wenn Du sie nicht einlädst, lädt sie Dich vielleicht nächstes Jahr auch nicht zu ihrem Geburtstag ein“, versuchte ich es und kam mir sehr listig vor. Maxi zuckte nur mit den Schultern: „Ich weiß ja jetzt, wie es bei ihr aussieht“, meinte er.

Ich suchte mir Rat bei einer Freundin. Diese Freundin hat drei Kinder und schon etwa 6 Kindergeburtstage ausgerichtet. Sie sagte: „Ja gut, am Ende entscheidest Du das ja als Mutter!“ Ich vertraue dieser Freundin eigentlich immer, denn sie weiß wovon sie redet. Stimmt, dachte ich also und war beruhigt.

Stimmt überhaupt nicht, dachte ich, als ich später zu Hause war. Es ist doch sein Geburtstag!

Ja, ich war genervt von den Diskussionen über die Gästeliste. Und ja, ich war genervt von dem, was ich inzwischen über den Kindergeburtstags-Terror in der Kita erfahren hatte. Ich war sogar kurz davor, den ganzen Kindergeburtstag einfach auf einen Kaffeeklatsch mit den Großeltern und den Tanten zu verlegen, weil mir dieses ganze „Wer-lädt-wen-ein-und-warum-Gedönse“ schrecklich auf den Wecker ging. Wie es scheint herrschen bei den ortsansässigen Vier- bis Sechsjährigen bisweilen Zustände wie bei Schutzgelderpressungen: „Ich lade Dich nur zu meinem Geburtstag ein, wenn Du mir Deine Schokolade gibst!“

Warum der Maxi die großen Mädchen einladen wollte, weiß ich nicht genau, aber er wird schon seine Gründe haben. Vielleicht sind es die falschen Gründe, aber es ist nunmal sein Geburtstag und ich finde nicht, dass seine Mutter über seinen Kopf hinweg entscheiden sollte, wen er einlädt.

Eigentlich finde ich auch, dass man nicht alle Kinder einladen muss, die einen selber auch eingeladen haben. So einen Zwang will ich dem Maxi nicht auferlegen. Freundschaften ändern sich schließlich, gerade in diesem Alter. Aber Karla und Benjamin und Paul nicht einzuladen, dass kam mir dann doch sehr hart vor. Ich stellte mir vor, wie die drei ganz traurig wären und tat Folgendes:

Ich bastelte sechs Einladungen. Dem Maxi hatte ich gesagt, dass er vier Kinder einladen dürfte. Wenn er bei seiner Entscheidung bliebe, würde ich wenigstens zwei seiner Freunde zusätzlich selber einladen, als eine Art Mama-Joker.

Einladung Kindergeburtstag Fußball

Ich ging mit meinen vier Einladungen zum Maxi und sagte: „So, jetzt musst Du Dich entscheiden. Welche vier Kinder möchtest Du einladen? Wir müssen nur noch die Namen auf die Einladungen schreiben.“

Maxi sagte: „Karla, Benjamin und Paul.“

Ich: („????“)

Und nach einer kurzen Pause: „Ooookay. Und sonst noch jemanden?“

Maxi: „Nein.“

Ich:“Aber Du darfst vier Kinder einladen!“

Maxi: „Ich möchte aber nur die drei!“

Ich wünschte, es gäbe ein spannenderes Ende für diese Geschichte, aber das war´s einfach. Wie gerne würde ich Euch verraten, wie ich es geschafft habe, den Maxi unauffällig von meinem Plan zu überzeugen (eine Fähigkeit, die ich bei erwachsenen Männern deutlich besser beherrsche, als bei meinen Söhnen), aber es war nicht mein Verdienst.

Ich habe keine Ahnung, warum mein Sohn seine Meinung geändert hat, aber er blieb dabei.

Tagelang lief ich ihm mit meiner vierten Einladung hinterher, bis er ganz genervt sagte: „Bor, Mama, ich MÖCHTE nur diese DREI einladen. Wenn Du Geburtstag hast, kannst Du ja ganz viele einladen!“

Heute steigt also Maxis erster Kindergeburtstag. Alle Gäste haben zugesagt. Ich bin sehr glücklich, denn mit nur drei Gästen, wird es doch ein Kinderspiel, oder?

Mamablog Mama Mia

 

 

 

 

 

 

 

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12 Kommentare

  1. Hallo Mia,

    ich musste sehr schmunzeln als ich deinen Artikel gelesen habe. Bei meinem Vierjährigen ist es ähnlich. Er plant schon seit dem Tag nach seinem letzten Kindergeburtstag den nächsten und auf seiner Gästeliste stehen auch diverse Kinder, mit denen er noch nie gespielt hat. Vor allem Vorschulkinder! Vor allem Mädchen! Dies waren auch die ersten, die in sein Kindergartenfreunde-Album schreiben mussten… Mein Mann machte schon Witze, dass der Junge auf reife Frauen stehe. 😉

    Einen wunderbaren Kindergeburtstag für dich und den Maxi wünscht euch
    Anja

  2. Ende gut, alles gut! Ich wünsche Euch wunderbar viel Spaß. Vier Kinder zum 4. Geburtstag ist perfekt! Ich hatte zum 4. Geburtstag der Tochter 12 Kinder. Am nächsten Tag schrieb ich meinen ersten Blogartikel. Weißte Bescheid. Aber das kann Dir ja nicht mehr passieren 😉
    Happy Birthday 😀

  3. Liebe Mia, wir haben momentan das gleiche Thema. Meine Tochter wird in 2 Wochen vier und lädt alle die ein, mit denen sie nur im Kindergarten spielt. Zusätzlich kommt noch ein Kitawechsel erschwerend dazu. Das heißt, alle ihre Freunde aus der alten Kita und natürlich auch noch aus der neuen müssen unbedingt mit von der Partie sein. Das wären dann 8 Kinder und die meisten mit Eltern, da die ja noch nie bei uns waren. Wer auf der Liste fehlt, sind allerdings die Kinder, mit denen wir uns auch nachmittags immer verabreden und ohne die sie eigentlich nicht kann. Ich habe ihr jetzt 5 Kinder erlaubt, die sie auch alleine aussuchen darf. Die anderen, mit denen wir uns immer zum Spielen verabreden und bei denen sie auch auf dem Kindergeburtstag war, werden mit den Mamas zum Brunchen eingeladen. Ich hoffe, dass ich die Situation nun einigermaßen galant gemeistert habe. Die Einladungen gehen heute raus. LG Christiane

  4. mamawunderlich

    ach wirklich herrlich zu lesen das es woanders genauso zugeht.
    Zoe wird anfang januar auch vier, und ich wir sind auch schon in den vorbereitungen. und wir haben doch tatsäääächlich die gleichen themen hier.
    und neulich als ihr paul da war und nicht das mit ihr spielen wollte, was sie wollte, hieß es auch gleich „Dann lade ich dich nicht zu meinem geburtstag ein!“ ….. ach kinnas….

    Habt einen tollen Tag !!!!! :)))

  5. Ach ist das toll, nicht alleine zu sein! 😀 Unser Sohn feiert am Samstag Kindergeburtstag mit seinen 3 liebsten Jungs aus dem Kiga. Bis das feststand hatten wir viel Gesprächstsoff… Unter anderem wollte er alle Kinder aus der anderen Kigagruppe einladen, oder Kinder, mit denen er (meines Wissens) kaum etwas zu tun hat. Ich hab ihm immer wieder gesagt, das wir nur 3 Kinder einladen können und er war relativ schnell davon überzeugt, das es seine 3 liebstebn Spielgefährten werden. 🙂 Was bei uns geplant ist, könnt ihr hier nach lesen: http://lebelieberbunt.de/piratenparty-zum-kindergeburtstag-planung-und-vorbereitung/ ob es dann auch wirklich so wird, entscheiden die Kids. Ich bin schon sehr gespannt auf meinen ersten Kindergeburtstag als Mama. 😀

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